Sonntag, 29. Juli 2012

Standpunkt 326 - Nachrichten-Ticker, 28.07.

Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...



Standard & Poor’s bestätigte Bestnote für „Union Jack“
(wirtschaftsblatt.at) Trotz Rezession bekommt Großbritannien von der Rating-Agentur langfristig die Bestnote. Weiterlesen...

Kommentar: Das ist vollkommen idiotisch, diese Bewertung. Großbritannien ist bankrott. Schon 2010 wollte das Land den Hafen von Dover an Frankreich verkaufen und sich von der Hälfte seiner Wälder trennen. Nur massive Proteste aus der Bevölkerung haben diese Pläne vorläufig verhindert.

Großbritannien dümpelt bei minus 4% "Wirtschaftswachstum" rum, da soll sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte erholen? In welchem Jahr? Wegen Olympia? Das wären die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit, die für den Veranstalter mit einem Gewinn abschließen. 


Wieder ein politisch motiviertes Rating. Einzelheiten zu den Triple-A Märchen Ratings, auch zu Großbritannien, bitte hier nachlesen. Nach wie vor gültig.  


Irland zeigt Italien und Spanien, wie’s geht
(tagesanzeiger.ch) Die irische Regierung konnte am Donnerstag erstmals seit 2010 wieder Anleihen für 5,2 Milliarden auf dem Kapitalmarkt verkaufen. Auch die ausländischen Investoren sind auf die grüne Insel zurückgekehrt. Weiterlesen...

Kommentar: Klarer Fall von Meinungsmache, dieser Artikel. Leider wird nicht öffentlich gemacht, wer die Anleihen übernommen hat, wäre sicherlich sehr aufschlussreich. Die Investoren kehren zurück, aber: „Irland laufen die jungen Leute davon" (welt.de, 17.06.2010, hier). 100.000 schätzt das Dubliner Economic and Social Research Institute. 40.000 alleine 2011 (br.de, 20.05.2012, hier). Irland ein Musterknabe? Nach wie vor steckt das Land in riesigen Schwierigkeiten. Ein Blick auf die Entwicklung der Industrieproduktion in Europa 2011 klärt, wie es um Irland steht: 


Mittlerweile liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 40%, die Arbeitslosenquote unter Jungakademikern betrug 2011 39% (hier).


Schäuble kritisiert Sinns „Milchmädchenrechnung“
(focus.de) Streit zwischen Star-Ökonom Hans-Werner Sinn und Finanzminister Schäuble: „Milchmädchenrechnungen“ über einen Euro-Austritt Griechenlands helfen niemandem, kritisiert Schäuble. Doch die eigene Partei fällt dem Minister in den Rücken. Weiterlesen...

Kommentar: Warum heißt es immer noch „Star“-Ökonom und mit welcher Begründung? Wer darüber etwas weiß, den bitte um eine kurze Erklärung per E-Mail: der-oekonomiker@email.de. Jedenfalls verstehen wir den Zorn des Bundesfinanzministers. Und Leute wie Michael Fuchs, Hermann Otto Solms, Philipp Rösler, Rainer Brüderle, Alexander Dobrindt, Horst Seehofer, Markus Söder, usw., sind ahnungslose Brandstifter, denen es nicht um eine Lösung der Krise in Europa geht, sondern nur um politisches Profil. Griechenland wird nie ohne fremde Hilfe auskommen, genauso wenig wie Irland oder auch Portugal. Für Griechenland gilt: Selbst Grexit, ein Schuldenerlass von 100% und die vollständige Einhaltung der Sparprogramme machen das Land nicht überlebensfähig. Für diese Feststellung reichen die Grundrechenarten. Einer der Gründe: Die Griechen haben von den Hilfsmilliarden keinen Cent abbekommen (siehe hier und hier). Diese Tatsache wird von den Politikern einfach unterschlagen. Die Deutschen lassen sich wieder einmal zum Narren halten. 

Es funktioniert nie ohne Geld aus Brüssel, nennt sich eben Solidarprinzip. War für Deutschland Jahrzehnte lang kein Fremdwort, sondern wichtiger Teil einer deutschen Erfindung mit dem Namen "Soziale Marktwirtschaft". Die ist nur leider in den letzten Jahren konsequent abgeschafft worden ("Der Putsch von ganz oben", Stern, 21.10.2004, hier). Der „Star“-Ökonom Sinn hat seinen Teil dazu beigetragen.   


