Dienstag, 21. August 2012

Standpunkt 349 - Nachrichten-Ticker, 20.08.


Hier stellen wir für unsere LeserInnen täglich aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...

Themen: Euro-Krise – Euro-Rettung – Euro-Austritt  -  USA – US-Bankensektor – Slowenien – Euro-Austritt Niederlande – Handelsbilanzdefizite – Lebensstandard Deutschland – Exportabhängigkeit – Reichensteuer  


Die Nachrichten sind wenig erfreulich. Sie zeigen jedoch unmissverständlich, was sich in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt: aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise kommt es zum „Blutbad“ Finanzkollaps. Die Banken betrügen unvermindert weiter, zwingen die Staaten in die Haftung und befeuern so weiter die Staatsschuldenkrise. Die Krise in Europa verschärft sich weiter. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Situation hilflos gegenüber, schlimmer noch, sie verspielen mit leichter Hand das Volksvermögen ihrer Länder. Längst sind sie Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos. Am Ende dieses Spiels bleiben nur einige wenige Reiche übrig.

Deutschland bereitet sich vor, auf Financial Repression und geeignete Maßnahmen zur Enteignung ihrer Bürger. Niemand ist darin so erfahren wie die Deutschen.

Uns geht es nicht um Panikmache oder die Verbreitung von Verschwörungstheorien, sondern nur darum, unseren LeserInnen den Blick zu schärfen für die weitere Entwicklung. Wir machen nicht die Nachrichten, wir kommentieren sie nur.

Für alle LeserInnen, Neuankömmlinge oder Alteingesessene, haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Wer sich nicht wehrlos diesem Schicksal von Repression und Enteignung ergeben will, der muss jetzt handeln, nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Dann kann es schon zu spät sein. Gerade ist es noch 5 vor 12, dann ist es schon 5 nach 12.

Gerne sind wir aber dabei behilflich, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Wir garantieren eine individuelle, unabhängige, und sorgfältige Beratung. Wir berechnen lediglich eine leistungsgerechte, einmalige Aufwandsentschädigung. Dadurch können wir unseren Blog werbefrei halten. Darauf legen wir größten Wert, eine unabdingbare Voraussetzung für unsere Unabhängigkeit. Wir bekämpfen die Finanzindustrie, deren provisionspflichtigen Angebote empfehlen wir nicht. Die uns zugänglich gemachten Informationen behandeln wir absolut vertraulich. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.   


„Ich sage: Die Märkte spinnen“
(format.at) Norbert Walter, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank, spricht über Illusionen: So wäre etwa der Euro-Austritt weder für Griechenland noch sonst jemanden eine Hilfe.

Der Vorwurf der Entdemokratisierung in Europa sei eine Karikatur und Kapitalerhalt gibt es, dem Ökonomen zufolge, nicht mehr. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Ein sehr aufschlussreiches Interview und endlich einmal Ideen, die nicht einfach nur dahergeplaudert, sondern ausführlich begründet werden. Das ist erfreulich, selbst wenn man von der einen oder anderen Idee nicht begeistert ist. Bei Walter geht es nicht um irgendeinen Exit, sondern um den Erhalt der Eurozone. Eine Leseprobe: „Wer in diesen Abgrund – Abwicklung des Euro – hineingeschaut hat, wird sich, wenn er ein gewisses Maß an Intelligenz hat, zutiefst erschrecken und wird über die Kosten dieses Prozesses keine Illusionen haben. Und wird dann nach meiner Einschätzung erkennen, dass es lohnend ist, über Alternativen nachzudenken. (…) Aber es gibt bislang nur Quasselbuden über den Exit vom Euro, es gibt keine ernstzunehmende operationale Debatte über diesen Prozess. Ich bin immer wieder äußerst verblüfft über meine Fachkollegen in der Ökonomie, die offenkundig erkennen, dass die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Südländer das entscheidende Problem darstellt – und dann so tun, als ob die perfekte Lösung zur Herstellung von Wettbewerbsfähigkeit die Abwertung einer Währung sei. Die Erfahrung der letzten 60 Jahre signalisiert, dass Länder, die einer Abwertungsstrategie gefolgt sind, nicht wettbewerbsfähig wurden sondern eine höhere Inflationsrate hatten. Amen.“ Es geht so kritisch weiter. Wie schon gesagt, wir teilen nicht alle seine Ideen, freuen uns trotzdem über diesen Beitrag zur Diskussion um den Euro. Was wir vermissen – aber auch kein Wunder beim früheren Chefvolkswirt der Deutschen Bank – ist das Schuldenproblem bei den Banken. Immerhin geht es dort um riesige Summen (hier).


