Dienstag, 7. August 2012

Standpunkt 335 - Nachrichten-Ticker, 06.08.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...

Themen: Euro-Krise – EZB – Finnland – Griechenland – Mario Monti - Italien – Spekulanten – Monti - Italien – Reichensteuer – Immobilien - Ferienhäuser


Sorry, aber wir müssen unsere Warnung weiter aufrechterhalten: Die Nachrichten sind wenig erfreulich. Sie zeigen jedoch unmissverständlich, wohin die Reise in den nächsten Wochen und Monaten geht: von der beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise zum „Blutbad“ Finanzkollaps. Die Banken betrügen unvermindert weiter, zwingen die Staaten in die Haftung und befeuern so weiter die Staatsschuldenkrise. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Entwicklung hilflos gegenüber, schlimmer noch, sie verspielen mit leichter Hand das Volksvermögen ihrer Länder. Sie sind längst Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos. Am Ende des Spiels bleiben nur einige wenige Reiche übrig.

Für alle neuen LeserInnen haben wir hier und hier die wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Wer ernsthaft beabsichtigt, sich gegen Financial Repression und die Maßnahmen einer späteren Enteignung zur Wehr zu setzen, der muss jetzt handeln, nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Dann kann es schon zu spät sein. Gerade ist es noch 5 vor 12, dann ist es schon 5 nach 12.

Uns geht es nicht um Panikmache oder Verschwörungstheorien, sondern nur darum, unseren LeserInnen den Blick zu schärfen für die weitere Entwicklung. Wir machen nicht die Nachrichten, wir kommentieren sie nur.

Gerne sind wir aber dabei behilflich, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Wir garantieren eine individuelle, unabhängige und provisionsfreie Beratung. Für diese Beratung berechnen wir lediglich eine leistungsgerechte, einmalige Aufwandsentschädigung. Dadurch können wir unseren Blog werbefrei halten. Darauf legen wir größten Wert, eine unabdingbare Voraussetzung für unsere Unabhängigkeit. Wir bekämpfen die Finanzindustrie, deren Angebote empfehlen wir nicht. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.   


Euro-Schuldenkrise: Der große Befreiungsschlag steht kurz bevor
(format.at) Bei genauer Betrachtung dessen, was EZB-Chef Mario Draghi in der vergangenen Woche gesagt hat, wird „ziemlich deutlich“, dass etwas wirklich Großes auf dem Weg ist. Diese Einschätzung verlautbarte Jim O’Neill, Chairman von Goldman Sachs Asset Management. Weiterlesen...

Kommentar: Wie oft haben wir in den letzten Monaten schon gehört, dass auf die eine oder andere Weise der große Wurf für die Rettung des Euros gelingen sollte? Wie oft wurde daraufhin voreilig die Krise für beendet erklärt? Viel zu oft. Alles, was jetzt noch kommt gilt zu Recht als Verzweiflungstat. „Durchdachter“ soll der Eingriff sein, der von O’Neill in den kommenden Wochen erwartet wird. Natürlich muss die EZB ihre Handlungsfähigkeit weiter unter Beweis stellen, aber wir warnen ausdrücklich davor, eine Lösung der europäischen Krise von der EZB zu erwarten. Keine der bisherigen Maßnahmen, von denen es schon einige gegeben hat und insgesamt viele Milliarden die in die Banken gepumpt wurden, haben auch nur zu einem kleinen Erfolg geführt. Griechenland nicht gerettet, Portugal weiter unter Druck, Spanien im Fokus, Italien als nächstes auf der Liste der Spekulanten, Frankreich und die Niederlande werden mit kleinen Stichen bereits auf die Angriffe vorbereitet. Amerikas Ablenkung von den eigenen Schwierigkeiten funktioniert bestens.


