Freitag, 31. August 2012

Standpunkt 360 - Nachrichten-Ticker, 30.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Euro-Zombie-Banken – Europäische Union - Euro – China – Merkel – Anlegerschutz – Euro-Crash – Bankgeheimnis


„Zombie-Banken“ der EZB bedrohen die Euro-Zone
(handelsblatt.com) Ökonomen warnen vor einem gefährlichen Trend in der Euro-Rettungspolitik: der zunehmenden Abhängigkeit europäischer Krisenbanken von der EZB. Am Ende könnte ein „Zombie-Banken-System“ entstehen, das ganz Europa bedroht. Weiterlesen…

Kommentar: Ein echter Schnellmerker, der Autor, Dietmar Neuerer. Zombie-Banken gibt es in Europa schon seit Jahren, sie sind längst fester Bestandteil des europäischen Bankensystems und überhaupt nicht mehr wegzudenken. Neben den britischen Banken der Londoner City gehören dazu die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse, die Deutsche Bank und die verstaatlichte Commerzbank (hier), außerdem die deutschen Landesbanken und die ebenfalls verstaatlichte HRE. Es sind rund 800 Banken, die von der EZB abhängig sind (hier). Sicher nehmen die spanischen und italienischen Banken hier Spitzenplätze ein, gefolgt von portugiesischen und französischen Banken. Dieses System wäre 2008 fast kollabiert und wurde nur mit knapper Not davor bewahrt. Leider haben sich die Regierungen als handlungsunfähig erwiesen (hier) und diesem Treiben nicht das versprochene Ende gesetzt. Statt dessen geht das Milliardenspiel „Bankenhilfen“ munter weiter. Logisch auch, dass sich immer neue Löcher auftun. Schließlich ist die Finanzkrise noch nicht zu Ende, sondern nimmt gerade wieder Fahrt auf. Die Menschen in Europa wollen es nicht hören, bzw. lesen: in den Bilanzen europäischer Banken stecken 18,2 Billionen Euro Müll (hier), der sich nicht so einfach in Luft auflösen wird.


Die notwendige Einheit der Europäischen Union
(project-syndicate.org) Die Folgen der europäischen Schuldenkrise sind in großen Teilen der Europäischen Union nur allzu präsent, da notleidende Ökonomien versuchen, Stabilität und Wachstum gleichzeitig zu erreichen. Ungeachtet der wichtigen Entscheidungen, die in den letzten Jahren gefällt wurden, müssen wir unsere Anstrengungen vergrößern, um den Herausforderungen für die Eurozone gerecht zu werden.
In der gesamten EU werden Reformen und Konsolidierungsmaßnahmen umgesetzt. Gemeinsame finanzielle Rettungsschirme wurden aufgespannt. Und die Europäische Zentralbank hat immer wieder gezeigt, dass sie zum Euro steht. Doch Experten und Partner unterschätzen oftmals unsere Entschlossenheit.
Alle bislang unternommenen Schritte führten nicht zu weniger, sondern zu mehr europäischer Integration. Zwar stimmt, dass die Entscheidungsfindung in unserem demokratischen System manchmal ihre Zeit dauert. Man hüte sich aber davor, uns falsch einzuschätzen: bei den Verhandlungen geht es um Gestaltung und nicht um das Endergebnis. In der EU ist ausreichend politischer Wille vorhanden, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu schützen, weil die Zukunft der Einheitswährung auch die Zukunft der europäischen Integration bestimmen wird.
Die in Europa notwendigen zusätzlichen Maßnahmen müssen in einem Bekenntnis zu einer tieferen Integration wurzeln. Hohe Staatsschulden in Kombination mit dem Verhalten von Teilen des Finanzsektors haben die Krise in der Eurozone verschärft und wesentliche Vertrauensfragen aufgeworfen, die nun eine systemische Antwort erfordern.
Das ist der Grund, weshalb wir die noch unerledigten Punkte hinsichtlich der Wirtschafts- und Währungsunion abschließen müssen – und weshalb sich die Europäische Kommission seit langem für die Schaffung einer Bankenunion als unerlässlichen Schritt in diese Richtung einsetzt. Die bevorstehenden Vorschläge der Kommission sind Teil eines umfassenden Pakets, das zu einer wirtschaftlichen, fiskalischen und politischen Union führt, die die Grenzen der europäischen Integration neu definieren wird. Weiterlesen…

