Donnerstag, 30. August 2012

Standpunkt 359 - Nachrichten-Ticker, 29.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Mario Draghi – Steuereinnahmen - Euro – Griechenland – Euro-Bruch – Rezession – Dänemark – Schweden – Schwellenländer – China – Untergangsängste


Zukunft Euro: Stabilität durch Wandel
(ecb.int) Es wird immer klarer, wie sehr der EZB-Präsident an der neuen Architektur Europas mitwirken möchte. Sein Gestaltungswille zielt dabei vor allem auf eine für die Geldpolitik hinreichende politische Union ab (Aus: „Draghis offener Brief an seine Bürger“, fuw.ch, hier). Weiterlesen…

Kommentar: Draghi geht in die Offensive, aber leider an der falschen Stelle. Seine Gegner sind eigentlich die Banken, nur in einem System, in dem die Notenbanken die Interessen der Finanzkonzerne bewahren, völlig undenkbar. Nur kann auch Draghi nicht ewig versuchen, einen anderen Weg zu nehmen, um die Krise zu lösen. Das funktioniert definitiv nicht. Vielleicht sollte ihm jemand das folgende Zitat einflüstern, das überraschenderweise nicht von einem Banker oder Ökonomen stammt, sondern von dem „berufsfremden“ Albert Einstein, angesichts der Weltwirtschaftskrise 1929: „Die Probleme, die es in der Welt gibt, sind nicht mit der gleichen Denkweise zu lösen, die sie erzeugt hat.“  Was das konkret heißt? Ohne Verstaatlichung (hat weder etwas mit Sozialisierung noch mit Kommunismus zu tun, eher mit dem „schwedischen Modell“, hier), Zerschlagung und – falls erforderlich – die Abwicklung der Geschäfts- und Schattenbanken, ohne Schließung des Finanz-Casinos, bzw. Verbot der Teilnahme für die europäischen Banken, ohne Trennbankensystem, ohne strenge Regulierung der Finanzmärkte, ohne regelmäßige Kontrolle und Aufsicht, keine Lösung der europäischen Krise. Leider werden bis zu dieser Einsicht noch viele Milliarden nutzlos in die Finanzindustrie fließen (hier) und Millionen Menschen in die Schuldenknechtschaft genommen.  


Wenn Steuererhöhungen die Steuereinnahmen senken
(heise/telepolis.de) Portugal hat die fatale Strategie vorgemacht, Spanien zieht am Samstag mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer nach.
Bevor die Troika-Prüfer am Dienstag erneut in Lissabon eingetroffen sind, pulverisieren sinkende Steuereinnahmen die Chancen Portugals, die versprochenen Defizitziele einzuhalten. Obwohl dafür Steuern massiv in Portugal erhöht wurden, sind die Einnahmen aber gesunken. Auch wenn sich das Land wie Griechenland auf dem Weg in die Depression befindet, dürfte die Troika ihm aber erneut ein positives Zeugnis ausstellen, obwohl die Staatsverschuldung massiv steigt und das Defizit kaum abgebaut wird. Das ebenfalls von Konservativen regierte Spanien zieht auf diesen Kurs nach. Ab Samstag wird sich durch eine Anhebung der Mehrwertsteuer alles deutlich verteuern, den ohnehin schlappen Konsum noch kräftiger abwürgen und die Arbeitslosigkeit noch deutlich steigen lassen. Weiterlesen…

Kommentar: Zu diesen Beitrag gibt es nicht viel zu kommentieren. Der Autor beschreibt leicht verständlich, was gerade in Europa alles schief läuft. Die Gespräche zwischen den Regierungschefs bringen die Eurozone keinen Schritt nach vorne. Die Volksweisheit „Außer Spesen nichts gewesen“ erhält wieder einmal seine Bestätigung.


