Samstag, 11. August 2012

Standpunkt 339 - Nachrichten-Ticker, 10.08.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...

Themen: Goldman Sachs - US-Staatsanleihen – EU-Banken – EZB – Demokratie – Sommerloch - Ratingagenturen – Steuerhinterziehung – Singapur - Schweiz – Österreich


Hilflose Politiker vergeigen Europa: Die Nachrichten sind wenig erfreulich. Sie zeigen jedoch unmissverständlich, was sich in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt: aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise kommt es zum „Blutbad“ Finanzkollaps. Die Banken betrügen unvermindert weiter, zwingen die Staaten in die Haftung und befeuern so weiter die Staatsschuldenkrise. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Situation hilflos gegenüber, schlimmer noch, sie verspielen mit leichter Hand das Volksvermögen ihrer Länder. Längst sind sie Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos. Am Ende dieses Spiels bleiben nur einige wenige Reiche übrig.

Deutschland bereitet sich vor, auf Financial Repression und geeignete Maßnahmen zur Enteignung ihrer Bürger. Niemand ist darin so erfahren wie die Deutschen.

Uns geht es nicht um Panikmache oder die Verbreitung von Verschwörungstheorien, sondern nur darum, unseren LeserInnen den Blick zu schärfen für die weitere Entwicklung. Wir machen nicht die Nachrichten, wir kommentieren sie nur.

Für alle LeserInnen, Neuankömmlinge oder Alteingesessene, haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Wer sich nicht wehrlos diesem Schicksal von Repression und Enteignung ergeben will, der muss jetzt handeln, nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Dann kann es schon zu spät sein. Gerade ist es noch 5 vor 12, dann ist es schon 5 nach 12.

Gerne sind wir aber dabei behilflich, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Wir garantieren eine individuelle, unabhängige, und sorgfältige Beratung. Wir berechnen lediglich eine leistungsgerechte, einmalige Aufwandsentschädigung. Dadurch können wir unseren Blog werbefrei halten. Darauf legen wir größten Wert, eine unabdingbare Voraussetzung für unsere Unabhängigkeit. Wir bekämpfen die Finanzindustrie, deren provisionspflichtigen Angebote empfehlen wir nicht. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 


US-Justiz verschont Goldman Sachs
(manager-magazin.de) Goldman Sachs gilt für viele als das Sinnbild der Gier an der Wall Street, die 2008 zum Beinahme-Zusammenbruch des Finanzsystems geführt hatte. Doch den Bankern kann bis heute kein strafrechtliches Verhalten nachgewiesen werden. Jetzt hat die US-Justiz das Verfahren eingestellt. Weiterlesen...

Kommentar: Eine vorhersehbare Posse ungeahnten Ausmaßes. Bereits vor mehr als einem Jahr haben wir im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Berichtes (hier das Original) einer von US-Präsident Obama eingesetzten Kommission zur Untersuchung der Finanzkrise prophezeit, dass es nicht „die geringsten Konsequenzen“ geben wird, von einigen Baueropfern abgesehen (hier, Stichwort USA). Eine Ausgabe später (hier, unter USA) werden wir noch konkreter:

Schon in der letzten Ausgabe haben wir zu dem Bericht der von Präsident Obama eingesetzten Kommission zur Untersuchung der Finanzkrise Stellung bezogen. Heute, nach Kenntnis neuer Einzelheiten aus diesem Bericht, unterstreichen wir noch einmal: Die Aussage-Protokolle sind voller strafwürdiger Handlungen, die  problemlos für eine Bestrafung der Täter ausreichen würden. Nur wird sich kein Staatsanwalt in den USA finden, der ein solches Verfahren einleitet. Der müsste mindestens um seine berufliche Existenz fürchten. Diese Täter bleiben unbehelligt, schlimmer noch, sie treiben weiter ihr Unwesen und gehören zu den mächtigsten Männern Amerikas.

„Bail not Jail“ nennt es der Ökonom Simon Johnson, dessen Aufsatz wir in einem eigenen Beitrag verarbeitet haben (hier). Noch einmal ist es Johnson, der sich erst kürzlich in einer Analyse mit diesem Thema beschäftigt hat (hier).