Kommentar: Auch Barroso will es einfach nicht begreifen: Die Integration in Form von mehr wirtschaftlicher, fiskalischer und politischer Union zum jetzigen Zeitpunkt führt nicht zur Lösung der Krise in Europa. Sie laboriert an ihr herum, ohne ihre Ursache zu beheben, die Bankenschuldenkrise. Eigentlich sollte Barroso das wissen, schließlich versteht er sich als einer der europäischen Krisenmanager. Wir halten es für möglich, dass die „große europäische Politik“ die Krise dazu benutzt, um durch die kalte Küche im Schnellverfahren die Versäumnisse der vergangenen zwanzig Jahre nachzuholen, und dabei gerne über das Ziel hinausschießt, d. h. den europäischen Institutionen mehr Verantwortung und Macht zuschustert, als ihr gut tun. Das gilt es zu verhindern. Noch einmal und immer wieder: Die Krise in Europa ist keine Staatsschuldenkrise, sie wurde nur dazu umgedeutet. Das europäische Problem sind die Banken, genau wie anderswo auf der Welt auch.   


China stellt Bedingungen für Euro-Unterstützung
(sueddeutsche.de) Gemeinsam gegen die Euro-Krise: Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao sichert Kanzlerin Merkel Unterstützung zu, fordert aber auch stärkere Anstrengungen der europäischen Partner. Im Rahmen der China-Reise kann sich auch Airbus einen Großauftrag sichern. Weiterlesen…

Kommentar: Warum muss Europa sich das antun? Die größte Wirtschaftsmacht der Welt bettelt bei den Chinesen um Hilfe, lässt sich Bedingungen diktieren und im Gegenzug wertvolle Unternehmen abkaufen. Von den neuen, chinesischen Eigentümern werden die noch wertvolleren Ingenieurleistungen abgekupfert, was die wirtschaftliche Stellung Europas auf Dauer schwächt. Nennt sich dann beschönigend ein notwendiger Teil der Globalisierung. China betreibt eine neue Form der Kolonialisierung, nicht nur in Afrika oder bei seinen asiatischen Nachbarn, sondern auch in Europa und den USA. Da werden sich deutsche Arbeitnehmer demnächst noch verwundert die Augen reiben.


China verliert die Geduld mit Europa
(handelsblatt.com) Pekings Sorgen wachsen, dass Europa die Euro-Krise nicht in den Griff bekommt und Chinas Wachstumschancen gefährdet. Im Gespräch mit der Kanzlerin macht Premier Wen Druck – und legt Chinas Engagement in die Waagschale. Weiterlesen…

Kommentar: Jetzt gibt es auch noch Tipps aus China für eine bessere Wirtschaftspolitik. Und der Deutsche Michel klatscht Beifall. Sehr viel aufschlussreicher als der Artikel selbst sind die anschließenden Kommentare dazu. Sie zeigen, wie ahnungslos alle sind und wie klein die Chance ist, an dieser Ahnungslosigkeit etwas zu ändern. Die Strafe dafür wird drakonisch sein: Europa verliert seine wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt, sehr viele Arbeitnehmer ihre Jobs und ihr Einkommen, die Regierungen ausreichende Steuereinkünfte, usw.


„Wir wollen der Eurozone helfen, aus dem Dilemma herauszukommen“
(format.at) China hat sich zu weiterer Unterstützung im Kampf gegen die Euro-Krise bereiterklärt, falls die Bedingungen dafür stimmen. Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao kündigte am Donnerstag nach einem Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Peking an, China sei bereit, weiter in Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten zu investieren. Welche Bedingungen dafür notwendig seien, sagte er nicht. Weiterlesen...

Kommentar: Leere Worte. Bisher war es schon nicht sehr weit her mit dem Kauf von europäischen Staatsanleihen. Genaue Zahlen gibt es nicht, nach Angaben aus Portugal, Spanien und Italien halten sich jedoch die chinesischen Engagements in engen Grenzen. Lieber kaufen sich chinesische Unternehmen Staatsunternehmen in den Krisenländern, die auf Verlangen von EU/EZB/IWF so schnell wie möglich versilbert werden müssen. Egal wo man hinhört, die chinesischen Unternehmen haben riesige Probleme mit der Qualität ihrer Produkte, hängen mit der Entwicklung hinterher und benötigen dringend Nachhilfe in allen Bereichen, um vom Status „Werkbank der Welt“ wegzukommen. Da trifft es sich gut, dass sich Europa zu einem Unternehmenskäufermarkt entwickelt.  


