Samstag, 28. Juli 2012

Standpunkt 325 - Nachrichten-Ticker, 27.07.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Es ist Abstufung – und keiner geht hin
(wirtschaftsblatt.at) Man hat erkannt, dass auch die Ratingagenturen nur mit Wasser kochen. Weiterlesen...

Kommentar: Das erinnert doch sehr stark an die mediale Kleinschreibung des Triple-A-Verlustes der USA im Sommer 2011. Die wurde unisono klein geredet, während sich die US-Staatsanleihen-Zinsen kaum bewegten, weil die Käufer, hauptsächlich FED, Bank of England, PBoC, Bank of Japan, die Zinsen in einer „konzentrierten“ Aktion niedrig hielten und bis heute halten.


Rating-Agentur hält Deutschland-Pleite für möglich
(welt.de) Die europäische Staatsschuldenkrise macht vor Deutschland nicht halt. Eine Ratingagentur erwartet eine finanzielle Überforderung Deutschlands und hält eine Staatspleite für ein denkbares Szenario. Weiterlesen...

Kommentar: Egan-Jones nimmt sich Deutschland zur Brust. Die Annahmen für diese Einschätzung halten wir aber für nicht schlüssig.  


„Wir werden alles tun, um die Euro-Zone zu schützen“
(spiegel.de) Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Hollande haben ein gemeinsames, klares Bekenntnis zum Euro abgegeben. Deutschland und Frankreich seien entschlossen, die Währungsunion auf jeden Fall zu erhalten. Die Erklärung könnte ein Hinweis auf eine neue Rettungsaktion sein. Weiterlesen...

Kommentar: Auf diese Erklärung würden wir kein Haus bauen. Nach Mario Draghi (hier) nun auch die Achse Berlin – Paris mit einer Ehrenerklärung für den Euro. Die Vorbereitung für eine weitere Rettungsaktion für die europäischen Banken.  


EZB und EFSF bereiten Italien und Spanien-Hilfe vor
(wirtschaftsblatt.at) Der europäische Rettungsfonds und die EZB bereiten eine koordinierte Aktion vor, um Spanien und Italien zu helfen. Weiterlesen…

Kommentar: 300 Milliarden Euro Hilfen alleine für Spanien müssen irgendwo herkommen. Wir sind jetzt schon gespannt, wie weit die Spardiktate gehen, die den Spaniern abgepresst werden. Die natürlich nicht umgesetzt werden können, was allen bekannt ist, aber keine Rolle spielt. Die Außenwirkung ist entscheidend: Sparen, sparen, sparen wird in Europa als die einzig wahre Lösung akzeptiert.


IWF-Vertreter hielten Griechenland-Paket von Anfang an für unmöglich
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Ein griechischer Ökonom kritisiert, dem IWF wäre stets bewusst gewesen, dass das geplante Sparprogramm nicht umsetzbar sei. Dabei saß der Kritiker selbst den Entscheidungen bei und unterstützte sämtliche Maßnahmen. Weiterlesen…

Kommentar: Der IWF bleibt auch unter Madame Lagarde ein Sauhaufen. Der treu daran festhält, noch nie in seiner langen Geschichte einen übernommenen Job ordentlich erledigt zu haben.


Spaniens Arbeitslosigkeit so hoch wie 1976
(spiegel.de) Im Tourismus herrscht Hochkonjunktur, trotzdem ist die Arbeitslosenquote in Spanien auf Rekordniveau gestiegen. Im zweiten Quartal lag sie bei fast 25 Prozent – so hoch wie seit 36 Jahren nicht mehr. Vor allem bei Jugendlichen ist die Lage katastrophal: Mehr als jeder zweite hat keinen Job. Weiterlesen...

Kommentar: Dabei hat Spanien mit dem Sparen noch gar nicht richtig angefangen. Was passiert erst dann? Das Chaos gewinnt.  


