Montag, 27. August 2012

Standpunkt 356 - Nachrichten-Ticker, 26.08.



Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ... 


Themen: Börsen-Crash – Armut in Europa – CSU – Draghi – Bundesbank – EZB – BRIC-Staaten – Niederlande – Immobilienblase Deutschland – Luxemburg – Arbeitslosenzahlen  


Die Lage spitzt sich zu. Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich das „Blutbad“ Finanzkollaps. Nichts hat sich geändert. Die Banken betrügen hemmungslos weiter, zwingen die Staaten und ihre Bürger in die Haftung und befeuern so die Staatsschuldenkrise. Die Krise in Europa verschärft sich weiter. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Situation hilflos gegenüber, schlimmer noch, sie verspielen mit leichter Hand das Volksvermögen ihrer Länder. Längst sind die Regierungen Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos: hier.

Deutschland bereitet sich vor, auf Financial Repression und geeignete Maßnahmen zur Enteignung ihrer Bürger. Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang. Es gibt viele Möglichkeiten. Ein Blick zurück zeigt: Niemand ist darin so erfahren wie die Deutschen. Lastenausgleich, Zwangshypothek, Hypothekengewinnabgabe, Bargeld- und Devisenkontrollen (Kapitalverkehrskontrollen) und das Verbot von Goldbesitz zum Beispiel.

Eine besonders perfide Spielart der Enteignung ist die neu formulierte Vorschrift des § 89 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), in dem das Zahlungsverbot und die Herabsetzung von Leistungen geregelt sind. Eine Vorschrift, die im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist und in der Öffentlichkeit noch nicht zur Kenntnis genommen wurde.

Uns geht es nicht um Panikmache oder die Verbreitung von Verschwörungstheorien, sondern nur darum, unseren LeserInnen den Blick zu schärfen für die weitere Entwicklung. Zum Thema Enteignungen haben wir hier einen eigenen Beitrag vorbereitet.  

Für alle LeserInnen, Neuankömmlinge oder Alteingesessene, haben wir außerdem hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Wer sich nicht wehrlos diesem Schicksal von Repression und Enteignung ergeben will, der muss jetzt handeln, nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Dann kann es schon zu spät sein. Gerade ist es noch 5 vor 12, dann ist es schon 5 nach 12. 

Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Soviel ist sicher.
 
Wir sind gerne dabei behilflich, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Wir garantieren eine individuelle, unabhängige, und sorgfältige Beratung. Wir berechnen lediglich eine leistungsgerechte, einmalige Aufwandsentschädigung. Dadurch können wir unseren Blog werbefrei halten. Darauf legen wir größten Wert, eine unabdingbare Voraussetzung für unsere Unabhängigkeit. Wir bekämpfen die Finanzindustrie, deren provisionspflichtigen Angebote empfehlen wir nicht. Die uns zugänglich gemachten Informationen behandeln wir absolut vertraulich. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de


„Code Red“: Bank of America erwartet Börsen-Crash
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Steigende Aktienkurse trotz schwächelnder Wirtschaft und Krise in Europa. Die Börse wartet nur auf eine Geldschwemme der Fed, begründet die Bank of America diese Entwicklung. Folgt keine Lockerung der Geldpolitik, wird es der Bank zufolge zu einem gewaltigen Crash an den Börsen kommen. Weiterlesen…

Kommentar: Die Fed hat sich bereits auf eine neue Runde der Lockerung (qe3) festgelegt, es geht nur noch um die Modalitäten. Damit wird jedoch wieder nur Zeit gewonnen, an den grundsätzlichen Problemen ändert sich nichts. Wenigstens bis zur Präsidentschaftswahl im November soll noch ein bisschen „heile Welt“ produziert werden. Der Börsen-Crash muss noch warten, kommen wird er bestimmt. Wir halten fest: Aktienspekulation ist nur etwas für Leute mit starken Nerven und die es sich leisten können, ihr Geld ganz oder teilweise zu verlieren.