„Es gibt keinen Grund, den Euro infrage zu stellen“
(wirtschaftsblatt.at) Der Euro sei eine stabilere Währung, als es der Schilling war, und die EZB müsse ihrer Rolle als Hüterin der Geldwertstabilität treu bleiben, sagt der Ökonom Gottfried Haber. Weiterlesen…

Kommentar: Wir sind froh über jeden Ökonomen, der sich eine klare Sicht auf die Dinge erhält, gerne auch einen österreichischen. Selbst wenn Haber uns in den Details nicht wirklich überzeugt. Auch er hängt z. B. dem Irrtum jahrelanger, überbordender Staatsausgaben nach. Schade, es wäre so viel leichter, wenn endlich der eine oder andere Ökonom die Bankenschuldenkrise als wahre Ursache benennen würde.


Van Rompuy: Griechenland kann niemals aus dem Euro austreten
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der Präsident des Europäischen Rats, Herman Van Rompuy, geht davon aus, dass der Euro für immer bestehen wird - dazu gehört auch, dass ein Euro-Austritt Griechenlands nicht möglich sei. Weiterlesen...

Kommentar: Stimmt. Deshalb ist die Diskussion in Deutschland über einen Austritt Griechenlands, angezettelt von Politikern der Regierungskoalition, eine ganz üble Sache. Lug und Trug, sonst nichts.


Fünf Gründe für Griechenlands Verbleib im Euro
(welt.de) Die Regierung Samaras arbeitet hart: Ihr Sparpaket ist fertig, nächste Woche wird es der Troika vorgestellt. Das Land wird die gemeinsame Währung wohl behalten. Denn dafür spricht einiges. Weiterlesen…

Kommentar: Nicht zu vergessen: Es gibt keine Handhabe für einen Austritt und die Kosten sind unkalkulierbar. Den bisherigen Berechnungen ist nicht zu trauen.


Das bringt die Zukunft für Griechenland
(tagesanzeiger.ch) Anfang Oktober wird die Troika den neusten Bericht über das marode Land vorlegen. Je näher der Termin rückt, desto wilder werden die Spekulationen darüber, was dann folgen wird. Sechs plausible Szenarien. Weiterlesen…

Kommentar: Uns stören die vorgeschlagenen Sonderwirtschaftszonen. Damit wird wieder zu einem Mittel gegriffen, mit dem man beispielsweise in Irland letztendlich schlechte Erfahrungen gemacht hat: Die Ansiedlung ausländischer Investoren durch niedrige Unternehmenssteuern zu fördern. Herrn Rösler sollte das bekannt sein.  


Bei Euro-Bruch drohen Schocks und Rezession
(derStandard.at) In einer Wifo-Studie werden Crash-Szenarien beschrieben. Ein Bruch der Eurozone bedeute verlorene Jahre, und Verlust von mehr als 100.000 Jobs. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Gerne hätten wir auch gleich die Studie angeboten. Noch nicht verfügbar. Holen wir so schnell wie möglich nach. Alternativ zeigen wir noch einmal die folgende Grafik, die sich mit dem gleichen Problem beschäftigt, aber zu schlechteren Ergebnissen kommt: 


© spiegel.de, 2012


„Erwarte milde Rezession in Europa, die lange anhält"
(wirtschaftsblatt.at) Eine schärfere Krise in Europa würde zwar das US-Wachstum hemmen, wäre aber weniger schlimm, als man denkt, sagt S&P-Expertin Bovino. In den USA drohe aber ein Sparkurs. Weiterlesen…

Kommentar: Eine Schönschreibung, geschuldet der anstehenden US-Präsidentschaftswahl. Die Fakten zeichnen ein anderes Bild. Schon die echte Arbeitslosenquote liegt bei über 20%, statt der offiziellen 8%. Mehr als 80 Millionen erwerbsfähige Amerikaner haben keinen Job, der ihren Lebensunterhalt sichert.    


Sicherer Hafen fällt: Eurokrise greift auf Dänemark über
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Das dänische BIP ist im zweiten Quartal des Jahres um 0,5 Prozent geschrumpft. Die Dänen sparen lieber aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage in Europa und verstärken die Auswirkung. Selbst die steigenden Exportzahlen können das derzeit nicht mehr ausgleichen. Die Zahlen seien „besorgniserregend“, erklären Ökonomen. Weiterlesen…

Kommentar: Diese Entwicklung war vorhersehbar. Wir haben bereits vor Monaten darüber berichtet (hier). In jüngster Zeit häufen sich die negativen Meldungen über die kriselnden Banken, die trotz Geldspritzen von dänischer Zentralbank und EZB nicht mehr auf die Beine kommen.


