Samstag, 21. Juli 2012

Standpunkt 316 - Nachrichten-Ticker, 20.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...



Flüchtiges, anstrengungsloses Denken führt zu einer politisch konservativen Einstellung
(heise.de/telepolis) Die politischen Konservativen werden es nicht gerne hören, was US-Psychologen herausgefunden haben wollen. Die These ist schlicht die, dass geringe Denkleistungen, die den Dingen nicht auf den Grund gehen, sondern an der Oberfläche stehen bleiben, Konservativismus produzieren sollen, der sich u.a. durch persönliche anstatt systemische oder gesellschaftliche Verantwortung, Akzeptanz von Hierarchien und die Vorliebe für den Status quo auszeichnet. Das würde bedeuten, dass Anhänger von konservativen Parteien eher zur Denkfaulheit neigen, aber auch, dass die konservative Politik entsprechend intellektuell bescheiden formuliert wird. Weiterlesen...

Kommentar: Stimmt die Studie, dann gäbe es viele gute Erklärungen für den Umgang mit der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland in der letzten Dekade oder aktuell der Krise in Europa.


IWF-Ökonom rechnet mit Lagarde ab
(spiegel.de) 20 Jahre arbeitete er beim IWF, zum Abschied zieht der Ökonom Peter Doyle eine verheerende Bilanz über den Fonds. Dieser habe Warnungen vor der Euro-Krise unter Verschluss gehalten, Lagarde sei nicht die richtige Chefin. Er schäme sich, je für die Organisation gearbeitet zu haben. Weiterlesen...

Kommentar: Bestätigt unsere Meinung über den IWF. Nach wie vor sind wir der Auffassung, Dominique Strauss-Kahn wollte den IWF reformieren, d. h. unabhängiger von den US-Interessen machen. Das Ergebnis der Bemühungen kennen wir, die Juristin Lagarde führt jetzt diese Organisation und es ändert sich nichts. Nach wie vor taugt der IWF nicht als Krisenbewältiger.


Auslandsbanken reißen sich um deutsche Sparer
(welt.de) Der Kampf um den Sparer dürfte härter werden. Immer mehr Banken aus dem Ausland werben um deutsche Kunden. Und die haben keine Scheu, ihr Geld von der Sparkasse zu einer ING-Diba zu tragen. Weiterlesen...

Kommentar: Es ist schon verrückt. Da gelten die Deutschen als Sicherheitsfanatiker bei Kapitalanlagen, bevorzugen Lebensversicherungen, Bausparverträge und Bundesschätzchen, legen Wert auf Einlagensicherung und Staatsgarantie. Andererseits tragen sie 114 Milliarden Euro zu ausländischen Banken, allesamt mit schwacher Einlagensicherung und weit weg von irgendwelchen Staatsgarantien. Das Risiko ist sehr gross, dass es diesen deutschen Sparern so gehen wird wie den englischen und niederländischen Kunden der isländischen Banken, denen die Isländer in einem Volksentscheid den Ersatz ihrer Spareinlagen rundweg verweigerten. Ohne Rücksicht darauf, dass der IWF Hilfszahlungen nur gegen die Auflage geleistet hat, diesen Schaden wieder gutzumachen. Die Dummheit der Anleger kennt wirklich keine Grenzen. Für diejenigen die noch zögern haben wir den guten Rat: Finger weg. Selbst von der ING-Diba. Dirk Nowitzki wird sich kaum für Schadenersatz zuständig erklären.


Kleine Depression
(zeit.de) Warum der Vergleich mit der großen Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre (noch) übertrieben ist. Weiterlesen...

Kommentar: Was für eine nutzlose, falsche Analyse. Jeder halbwegs informierte Mensch weiss, dass die Statistiken rund um die Welt auf Schönheit frisiert werden. Darauf eine Untersuchung aufzubauen kann nur einen Grund haben: den der Meinungsmache. Am Beispiel der Arbeitslosenquote in den USA zeigen wir anschaulich, was wir meinen: 




Die US-Arbeitslosenquote liegt auf dem Niveau von 1933. Ähnlich unglaubwürdig sind die anderen Angaben. So wirkt es nicht wirklich krisenabschwächend sondern tatsächlich krisenverschärfend, wenn die krisenbedingten Ausfälle der Wirtschaftsleistung durch gigantische Liquidität ausgeglichen werden, die in der Realwirtschaft nicht ankommen, sich aber trotzdem im BIP niederschlagen. Das ist pure Augenwischerei, die hier betrieben wird.


