Freitag, 27. Juli 2012

Standpunkt 324 - Nachrichten-Ticker, 26.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Noch einmal wiederholen wir unsere Warnung: Die aktuellen Nachrichten zeigen klar und deutlich, wo die Reise in den nächsten Wochen und Monaten hingeht: von der Finanzkrise zum Finanzkollaps. Die Banken betrügen unvermindert weiter, zwingen die Staaten in die Haftung und befeuern so weiter die Staatsschuldenkrise. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Entwicklung hilflos gegenüber, schlimmer noch, sie verspielen das Volksvermögen ihrer Länder. Sie werden zu einem Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos. Am Ende bleiben nur einige wenige Reiche übrig.

Wer ernsthaft beabsichtigt, sich gegen Financial Repression und eine spätere Enteignung zur Wehr zu setzen, der muss jetzt handeln, nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Dann wird es zu spät sein. Gerade ist es noch 5 vor 12, dann ist es schon 5 nach 12.

Uns geht es nicht um Panikmache oder hanebüchene Verschwörungstheorien, sondern nur darum, unseren LeserInnen den Blick zu schärfen für die weitere Entwicklung.  

Gerne sind wir dabei behilflich, die Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Wir garantieren eine individuelle, unabhängige Beratung, frei von Provisionen für irgendwelche nutzlosen Kapitalanlagen. Für diese Beratungsleistung berechnen wir lediglich eine geringe, einmalige Aufwandsentschädigung. Wir bekämpfen die Finanzindustrie, deren Angebote empfehlen wir nicht. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.   


Wir brauchen wieder gute, alte Banken
(wirtschaftsblatt.at) Das alte Geschäftsmodell der Banken funktioniert nicht mehr. Das Geschäftsmodell einer Bank, denkt der Laie, besteht darin, dass Einlagen der Sparer als Kredit an Konsumenten oder Investoren verliehen werden. Aus der Differenz zwischen den (niedrigeren) Sparzinsen und den (höheren) Kreditzinsen schöpft die Bank ihren Gewinn.

Bis Lehman dürfte das zumindest in manchen Teilen Europas auch gestimmt haben: Österreichische Banken haben das billige Geld österreichischer Sparer in ihren Ost-Töchtern als Kredit vergeben und damit sehr gut verdient.

Jetzt funktioniert das nicht mehr: Weil infolge der Krise die Kreditrückzahlungen immer unsicherer werden und den Banken gleichzeitig von Basel III höhere Kernkapitalquoten abverlangt werden, wird immer weniger Geld verliehen. Und trotz gesunkener Zinsen wird in Österreich (und fast überall sonst) auf Teufel komm raus gespart.

Das überschüssige Geld wird bevorzugt an die EZB verliehen, weil es dort wenigstens sicher ist, wenn es schon kaum Ertrag abwirft. Für die Margen müssen offenbar andere Geschäfte herhalten.

Banken im Westen, die keinen so florierenden Kreditmarkt wie Osteuropa vor der Haustür hatten, haben schon vor Lehman ihre Erfahrungen damit gemacht: Um ihre Erträge zu steigern, haben sie zuhauf in die toxischen Papiere investiert, die von den USA aus die Bankenwelt geflutet haben.
Und die Investmentzweige der Banken wurden nach und nach immer bedeutender als die Kreditabteilungen - schließlich mussten sie nun das Geld verdienen, mit dem nicht nur die Sparzinsen, sondern auch die Dividenden der Aktionäre bedient werden sollten. Weiterlesen...

Kommentar: Wir bedauern nur, dass die öffentliche Meinung in Deutschland noch nicht so weit ist. Leider vergisst der Autor seiner Forderung durch den Vorschlag geeigneter Maßnahmen Nachdruck zu verleihen. Schade. Wir holen das nach. Es gibt nur einen Weg: Finanzkonzerne abschaffen, klar Regulierungen formulieren, eine starke Aufsicht installieren, kriminelle Energie durch entsprechende Straftatbestände bekämpfen.  


„Rösler hat das ausgesprochen, was wir Deutschen wollen“
(focus.de) Rösler macht sich unbeliebt in Griechenland und dem Bundestag: Die FOCUS-Online-User sind geteilter Meinung und diskutieren heftig über seine „Grexit“-Aussage und die Forderungen nach seiner Entlassung. Weiterlesen...