Drei dornige Wege zur Euro-Rettung
(spiegel.de) Griechenland droht der Bankrott – doch was kommt danach? Wenn Regierungen und Notenbanken den Euro erhalten wollen, müssen sie sich womöglich auf riskante Manöver einlassen. Jede der diskutierten Therapien hat gehörige Nebenwirkungen. Die Suche nach dem geringsten Übel hat begonnen. Weiterlesen…

Kommentar: Noch ein Versuch, sich an Lösungen der Krise in Europa abzuarbeiten. Wie immer ohne zuerst die Bankenschuldenkrise zu lösen. Warum spielt die bei den Überlegungen einer Krisenlösung überhaupt keine Rolle? Hierin liegt die Ursache allen Übels: die Staatsschuldenkrise ist zu allererst eine Bankenschuldenkrise. Alle angedachten Lösungen bewahren diesen Zustand, d. h. die Krise nimmt kein Ende.    


Reformen ja, aber bitte entschleunigt!
(sueddeutsche.de) Schuldenunion? Bankenunion? Politische Union? Der Wunsch nach einem radikalen Umbau Europas ist verständlich. Klug ist er nicht. Die Euro-Turbulenzen sind nicht die Ursache, sondern nur Ausdruck des eigentlichen Problems: Weder die Bürger, noch der Rest der Welt traut Europa. Statt hektischer Reformen sollten die Probleme einzeln gelöst werden. Weiterlesen…

Kommentar: Ein kluger Beitrag.


Euro braucht Regeln für Austritt und Ausschluss
(handelsblatt.com) Banken und Staaten muss man wieder die Insolvenz erlauben. Außerdem braucht der Euro klare Austritts- und Ausschlussregeln und mehr Wettbewerb, um zu zeigen, dass er als sichere Währung besteht. Weiterlesen…

Kommentar: Tja, das ist kein kluger Beitrag. Leider entspricht er aber der Mehrheitsmeinung in Deutschland. Frank Schäffler genießt dafür hohes Ansehen, auch außerhalb der FDP. Er bricht akademische Theorien so weit herunter, dass jedermann glaubt, er würde sie verstehen. In Wirklichkeit sind es ein paar Mosaiksteine eines großen Ganzen, mit denen Schäffler auf Popularitätsfang geht. Wie gesagt, bisher erfolgreich. Als Krisenlösung taugt nichts davon, wie sich schon bald herausstellen wird. Staatsbankrott in Europa, dem wirtschaftlich stärksten Kontinent, ist das vollkommen falsche Signal an die Welt.


„Europäische Lösung ist eine Illusion“
(derStandard.at) Der polnische Ökonom Leszek Barcerowicz hält es für einen fatalen Irrtum, Probleme der Eurokrisenländer wie Italien oder Griechenland mit Euroanleihen oder EZB-Stützen lösen zu wollen. Europa sei besser als sein Ruf. Weiterlesen...

Kommentar: Überzählig, dieser Standpunkt. Durch und durch neoliberale Ansichten der Sorte, die gerade erst gescheitert sind. Europa kann sehr wohl seine Probleme lösen, sogar mit wenigen Handgriffen. Gleichzeitig würde es dadurch wieder politisches und wirtschaftliches Profil gewinnen, außerdem den Euro endgültig als Weltreservewährung platzieren. Wir sind uns sicher, dass es innerhalb Europas Leute gibt, denen diese Ziele nicht gefallen. Unsere kleine „Chaos-Theorie“: Es sind Leute, die Amerika helfen, die Entwicklung Europas zu beeinflussen. Natürlich nicht zu Europas Vorteil.