Griechenland in oder out?
(heise/telepolis.de) Nicht nur in Deutschland hat die Debatte über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone an Fahrt gewonnen. Weiterlesen…

Kommentar: Eine treffende Beschreibung der Hintergründe und Ziele des wiederbelebten Griechen-Bashings.


Rösler lobt Mini-Jobs als Standortvorteil für Deutschland
(derStandard.at) 400-Euro-Jobs würden „Beitrag zu mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt“ leisten. Weiterlesen…

Kommentar: Ist der Mann noch zu retten? Wir sind uns sicher: Nein. Wahrscheinlich glaubt er den Stuss sogar, den er verzapft. Wir haben vor Monaten im Zusammenhang mit seiner Amtsübernahme schon vom „untalentierten Herrn Rösler“ geschrieben (hier). Wie recht wir haben. Einen Blick auf die Entwicklung der Einkommensarmut in Deutschland genügt. Sie liegt bereits seit Jahren oberhalb der OECD-Armutsrate. 

 
„Wenn Deutschland weiter so diskutiert, zerbricht die Eurozone“
(faz.net) Spaniens Europaminister Mendez de Vigo verlangt mehr Solidarität von Deutschland. Außerdem müsse die Diskussion über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone enden. Das Gerede einiger Politiker darüber sei „sehr gefährlich“. Weiterlesen...

Kommentar: Wen juckt das, Deutschland sucht sein Heil in den Schwellenländern. Die Eurozone verliert angeblich an Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Was für ein Nonsens.

    © faz.net


Der Euro sprengt in der Schuldenkrise Europa
(welt.de) Merkels und Hollandes Bekenntnis sind die letzten Zuckungen der gemeinsamen Euro-Diplomatie. Das politische Europa hat die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit überschritten. Es wirken gewaltige Fliehkräfte. Weiterlesen…

Kommentar: Die Journaille hilft beim Füllen des Sommerlochs. Der Euro stirbt im Süden? Falsch, abgemurkst wird er in Berlin, Frankfurt, Brüssel, New York, nirgends sonst.  


EU-Kommission genehmigt Finanzspritzen
(tageblatt.lu) Die EU-Kommission hat vorläufige Finanzspritzen für griechische Banken gebilligt. Die Institute müssen aber einen Restrukturierungsplan vorlegen. Die Troika kontrolliert indes weiter. Athen will die Streckung der Umsetzung des Sparpakets. Weiterlesen...

Kommentar: Das ist Tagespolitik: Europa lässt die Banken in Griechenland nicht hängen, nachdem die EZB vorläufig ausgestiegen ist. Austrittsfantasien hat die Kommission für Griechenland keine.  


Die Lizenz, nichts tun zu können
(fuw.ch) „Draghi ist kein Messias, und eine Banklizenz für den ESM ist kein Evangelium, auf das die Märkte hoffen sollten.“ Auch als Bank bliebe der ESM, was er ist: ein zu kleiner Rettungsfonds. Weiterlesen...

Kommentar: Wieder einmal ein nützlicher Blick von „draußen“ auf die Krise in Europa. Lesenswert.


Die Sündenböcke in Zeiten der Schuldenkrise
(welt.de) Banken, Ratingagenturen, Griechenland, Deutschland, Spekulanten und Notenbanken: In der Euro-Krise werden im Wechsel immer die gleichen Akteure beschuldigt. Was ist dran an den Vorwürfen? Weiterlesen…

Kommentar: Jetzt erklärt uns die Welt die Welt, pardon, die Krise in Europa. Nur macht sie es schlecht, sehr schlecht. Sündenböcke sind sie alle, jeder auf seine Art. Ausgenommen Griechenland, dem Spielball der Euro-Angreifer. Griechenland ist die arme Sau in diesem Spiel. Es geht in Wahrheit nicht um die Umstände des griechischen Euro-Beitritts. Die müssen nur als Begründung dafür herhalten, dass das Land von den Spekulanten angegriffen wird. Wir vergleichen diese Spezies mit Hyänen. Die jagen auch immer nur das schwächste Tier einer Herde.

Die Banken haben jahrelang hart dafür gearbeitet, exklusiv die Staaten finanzieren zu können. Es begann 1913 in den USA mit der Gründung der US-Notenbank Fed (hier). Seit dem hat man sie abhängig gemacht. Warnungen davor gab es schon früh, z. B. von Thomas Jefferson, von 1801 bis 1809 der 3. Präsidenten der USA: Falls das amerikanische Volk jemals die Kontrolle über die Herausgabe ihrer Währung auf Banken übertragen sollte, werden diese und die Firmen, die sich um sie bilden, unter dem Einsatz von Inflation und Deflation, dem Volk solange ihr Eigentum wegnehmen, bis die Kinder obdachlos auf dem Kontinent, den ihre Väter einst in Besitz nahmen, aufwachen. Die Herausgabe von Geld soll von den Banken weggenommen werden, und zurück auf den Kongress und das Volk übertragen werden. Ich glaube aufrichtig, dass Banken, mit dem Recht Geld herauszugeben, gefährlicher für die individuellen Freiheitsrechte sind als eine stehende Armee.“  Genützt hat es nichts. 