Lettland fordert Athen zu Euro-Austritt auf
(handelsblatt.com) Griechenland soll die Euro-Zone verlassen und das „so bald wie möglich“, fordert der lettische Finanzminister Andris Vilks. Damit erhält die Debatte nach Röslers umstrittenen Äußerungen neuen Zündstoff. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Eine Unverschämtheit. Lettland ist nicht Mitglied der Eurozone und fordert zum Rechtsbruch auf. Weder Austritt noch Rauswurf sind lt. Vertrag möglich. Spielt keine Rolle, es geht nur darum „dicke Backen“ zu machen. Vermutlich eine Auftragsarbeit für die USA. Wir dürfen bei dieser Gelegenheit aber daran erinnern, dass den Letten unmittelbar vor dem Staatsbankrott von der EU und dem IWF sehr günstige Kredite zur Verfügung gestellt wurden, von denen die Griechen nur geträumt haben. Das Geld der EU gab es für 3,125 bis 3,375%, das des IWF sogar für nur 2,11 bis 2,67%. Ein Darlehen der skandinavischen Länder gab es ebenfalls für um die 3%. So wurde Lettland vor dem Bankrott gerettet. Und sparte sich Hunderte Millionen Euro, die es auf den Finanzmärkten sonst an höheren Zinsen für im eigenen Namen ausgegebene Anleihen ausgeben müsste. Griechenland muss mindestens ruinöse 6,5% bezahlen. „Es ist schon paradox. Wir helfen Nicht-Euro-Ländern wie Lettland mit billigem Geld, den Kopf über Wasser zu halten. Aber Griechenland verweigern wir dies. Der Grund ist einfach: Die Deutschen wollen es nicht“, wird ein hoher Regierungsvertreter eines EU-Landes zitiert. Aus „EU hilft Lettland – aber Griechenland nicht“, am 07.04.2010 bei „welt.de“ (hier). Lettland ist für die EU wirtschaftlich völlig uninteressant, die Wirtschaftsleistung kaum messbar, bestenfalls politisch ein bisschen von Bedeutung. Wir nennen es Landgewinn.  



US-Wirtschaft taumelt Richtung Abgrund
(handelsblatt.com) Hohe Arbeitslosigkeit, kaum Vertrauen in die Zukunft: Das Wachstum der US-Wirtschaft hat sich im vergangenen Quartal abermals abgeschwächt. Wie lange wird die Notenbank Fed dem Siechtum noch zuschauen. Weiterlesen...

Kommentar: Wenigstens mehr Wahrheit als die, die regelmäßig in den Statistiken erscheint. Im Sinne unserer den USA zugedachten Lokomotivfunktion für die Weltwirtschaft bleiben wir zuversichtlich.  


46,5 Million  Americans, Record 22,3 Million US Households, On Foodstamps
(zerohedge,com) America's transition into a welfare state continues, as May saw a new all time high number of American households, 22.3 million to be exact, enter technical poverty and collect foodstamps. At the individual level, 46.5 million Americans lived off foodstamps, a 222,157 increase in the month, or nearly three times the number of people who found jobs in June according to the BLS. More...

Kommentar/Ergänzung: Nach einer kleinen Stabilisierung in den Monaten davor jetzt wieder eine leichte Zunahme. Inoffizielle Schätzungen gehen nach wie vor von rund 60 Millionen Amerikanern aus, die eigentlich Anspruch auf diese Leistungen hätten. Seit Beginn der Finanzkrise, in den USA schon 2005, hat sich die Zahl der Empfänger in einem atemberaubenden Tempo erhöht. Mittlerweile hat sich der Anstieg stark verlangsamt, trotzdem erwarten wir in den kommenden Monaten eine weitere Zunahme.  