Kommentar: Ein Stimmungsbild der Deutschen. Dazu fällt uns das folgende Zitat ein: „Immer wieder behauptete Unwahrheiten werden nicht zu Wahrheiten, sondern was schlimmer ist, zu Gewohnheiten“ (Oliver Hassenkamp, dt. Kabarettist und Schauspieler). Niemand stört sich daran, dass es einen Austrittsmechanismus gar nicht gibt. Scheinbar sollen die Griechen nur lange genug gemobbt werden, bis sie endlich ihre Beine in die Hand nehmen und freiwillig gehen. Nur wohin? 


Citigroup erwartet Griechenlands Euro-Austritt zum 1. Januar 2013
(focus.de) Die US-Großbank Citigroup rechnet fest mit einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Die Wahrscheinlichkeit für einen „Grexit“ innerhalb der kommenden 12 bis 18 Monate liegt einer aktuellen Studie zufolge bei 90 Prozent. Weiterlesen...

Kommentar: Dieses Statement ist für uns keine Überraschung. Schon seit vielen Wochen trommeln die Amerikaner gegen die Euro-Zone, ziehen alle Register, um Europa zu diskreditieren, vor allen Dingen aber den Euro nachhaltig zu schwächen. Wer sich dafür interessiert, der sollte über einen längeren Zeitraum beispielsweise www.zerohedge.com beobachten. Das von der Citigroup-Studie angenommene Szenario für die Folgen eines „Grexit“ beruht auf äußerst positiven Annahmen und wir halten es für unseriös. Schon wieder spielt keine Rolle, dass ein Austritt aus der Eurozone vertraglich nicht vorgesehen ist.  


Griechen kürzen Pensionen drastisch
(derStandard.at) Finanzminister Stournaras präsentiert der Troika Athens Sparvorhaben. Derweil heben die Griechen fleißig Geld ab. Weiterlesen...

Kommentar/Ergänzung: Die Griechen quetschen sich aus, um jeden Preis. „sueddeutsche.de“ nennt den Grund: „Neues Milliarden-Sparprogramm soll Troika besänftigen“ (hier). Die „Grexit“-Diskussionen in Deutschland zeigen Wirkung. Gerade hat der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) noch einmal nachgelegt: „Söder will an Griechenland ein Exempel statuieren“ meldet „welt.de“ (hier). Was Söder meint: „Wenn wir jetzt nicht an Griechenland ein klares Exempel statuieren, also sagen, wer nicht die Reformen erfüllt, der muss raus aus der Euro-Zone, dann ist die ganze Euro-Zone nichts anderes mehr als eine große Umverteilungsgemeinschaft“. Auch Söder stört sich nicht daran, dass es einen Austritt ebenso wenig gibt, wie einen Rauswurf. Aber: Wie immer müssen die Schwächsten und Wehrlosen dafür bezahlen.     


Think Tank: Bailout für Spanien würde bis zu 650 Milliarden Euro kosten
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Spanien ist das größte Sorgenkind. Um Spanien bei untragbaren Zinssätzen drei Jahre mit einem Rettungspaket zu unterstützen, wären bis zu 650 Milliarden Euro notwendig, schätzt der Think Tank Open Europe. Doch vor Mitte 2013 stünden Finanzmittel in dieser Höhe gar nicht zur Verfügung. Und auch eine Intervention der EZB wäre nicht ausreichend. Weiterlesen…

Kommentar: Gestern haben wir geschrieben: „Das Land benötigt nach unserer vorläufigen Schätzung mindestens 300, eher sogar 500 Milliarden Euro, um seine größten Probleme in den Griff zu bekommen.“


Die EZB lässt ihre Muskeln spielen
(fuw.ch) Draghi will alles tun, um den Euro zu erhalten und sorgte für Euphorie im Markt. Dieser sieht schon die nächste LTRO kommen. Auch für die Banklizenz des ESM scheint die Tür einen Spalt breit offener. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Die EZB tut alles, um die Banken mit Liquidität zu versorgen, koste es was es wolle. „EZB-Chef Draghi verspricht Rettung um jeden Preis“, überschreibt „handelsblatt.com“ einen Artikel (hier). Das erinnert uns sehr an die Anfänge der Krise in Europa. „Hilfe für arme Länder“ heißt es am 18.02.2009 bei „sueddeutsche.de“ (hier). Ein Auszug: „Die Europäische Währungsunion gerät wegen der   Finanzprobleme   einiger   Mitglieder   unter Druck.   EU-Wirtschaftskommissar   Joaquín Almunia   und   Bundesfinanzminister   Peer Steinbrück  (SPD)   sagten,   man  werde   nicht umhinkommen,   einige   Länder   im   Notfall   zu unterstützen. Damit könnten auf Deutschland Zahlungen in Milliardenhöhe zukommen. Vor   allem   Griechenland,   Irland,   aber   auch Italien   haben   angesichts   einer   immensen Verschuldung   und   der   sinkenden Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten, Kredite auf den internationalen Kapitalmärkten zu bekommen. Schon heute müssen sie deutlich höhere Zinsen auf ihre Staatsanleihen bezahlen als etwa Deutschland, das die höchste Bonität in ganz Europa genießt.“ Im Dezember 2009 wird Griechenland als Pleitekandidat gehandelt (hier). D. h., die aktuellen Aussagen sind nicht besonders zuverlässig. 


