Sonntag, 12. August 2012

Standpunkt 340 - Nachrichten-Ticker, 11.08.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge des vergangenen Tages aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...

Themen: Goldman Sachs - Italien – EU-Krise – OECD – Spekulation – Steinbrück – Schulden-Union – Sparzinsen – Europäische Ratingagentur - Slowenien – Mais – Ethanol - Hunger


Hilflose Politiker vergeigen Europa: Die Nachrichten sind wenig erfreulich. Sie zeigen jedoch unmissverständlich, was sich in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt: aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise kommt es zum „Blutbad“ Finanzkollaps. Die Banken betrügen unvermindert weiter, zwingen die Staaten in die Haftung und befeuern so weiter die Staatsschuldenkrise. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Situation hilflos gegenüber, schlimmer noch, sie verspielen mit leichter Hand das Volksvermögen ihrer Länder. Längst sind sie Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos. Am Ende dieses Spiels bleiben nur einige wenige Reiche übrig.

Deutschland bereitet sich vor, auf Financial Repression und geeignete Maßnahmen zur Enteignung ihrer Bürger. Niemand ist darin so erfahren wie die Deutschen.

Uns geht es nicht um Panikmache oder die Verbreitung von Verschwörungstheorien, sondern nur darum, unseren LeserInnen den Blick zu schärfen für die weitere Entwicklung. Wir machen nicht die Nachrichten, wir kommentieren sie nur.

Für alle LeserInnen, Neuankömmlinge oder Alteingesessene, haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Wer sich nicht wehrlos diesem Schicksal von Repression und Enteignung ergeben will, der muss jetzt handeln, nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Dann kann es schon zu spät sein. Gerade ist es noch 5 vor 12, dann ist es schon 5 nach 12.

Gerne sind wir aber dabei behilflich, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Wir garantieren eine individuelle, unabhängige, und sorgfältige Beratung. Wir berechnen lediglich eine leistungsgerechte, einmalige Aufwandsentschädigung. Dadurch können wir unseren Blog werbefrei halten. Darauf legen wir größten Wert, eine unabdingbare Voraussetzung für unsere Unabhängigkeit. Wir bekämpfen die Finanzindustrie, deren provisionspflichtigen Angebote empfehlen wir nicht. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 


Goldman Sachs wettet mit fast einer Milliarde Euro gegen Italien
(format.at) Goldman Sachs, die nach Bilanzsumme fünftgrößte Bank der USA, hat den Bestand an italienischen Staatsanleihen im zweiten Quartal um 92 Prozent gesenkt. In den ersten drei Monaten des Jahres war das Volumen der Bonds noch ausgebaut worden. Weiterlesen...

Kommentar: Die Informationsdichte hinter diesem Artikel muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. In einem Satz zusammengefasst: Goldman Sachs zockt gegen Europa. Ort des Geschehens: der Derivatemarkt. Dessen Risiken steigen weiter.

 Bedenkt man außerdem, welche Schlüsselpositionen innerhalb der Euro-Zone mit Goldman Sachs-Leuten besetzt sind, dann ist doch höchst fraglich, ob von den europäischen Krisenmanagern mit allem möglichen Nachdruck der Krise begegnet wird. Eher verstärkt sich bei uns der Eindruck, dass an dieser Krise sich ein Haufen Leute eine goldene Nase verdienen.

Auf der anderen Seite lässt sich das Unternehmen viele Hundert Millionen Euro Honorar dafür bezahlen, den betroffenen Ländern aus der Bredouille zu helfen. Das sind Wegelagerer.


Goldman Sachs Ripped Off And Misled Clients, Senate Report Says
(huffingtonpost.com) Goldman Sachs, the nation's fifth-largest bank by assets, systematically misled clients, sold them financial instruments it knew to be junk, bet against them and profited off of their losses, according to a Senate report released this week.
The report, the product of a two-year investigation, paints the firm as Exhibit A of Wall Street's evolution from a place that raises and deploys capital to worthy businesses into a vulturous creature that preys on unwitting investors.
Goldman's conduct in the two years leading up to the near-implosion of the financial system show a firm dedicated to "sticking it to their own clients," said Senator Carl Levin, a Michigan Democrat who chairs the panel that produced the report. "Goldman gained at the expense of their clients, and used abusive practices to do it."
In 2006 and 2007, Goldman recorded more than $21 billion in profit thanks to a strategy that ensured earnings as the housing bubble inflated and then popped. It also dodged a loss in 2008 -- one of the few firms to do so -- during a year that saw the demise of three of its direct competitors.
The "abusive" tactics the firm employed helped gain those winnings, according to the report by the Senate Permanent Subcommittee on Investigations. While Goldman was betting -- or "shorting," in Wall Street parlance -- that securities would collapse, clients were on the losing end. Weiterlesen…