© zerohedge.com


In Q2 America Added $2,33 in Debt For Every $1,00 In GDP
(zerohedge.com) As noted before, courtesy of the GDP revision, all the kneejerk reactions in the past 3 years to various GDP headlines (preliminary, first and final revisions at that), were all for nothing. In fact, today's GDP number will be revised and re-revised in the next two months, then re-re-re-revised at the annual revisions in 2013, 2014 and 2015. In other words, the number after (and likely before) the decimal comma is irrelevant. One thing however stands, and that is the trendline change in actual GDP compared to the change in debt used to "buy" said GDP. More…

Kommentar: Verrückt, oder? Für 1,00 $ Wirtschaftsleistung macht Amerika 2,33 $ Schulden. Das System ist schwer krank und muss dringend erneuert werden. Wie gut könnte es Amerika gehen, wenn die knapp 2 Billionen $ Liquidität, bereitgestellt zu Lasten der Steuerzahler, die auf irgendwelchen Konten irgendwo auf der Welt nutzlos vor sich hin dümpeln, endlich in der realen Wirtschaft ankommen, wie es von Präsident und Notenbank-Chef immer wieder versprochen wurde? Die Situation noch einmal in realen Zahlen ausgedrückt: im 2. Quartal 2012 stiegen die Staatsschulden um 274,3 Milliarden $, während die Wirtschaftsleistung lediglich um 117,6 Milliarden zugenommen hat.


Weltwirtschaft fährt US-Schock in die Glieder
(manager-magazin.de) Die Weltwirtschaft wankt. Tragende Säulen der Euro-Zone drohen unter der Euro-Rettungslast einzuknicken, Asiens Wirtschaft wächst langsamer – und jetzt droht mit den USA der nächste Stabilitätsanker auszureißen: Auch das US-Wachstum sinkt stark. Weiterlesen…

Kommentar: Schon der einleitende Text des Artikels enthält eine massive Fehldeutung. Es gibt keine „Euro-Rettungslast“, unter der „tragende Säulen der Euro-Zone“ einzuknicken drohen. Deutschlands Verpflichtung bewegt sich bisher im zweistelligen Milliardenbereich, der wiederbelebte staatseigene Bankenrettungsfonds SoFFin ist um ein Vielfaches größer und dient nur dem Zweck, irgendwann zwei Banken zu retten: die Deutsche Bank und die Commerzbank (hier). Die übrigen beschriebenen Krisen-Szenarien sind auch nicht wirklich neu, sondern haben sich schon über Monate hinweg angekündigt, nur wollte das niemand sehen. Die folgenden Dinge werden sehr wahrscheinlich passieren: Die FED packt QE3 aus und flutet damit die einheimischen Banken, in Europa greift die EZB zu ähnlichen Maßnahmen (hier) und in China werden einfach ein paar neue Flughäfen und Trabantenstädte mehr gebaut, die niemand braucht, und Chinas Blase nur noch weiter füllen. Was wir gerade erleben, man muss nur endlich genau hinsehen, ist die Entstehung vieler gewaltiger Blasen. Das Platzen einer einzigen dieser Blasen wird genügen, um aus der eigentlich immer noch beherrschbaren Finanzkrise einen unbeherrschbaren Finanzkollaps zu machen. Mit unabsehbaren Folgen. Wer darauf nicht vorbereitet ist, der wird mit seinen Ersparnissen, bzw. seinem Vermögen, ins Gras beißen, d. h. 1000 Tode sterben. Das ist logisch und auch von denen nachzuvollziehen, die sich nicht im Wirtschaftsteil einer Zeitung zu Hause fühlen. Nur Trottel glauben weiter an Panikmache und Verschwörungstheorie. Von „oben“ ist keine Hilfe zu erwarten (hier), Eigeninitiative ist nötig.

  
„Die Versicherer haben in der Altersvorsorge versagt“
(handelsblatt.com) Der Verbraucherschützer Axel Kleinlein gilt als schärfster Kritiker der Branche. Im Interview verrät er, warum Lebensversicherungen, Riester- und Rürup-Rente nichts taugen und mit welchen Allianz-Vorständen er sich duzt. Weiterlesen…

Kommentar: Der Inhalt spricht für sich. Und dann ist da noch die Vorschrift des § 89 – Zahlungsverbot; Herabsetzung von Leistungen – im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG). Damit geht es der Zukunftssicherung endgültig an den Kragen. Bitte Einzelheiten dazu in unserem Beitrag „Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung – eine Übersicht“ nachlesen (hier). Aber Vorsicht, was dort steht könnte vielen den Schlaf rauben.  