Finnische Regierung befürchtet Rezession
(nachrichten.at) Auch dem Euro-Musterland Finnland droht nach Einschätzung der Regierung eine Rezession im kommenden Jahr. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Andernorts heißt es „Eurokrise erfasst nun auch Finnland“ (hier). Schon wieder eine Bestätigung unserer Auffassung. Schon in unserem Beitrag „Das Triple-A Märchen“ vom 23.09.2011 (hier) haben wir Finnland schwere Zeiten prophezeit, inklusive Verlust des Triple-A-Rankings. Wir bleiben dabei. Selbst die Sonderregelungen mit Griechenland und Spanien über eine zusätzliche Besicherung des finnischen Beitrags zu den Hilfspaketen war kein genialer Schachzug, sondern nur aus der Not geboren. Ein Trick, um die Menschen im eigenen Land zu besänftigen. Die finnische Regierung weiß genau: kommt es zum Zerfall der Euro-Zone, sind diese Extra-Sicherheiten nichts wert, weil sie bei der Verrechnung der gegenseitigen Ansprüche einfach eingerechnet werden. Logisch, oder? 


Griechenland stellt sich auf „schockierende Kürzungen“ ein
(format.at) „Es wurden Fortschritte registriert“, sagte der Vertreter des internationalen Währungsfonds (IWF), Poul Thomsen, am Sonntag zu Reportern. Anfang September werde das Expertenteam zu weiteren Prüfungen zurückkehren. Weiterlesen…

Kommentar: Mittlerweile wird Griechenland totgespart, kaputtsparen reicht der Troika schon nicht mehr. Aus jeder Ritze wird versucht, noch Geld herauszupressen. Die neue griechische Regierung ist ein ähnlich desolater Haufen wie die vorhergehende, anders kann man es nicht formulieren. Seit dem Versuch Papandreous, dem Land durch ein Referendum (hier) die schlimmsten Auswüchse des europäischen Sparwahns zu ersparen oder wenigstens abzumildern, handeln seine Nachfolger rücksichtslos gegen die Interessen des eigenen Volkes und erzwingen immer neue Spardiktate. Was alle wissen, aber keiner sagt: es wird nicht funktionieren. Ein Drama.
  

Montis Forderungen empören deutsche Politiker
(ftd.de) Die Äußerungen von Mario Monti, die Regierungen müssten ein Auseinanderdriften der Euro-Zone notfalls ohne ihre Parlamente verhindern, stößt in Deutschland auf schrille Kritik. Neben scharfer Kritik mehrerer Koalitionspolitiker spricht sich Sigmar Gabriel für einen Strategiewechsel in der Euro-Politik aus. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Monti braucht dringend Spielraum zu Hause. Dafür ist jedes Mittel recht. Gleichzeitig wirft er den deutschen Politikern einen Knochen hin, an dem die sich richtig abarbeiten können. Deutschland als Demokratie-Verweser, das hat lächerliche Züge. Die Geschichte der Bundesrepublik ist voll von Ereignissen, bei denen die Demokratie mit Füssen getreten wurde. Meistens ging man nach kurzer Zeit wieder zur Tagesordnung über, mehr nicht.

Eine gute Analyse, Titel: „Weniger Demokratie wagen“ gibt es hier. Dort heißt es zum Schluss: „Wenn Monti jetzt von deutschen Politikern kritisiert wird, dann nicht wegen seiner demokratiefeindlichen Ideen, sondern wegen seiner finanzpolitischen Vorstellungen.“   


Banken fürchten Italien-Pleite
(handelsblatt.com) Viele Banken sind offenbar skeptisch, was Italien betrifft. Sie kaufen in großem Stil Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS). Am kräftigsten langt ein Institut aus der Schweiz zu. Weiterlesen...

Kommentar: So erhöht sich weiter das Risiko bei der Massenvernichtungswaffe Derivatehandel (hier). Schon bei dem letzten Hilfspaket für Griechenland konnte nur mit knapper Not die Mutprobe verhindert werden. Bei einem Großteil der Kreditausfälle verweigerte die Dachorganisation der am Derivatehandel beteiligten Banken, ISDA, kurzerhand den Leistungsfall. Nur so konnte der Derivatehandel vor dem wahrscheinlichen Kollaps bewahrt werden. Dieses Spiel geht nicht unendlich. Vor allen Dingen dann nicht, wenn die Ausfälle für die betroffenen Gläubiger bedrohliche Ausmaße annehmen.


