Montag, 6. August 2012

Standpunkt 334 - Nachrichten-Ticker, 05.08.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...

Themen: Credit Suisse – UBS – Griechenland – Troika – Europa - Euro-Rettung – Spekulanten – Monti - Italien – Spanien – Gold - USA


Sorry, aber wir müssen unsere Warnung weiter aufrechterhalten: Die Nachrichten sind wenig erfreulich. Sie zeigen jedoch unmissverständlich, wohin die Reise in den nächsten Wochen und Monaten geht: von der beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise zum „Blutbad“ Finanzkollaps. Die Banken betrügen unvermindert weiter, zwingen die Staaten in die Haftung und befeuern so weiter die Staatsschuldenkrise. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Entwicklung hilflos gegenüber, schlimmer noch, sie verspielen mit leichter Hand das Volksvermögen ihrer Länder. Sie sind längst Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos. Am Ende des Spiels bleiben nur einige wenige Reiche übrig.

Für alle neuen LeserInnen haben wir hier und hier die wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Wer ernsthaft beabsichtigt, sich gegen Financial Repression und die Maßnahmen einer späteren Enteignung zur Wehr zu setzen, der muss jetzt handeln, nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Dann kann es schon zu spät sein. Gerade ist es noch 5 vor 12, dann ist es schon 5 nach 12.

Uns geht es nicht um Panikmache oder Verschwörungstheorien, sondern nur darum, unseren LeserInnen den Blick zu schärfen für die weitere Entwicklung. Wir machen nicht die Nachrichten, wir kommentieren sie nur.

Gerne sind wir aber dabei behilflich, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Wir garantieren eine individuelle, unabhängige und provisionsfreie Beratung. Für diese Beratung berechnen wir lediglich eine leistungsgerechte, einmalige Aufwandsentschädigung. Dadurch können wir unseren Blog werbefrei halten. Darauf legen wir größten Wert, eine unabdingbare Voraussetzung für unsere Unabhängigkeit. Wir bekämpfen die Finanzindustrie, deren Angebote empfehlen wir nicht. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.   


US-Notenbank würde Credit Suisse und UBS retten
(sonntagonline.ch) Eine ETH-Untersuchung zur Finanzkrise 2008 bis 2010 illustriert: Die Schweizer Grossbanken geniessen in den USA faktisch eine Staatsgarantie. Sie sind „too connected to fail“ – zu vernetzt, um unterzugehen. Weiterlesen...

Kommentar/Ergänzung: Das ist für uns heute die Nachricht des Tages. Unglaublich. Etwas harmloser formuliert es der Schweizer Tages-Anzeiger: „Für den Untergang sind UBS und CS zu vernetzt“ (hier), bezieht sich aber auf die gleiche Studie. Das Problem sind die gegenseitigen finanziellen Verpflichtungen, über die sich Zahlungsprobleme fortpflanzen und verstärken. Die Studie zeigt auf, dass eine Wertberichtigung von 10% so zu einem Verlust von 60% anwachsen kann. Angeblich, so die Studie, könnten sich die USA einen Kollaps der beiden Geldinstitute schlicht nicht leisten. Durch die gegenseitigen Abhängigkeiten kann ein einzelnes Institut das ganze System kollabieren lassen. Und das würde die Wirtschaftsmacht USA verhindern. Deshalb sei es für die Banken „attraktiv, sich immer stärker zu vernetzen.“

Damit ist klar, die Finanzindustrie ist der Beherrscher der Welt, definitiv. Die haben nicht nur einige Länder im Süden Europas, sondern gleich die ganze Welt in Sippenhaft genommen. Die Betroffenen haben es nur noch nicht gemerkt. Der österreichische Ökonom Erich Streissler erkannte das schon 2004: „Heute sind die internationalen Finanzmärkte wohl die erste Weltmacht, mächtiger als selbst die USA.“  Wir würden das Wort Finanzmärkte heute durch Finanzkonzerne ersetzen.