Numerous Top Bankers Call For Break Up of Giant Banks
(washingtonsblog.com) Banking Titans Call for break Up of „Too Big to Fail“. More…

Kommentar: Es ist nicht nur der "Menschenverachter" Sandy Weill, der für die Trennung der Banken trommelt. Die Liste ist lang und gespickt mit klangvollen Namen. Viele Ex-Banker sind dabei, Ökonomen, Regulierer, Aufseher, Notenbanker. 13 Jahre, nachdem Clinton die Unterschrift unter den unseligen Gramm-Leach-Bliley Act gesetzt hat, kehrt in den USA die Vernunft zurück. Es ist ein schleichender, langwieriger Prozess, aber er kommt wenigstens in Gang. Während in Europa sich in dieser Diskussion die unverbesserlichen Liberalisten zu Wort melden, um den Zustand zu bewahren (hier).


„Banken haben die Schranken des Rechts überschritten“
(fuw.ch) Der US-amerikanische Anwalt Michael Hausfeld beklagt im Interview mit „Finanz und Wirtschaft“ die Kultur der Bereicherung. Er geht mit einer Sammelklage wegen Libor-Manipulation gegen die Banken vor. Weiterlesen…

Kommentar: Warum bereiten die Regierungen diesem Treiben nicht ein Ende, so wie es als Folge der Lehman-Pleite auf vielen Konferenzen rund um die Welt vollmundig beschlossen und lauthals verkündet wurde (z. B. hier, hier und hier)? Schon wieder haben sich die Politiker mitschuldig gemacht an „Li(e)bor-gate“, an den Entwicklungen im Derivatehandel, bei den Schattenbanken, usw. Es wird Zeit für ein internationales Tribunal.


Zwangsurlaub in den Bergen
(sueddeutsche.de) Zehntausend Schweizer Bankern bleibt in diesem Sommer wenig anderes übrig, als in den Bergen zu entspannen. Sie werden wohl in der Heimat Urlaub machen – denn im Ausland könnten sie verhaftet und an die USA ausgeliefert werden. Einen Ausweg gibt es nur für ihre Chefs. Weiterlesen…

Kommentar: Die armen Banker. Das ist schon bitter, da müssen sie ihre Erfolgsprämien in der Heimat verprassen, statt sich an einem der schönen Strände weltweit die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Die Amerikaner machen schon lange ernst und verfolgen akribisch ihre Steuersünder, ohne dubiose CDs zu kaufen, einfach mit den Mitteln der Rechtsstaatlichkeit. Die wird nur manchmal kunstvoll in ein themenfremdes Gesetz verpackt, um sie unbemerkt durch die Instanzen zu bugsieren. Die Bestimmungen, mit denen die Amerikaner die Schweizer Banken/Banker unter Druck setzen, wurden im März 2010 in ein Gesetz zur Ankurbelung der Beschäftigung gepackt (Einzelheiten dazu hier, Thema Kapitalverkehrskontrollen). In diesem "Krieg" erhält der Begriff „Heimaturlaub“ wieder eine ganz neue Bedeutung.


China kopiert angeblich Getriebe und Motor von VW
(welt.de) Volkswagens Erfolg auf dem chinesischen Markt hat offenbar auch eine Schattenseite: Ein Partnerunternehmen soll ein Getriebe und einen Motor von VW kopiert haben – und beides nun selbst produzieren. Weiterlesen…

Kommentar: Die Chinesen, Meister des Abkupferns. „Copy and Paste“ auf chinesisch. Das ist Teil der chinesischen Kultur und genießt hohes Ansehen. Möbelläden von IKEA, Apple Stores, ganze Fabriken, jetzt halt Getriebe und Motor. Industriespionage wird in China an einer Universität regelrecht gelehrt. Bedanken wir uns schon einmal bei den Politikern, die es zulassen, dass deutsche Ingenieurleistung in vielfältiger Form ohne Not nach China verkauft wird und im eigenen Land Arbeitsplätze vernichtet. Damit überspringt das Reich der Mitte Jahrzehnte seines Daseins als „Arbeiter- und Bauernstaat“ innerhalb weniger Jahre. Clever.