USA – Spirale nach unten
(handelsblatt.com) Washington hat diese Woche versöhnliche Daten zur Industrieproduktion vorgelegt. Doch Optimisten freuen sich zu früh. Weiterlesen…

Kommentar: Dieser Beitrag hebt sich wohltuend von den Berichten der vergangenen Wochen ab, in denen den USA regelmäßig Fortschritte beim Wirtschaftswachstum, der Arbeitslosigkeit, dem Konsumverhalten oder dem Leistungsbilanzdefizit bescheinigt werden. Wahlkampfgetöse. Kein Wort von den mehr als 46 Millionen Food Stamps-Beziehern, der wirklichen Arbeitslosenquote von über 20%, den Millionen Obdachlosen oder den andauernden Zwangsmaßnahmen gegen Millionen von Eigenheimbesitzern. Was bleibt ist die Hoffnung: „Amerika wird es immer richtig machen, aber erst nachdem alle anderen Optionen ausgeschöpft sind, erkannte einst schon Winston Churchill.


Standard & Poor’s blickt mit Vorsicht auf den US-Bankensektor
(wirtschaftsfacts.de) Wie die Ratingagentur Standard & Poor´s neulich bekannt gab, seien die im US-Bankensystem schlummernden Risiken weiterhin größer als unter den international aktiven Playern. Überraschend ist diese Ankündigung sicherlich nicht, denn seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise wurde den US-Instituten die Möglichkeit einer aufgeweichten Bilanzierung ihrer Kreditpositionen eingeräumt. Für Investoren bleibt die Lage nach wie vor schwer einzuschätzen, ob sich ein Engagement im US-Bankensystem als lohnend oder schwerwiegender Fehler erweisen würde. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Seit Monaten sind die US-Blogs voll von negativen Schlagzeilen über die Krise in Europa und besonders über die Situation der europäischen Banken – im Vergleich zu den US-amerikanischen. Natürlich stecken Europas Banken in einer Krise, nur tun das die US-Banken auch: „Im Vergleich  mit internationalen Wettbewerbern seien die Risiken in den Portfolios vieler amerikanischer Banken auch weiterhin größer als weithin angenommen. Trotz einer teils deutlichen Verschlechterung der Kreditportfolios unter europäischen und asiatischen Banken werde der mittelfristige Ausblick für US-Institute immer noch als riskanter eingeschätzt. Im internationalen Vergleich rangiert das Bankensystem der Vereinigten Staaten laut S&P in einer Gruppe mit den Ländern Neuseeland, Südkorea, Dänemark und Großbritannien.“ Womit dann auch gleich unsere Meinung über den schlechten Zustand der Banken in Dänemark und Großbritannien gestützt wird.


Der nächste Kandidat heißt Slowenien
(zeit.de) Slowenien war lange Zeit ein Musterland Europas. Doch eine Bankenkrise und ausbleibende Reformen führten das Land in die Krise. Jetzt muss Europa helfen. Weiterlesen…

Kommentar: Eine umfangreiche Analyse. Aus unserer Sicht leider mit einigen Fehlinterpretationen. Die aber unabhängig davon einen bedeutsamen Beweis erbringt: Der Boom ist überall in der Eurozone nach dem gleichen Muster abgelaufen und letztlich ist es eine von den Banken finanzierte Immobilienblase, deren Platzen dem schönen Schein den Glanz nimmt. Der Aufbau einer funktionierenden öffentlichen Verwaltung, einer Steuerbehörde, usw., damit wollte sich niemand aufhalten. Hätte eine Menge Geld gekostet und keinen Gewinn gebracht, wenigstens keinen kurzfristigen. Wer etwas Lesen möchte über die Wahrheiten hinter der europäischen Krise, der ist mit diesem Beitrag bestens bedient.