Unilever stellt sich auf neue Armut in Europa ein  
(ftd.de) Die Krise zwingt den Konsumgüterkonzern Unilever zum radikalen Umdenken. Das Erfolgsmodell: günstig statt premium. „Die Armut kehrt nach Europa zurück“, sagte Europa-Chef Jan Zijderveld der FTD. „Wenn ein Spanier nur noch durchschnittlich 17 Euro pro Einkauf ausgibt, dann kann ich ihm kein Waschmittel für die Hälfte seines Budgets verkaufen.“ Deshalb will der drittgrößte Konsumgüterhersteller der Welt nun Lehren aus dem Asien-Geschäft anwenden. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Bitte nicht dem Irrtum erliegen, dass es nur die südeuropäischen Länder trifft. Es dauert länger, aber irgendwann müssen auch die „Nord-Staaten“ daran glauben, Deutschland mittendrin. Gewöhnen wir uns schon daran und üben das sparsame Einkaufen. Der österreichsiche Standard titelt zum Thema: „Die Armut kehrt nach Europa zurück“ (hier).


CSU beleidigt Draghi als „Falschmünzer“
(manager-magazin.de) Die CSU greift EZB-Chef Mario Draghi wegen seines Kurses in der Eurokrise scharf an. Mit seiner Idee einer Zinsobergrenze beim Ankauf von Staatsanleihen sei Draghi „auf dem besten Weg, in das Geschichtsbuch als der Falschmünzer Europas einzugehen“. Weiterlesen…

Kommentar: Bayerische Prosa. Rücksichtslos wird polemisiert und gegiftet. Was wir vermissen sind nützliche Ideen zur Lösung der Krise, der Ausschluss Griechenlands für sich genommen ist noch keine. Da kommen wir noch einmal auf die Idee von Wilfried Scharnagl, Bayern solle einen eigenen, autonomen Staat bilden (hier). Bei dem Hang hierzulande zur Kleinstaatlichkeit der Ur-Ur-Ur-Großeltern nur konsequent. Wenn diese Leute die Zeit nur weit genug zurückdrehen, dann erleben wir auch noch einen 30-jährigen Krieg. Sicherlich nicht mit Musketen und Hellebarden, sondern mit Laptop und Lederhose.  


„Bundesbank untergräbt Glaubwürdigkeit der EZB“
(handelsblatt.com) Die Finanzexpertin Susanne Schmidt empfiehlt in ihrem Buch „Das Gesetz der Krise“ eine Neuregulierung der Finanzbranche. Im Interview spricht sie über Lösungen der Euro-Krise und die Rolle der Notenbanken. Weiterlesen...

Kommentar: Was zu allererst auffällt: Die Autorin geht wieder nur relativ zahm zuwerke. Etwas, das uns schon in ihrem ersten Buch „Markt ohne Moral – Das Versagen der internationalen Finanzelite“ aufgefallen ist. Frau Schmidt sieht zu sehr das Gute im Menschen, statt Gier, Egoismus und sehr viel kriminelle Energie zu unterstellen. Außerdem kein Wort über die gefährliche Rolle der Finanzindustrie, die sich jeder Neuordnung kategorisch verweigert, oder die Handlungsunfähigkeit der Regierungen, die sich selbst blockieren oder von der Finanzindustrie blockiert werden. Niemand will sich an diesem Thema die Finger verbrennen. Es wird einfach verdrängt. Statt dessen wird uns eine Vision angeboten. Die Vision, dass mit ein paar politischen Winkelzügen, wie neuer EU-Vertrag, Bankenunion, Schuldenbremse, Fiskalpakt, usw., die Krise aufhört. Falsch. Und ein klares Indiz dafür, wie fest sich „Euroland in Bankerhand“ befindet (hier). Sehr viel mehr als beim Ausbruch der Finanzkrise 2008.


„Die BRIC-Staaten können uns retten“
(handelsblatt.com) Die BRIC-Staaten haben noch immer das Potenzial, eine weltweite Rezession abzuwenden. Auch wenn die einstigen Boom-Staaten heute straucheln: Schaffen sie es wieder nach oben, ziehen sie uns mit. Weiterlesen…

Kommentar: Eine Sünde aus der Giftküche von Goldman Sachs. Eine Schönschreibung der Wirklichkeit. Was wir in Brasilien, Indien und China erleben sind substantielle Einbrüche und die Regierungen planen mit riesigen Konjunkturprogrammen gegenzusteuern. Nur geht es dabei um die Stärkung der Binnennachfrage, nicht um die Stabilisierung oder gar Ausweitung des Exports. Selbst eine Steigerung der Importe, die nicht abzusehen ist, fällt nicht so groß aus, um die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Wieder einer, der uns ein X für ein U vormachen will.