Die Milliardengelder für die PIIGS-Staaten: Blutgeld für die Wegelagerer übelster Sorte, Spielgeld für ihr Casino. Und weil sie den Hals immer noch nicht voll kriegen, wird außerdem noch munter manipuliert. Vor den Augen der Notenbanken, den Aufsichtbehörden und – so behaupten wir – mit Billigung der Politik.


„An Athen muss ein Exempel statuiert werden“
(handelsblatt.com) Im Interview fordert Bayerns Finanzminister, dass die Euro-Zone Zähne zeigen müsse. Er zieht einen drastischen Vergleich zum Bergsteigen. Wenn man das Rettungsseil der Griechen nicht kappe, gerate Deutschland in Gefahr. Weiterlesen…

Kommentar: So, so, ein Exempel will er statuieren, der bay. Finanzminister S. Warum werden wir nicht vor so viel geballter Dummheit geschützt? Für solche Leute wurde im Bayerischen die Bezeichnung „Depp“ erfunden. S. ist ein zahnloser Papiertiger, der medienwirksam eine Forderung stellt, die nach den bisherigen Regeln der Gemeinschaftswährung gar nicht erfüllt werden kann. Selbstverständlich weiß er das. Nur die vielen Deutschen Michel an den Stammtischen draußen in der Republik wissen das nicht und feiern diesen Brandstifter für seine Hetzereien. Wir sind uns sicher: Es kommt die Zeit, da werden die bayerischen Wähler an der CSU ein Exempel statuieren. Sie hat es verdient.  


Athen und Troika sind „gut vorangekommen“
(wirtschaftsblatt.at) Heute fanden entscheidende Gespräche in Athen statt. Die Troika zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis. Im September ist das nächste Treffen. Weiterlesen…

Kommentar: Wofür das ganze Theater der vergangenen Wochen in Deutschland, die Hetze gegen Griechenland? Das Phänomen „Sommerloch“. Egal ob Notkredit (hier), Beschluss der EU-Kommission (hier) und jetzt die Aussagen der Troika, Deutschlands Politiker machen sich zum Narren und, viel schlimmer, halten die Bürger zum Narren. Europa geht voran, Deutschland zuckelt schmollend hinterher. Bremst alles und jeden. Diese selbst(v)erklärten politischen Vaterlandsverteidiger sind nichts anderes als machtbesessene Scharlatane, die mit irren Hirngespinsten durch die Medien ziehen, um damit ein paar Anhänger zu gewinnen. Armes Deutschland.
  

Europa verrät seine Prinzipien
(faz.net) Weil die Politik gescheitert ist, soll der Euro jetzt mit der Notenpresse gerettet werden. Ein gefährlicher Plan. Der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing sieht die Stabilität des Geldes als gefährdet an. Weiterlesen…

Kommentar: Natürlich, er muss sich in der augenblicklichen Diskussion um ESM und Banklizenz zu Wort melden, der alte Grande Issing. Beifallheischend entwickelt er wieder einmal die große Linie gegen den Euro. Er untersucht, interpretiert, prangert an, teilt aus, kurz, Otmars erhobener Zeigefinger. Carl-Ludwig Holtfrerich muss so Leute wie Issing gemeint haben wenn er sagt, „die Deutschen sind als Prinzipienreiter bekannt“ (hier). Was wir Otmar Issing ankreiden ist die Tatsache, dass auch er darauf verzichtet eigene Lösungsvorschläge zu unterbreiten, die als solche auch zu erkennen sind, oder wenigstens Vorschläge Anderer aufgreift und empfiehlt, wenn ihm nichts eigenes einfällt. In dieser Hinsicht ist der Artikel ein glatter Ausfall. Schade, dass von so viel geballter Kompetenz nicht mehr kommt.


Wir haben es vermasselt
(sueddeutsche.de) Der Euro war von Anfang an ein Fehler. Er sollte Europa zusammenführen, doch an dieser Mission sind wir alle, Deutsche, Griechen, die in Brüssel gescheitert. Doch der Euro ist Realität, sein Ende wäre ein Höllengericht. Uns bleibt nur eines übrig: Weiter kämpfen und bangen. Weiterlesen...