Man kann es nicht anders formulieren: Die Entscheidung der US-Justiz ist ein ungeheuerlicher Vorgang, der die Täter belohnt und die Opfer, vorneweg über 300 Millionen Amerikaner, verhöhnt. Sie zeigt eindeutig, wer in den USA tatsächlich die Macht besitzt und davon konsequent Gebrauch macht. Nur, machen wir uns nichts vor: Die Macht dieser „kriminellen Vereinigung Finanzindustrie“ reicht auch nach Europa. Die führenden Politiker der westlichen Industrienationen sind die Hampelmänner und –frauen einer kleinen Gruppe von Strippenziehern, die weiter ihr Unwesen treiben dürfen.     

Die bisher verhängten Geldstrafen sind in ihrer Höhe indiskutabel und nur das Feigenblatt für diese und ähnliche (Fehl-)Entscheidungen.

Vor diesem Hintergrund ist klar, dass wir noch lange auf eine dringend notwendige Finanzmarktregulierung warten müssen. Die Finanzindustrie will nicht und die Politiker können nicht. So einfach ist das.

An dieser Stelle noch einmal das bereits früher von uns verwendete Zitat des österreichischen Ökonomen Erich Streissler aus 2004:  „Heute sind die internationalen Finanzmärkte wohl die erste Weltmacht, mächtiger als selbst die USA.“  Wer kann daran heute noch ernsthaft zweifeln?


„Der wahrscheinlich sicherste Hafen der Welt“
(handelsblatt.com) Die USA sind hochverschuldet, die Wirtschaft wächst kaum noch. Und doch kaufen Investoren in aller Welt amerikanische Anleihen. Kann das gut gehen? Ja, sagen die Amerikaner. Die anderen seien bloß neidisch. Weiterlesen…

Kommentar: Was für ein Nonsens. Eine Schönschreibung der wahren Verhältnisse. Bestenfalls geschuldet dem Präsidentschaftswahlkampf. Eine riesige, weiter steigende, Staatsverschuldung, die Fed ist der größte Gläubiger, regelmäßige massive Leistungsbilanzdefizite gegenüber allen wichtigen Handelspartnern, über 80 Millionen erwerbsfähige, arbeitswillige Menschen ohne Job, tatsächliche Arbeitslosenquote weit über 20%, Millionen Menschen obdachlos, rund 46 Millionen Menschen beziehen regelmäßig Lebensmittelmarken, sogenannte Food Stamps, usw. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll nur einen Überblick über die tatsächlichen Verhältnisse geben. Die folgenden Grafiken zeigen deutlich, was wir meinen:

Grafik 1: Entwicklung Staatsschulden 



Grafik 2: Hauseingentümer in Not 



Grafik 3: Entwicklung Food Stamps



Grafik 4: Erwerbsfähige ohne Job



Grafik 5: Arbeitslosenquote 




Abschließend verweisen wir noch auf einen aufschlussreichen Aufsatz der US-Ökonomin Laura Tyson, erschienen am 20.02.2012 bei project-syndicate.org  unter dem Titel: „Die drei Defizite Amerikas“ (hier). Tyson beschäftigt sich ausführlich mit Arbeitsplatzdefizit, Investitionsdefizit und dem Haushaltsdefizit der USA. Tyson war Beraterin von Präsident Clinton.


Europäische Banken brauchen mehr Geld von der EZB
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Situation der europäischen Banken wird sich weiter verschlechtern, schätzen europäische Investoren. Und 82 Prozent von ihnen rechnen sogar damit, dass die Banken in den kommenden zwei Jahren einen weiteren EZB-Tender benötigen werden. Für viele Banken ist die EZB die einzige Finanzierungsquelle und ohne weiteren Tender können sie ihre Kredite nicht einmal zurückzahlen. Weiterlesen…

Kommentar: Die US-Ratingagentur Fitch geht in Vorlage. Hinter vorgehaltener Hand ist bereits von 1.000 Milliarden Euro die Rede.
  