Niederlande: Immobilientalfahrt beschert ABN Verdoppelung der Abschreibungen
(wirtschaftsfacts.de) Ähnlich einer ganzen Reihe von anderen Instituten in der Eurozone, hatte auch die niederländische Großbank ABN Amro im 2. Quartal mit einem Nettogewinneinbruch von 36% zu kämpfen. Zu dieser Entwicklung trugen vor allem die fallenden Preise an den heimischen Immobilienmärkten bei. Eine stagnierende Wirtschaft bildete das I-Tüpfelchen auf einem miesen Quartal, das bei dem Kreditgeber im Vergleich mit dem Vorquartal fast zu einer Verdopplung der Abschreibungen führte. Die Lage an den privaten und gewerblichen Häusermärkten der Niederlande verschärft sich. Weiterlesen…

Kommentar: Nur zur Ergänzung unserer bisherigen Berichterstattung. Wie schon früher geschrieben: Holland in Not.     


Die große Angst vor der Blase
(faz.net) Die Wohnungspreise steigen wie noch nie. Viele fragen sich, wie lange das noch gut geht. In den ersten Großstädten läuft der Markt heiß. Den großen Knall dürfte es hierzulande trotzdem nicht geben. Weiterlesen…

Kommentar: Träumt weiter, Immobilienjunkies. Rundherum, Frankreich, Niederlande, Österreich, Schweiz, beginnen die Immobilienmärkte zu drehen und es kommt bereits zu kräftigen Preisreduktionen. Wer kann da ernsthaft glauben, der deutsche Immobilienmarkt bleibt davon verschont? Hierzulande wird, wie überall, die Belastung des Marktes mit Höchstpreisen getestet. Das ist demnächst vorbei und dann nimmt Deutschland den gleichen Weg wie alle anderen Immobilienmärkte. Für sehr viele wird das zum finanziellen Desaster.


Luxemburg: Reich, sozial – und völlig überschuldet
(handelsblatt.com) Die Heimat von Euro-Gruppenchef Juncker gilt als Wohlstands- und Sozialstaatsparadies. Die Renten sind hoch, der Mindestlohn funktioniert. Doch Luxemburgs ausufernde Fürsorgepolitik droht bald den Staat zu ersticken. Weiterlesen…

Kommentar:  Die „Stiftung Marktwirtschaft“ praktiziert einen merkwürdigen Umgang mit den Zahlen. Ausweislich der folgenden Grafik hat Luxemburg tatsächlich implizite Staatsschulden von 1100% des BIP und liegt damit in direkter Nachbarschaft zu den Dauer-Krisenstaaten Irland und Griechenland. Am anderen Ende liegt Italien auf Platz 1, gefolgt von Deutschland auf Platz 2, jeweils mit geradezu traumhaft günstigen Werten: 



Deutschland hat nach unserer Kenntnis mittlerweile implizite Staatsschulden von 8,2 Billionen Euro, bei aktuell 2,88 Billionen Euro BIP (Quelle: Wikipedia, 27.06.2012), rund 280%. Eine sehr deutliche Abweichung zu den Angaben in der Grafik. Erhebliche Zweifel haben wir außerdem an Italiens Spitzenplatz. Großbritannien fehlt gleich ganz. Alles in allem nicht sehr vertrauenerweckend, was die „Stiftung Marktwirtschaft“ abliefert.


Ökonom Bosbach: „offizielle Arbeitslosenzahlen sind Schönfärberei“
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Arbeitslosenzahlen werden in Europa politisch geschönt, auch Deutschland ist da keine Ausnahme. Der Ökonom Gerd Bosbach sagt, die Staaten verhalten sich wie schlechte Schuldner: Sie manipulieren die Zahlen, damit sie leichter an Kredite kommen. Weiterlesen…

Kommentar: Ein sehr aufschlussreiches Interview mit einigen guten Beispielen. Ein bisschen Rechnen und man kommt zu erschreckenden Zahlen.