Kommentar: Was will der Autor, Marc Beise, mit diesem Artikel, den er Essay nennt? Seine Finger reinwaschen, die er sich über viele Jahre wundgeschrieben hat für den Euro, gegen sein Gefühl, dass es nicht gut gehen kann? Sollte es eine Hohelied werden auf Starbatty, Sinn und Konsorten, die heute den Euro madig machen, ohne Alternativen aufzuzeigen, mit denen die Krise tatsächlich zu lösen wäre? Durchhalteparolen verteilen, nachdem er sich vorher seinen Frust von der Seele geschrieben hat? Wir kommen nicht dahinter, vielleicht gelingt es unseren LeserInnen. 

Für uns ist es eine Schmähschrift gegen den Euro, für die sich Marc Beise bei den üblichen Stichwortgebern die Argumente besorgt hat. Kein Wort über den Status des Euros als Weltreservewährung, über die mit dem Euro untrennbar verbundene Exportstärke Deutschlands und die Wirtschaftsmacht Europas, auf Rang 1 in der Welt. Trotzdem ist uns eine Sache als bemerkenswert aufgefallen: Die Feststellung, dass die Euroeinführung als „Erfolg der Bundesbank“ galt. Dann wäre ihr doch heute auch der Misserfolg anzukreiden, aber keine Silbe davon. 

Klären wir auf: Fakt ist auf jeden Fall, dass die Bundesbank mit ihrer Einflussnahme auf die Maastricht-Kriterien den Grundstein für die heutigen Schwierigkeiten gelegt hat. Die Bundesbank hat das europäische Ziel, Europa mit Hilfe des Euros als Wirtschaftsmacht zu positionieren und gleichzeitig den Euro als Weltreservewährung aufzubauen, aus purem Egoismus von Anfang an hintertrieben. Ein starker Wirtschafts- und Währungsraum braucht eine Zentralbank mit ähnlichen Befugnissen wie die US-Notenbank. Der Begriff Währungshüter hat in dem Fall eine ganz andere Bedeutung, als die jahrzehntelang von der Bundesbank vertretene. Nur so hätte die EZB in Krisenzeiten die nötigen Werkzeuge zur Verfügung, um den Angriffen auf den Euro zu begegnen. Dieser vermeintliche Erfolg der Bundesbank entpuppt sich heute als Krisentreiber. Stoisch und verkniffen hält die Bank aber weiter an ihren alten Lehren fest.

Deshalb Herr Beise, nicht der Euro war ein Fehler, sondern die Maastricht-Kriterien sind Murks und gehören bald geändert.

Das Wichtigste haben wir uns für den Schluss aufgehoben: Die Krise in Europa ist keine Krise des Euro und keine Staatsschuldenkrise. Sie ist eine Bankschuldenkrise und eine Krise der Politik. Der Politik fehlt Mumm. Der ist aber nötig, um die richtigen Schritte gegen die Krise zu tun: Banken zerschlagen, neu strukturieren, nachhaltig regulieren, dauerhaft kontrollieren. Eile wäre geboten. Ein Thema, auf das der Autor leider nicht eingegangen ist. Warum nur? Mutlos? Ahnungslos? Hoffnungslos?


Spekulanten wetten gegen den Euro
(zeit.de) Die Folgen eines Euro-Crashs wären desaströs für Europa und die ganze Welt. Dennoch setzen Spekulanten aus dem Nicht-Euro-Raum Milliardensummen gegen die Einheitswährung. Weiterlesen...