„EZB-Liquidität dorthin leiten, wo sie benötigt wird“
(wirtschaftsblatt.at) Die Europäische Zentralbank (EZB) soll laut Direktoriumsmitglied Benoit Coeure nach Wegen suchen, damit ihre billigen Kredite auch die Privatwirtschaft erreichen. Weiterlesen…

Kommentar: Nicht gerade neu, diese Idee. Eigentlich die Begründung für alle bisherigen von der EZB durchgeführten Aktionen zur großzügigen Liquiditätsversorgung (Beispiel hier). Den Banken war das egal. Die haben statt dessen lieber ihre Bilanzen frisiert und ein bisschen höchstverzinsliche Staatsanleihen gekauft. Trotzdem halten wir es für keine gute Idee, die EZB in die Niederungen des gewöhnlichen Bankgeschäfts zu schicken.  


Reden wir endlich über die Ausgaben
(sueddeutsche.de) Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Sozialverbänden und linken Aktionsgruppen will „die Reichen“ stärker an den Kosten der Finanzkrise beteiligen – vorzugsweise über höhere Steuern. Mit ihrer Argumentation vergeben die Akteure die Chance, eine wertvolle Debatte in Gang zu setzen. Denn Deutschland hat kein Einnahmenproblem. Stattdessen müsste die Politik dringend über die Ausgaben diskutieren. Weiterlesen…

Kommentar: Reden wir nicht schon viel zu lange über die Ausgaben? Was der „Wirtschafts-Chef-Stratege“ der SZ will, ist eine Reduktion der öffentlichen Ausgaben durch noch mehr Privatisierung, eine besondere Spezialität der Umverteilung. Irgendwann ist der Staat dann abgeschafft, eine leere Hülle, zuständig nur noch für die Aufgaben die sich nicht privatisieren lassen, weil sie sich für den privaten Unternehmer einfach nicht rechnen. Alle Privatisierungen sind ausnahmslos zu Selbstbedienungsläden verkommen, wo zur Gewinnmaximierung die Leistungen schlechter und die Arbeitnehmer ausgebeutet werden. Marc Beise sollte mal raus aus seinem Elfenbeinturm, in die Niederungen der gewöhnlichen Menschen, das könnte auch bei ihm Horizonte öffnen.

Allen LeserInnen empfehlen wir unseren Beitrag „Reichtum durch Arbeit ist etwas für Anfänger“ (hier). Der rückt die Dinge zurecht und zeigt an Hand von Grafiken, was wirklich Sache ist in Deutschland.

Weitere bemerkenswerte Schaubilder enthält unser Nachrichten-Ticker vom 03.08.2012 (hier), so z. B. über die Entlastung der Gewinne und Vermögen, die Entwicklung der Besteuerung von Unternehmensgewinnen oder die Zunahme der Armut in Deutschland.

Beise bezieht sich in seinem Kommentar auch auf die 75% „Reichensteuer“ des französischen Präsidenten Hollande. In einem eigenen Beitrag „Informationsterror“ (hier) haben wir uns bereits am 01.03.2012 mit dieser französischen Eigenheit beschäftigt. Schon damals geisterten in den deutschen Medien abstruse Vorstellungen über diese Steuer-Pläne.

Besonders übel nehmen wir Beise, dass er bei den Steuereinnahmen mit den Schätzungen des Bundesfinanzministeriums arbeitet, die noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik tatsächlich so auch eingetreten sind. Diese Zahlen sind schlicht wertlos. Sehr viel aussagekräftiger sind aber die Veränderungen im Steueraufkommen der einzelnen Steuerarten zum Steuergesamtaufkommen: 


© boersen-zeitung.de


Deutscher Run auf Ferienhäuser
(derStandard.at) Ob Sylt, Mallorca oder Kitzbühel: Die Deutschen geben beim Kauf von Ferienunterkünften kräftig Gas und lassen damit die Preise steigen. Weiterlesen...

Kommentar: Wer bei diesem Spiel mitmacht, dem ist nicht zu helfen. Durchschnittlich 180.000 € geben nach einer neuen Erhebung die Deutschen für eine Ferienimmobilie aus. Lehrer, Bankangestellte und Handwerksmeister sind dabei. Suchen den ultimativen Krisenschutz. Und werden ihr Waterloo erleben. Schutz vor einer Enteignung gibt es in Europa nicht, dafür sorgen in Zukunft entsprechende Gesetze innerhalb der EU und mit den Nachbarn. Deshalb ist der heimische Kontinent tabu. Wer dieses Ziel ernsthaft verfolgt, der braucht eine andere Lösung. Auf jeden Fall außerhalb des heimischen Kontinents.