Robert H. Hamphill, Kredit Manager, Atlanta Federal Reserve Bank, hat den Versuch unternommen, diese Zusammenhänge zu erklären: Wir sind vollständig abhängig von den öffentlichen Banken. Jemand muss jeden einzelnen Dollar, der im Umlauf ist, egal ob in bar oder elektronisch, leihen. Wenn die Banken ausreichend künstliches Geld herstellen, dann sind wir reich, wenn nicht verhungern wir. Wir haben kein stabiles Geldsystem. Wenn man das Bild im Ganzen erfasst, ist die tragische Absurdität unserer hoffnungslosen Position regelrecht unglaublich, aber sie  ist wahr. Das ist das allerwichtigste Thema, dem sich intelligente Menschen überhaupt widmen können. Es ist derartig wichtig, dass unsere ganze Zivilisation zusammenbrechen könnte, wenn die Wahrheit nicht allgemein bekannt wird und die Missstände nicht wirklich schnell angegangen werden.“

Die Ratingagenturen sind Teil dieses zerstörerischen Systems Finanz-Casino. Bitte einfach die folgenden Beiträge lesen: hier und hier. Beide sehr aufschlussreich.

Deutschland ist klarer Nutznießer der Euro-Einführung. Wir haben diese Tatsache bereits in unserer Replik auf die Bogenberger Erklärung von Hans-Werner Sinn ausführlich erläutert und belegt. Wen es interessiert, der kann es hier nachlesen.

Die Spekulanten gibt es offiziell gar nicht, es sind immer die Märkte. Nur gibt es die seit 2008 nicht mehr. Sorry, aber Banken gehören zur Spekulation. Pensionsfonds und Lebensversicherungen prinzipiell auch, Financial Repression versperrt ihnen den Weg aus diesem Spiel (hier).

Die Rolle der Notenbanken ist die des Interessenwahrers der Privatbanken. Am Beispiel der deutschen Bundesbank hat der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister in einer Untersuchung Mitte der 1990er Jahre diese Tatsache bewiesen (hier).


Deutschlands kommende Immobilienblase
(fuw.ch) In Deutschland sind heute keine Zeichen einer Immobilienblase zu sehen: Das heisst aber nicht, dass sich in den kommenden Jahren keine bilden kann. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Ein Artikel mit Zündstoff. Dessen Wirkung sich verstärkt durch den Hinweis auf einen früheren Beitrag, Titel: „Deutschland und Spanien: Näher, als man denkt“. Daraus eine kurze Leseprobe: „Spanien ist kein notorischer Defizitsünder. Genauso wenig wie Irland. Das kann nicht oft genug wiederholt und betont werden. Es ist schlicht falsch, wenn diese beiden Länder heute in der Diskussion rund um die Eurokrise den gleichen Stempel erhalten wie Griechenland, Italien oder Portugal. Nein, die Geschichte dieser beider Länder ist differenzierter, und sie birgt einige Lehren, die sich gerade der heutige Musterknabe in Europa, Deutschland, zu Herzen nehmen sollte.“

  
Der Skandal-Banker
(faz.net) Seit Juni ist der Inder Anshu Jain Chef der Deutschen Bank. Jetzt holt ihn die Vergangenheit ein: Kriminelle Zinsmanipulationen in großem Stil fielen in seinen Verantwortungsbereich. Weiterlesen…

Kommentar: Es wird immer klarer, warum die Bank den Kronzeugen im Libor-Skandal gibt. Sie versucht einen ihrer neuen Bosse zu schützen. Geht das gut?


Wie China die Krise bändigte
(handelsblatt.com) Als Einzige der großen Volkswirtschaften kann ausgerechnet China noch normale Wirtschaftspolitik betreiben. Auch wenn die Konjunktur auf einem Dreijahrestief angekommen ist, die wirtschaftliche Lage ist entspannt. Weiterlesen…

Kommentar: Was für eine Schönschreibung. Wir sind skeptisch. Warum steht beispielsweise hier und hier.