Kommentar: Der Autor zeigt sich überrascht von einer Entwicklung, die das Wesen der Spekulation ausmacht, nämlich für oder gegen etwas zu wetten. In diesem Fall ist es verzwickter, da wetten nämlich ein und dieselben Leute gleichzeitig auf beide Ereignisse, manipulieren sie dann auch gleich und holen sich die Gewinne von ihren Kunden. D. h., in diesen Zeiten gewinnen die Spekulanten immer. Die Risiken, die in dem Artikel beschrieben werden, kennen die Spekulanten und sichern sich ab. Riskant wäre für die Spekulanten nur, wenn den Europäern endlich die richtige Lösung für die Krise einfällt und diese, für alle anderen völlig überraschend, einsetzen. Daran glauben wir nicht.


Italiens Regierungschef fürchtet Auseinanderbrechen Europas
(derStandard.at) Monti: „Spannungen tragen Züge einer psychologischen Auflösung.“ Weiterlesen…

Kommentar: Denken wir nur an die deutschen Scharfmacher, dann können wir diese Auffassung leicht nachvollziehen. Denen werden ihre Argumente demnächst von der Wirklichkeit aus der Hand geschlagen und sie sind ruhig gestellt. Wenigstens so lange, bis sie ein neues Thema haben.


Die bizarren Sparvorschläge der spanischen Regierung
(welt.de) Madrid plant Einsparungen von mehr als 100 Milliarden Euro, und die nehmen teils kuriose Formen an. Besonders betroffen ist das Bildungssystem: Schüler sollen eine Art Steuer für Lunchpakete zahlen. Weiterlesen…

Kommentar: Tatsächlich, bizarr und die Durchsetzbarkeit völlig illusorisch. Wie groß ist Spaniens Not wirklich, wenn solche Ideen geboren werden? Unvorstellbar groß. Alleine der Bankensektor muss 300 Milliarden Euro wertberichtigen.


Wo steckt das Gold der Deutschen?
(faz.net) Die Bundesbank hat die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Der Schatz soll das Vertrauen der Bürger ins Geld stärken. Doch ein Großteil des Goldes lagert im Ausland. Seit langem hat es keiner mehr gesehen. Womöglich ist es nicht mehr da. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Sieh an, auch die anderen haben ihre Verschwörungstheorien. Eine davon ist die deutsche Goldreserve und die Kanzlerakte. Die Akte gibt es nicht, das zumindest scheint hinreichend geklärt, hält sich aber immer noch bei den Verschworenen. Unterhaltsam, wie über den Verbleib des Goldes und seine Kontrollen spekuliert wird. Dabei ist die Antwort einfach: Die Spatzen, die wir in Amerika kennen, die pfeifen es von den Dächern: Das Gold in den USA ist für Deutschland verloren, ebenso das in Großbritannien. Ist Pfandgut, ganz einfach. Vielleicht gibt es eine Chance auf das von den Franzosen verwahrte Gold. Zur besseren Orientierung, die folgende Grafik zeigt, wo das deutsche Gold schon seit Jahren eine neue Heimat gefunden hat: 


 
Condoleezza Rice – Die USA müssen die Welt wieder führen
(ftd.de) Amerika ist nicht irgendein Land: Wir sind außergewöhnlich mit unserer klaren Überzeugung, dass freie Märkte und freie Völker der Schlüssel zur Zukunft sind. Danach sollten wir endlich wieder handeln. Weiterlesen…

Kommentar: Nur, können sie es auch? Bisher hat es nur aus wirtschaftlicher und militärischer Stärke heraus funktioniert. Im Augenblick ist es ein ratloses Land, gefangen im teuersten Präsidentschaftswahlkampf aller Zeiten und völlig überschuldet. Was Amerika fehlt sind Führer im besten Sinne des Wortes. Einer wie Franklin D. Roosevelt, 32. Präsident der USA. Seine unter dem Namen New Deal bekannten einschneidenden Wirtschaftsreformen gelten als maßgeblich für das Ende der Great Depression seit 1929.  Stärke beginnt zu Hause, findet Condoleezza Rice, dem können wir nur zustimmen. Nur, anders als Rice, kann nicht ein ganzes Volk "zum Führen inspiriert werden". Amerika braucht einen starken Präsidenten, keiner der aktuellen Kandidaten zeichnet sich darin aus.