Mittwoch, 25. Juli 2012

Standpunkt 322 - Nachrichten-Ticker, 24.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...

Vorab noch einmal unsere Warnung: Die aktuellen Nachrichten zeigen klar und deutlich, wo die Reise in den nächsten Wochen und Monaten hingeht: von der Finanzkrise zum Finanzkollaps. Die Banken betrügen unvermindert weiter, zwingen die Staaten in die Haftung und befeuern so weiter die Staatsschuldenkrise. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Entwicklung hilflos gegenüber, schlimmer noch, sie verspielen das Volksvermögen ihrer Länder. Sie werden zu einem Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos. Am Ende bleiben nur einige wenige Reiche übrig.

Wer ernsthaft beabsichtigt, sich gegen Financial Repression und eine spätere Enteignung zur Wehr zu setzen, der muss jetzt handeln, nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Dann wird es zu spät sein. Gerade ist es noch 5 vor 12, dann ist es schon 5 nach 12.

Gerne sind wir dabei behilflich, die Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Wir garantieren eine unabhängige Beratung, weit weg von eigenen Interessen an Provisionen für irgendwelche nutzlosen Anlageprodukte. Wir bekämpfen die Finanzindustrie, deren Angebote empfehlen wir nicht. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.   


Transantlantische Triple-A-Verschwörung
(sueddeutsche.de) Moody’s warnt Deutschland vor einer Verschlechterung der Bonität – und heizt damit Verschwörungstheorien an: Schreiben die Rating-Agenturen den Euro kaputt? Auffällig ist, dass die amerikanischen Bonitätsprüfer Fehlentwicklungen in den USA und Japan oft ignorieren. Klar ist auch: Die Risiken für Deutschland in der Euro-Krise sind gewaltig. Weiterlesen...

Kommentar/Erklärung: In einigen Monaten werden wir wissen wer Recht hat. Die angeblichen Verschwörungstheoretiker oder der Rest. Nach der allgemeinen Definition gehören wir zu den Verschwörungstheoretikern. Wir haben schon mehrfach unsere Meinung über den Währungskrieg Dollar versus Euro erläutert: hier und hier. Wir raten dringend dazu, dort nachzulesen.

Die F.A.Z. interpretiert ganz selbstverständlich die fehlende Reaktion auf die drohende Herabstufung als „die schwindende Macht der Ratingagenturen“ (hier) und behauptet „Ratingagenturen sind längst nicht so wichtig, wie sie schon mal waren“. Als ob das Verhalten der Anleger von Bedeutung ist. Deren Dummheit ist grenzenlos. Gefährlich sind die Spekulanten, denen nützen die Drohungen gegen Deutschland, Niederlande und sogar Luxemburg. Was die F.A.Z. schreibt, nennen wir einen Gefälligkeitsartikel.

„Was Moody’s konkret an Deutschland stört“ schreibt „welt.de“ und versucht zu begründen, warum „trotz der Ratingwarnung durch Moody’s“ der Bund „ein sicherer Hafen“ bleibt. „Je schlechter die Kreditwürdigkeit, desto höher die Zinsen: Deutschland stellt diese Theorie auf den Kopf“ (hier). Wirklich ein geschickter Schachzug. Bis die Wirklichkeit diesen Artikel einholt, ist er längst in der Versenkung verschwunden. Wir werden es beobachten und darüber berichten.   


Die Willkür der Rating-Agenturen
(zeit.de) Egal, wie es einem Land wirklich geht: Ab einem gewissen Rating wird die Lage hoffnungslos. Eine Studie zeigt, wie die Rating-Agenturen die Krise verschärfen. Weiterlesen...

Kommentar: Klingt schon anders wie bei F.A.Z. und „welt.de“. Eine wirklich aufschlussreiche Studie. Leider nur in Englisch verfügbar. Aber dieser Artikel tut es auch. 


Staatsanleihen: Es gibt keine Sicherheit mehr
(handelsblatt.com) Wer sein Geld sicher anlegen will, kauft Staatsanleihen. Eine ganze Generation von Anlegern hat daran geglaubt. Es war ein Trugschluss. Seit der Schuldenkrise wird das klar. Selbst an Deutschland wird gezweifelt. Weiterlesen...

Kommentar: Eine sehr ausführliche Analyse. Sehr gut auch die ergänzenden Informationen zur Verschuldung der Euro-Länder und zu den verschiedenen Staatspleiten. Nicht glücklich sind wir über den lockeren Umgang mit der Staatspleite als Krisenlösung. Kaum tröstlich auch, dass die Gefahr groß ist, dass „es den Staat mitreißt“, wenn Banken wanken. Die sogenannte Staatschuldenkrise in Europa ist die direkte Folge einer Bankenschuldenkrise. Die Krise des Euros ist die Folge eines bestens orchestrierten Währungskrieges, der von Spekulanten geführt wird. Die Staatspleiten von Griechenland, Spanien und Italien werden Europa nicht aus der Krise helfen. An der Ursache, der Bankenschuldenkrise, wird sich nämlich nichts ändern.