Kommentar: Ein Nachtrag zu der gestrigen Meldung „US-Justiz verschont Goldman Sachs“ (hier). Dieser Beitrag stammt ursprünglich bereits vom 15.04.2011 und wurde verfasst unter dem Eindruck des von uns bereits zitierten Berichtes der von Barack Obama eingesetzten Kommission zur Untersuchung der Finanzkrise. Er beschreibt anschaulich die Machenschaften von Goldman Sachs zur Gewinnmaximierung auf Kosten der eigenen Kunden. Das sind Ganoven, die trotz klarer Rechtsverstöße straffrei davonkommen. Der Artikel ist leider nur in Englisch verfügbar.


„Spekulanten werden Wette gegen Euro verlieren“
(welt.de) OECD-Generalsekretär Angel Gurria unterstützt den Kurs des EZB-Chefs Mario Draghi und plädiert für den Kauf von Staatsanleihen. Er appelliert an Deutschland, seiner Verantwortung gerecht zu werden. Weiterlesen…

Kommentar: Was für eine Aussage. Hochspekulativ, von nichts gestützt. Das ist Lügen auf höchstem Niveau. Die Spekulationen gegen den Euro sind nach unserer Einschätzung eine Art Insidergeschäft, d. h. die Teilnehmer sind regelmäßig bestens informiert über die nächsten Schritte der EZB, des IWF und der einzelnen Regierungen. Was Gurria sonst vorschlägt sind genau die Maßnahmen, mit denen die Spekulationen gegen den Euro am Leben gehalten werden. Lösungen sind es definitiv nicht.  
  

Steinbrück fordert europäische Schulden-Union
(sueddeutsche.de) Der mögliche Kanzlerkandidat legt sich fest: Peer Steinbrück plädiert im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ für eine gemeinschaftliche Haftung im Euro-Raum – und stellt sich damit klar hinter SPD-Parteichef Sigmar Gabriel. Im Zuge der Schulden-Union soll die EU allerdings stärker in die Finanzpolitik der Krisenländer eingreifen können. Weiterlesen…

Kommentar: Steinbrück hat die Krise nicht verstanden. Wie soll er auch, hat er sie doch als Bundesfinanzminister maßgeblich vorbereitet (hier). Die Schulden-Union darf nie und nimmer der erste Schritt zur Lösung der Krise sein, dann wird es nämlich kein Ende der Krise geben. Es ist schlicht nicht möglich, geschätzte 18 Billionen Euro Müll in den Bilanzen der europäischen Banken (hier) zu sozialisieren. Die Massenvernichtungswaffe Derivatehandel (hier) ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Die Bankenschulden sind das Problem, nicht die Staatsschulden. Hält sich Steinbrück für einen geeigneten Kanzlerkandidaten, dann muss er das unbedingt erkennen.

Aha, in die Finanzpolitik der Krisenländer will er eingreifen. Die Forderung ist mittlerweile ein alter Hut, da hätten wir mehr erwartet. Vor allen Dingen, weil auch damit die Krise in Europa nicht beendet werden kann. EU/IWF/Troika und die führenden Politiker machen doch schon seit mindestens drei Jahren einen schlechten Job, kommen bei der Krise keinen Schritt weiter, verschärfen sie nur weiter. Die Länder, die sich akribisch an die Spardiktate halten, wie Irland und Portugal, gehen vor die Hunde, benötigen deswegen absehbar weitere Hilfen. Die Maßnahmen in Griechenland haben nicht verhindert, dass Spanien, Italien und Frankreich, von den Spekulanten angegriffen werden.

Die europäische Krisenpolitik hat so offensichtlich versagt, dass man sogar Absicht unterstellen kann. Die Krise wird schlicht dazu benutzt, die europäische Integration zu erzwingen, verbunden mit einer weitgehenden Aufgabe staatlicher Souveränität, der Zerschlagung von Arbeitnehmerrechten und dem Abbau von Sozialleistungen. Weiterer wichtiger Aspekt: Die Entschuldung der Staaten durch den Zugriff auf die üppigen Privatvermögen seiner Staatsbürger.

Die Bundesregierung hantiert gerne mit deutschen Staatsschulden von 2,3 Billionen Euro. Eine bewusste Irreführung. Tatsächlich sind es schon mehr als 8 Billionen Euro, die sich als Verpflichtungen für den deutschen Staat angehäuft haben. In den wenigen öffentlichen Äußerungen zu diesem Thema wird verniedlichend von impliziten Staatsschulden gesprochen, die erst in der Zukunft zur Zahlung anstehen und deshalb heute keine Rolle spielen (dazu Ex-Bundesfinanzminister Eichel, hier). Das ist eine groß angelegte Augenwischerei. Diese Verpflichtungen bestehen bereits und es werden von Jahr zu Jahr mehr, wie sie bezahlt werden sollen weiß heute niemand. Da ist eine Krise wie die in Europa prima geeignet, sich bei den Ersparnissen und Vermögen seiner Bürger zu bedienen (hier).