Moody’s knöpft sich deutsche Banken vor
(derStandard.at) Moody’s dreht frisch weiter an der Abstufungsspirale. Nun sind die deutschen Banken dran mit negativem Ausblick. Weiterlesen …

Kommentar: Schon Mitte Januar 2012 heißt es bei uns: „Deutschlands Triple-A Downgrade wird regelrecht zelebriert“ (hier). Am Schluss des Beitrages haben wir geschrieben: „Nichts wird Deutschland oder die anderen ebenfalls betroffenen Staaten vor der Herabstufung bewahren. Es ist längst beschlossene Sache. Und kommt, so sicher wie das Amen in der Kirche.“  


Moody’s senkt Ausblick für die „Spuerkess“
(wort.lu) Nach Herabstufung im Juni nun negativer Ausblick. Weiterlesen...

Kommentar: Moody’s geht gründlich vor und lässt nichts aus. Hinter der „Spuerkess“ steht der Luxemburger Staat, vor diesem Hintergrund ist die Herabstufung schon ein starkes Stück. Und ein Indiz für eine abgekartete Sache. Da ist die Reaktion auf den negativen Ausblick der US-Ratingagentur durch die Luxemburger EU-Kommissarin Viviane Reding (hier) nur ein Sturm im Wasserglas.


Gehälter in Deutschland: 11% bekommen nicht einmal Mindestlohn
(spiegel.de) Mehr als jeder zehnte deutsche Arbeitnehmer verdient nicht einmal 8,50 Euro pro Stunde – betroffen sind Minijobber und Teilzeitkräfte, aber auch viele Vollzeitbeschäftigte. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Weiterlesen...

Kommentar: Das ist Teil des deutschen Erfolgsrezeptes für einen prosperierenden Export. Folge der Agenda 2010. Was wir meinen zeigt diese Grafik: 



Deutschland bildet mit der Schweiz das Schlusslicht. Nur bewegen sich die Schweizer Gehälter im Vergleich zu Deutschland auf einem sehr viel höheren Niveau und die Lohnerhöhungen fallen deshalb dort regelmäßig niedriger aus. 


Krise erreicht die Deutschen
(spiegel.de) Ob Siemens, BASF oder die Bahn – die Krise trifft Deutschlands Konzerne. Bisher machen die meisten Unternehmen zwar noch Gewinne. Doch die Aussichten verschlechtern sich rapide. Geht das deutsche Wirtschaftswunder zu Ende? Und wie stark bekommen die Arbeitnehmer die Krise zu spüren? Weiterlesen…

Kommentar: Nicht wirklich erhellend. Eher nach dem Motto „ja, aber“. Der Autor drückt sich um eine klare Aussage. Wir nicht. Die behaupteten glänzenden Geschäfte mit den Schwellenländern können nun einmal nicht die Rezession in Europa ausgleichen. Das würde nur funktionieren, wenn Amerika und Europa auf gleichbleibend hohem Niveau die Waren abnehmen, die in diesen Ländern produziert werden, was in Amerika schon länger, in Europa seit 2012, nicht mehr passiert. Zu China bitte unser Dossier lesen (hier). Zu Brasilien bitte hier und zu Indien hier lesen. Da helfen keine Gesundbetungen mehr.


In den Niederlanden droht eine Immobilienblase zu platzen
(diepresse.com) Lange galten die Niederlande als Hort der Stabilität. Doch nun rutscht auch das Land der Tulpen und des Goudakäses immer tiefer in die Krise. Laut einer Schätzung droht ein Abschreibungsbedarf von 37 Mrd. Euro. Weiterlesen…

Kommentar: Keine rosigen Aussichten für den Nord-Euro, Herr Henkel. Es ist vorbei. Holland reiht sich ein in die Krisenländer.