Die USA stehen an der Klippe
(manager-magazin.de) Die USA stehen am fiskalischen Abgrund, warnen Finanzexperten. Doch der Kongress bleibt gelähmt – kurz vor der Präsidentenwahl ist kein Kompromiss für ein Sparpaket in Sicht. Die weltgrößte Volkswirtschaft hat bei der Fahrt gegen die Schuldenwand die Bremse verloren. Weiterlesen …

Kommentar: Wir weisen schon seit Monaten daraufhin, dass die USA in schlechter Verfassung sind. Trotzdem halten die Finanz- und Wirtschaftskonzerne sagenhafte rund 2 Billionen USD Liquidität vor, für die die Steuerzahler haften, ohne dass sie davon irgendeinen Nutzen haben. Das Gegenteil ist der Fall. Washington muss dieses Geld wieder in den Griff bekommen, um damit Wirtschaftsprogramme aufzulegen, vergleichbar den Massnahmen des New Deals während der Great Depression ab 1933.


Amerika muss zwischen zwei Visionen entscheiden
(handelsblatt.com) Beim US-Wahlkampf stehen die Staatsverschuldung und die soziale Frage im Mittelpunkt. US-Ökonom Lachman sieht die Amerikaner nicht nur für ihr Land wählen, sondern auch für den Kurs der Weltwirtschaft. Weiterlesen...

Kommentar: Natürlich bestimmt das Wahlergebnis der Präsidenwahl auch die Zukunft der Weltwirtschaft. Schliesslich muss Amerika die Welt aus dem Schlamassel holen. Vielleicht zum letzten Mal muss Amerikas Konsumsucht die Weltwirtschaft vor einem frühzeitigen Kollaps retten. Niemand sonst kann diesen Job übernehmen. Nicht Europa, nicht die Schwellenländer. Dazu muss die US-Regierung einige richtige Entscheidungen treffen, die waren während der Amtszeit von Barack Obama leider Mangelware. Möglicherweise bekommt er noch einmal die Gelegenheit, in einer zweiten Amtszeit die Versäumnisse seiner Wahlversprechen in wichtigen Bereichen nachzuholen. Es wäre den Amerikanern und dem Rest der Welt zu wünschen.


Banken wollen Gruppen-Strafe im Libor-Skandal
(wirtschaftsblatt.at) Zinsmanipulation. Im Skandal um Libor-Manipulationen bemühen sich mehrere ins Visier der Ermittler geratene Großbanken um einen Gruppen-Vergleich mit den Regulierungsbehörden. Es geht um Milliarden. Weiterlesen...

Kommentar/Ergänzung: Wir haben es bereits vorhergesagt: Maximaler Schaden soll durch minimale Strafen abgegolten werden. Es wird funktionieren. Die Süddeutsche schreibt treffend: „Bußgeld ja, aber bitte mit Rabatt“ (hier). 


Schweizer Schattenbanken geraten ins Visier der Libor-Ermittler
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Schlüsselperson im Libor-Manipulationsskandal wurde noch bis Mittwoch als Mitarbeiter einer Schweizer Bank geführt. Seit Jahren ist er in der Schweiz tätig. Für die komplett unregulierten Hedge Fonds und anderen Investment-Firmen steigt der Druck auf die Schweizer Finanzregulierer. Weiterlesen…

Kommentar: Neues aus dem Alpen-Hedge-Fonds Schweiz. Wieder einmal mittendrin in den neuen Skandalen, die Schweizer Banker. Wir sehen, auch die hochgelobten Massnahmen der Schweizer Finanzregulierer zeigen nicht die gewünschte Wirkung. Professionell und bestens ausgebildet finden die Banker wieder und wieder die Lücken für ihre kriminellen Machenschaften.


Die EZB ist eine „Untergrundbank“
(welt.de) Scharfe Töne aus Spanien: Außenminister José Manuel Garcia Margallo hat das Verhalten der EZB scharf kritisiert. Die Notenbank unternehme nichts, um das Schulden-Feuer zu löschen. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Der Ton gewinnt wieder an Schärfe. Spanien sitzt die Angst im Nacken. Die beschlossenen Sparmassnahmen sind nicht durchzusetzen, die 100 Milliarden Euro Hilfen reichen nicht. Alleine die Banken benötigen sehr viel mehr, die erste Region, Valencia, sucht Hilfe in Madrid (hier). Wohin das führt? Unter den zu kleinen Rettungsschirm.  