Moody’s zweifelt an Kreditwürdigkeit mehrerer Bundesländer
(sueddeutsche.de) Gleich sechs Bundesländer verlieren bei Moody’s ihre aktuelle Bonität. Darunter nicht nur finanzschwache wie Berlin. Auch Bayern und Baden-Württemberg sind betroffen. Weiterlesen...

Kommentar: Moody’s macht keine halben Sachen. Den kräftigsten Bundesländern geht es auch gleich an den Kragen. Warum auch nicht, passt bestens ins Bild: Die Krise rückt in die Mitte Europas. Bayerns Regierung wird weiter Gift und Galle spucken gegen die europ. Rettungsbemühungen und auf dem Austritt Griechenlands beharren, den es eigentlich wegen fehlender vertraglicher Regelungen nicht geben kann.    


Spanien: Brandbeschleuniger EZB
(presseurop.eu) Druck der Märkte, Demonstrationen gegen das Sparpaket, akute Finanznot der Regionen: Das Kabinett Mariano Rajoy hat kaum mehr Handlungsspielraum. Die Europäische Zentralbank, die helfen könnte, scheint einen Rettungsplan unter dem wachsamen Auge der Troika zu bevorzugen, warnt ABC. Weiterlesen …

Kommentar: Spaniens Sicht auf die europäischen Rettungsbemühungen für das Land. Verständlich. Nur werden die Krisenmanager weiter an den nutzlosen Sparprogrammen festhalten, die schon bei Griechenland, Portugal oder Irland nicht funktionieren. Der österreichische Ökonom Erich Streissler fasst das Dilemma in Europa Anfang 2012 so zusammen: “Da die hauptsächlichen EU-Dirigenten von einmaliger Unkenntnis und einmaliger Unfähigkeit sind, kann man nicht sagen wie lange sie mit Täuschungsmanövern in der Öffentlichkeit herumspielen werden.”


Spanien im Realitätsschock
(manager-magazin.de) An den Finanzmärkten wächst das Misstrauen gegenüber Spanien. Auch die Iberer haben realisiert, wie schlecht es um ihre Wirtschaft wirklich steht. Ein Report aus einem Land, das sich grundlegend erneuern muss. Weiterlesen...

Kommentar/Ergänzung: Was dieser Report beschreibt ist schon lange bekannt. Trotzdem hat es nicht verhindert, dass Spanien auf der Agenda der Banken als Investitionsparadies in den vergangenen Jahren bis zur Lehman-Pleite ganz weit oben stand. Das Ergebnis dieser Investitionen wird sehr gut aus der folgenden Grafik ersichtlich: 


Schwer wiegt, dass die Rettung Spaniens verschleppt wurde. Parallel zur Entwicklung in Griechenland waren die Schwierigkeiten Spaniens bereits offensichtlich. Selbst die Medien in Deutschland waren auf diesem Auge nicht blind, wie ein Artikel in der Financial Times Deutschland  vom 15.03.2010 (hier) beispielhaft zeigt.  


Spanien könnte um „abgespecktes Rettungspaket“ bitten
(wirtschaftsblatt.at) Schuldenkrise. Spanien will seine Refinanzierung neu organisieren , in Brüssel geht man davon aus, dass der Regionalrettungsfonds dafür ausreicht. Weiterlesen...

Kommentar: Schon wieder nur halbe Sachen. Rettung als Salamitaktik. Und viel Zeit für die Spekulanten, sich in Stellung zu bringen. Es ist so durchsichtig.  


Griechenland: Die Druckmacher aus Berlin
(zeit.de) Gerade spart Griechenland so hart wie nie zuvor – da entfacht Berlin eine Debatte über einen Euro-Austritt des Landes. Warum? Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Der Artikel schließt mit dem Satz: „Wenn nicht eine Wunder geschieht, wird Griechenland im nächsten Jahr nicht mehr Teil der Euro-Zone sein.“ Zitiert wird der Chefvolkswirt Europa der Citigroup. Der griechische Premier „Samaras rechnet mit Euro-Politikern ab“ schreibt gleichzeitig in Spiegel Online  (hier). „Ich sage es offiziell: Es handelt sich um Untergraber unserer nationalen Bemühungen“, sagte er bei seiner Rede vor einem Parlamentsausschuss. „Wir tun, was wir können, damit das Land wieder auf eigenen Beinen stehen kann, und sie tun alles, was in ihrer Macht steht, damit wir scheitern“, sagte Samaras. Gemeint sind die deutschen Politiker Rösler und Dobrindt. Samaras sagte dazu weiter, er wisse nicht, ob sie es „bewusst oder aus Dummheit“ tun. Andererseits wird im österreichischen Wirtschaftsblatt  Österreichs Finanzministerin Maria Fekter damit zitiert, ein Griechenland-Austritt wird „derzeit nicht diskutiert“ (hier). Scheinbar füllen Deutschlands politische B-Promis mit Griechenland halbwegs das Sommerloch.