Ökonomische Konsenssoße mit viel Licht und viel Schatten
(nachdenkseiten.de) Mit Spannung wurde der erste Bericht des „Expertenrats“ des Insitute for New Economic Thinking (INET) zur Eurokrise erwartet. Schließlich zählen einige der Mitglieder dieses Rats (z.B. Peter Bofinger, Daniel Gros oder Paul de Grauwe) nicht zu Unrecht zu den ausgewiesenen Vertretern der Ökonomenzunft. Nun liegt der Bericht vor und selbst bei wohlwollender Betrachtung stellt er leider bestenfalls eine mittlere Enttäuschung dar. Obgleich das Papier einige durchaus bemerkenswerte Vorschläge zur Lösung der Eurokrise beinhaltet, die durchaus in die richtige Richtung gehen könnten, ist es auch von neoliberalen Mainstream-Plattitüden durchzogen und geht am realwirtschaftlichen Kern der Krise weitgehend vorbei. Es ist unverständlich, warum kritische Ökonomen wie etwa Peter Bofinger ein solches Papier unterzeichnet haben. Von Jens Berger. Weiterlesen…

Kommentar: Wir waren mit unserer Kritik an dem Masterplan des INET zurückhaltend. Jens Berger ist da weniger zimperlich. Trotzdem sieht auch er gute Ansätze. Einfach mal lesen.    


Libor-Skandal: Das Gerangel der Kronzeugen
(tagesanzeiger.ch) Schon vor dem Auffliegen des Libor-Skandals boten sich die Banken den Ermittlungsbehörden reihenweise als Kronzeugen an. Im Buhlen um Straffreiheit waren UBS und Deutsche Bank besonders erfolgreich. Weiterlesen…

Kommentar: Dazu sagen wir kein Wort, vorläufig.  


Bafin will noch keine Konsequenzen ziehen
(handelsblatt.com) Konsequenzen hat der Skandal für die deutschen Banken noch keine. Doch die Bafin macht deutlich: Es wird sich einiges ändern. Die Banken sollen mehr Kapital anhäufen und auch die Ermittlung des Libors muss sich ändern. Weiterlesen…

Kommentar: Was ist mit einer strafrechtlichen Verfolgung? Bleibt wohl wieder den anderen überlassen, zuallererst den USA. Eine Schande ist das. 


Wall Street vor Kunden-Revolte?
(heise/telepolis.de) Tag für Tag kommen neue Details ans Licht, wie die großen Finanzhäuser ihre Geschäftspartner über den Tisch ziehen. Das scheint den Kunden nun langsam zuviel zu werden – jedenfalls ging das Kundengeschäft der Großbanken zuletzt massiv zurück. Weiterlesen …

Kommentar: Das würden wir uns für Deutschland auch wünschen. Der Deutschen Bank und der Commerzbank laufen zu Tausenden die Kunden weg. Ein Festtag wäre das. 


Rolle rückwärts: US-Armut auf Niveau der 1960er Jahre
(wirtschaftsfacts.de) Eine neue Umfrage zeigt, dass die Armutsquote in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr abermals einen deutlichen Sprung nach oben machen dürfte. Wenn im Herbst die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung für das Jahr 2011 publiziert werden, wird mehrheitlich von einem Sprung der nationalen Armutsquote auf bis zu 15,7% ausgegangen. Damit wären alle Erfolge im Kampf gegen die Armut seit den 1960iger Jahren ausradiert. Eine seit Jahren anhaltende Wirtschaftskrise und eine hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit machen den USA schwer zu schaffen. Weiterlesen…

Kommentar: Die USA erleben gerade einen politischen Stillstand, für den es nach unserer Einschätzung seit Ende des 2. WK keine Entsprechung gibt. Barack Obama hat, nüchtern betrachtet, keines seiner Wahlversprechen eingehalten. Der Erfolg vor dem Supreme Court für sein Gesundheitsprogramm ist nicht wirklich ein Sieg. Es fehlt die Finanzierung und die Republikaner werden weiter mit allen Mitteln dagegen angehen. Obama entschuldigt sich gerne mit den Folgen der Finanzkrise und, natürlich, mit der Krise in Europa, die angeblich die Wirtschaftserholung in den USA verhindert. Tatsächlich halten wir den US-Präsidenten für schwach und wenig durchsetzungsfähig. Trotzdem wünschen wir ihm die Wiederwahl und eine zweite Chance, um einiges noch nachzuholen, was er in seiner ersten Amtszeit versäumt hat. Der Konkurrent, Mitt Romney, bleibt jede Alternative schuldig.