Schweden schnürt Konjunkturpaket
(ftd.de) Bislang ist Schweden von der europäischen Schuldenkrise großteils verschont geblieben. Dennoch will Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt mit Infrastrukturprojekten die Konjunktur stützen. Weiterlesen…  

Kommentar: Schweden greift frühzeitig ein. Unsere Warnung stammt schon aus dem Juli 2011 (hier). Kein Grund zur Panik, aber doch ein klarer Hinweis darauf, dass selbst das große Vorbild Schweden in die Bredouille geraten kann.  


Dani Rodrik: Optimismus bei Schwellenländern verpufft
(ftd.de) Es war falsch, von früheren wachstumsstarken Jahrzehnten auf die Zukunft zu schließen. Die ernüchternde Erkenntnis: In Schwellenländern wird es kaum mehr Wirtschaftswunder geben. Weiterlesen…  
Kommentar: Rodrik beschreibt akkurat die Wirklichkeit. Da gibt es nichts zu kommentieren.


China geht es gut
(project-syndicate.org) Es mehren sich die Sorgen, dass die chinesische Konjunktur auf eine harte Landung zusteuern könnte. Die Kurse am chinesischen Aktienmarkt sind im Verlauf des letzten Jahres um 20% gefallen und haben damit ein Niveau erreicht wie zuletzt im Jahr 2009. Anhaltend schwache
Wirtschaftsdaten – von der Stimmung der Einkaufsmanager über die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze bis hin zu den Exporten – sorgen zunehmend für Unruhe. Viele befürchten, dass der langjährige Wachstumsmotor der Welt ins Stottern gerät.
Die Sorge ist übertrieben. Die chinesische Konjunktur hat zwar tatsächlich an Fahrt verloren, doch die
Abschwächung wurde eingedämmt und das dürfte in absehbarer Zeit so bleiben. Die Voraussetzungen für eine sanfte Landung bleiben bestehen. Weiterlesen…

Kommentar: Der Autor, Stephen S. Roach, fällt uns immer wieder durch positive Bewertungen der chinesischen Entwicklung auf. Kritische Töne kommen da nicht wirklich vor. Wir wollen diesen Beitrag unseren LeserInnen nicht vorenthalten, schließlich ist noch nicht entschieden, wie sich China letztlich entwickelt. Wir bleiben jedenfalls unserer Meinung treu und glauben nicht daran, dass die chinesische Wirtschaft ohne Blessuren die kommenden Jahre übersteht.


China, Land des Misstrauens und der Manipulationen
(welt.de) Angewidert erkennt Chinas Öffentlichkeit Lug und Trug in den Führungsetagen. Korruption und Machtmissbrauch beschleunigen die gesellschaftlichen Auflösungserscheinungen. Wer Geld hat, geht. Weiterlesen…

Kommentar: Was in diesem Artikel beschrieben wird, ist mit verantwortlich für das Krisenpotential in China.


Deutschland in Untergangsängsten
(heise/telepolis.de) Nach einem von Ipsos erstmals erstellten "Nationalen Wohlstandsindex" herrschen Panik und Sehnsucht nach Sicherheit in Deutschland.
Das Marktforschungsinstitut Ipsos hat zusammen mit dem Zukunftsforscher Professor Dr. Horst W. Opaschowski einen "Nationalen Wohlstandsindex für Deutschland" entwickelt, um daraus einen "Wohlstandsbarometer" abzuleiten. Anhand von repräsentativen Umfragen soll damit erklärt werden, wie die Menschen verschiedene Aspekte des Wohlstands bewerten. Unterschieden wurde ökonomischer, ökologischer, gesellschaftlicher und individueller Wohlstand. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Absolut lesenswert. Relativiert die öffentlichen Beschwichtigungen und Hurra-Rufe aus den Reihen der Politiker, Ökonomen und Spätberufenen. Für besonders gründliche LeserInnen bieten wir hier die Pressemitteilung von Ipsos