Der Markt hat immer recht
(faz.net) Für politische Entscheidungen gilt heute die Maxime: Bloß die Märkte nicht nervös machen. Wir leben in einer Finanzdemokratie, in der uns das Demokratische immer mehr abhandenkommt. Weiterlesen…

Kommentar: Ein hervorragender Artikel, natürlich im Feuilleton der F.A.Z. Trotzdem gehen wir ein Stück weiter. Die Finanzdemokratie ist für uns schon längst eine Finanzoligarchie, die den Menschen beschönigend als „marktkonforme Demokratie“ angedreht wird, die Märkte sind nur noch geldgeile Spekulanten, politische Entscheidungen Mangelware.


Das große Euro-Gebrabbel
(ftd.de) In der Euro-Krise redet jeder deutsche Politiker mit – vor allem diejenigen, die besser schweigen würden. Das Niveau der Debatte hat in diesem Sommer neue Rekordtiefs erreicht. Kein Wunder, dass alle Welt über uns spottet. Es ist Zeit für eine neue Expertenkultur. Weiterlesen...

Kommentar: Ein hervorragender Beitrag zum Sommertheater unserer politischen Laienspielschar. Mehr ist dazu auch nicht mehr zu sagen.  


Ratingagenturen: „Völlig anderes Muster als früher“
(manager-magazin.de) Ratingagenturen diskriminieren die Euro-Länder – zu diesem Befund kommt Manfred Gärtner, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen. Die Politik muss den Markt von den Ratings der US-Ratingelefanten emanzipieren, sagt er im Gespräch mit manager magazin online. Weiterlesen...

Kommentar: Eine bemerkenswerte Studie und so nachvollziehbar. Ergänzt eine entsprechende Studie des IWF (hier) und die Untersuchung von Thomas Straubhaar (hier). Wir haben uns hier und hier schon früher mit Beiträgen an der Diskussion beteiligt.


„Wir bieten nicht Hand zur Steuerhinterziehung“
(wirtschaftsblatt.at) Die Schweizerische Bankenvereinigung und die Großbank UBS wiesen am Freitag Darstellungen zurück, sie würden deutschen Kunden helfen, Schwarzgeld vor dem Fiskus in Sicherheit zu bringen. Weiterlesen…

Kommentar: Nicht wirklich überraschend, dieses Statement. Und so durchschaubar. Mögen unsere LeserInnen selbst entscheiden, wie glaubwürdig diese Aussagen sind. Wir halten sie für nicht belastbar. Am Schluss des gestrigen Nachrichten-Tickers (hier) haben wir uns zu dem Thema bereits geäußert. Die Schweizer Banken unterhalten ganze Abteilungen, um ihren ausländischen Kunden bei der Steuerhinterziehung behilflich zu sein.   


Singapur will keine Steueroase sein
(derStandard.at) Das kleine asiatische Land muss sich Kritik gefallen lassen und kämpft daher mit strengeren Finanzregeln gegen Schlupflöcher. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Beeindruckend, dieses Engagement gegen die Steuerflüchtlinge aus aller Welt. Noch im Februar 2012 liest es sich hier ganz anders. Sehr viel versprechend auch hier. Noch einmal: die UBS unterhält in Singapur definitiv ihre größte Auslandsniederlassung. Bei der Credit Suisse und anderen Schweizer Banken wird es ähnlich sein. Ein Schuft, wer dabei Böses denkt. Die Amerikaner stehen jedenfalls schon auf der Matte und verlangen Auskunft. Die Jagdsaison bleibt geöffnet. 

Der Artikel ist schon wieder bei derStandard.at verschwunden. Dort heißt er jetzt "Schwarzgeld aus  Schweiz nach Fernost" (hier). Bei uns gibt es das Original noch ...


Wien ortet keine „Beitragstäterschaft“ Schweizer Banken
(wirtschaftsblatt.at) Der zunehmend heftigere Schlagabtausch zwischen Deutschland und der Schweiz in Sachen Umgehung des geplanten Abkommens gegen Steuerhinterziehung wird auch im Wiener Finanzministerium aufmerksam verfolgt. Weiterlesen…

Kommentar: Die charmante Hilfestellung für die Nachbarn. In Wahrheit ein Blindekuh-Spiel. Leicht zu durchschauen. Den Beweis werden die US-Steuerbehörden erbringen und die Reste der westlichen Welt werden wieder ganz erstaunt tun.