Sozialdemokraten in den Niederlanden wollen aus dem Euro aussteigen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) „Ich weiß nicht, ob wir in der Lage sein werden, den Euro beizubehalten“, warnt der Chef der niederländischen Sozialisten. Seine Partei liegt aktuellen Umfragen zufolge vorn und will den harten Sparkurs nicht fortsetzen. Seine Partei werde andere Wege einschlagen. Weiterlesen …

Kommentar: Falls es soweit kommt, werden wir ein freundliches „Lebewohl“ hinterher rufen. Vorher sollten sich die Sozialdemokraten aber schnell noch die Bilanzen der niederländischen Banken ansehen, ihre Verwicklungen in die Bankenschuldenkrise, ihre Schwierigkeiten im heimischen Markt und die milliardenschweren Euro-Hilfslieferungen der EZB. Das klärt die Sinne. Wenn die holländischen Sozialdemokraten dann nicht kleinlaut werden und sich zum Nachdenken in ihre hoffentlich bezahlten Häuschen zurückziehen, dann haben sie nichts begriffen und es steht schlecht um die neue Regierung.


Südländer bauen ihre Handelsbilanzdefizite ab
(ftd.de) Die Handelsbilanzdefizite aller Krisenstaaten in Europa schrumpfen. In Griechenland ist schon 2013 eine ausgeglichene Handelsbilanz denkbar. Der Haken: Die Entwicklung geht auf deutlich eingebrochene Importe zurück. Weiterlesen…

Kommentar: Grund zur Freude? Sehen wir nicht. Statt eines Kommentars verweisen wir am Beispiel Griechenlands auf einen aktuellen Beitrag (hier), der das wahre Dilemma sehr genau beschreibt. Damit wäre dann zu diesem Thema erst einmal alles gesagt.


Studie: Lebensstandard in Deutschland sinkt seit Euro-Einführung
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Deutschland ist nicht der Gewinner des Euro: Das Einkommen das Haushalten tatsächlich zur Verfügung steht, ist in den südlichen Euroländern durch die Gemeinschaftswährung stark angestiegen. Die Kernstaaten der Eurozone haben seit der Einführung des Euros allerdings deutliche Verluste hinnehmen müssen. Weiterlesen…

Kommentar: Schon wieder ist der Euro schuld. Das ist Unsinn. Für Deutschland gelten andere Gründe, sie heißen Lohnminusmeister, Agenda 2010, Vermögensumverteilung. Wir ersparen uns einen wortreichen Kommentar und zeigen – zum wiederholten Mal – einige aussagekräftige Grafiken zum Thema: 


© querschuesse.de, 2012 


 © wirtschaftundgesellschaft.de 


 © dgb.de 

© querschuesse.de, 2012


Das sollte genügen, um die wirklichen Zusammenhänge zu erkennen. Deutschland hat vom Euro profitiert, nur bei den Menschen ist davon nichts angekommen.


Deutschlands riskante Abhängigkeit vom Export
(ftd.de) Deutschlands Wirtschaft hängt stark von den Ausfuhren ab. Zu stark, denn schon droht ein Absturz wie 2009. Berlin muss schleunigst gegensteuern – damit das Schlimmste diesmal verhindert werden kann. Weiterlesen…

Kommentar: Der Export ist Deutschlands Wirtschaftsmodell. Da wird es niemand geben, der daran rüttelt. Ganz im Gegenteil, Deutschland feiert sich gerade für einen noch nie dagewesenen Handelsbilanzüberschuss (hier).


Deutschland verkommt zur Kleptokratie
(welt.de) Der Staat verlangt nach mehr, die Bürger zahlen fleißig. Die Forderung nach Steuererhöhungen zu Lasten von Mittelschicht und Reichen ist absurd und selbst die Union entwickelt neosozialistische Züge. Weiterlesen…

Kommentar: Ein lächerlicher Artikel. An Stelle eines Kommentars verweisen wir auf unseren Beitrag „Reichtum durch Arbeit ist etwas für Anfänger“ (hier). Natürlich wäre es besser, nur die Reichen kräftig zu besteuern, denen wurde schon seit Jahren zu viel Gutes getan. Setzt sich die Krise fort, dann empfehlen wir einen Blick auf den „New Deal“ des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, der für eine gewisse Zeit die Reichen mit einem Steuersatz von 90% bedachte. Und alle haben bezahlt.