Sonntag, 22. Juli 2012

Standpunkt 317 - Nachrichten-Ticker, 21.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...



Instrumente sind da, der Wille fehlt
(zeit.de) Die Euro-Krise ist nur lösbar, wenn Staaten und Banken ihre Schulden in den Griff bekommen, schreibt F. Fichtner. Die Politik kennt die Mittel – aber sie handelt nicht. Weiterlesen...

Kommentar: Immer wieder das gleiche Dilemma: Primär werden die Staatsschulden als Krisen-Ursache ausgemacht, die Banken spielen als Verursacher keine Rolle, eher als Opfer. Deshalb wird auch immer wieder das Pferd von hinten aufgezäumt. Richtig ist: Erst die Banken, dann die Staaten. Nur so kann es funktionieren und nur so lassen sich auch die Menschen auf diesem Weg mitnehmen, der viel Geld kosten wird. Es stimmt, die Politik zeigt sich handlungsunfähig, lässt sich statt dessen von den Lobbyisten der Banken die Massnahmen vorkauen. So geht das nicht.


Die verzerrte Sicht auf Europa
(handelsblatt.com) Die anhaltende Krise in Europa sorgt für Frust in Amerika und auch beim IWF. Europa habe sich mit der Währungsunion übernommen, lauten die Vorwürfe. Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt: Dieses Bild ist verzerrt. Weiterlesen...

Kommentar: Die Amerikaner vergessen gerne, wo die Krise ihren Anfang genommen hat. Tatsächlich ist Washington insgeheim froh darüber, dass diese europäische Krise immer noch nicht zu Ende ist. Beginnt Europa damit sie zu lösen, dann kommen auf die US-Banken grösste Probleme zu. Der IWF muss kaschieren, dass er als Krisenhelfer wieder einmal versagt. Übrigens, für viel gravierender und deshalb auch für aussagefähiger als den Vergleich der Staatsschulden halten wir die Gegenüberstellung der Arbeitslosenquote: Die USA bewegen sich dort absolut auf südeuropäischem Niveau, selbst bei der Jugendarbeitslosigkeit. Für dieses Versagen muss ein Sündenbock her ...    


„Wir müssen endlich raus aus der Erpressbarkeit“
(zeit.de) Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel fordert im Interview mit dem Tagesspiegel ein härteres Vorgehen gegen Banken. Gier, Frechheit und Betrug dürften sich nicht lohnen. Weiterlesen...

Kommentar: Die SPD ist tief verstrickt in die Verantwortung für die Krise in Europa. Rot-Grün-Schwarz-Gelb war es, die durch die vollständige Öffnung des deutschen Finanzmarktes die Büchse der Pandora geöffnet haben, statt damals schon die Bremse reinzuhauen. Zauberlehrling der SPD in den parteiübergreifenden Gesprächen war ihr „bester Mann“, Jörg Asmussen, heute bei der EZB in führender Position. Der Geist ist aus der Flasche und will nicht mehr zurück. Erpressbarkeit? Nein, die Politik beugt sich nur dem Diktat der Banken.


„Ich habe Zweifel, ob alle Länder in der Euro-Zone gehalten werden können“
(zeit.de) Ex-Finanzminister Peer Steinbrück rechnet damit, dass einzelne Staaten die Gemeinschaftswährung abgeben müssen. Das gefährde den Euro allerdings nicht grundsätzlich. Weiterlesen...

Kommentar: Noch so ein Brandstifter, der schon mal die Lunte in die Hand genommen hat. Steinbrück weiss, wie alle anderen Austrittsfanatiker, dass ein Austritt oder Rauswurf aus der Euro-Zone nicht vorgesehen ist. Spekuliert wird also im rechtsfreien Raum. Das ist blanker Opportunismus, mehr nicht.  


Jetzt brennt Spanien
(faz.net) Valencia ist zahlungsunfähig. Weitere Provinzen werden bald folgen: Spanien hat nur noch Geld bis zum September – und setzt jetzt aggressiv die Europäische Zentralbank unter Druck. Weiterlesen …

Kommentar: Europa wird zum Fass ohne Boden. Jetzt Spanien, demnächst Italien, Frankreich, usw. 100 Milliarden Euro für Spaniens Banken zeigen bei den Spekulanten keine Wirkung. Längst spekulieren die auf eine Verschärfung der Krise und fachen sie noch zusätzlich an. Alles Absicht: Die Spekulanten verdienen prächtig an der Fortsetzung der Krise und helfen außerdem den USA. Es ist so vorhersehbar.


Immobilienkrise in Spanien: Hausbesetzer hilft Hausbesitzern
(sueddeutsche.de) Wer in Spanien seinen Kredit schuldig bleibt, fliegt schneller aus der Wohnung als Immobilieneigentümer in Deutschland. Ganze Familien sitzen auf der Straße. Noch haben die Spanier viel zu verlieren, um Krawall zu machen. Noch. Weiterlesen...

Kommentar: Zwangsräumungen haben Hochkonjunktur. Staatliche Hilfen gibt es nicht. Die Banken gebärden sich völlig hemmungslos. Eine perverse Situation: Die Spanier haften für die Rettungsversuche an ihren Banken, die im Gegenzug täglich Hunderte Menschen zwangsräumen lassen. Genau die Banken, die den Schuldnern früher „die Kredite förmlich nachgeworfen“ haben. Dahinter stand ein globales System/Kartell. Schon wird über Massenobdachlosigkeit spekuliert. Der Druck der Strasse nimmt zu, die Gewalt in der Folge auch.  


Banken sind „too big to manage“
(tagesanzeiger.ch) Der Libor-Skandal stösst – hoffentlich nicht nur in Grossbritannien – eine neue Debatte über das Für und Wider von integrierten Grossbanken an. Weiterlesen...

Kommentar: Hört auf zu quatschen, zerschlagt sie endlich. Über das Wie muss ebenso wenig diskutiert werden wie über das Wann. Warum? Für den US-Finanzminister Geithner sind die Banken „too big to jail“, das muss sich dringend ändern.    


China will fünf AKW in Großbritannien bauen
(derStandard.at) „Die Chinesen haben das Geld und die Erfahrung“ – Auch französischer Konzern zeigt Interesse. Weiterlesen…

Kommentar: Jetzt auch das noch, chinesische AKW’s in Europa. In diesem Zusammenhang fällt uns der chinesische Beitrag zum Bau eines Stahlwerkes von ThyssenKrupp in Brasilien ein: Ausfälle schon kurz nach der Fertigstellung und seit dem ständige Probleme bis hin zu wochenlangen Totalabschaltungen. Das Risiko für Europa durch die Kernkraft steigt ins Unermessliche, wenn China diese Atomkraftwerke in Grossbritannien baut. Uns raubt der Gedanke daran den Schlaf.