Europa rettet Spanien im Blitztempo
(manager-magazin.de) Rettung im Eilverfahren: Die krisengeschüttelten Banken Spaniens bekommen europäische Finanzspritzen von bis zu 100 Milliarden Euro. Das legten die EU-Finanzminister heute wie erwartet fest. Noch in diesem Monat erhalten die Geldinstitute die erste Tranche. Weiterlesen… 

Kommentar: Welche Rettung? Es gibt keine. Nicht mit 100 Milliarden Euro. Viel zu wenig. Die Spekulanten bleiben deshalb auch unbeeindruckt.


Die Spanier rebellieren – die Regierung spottet
(focus.de) Einseitig, übertrieben, unsozial: Zu Tausenden protestieren spanische Bürger gegen den Sparkurs von Ministerpräsident Rajoy. Während viele kaum noch über die Runden kommen, provoziert die Regierung mit Hohn und Spott. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Die Spanier werden keine Ruhe geben, zu Recht. Die Regierung antwortet nicht nur mit Hohn und Spott, sondern auch mit ungewöhnlicher Härte der Polizei (hier).


Die Reichen verlassen den Süden
(zeit.de) Sie mogeln sich am Fiskus vorbei – und verschlimmern so die Euro-Krise. Weiterlesen…

Kommentar: Eine aufschlussreiche Analyse. Lesenswert. Verwunderlich nur, dass nicht durch geeignete Massnahmen, z. B. Kapitalverkehrskontrollen, diese Geldverschiebung unterbunden wird. Offensichtlich haben Europas Krisenmanager daran kein Interesse.


„Osteuropa reformiert, Südeuropa beklagt sich“
(spiegel.de) Nicht nur die Bundesregierung drängt Griechenland zum Sparen. Nachbarstaat Bulgarien hat wenig Verständnis für die Misere im Süden. Finanzminister Simeon Djankov erklärt im Interview, warum sich sein Land inzwischen als Vorbild sieht - und Bedingungen für den Euro-Beitritt stellt. Weiterlesen…

Kommentar: Bulgarien als Vorbild? Lächerlich. Schon die Aufnahme in die EU war ein Geschenk der Gemeinschaft. Geschuldet der Grossmannssucht Kerneuropas. Bedingungen für den Beitritt zum Euro? Unverschämt. Bulgarien muss durchgefüttert werden, dafür muss das Land nicht in die Gemeinschaftswährung. Der Beitrag zur europäischen Wirtschaftsleistung ist geringst. Sicherlich profitiert Bulgarien im Augenblick von den Repressalien gegen Griechenland. Nur ist die Ansiedlung griechischer Unternehmen endlich, die Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung des Landes bleiben gering. Sobald sich die griechischen Verhältnisse wieder bessern, sind die meisten auch schnell wieder weg.


Österreich: Verstaatlichte Banken brauchen erneut Milliarden
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Hypo Alpe Adria und die KA Finanz brauchen weitere 5,5 Milliarden Euro an österreichischen Steuergeldern. Insgesamt geht man bei den drei verstaatlichten Banken von einem Risiko von bis zu 35 Milliarden Euro aus. Weiterlesen…

Komentar: Weitere Risiken sind schon programmiert. Abbau der „enormen Risiken“ erst in 20 bis 30 Jahren. Verluste werden erwartet. Wir erinnern daran: Für Hans-Olaf Henkel gehört Österreich zu den Ländern, die am Nord-Euro teilnehmen sollen. Für uns ist Österreich hochgradig krisengefährdet. Für das Land ist nicht Südeuropa das grosse Problem, sondern seine milliardenschweren Investitionen in Osteuropa.  


Wirtschaftsweiser fordert Ende der Sparpolitik
(welt.de) Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger will den Krisenstaaten mehr Luft verschaffen – und die strikte Sparpolitik in Europa aufweichen. Flankiert werden soll das von einem noch niedrigeren Leitzins. Weiterlesen…

Kommentar: Bofinger hat Recht. Seine Massnahmen sind jedoch nur die halbe Miete. Die andere Hälfte, wir können es nur immer wiederholen, ist die rigorose Beendigung der Bankenkrise. Ohne Rücksicht auf Rang und Namen. In Deutschland vor allen Dingen betroffen: die Deutsche Bank. Betroffen auch das Nicht-EU-Land Schweiz wegen seiner beiden Großbanken UBS und Credit Suisse. Hier noch einmal die Gründe.

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