„Griechenland Hemmschuh für Euro-Rettung“
(welt.de) Politiker von CDU und FDP lehnen ein weiteres Hilfspaket für Griechenland ab. Drastische Worte findet der FDP-Generalsekretär. Athen sorge dafür, dass Erfolge anderer Länder nicht gewürdigt werden. Weiterlesen…

Kommentar: Noch ein "Sommerloch-Befüller". Für uns beantwortet dieser Artikel eindeutig die von Samaras gestellte Frage, ob „bewusst oder aus Dummheit“ ein Scheitern Griechenlands herbeigeredet wird. Wir verkneifen uns aber die Antwort. Vorläufig. Statt dessen verweisen wir auf zwei Beiträge von uns zu diesem Thema, hier und hier.


Geschichtsstunde mit Gabriel und Schäuble
(sueddeutsche.de) SPD-Gabriel und Finanzminister Schäuble beschuldigen sich gegenseitig, die Finanzkrise ausgelöst zu haben. Die wahren Ursachen der Krise liegen ganz woanders – genauso wie die Ursachen der Debatte. Weiterlesen…

Kommentar: Respekt, dieser Kommentar liegt richtig. Wer noch ein paar Einzelheiten mehr zu den damaligen Auseinandersetzungen um die Öffnung des deutschen Finanzmarktes haben möchte, der wird hier bei uns fündig.


Iren nehmen früheren Chef von Anglo Irish fest
(ftd.de) Als aggressiver Geldgeber befeuerte Anglo Irish die Immobilienblase auf der grünen Insel – bis das Institut spektakulär kollabierte. Erstmals sind nun drei ehemalige Manager der Bank angeklagt – der Ex-Chef sitzt seit Dienstag erneut hinter Gittern. Weiterlesen…

Kommentar: Nach Island nun Irland. Es sind die Kleinen, die Ernst machen. Wo andere Länder sich in vollmundigen Ankündigungen erschöpfen, da setzt Irland in der Eurozone ein Zeichen. Wo das wohl endet? Einen früheren Beitrag von uns zu diesem Thema gibt es hier.


Kaufkraft der Deutschen so niedrig wie 1991
(spiegel.de) Drei Minuten muss jeder Deutsche für eine Flasche Bier arbeiten. Das war auch schon vor 20 Jahren so. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hat sich die Kaufkraft kaum verändert. Die Inflation hat die Steigerung der Nettolöhne aufgefressen. Weiterlesen …

Kommentar: Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen waren da besser dran, wie die folgende Grafik für die Zeit von 2000 bis 2010 zeigt: 

© Hans Böckler Stiftung, 2012

Deshalb ist es auch all’ die Jahre mit der Binnennachfrage in Deutschland nichts geworden, wie ein Vergleich mit Frankreich zeigt: 


China fälscht massiv BIP-Daten und belügt Märkte
(wirtschaftsfacts.de) Man solle die hoch kochenden Diskussionen um eine Manipulation des Libor-Leitzinses getrost vergessen. Viel wichtiger wäre es, wenn Chinas Staatsführung endlich damit aufhören würde, die Finanzmärkte in Bezug auf die eigenen Wachstumsdaten zu belügen. Dieser Ansicht ist der renommierte Newsletter-Autor Larry McDonald. Immer mehr Investoren zweifeln die aus China eingehenden BIP-Daten an, da sie mit den unterliegenden Trends einfach nicht übereinstimmen. Zuletzt äußerten sich auf diese Weise auch Dirk Müller oder Marc Faber. Weiterlesen…

Kommentar: Tja, auch kein Land, wo Milch und Honig fließen. Sieht demnächst nach harter Landung für die chinesische Wirtschaft aus.  


Deutsche Bank erkennt kein Management-Versagen
(handelsblatt.com) Die interne Untersuchung des Liborskandals dürfte ergeben, dass zwei Ex-Mitarbeiter auf eigene Faust handelten. Ein Versagen der Führung gebe es laut Insidern nicht. Wann der Bericht veröffentlicht wird, ist unklar. Weiterlesen…

Kommentar: Aha, zwei Ex-Mitarbeiter. In den USA gilt es längst als Li(e)bor-Scandal (hier), weil alle Beteiligten lügen, dass sich die Balken biegen. Das Ergebnis war vorhersehbar. Andernfalls wäre dem neuen Co-Chef der Bank, Anshu Jain, das Ding schon gleich vor die Füße gefallen, was um jeden Preis verhindert werden muss. Das Ansehen der Bank ist schon völlig ramponiert.