Schon seit der Lehman-Pleite sehen wir die Entwicklung in den USA äußerst kritisch. Die Erosion der Mittelschicht durch die hohe Arbeitslosigkeit, die riesigen, unbezahlbaren Defizite bei den Pensionsfonds, die Millionen Zwangsversteigerungen gegen Hauseigentümer, die Obdachlosigkeit, die hohe Zahl von Food-Stamps-Beziehern und die in diesem Beitrag beschriebene Armut, haben wir immer wieder beschrieben (hier, hier, hier und hier, Pos. III). Der Boden ist noch nicht erreicht.

Auf der anderen Seite sind wir felsenfest davon überzeugt, dass es die USA sind, die noch einmal die darbende Weltwirtschaft anschieben werden. Die Schwellenländer (Brasilien, Russland, Indien und China) sind es definitiv nicht, Europa fällt ebenfalls aus. Vor allen Dingen deshalb, weil es die Bundesrepublik Deutschland seit ihrem Bestehen noch zu keiner Zeit geschafft hat, eine robuste Binnennachfrage zu erzeugen, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der jeweiligen Regierung und ihrer willfährigen Handlanger bei den diversen Instituten in München, Nürnberg, usw.

Über 80% der US-amerikanischen Wirtschaftsleistungen entstehen durch Konsum. Weil der seit der Finanzkrise schwächelt, kommen auch die Schwellenländer nicht mehr vom Fleck, beziehungsweise rutschen sogar in eine nachhaltige Rezession. Ohne globale Wirtschaftskreisläufe, keinen Wohlstand zu Hause. Chinas Industrie produziert auf Halde, davon sind wir überzeugt. Für die Statistik wird gezählt, was die Fabrikhallen verlässt und in Containern verpackt in den Häfen steht, auf Schiffen über die Weltmeere spazieren fährt. Statistiken sind nun mal geduldig.

Also ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die US-amerikanische Politik endlich die richtigen Entscheidungen trifft und einen New Deal 2.0 auf den Weg bringt. Wer bis dahin dort nicht investiert ist, der hat das Nachsehen. Europa steht dann nämlich immer noch mit beiden Beinen knietief in seiner Krise, während die USA dann schon wieder Gas geben und sich an die Spitze der Weltwirtschaft setzen. Selbst die Chinesen setzen auf dieses Pferd, nicht zuletzt im Interesse ihrer riesigen Währungsreserven in US-Dollar die sie noch dringend brauchen werden, um ihre eigenen Probleme in den Griff zu bekommen. Europa spielt da erst einmal keine Rolle.

Wer in Deutschland seine Ersparnisse, bzw. sein Vermögen, vor Financial Repression, Enteignung oder unerwarteten Verlusten zu Hause schützen will, der muss sich zwangsläufig mit dieser Entwicklung hinter dem Großen Teich beschäftigen. Da spielt demnächst wieder die Musik. Garantiert.

Wieder sind es die Chinesen, die diese Entwicklung erkannt haben und große Summen in den USA investieren (hier). Dazu noch ein Auszug aus unserem China-Dossier (hier): „Jetzt sind auch die USA dran. Es reicht China nicht mehr nur, das US-Haushaltsdefizit zu finanzieren. Im US-Bundesstaat Idaho soll ein chinesischer Brückenkopf entstehen. Der chinesische Staatskonzern China National Machinery Industry Corp. will in der Nähe der Provinzhauptstadt Boise auf einer Fläche so groß wie Amsterdam (129 Quadratkilometern) eine autarke Industriestadt errichten. Geplant sind Fabriken, Lagerhallen, Großhandelszentren, Logistik, komplette Wohngebiete mit eigener Energieversorgung. US-Medien sprechen schon von einer Sonderwirtschaftszone, vergleichbar Shenzhen oder Xiamen in China. In Shenzhen leben heute 14 Mio. Menschen, in den 1970er Jahren war es nur ein kleines Fischerdorf. „China hat sich zu einer Invasion der USA entschlossen, (…) mit einer Armee von Arbeitern, die eine eigene Freihandelszone errichten werden“, so ein Kritiker. Idaho geht es mittlerweile so schlecht, dass mit nennenswerten Widerständen von den einheimischen Politikern nicht zu rechnen ist. Der örtliche Wirtschaftsminister wird mit dem Satz zitiert: „Die Chinesen schauen sich nach einem Brückenkopf in den USA um, Idaho ist bereit, einen anzubieten.“ Weitere chinesische Delegationen sind in Ohio, Michigan und Pennsylvania unterwegs. Idaho hat aber die besten Chancen, das Versuchslabor für eine neue Außenwirtschaftsstrategie gegenüber den USA zu werden.