Eine Grafik aus 2010 zeigt, wie problematisch die Situation ist: 

© risknet.de


Sparzinsen blieben im Keller: Milliardengewinn für die Banken
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Obwohl die EZB den Leitzins stark gesenkt hat, spüren die Privatkunden bei ihren Geldern keine Verbesserung oder Erleichterung. Im Gegenteil, während die hohen Dispo-Zinsen gleich bleiben, wurden die Zinsen für Festgeld, Tagesgeld und andere Spareinlagen der Privatkunden von vielen Banken sogar gesenkt. Weiterlesen...

Kommentar: Noch ein Weg, die Menschen „sanft“ zu enteignen. Nutznießer sind die Banken, beim Staat kommt davon nichts an. Seine Hilfen für die Banken reduzieren sich dadurch nicht.    


Weil wir nicht ehrlich sind
(zeit.de) Wenn wir es wären, würden unsere Eliten endlich zugeben: Deutschland muss für die Schulden anderer haften. Weiterlesen...

Kommentar: Wenn es so einfach wäre. Es reicht nämlich nicht, einfach zuzugeben, Deutschland muss in die Haftung, im Grunde ist eine solche Aussage sogar falsch. Nach wie vor geht es um eine gemeinschaftliche Haftung. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch deutsche Banken gerettet werden müssen, wofür der deutsche Bankenrettungsfonds SoFFin nicht ausreichen wird. Alleine für die Deutsche Bank wäre eine internationale Unterstützung unverzichtbar.

Sehr viel wichtiger ist es deshalb zu erklären, was die wahren Hintergründe der Krise sind, warum immer noch nicht mit einer Lösung begonnen wurde und warum an den falschen Rezepten gegen die Krise stur festgehalten wird. Die sind es nämlich, die eine Haftung Deutschlands für die Schulden anderer überhaupt erst nötig machen. Mit Europas Lügen haben wir uns hier sehr ausführlich beschäftigt. Bitte dort nachlesen.


Europäische Ratingagentur kommt
(format.at) Die geplante europäische Ratingagentur wird nach Worten von Roland-Berger-Aufsichtsratschef Burkhard Schwenker demnächst startklar sein. „Das Konzept ist umsetzungsreif“, sagte er dem Magazin „Wirtschaftswoche“. Weiterlesen…

Kommentar: Das Projekt kommt zu spät, um in der laufenden Krise noch etwas zu bewirken. Trotzdem ein nötiger Schritt, längst überfällig. Warum es bisher am Startkapital scheitert, ist nicht nachvollziehbar, hat aber viele Monate Zeit gekostet und das Vorhaben sogar zwischendurch in Gefahr gebracht (hier).


Kleiner Nachbar in großen Nöten
(nachrichten.at) Slowenien kämpft mit einer Bankenkrise, ein Vergleich mit Spanien drängt sich auf. Experten fürchten, dass das kleine Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss. Weiterlesen…

Kommentar: Bankenkrise, was denn sonst. Während alle gebannt auf Spanien und Italien schauen, wird im Vorbeigehen Slowenien, wirtschaftlich völlig unwichtig, von den Ratingagenturen regelrecht heruntergeprügelt. Als Euro-Land bietet es eine ideale Angriffsfläche für die Spekulationen gegen die Währung.


Mehr Mais für Motoren als für Menschen
(tagesanzeiger.ch) Trotz der schweren Dürre wird in den USA mehr Mais für die Produktion von Treibstoff verwendet als für die Ernährung. Die UNO will, dass die USA die Ethanol-Produktion stoppen. Weiterlesen…

Kommentar: Seit der Finanzkrise hat sich die Zahl hungernder Menschen wieder von 500 Millionen auf 1 Milliarde verdoppelt. Diese Tatsache spielt überhaupt keine Rolle. Statt dessen die US-Präsidentschaftswahl, die Benzinpreise in den USA und, noch wichtiger, die Gewinne der Spekulanten (hier). Warum darf man die Leute, die das verantworten, nicht Mörder nennen und bestrafen?

Der kolumbianische Philosoph Nicola Gomez Davila (1913 – 1994) hat der Nachwelt eine wunderbare, geradezu hellseherische Beschreibung für diese Entwicklung hinterlassen:

„Die moderne Welt ist so kaputt, dass man keine Angst zu haben braucht, dass sie nicht untergeht.“