China: Überschuldete Provinzen legen neue Konjunkturprogramme auf
(wirtschaftsfacts.de) Vielerorts wird bereits über eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft spekuliert. Derlei Annahmen sind nachvollziehbar, wenn man berücksichtigt, dass das produzierende Gewerbe und der Exportsektor immer stärker unter die Räder geraten. Entgegen der Annahme einer Abkopplung der chinesischen Wirtschaft von den Problemen in Europa und den Vereinigten Staaten zeigt sich, dass diese Sichtweise – wie im Jahr 2007 – abermals grundlegend falsch war. Viele Provinzen versuchen sich nun durch eine Auflage von neuen Konjunktur-, Infrastruktur- und Energieprogrammen gegen den Abschwung zu stemmen. Entlassene Fabrikarbeiter gehen erstmals seit 2008 in ihre Heimatprovinzen zurück. Weiterlesen…

Kommentar: China maßregelt Europa, während es selbst vor schier unüberwindlichen Problemen steht. Das hat was. Chinas Fähigkeiten werden in Deutschland verklärt. Nicht nur von den Konzern-Managern, sondern auch von den Journalisten in den einschlägigen Leitmedien. Die Provinzen sitzen auf rund 800 Milliarden US-Dollar notleidender Kredite, das entspricht ¼ der Währungsreserven Chinas. Einnahmen, mit denen diese Schulden irgendwann vielleicht doch noch bedient werden können? Fehlanzeige. Wo sollen die auch herkommen, wenn 600 Millionen Chinesen gerade einmal zwischen 800 und 1000 US-Dollar im Jahr verdienen?


Chinas Industrie- und Exportsektor: PMI im Sturzflug
(wirtschaftsfacts.de) Chinas produzierendes Gewerbe berichtete im August über eine anhaltende Verschlechterung des allgemeinen Geschäftsumfelds. Der HSBC Einkaufsmanagerindex (PMI) rutschte ab auf ein 9-Monats-Tief. Hinzu kommt, dass der PMI das zweitniedrigste Niveau seit März 2009 erreicht hat. Dazu trug vor allem ein signifikanter Rückgang der Industrieproduktion bei. Dass der Exportsektor unter Druck steht, hatten zuletzt publizierte Daten bereits gezeigt. So braucht man sich auch nicht zu wundern, dass der Eingang neuer Exportaufträge ebenfalls mit der schnellsten Geschwindigkeit seit März 2009 sank. Chinas Produktions- und Industriesektor gerät in die Mühlen eines sich weltweit verschlechternden Wirtschaftsumfelds. Weiterlesen…

Kommentar: Eine völlig normale Entwicklung. Wenn es dem Westen schlecht geht, erlebt auch Chinas Wirtschaft irgendwann einen starken Einbruch. Die Binnennachfrage kann diese Einbrüche nie und nimmer ausgleichen, neue Konjunkturprogramme können die Folgen abmildern, mehr nicht. Der Beitrag enthält anschauliche Grafiken.    


„Chinas Abkühlung ist ein gutes Zeichen“
(ftd.de) Klaus Rohland, Länderdirektor für China bei der Weltbank, hält Ängste vor einem Konjunktureinbruch in Fernost für überzogen. Auch den chinesischen Immobilienmarkt sieht er optimistisch. Weiterlesen…

Kommentar: Natürlich gibt es auch Leute, die optimistisch bleiben. Die behaupten, dass China technologisch aufholt, der Rückgang des Wirtschaftswachstums eine gewollte und geplante Abkühlung sei und der Immobilienmarkt sich, von oben gesteuert, merklich entspannt habe. „Die Abkühlung sei ein gutes Zeichen“, behauptet Rohland. Die vermögenden Chinesen sehen das wohl anders und schaffen ihr Geld lieber ins Ausland (hier). Wir bleiben dabei, China gerät in schwere See. Auf keinen Fall kann das Land der Weltwirtschaft als Lokomotive dienen. Noch profitieren einzelne Länder von ihren Exporten nach China, Ausfälle lassen sich damit nicht kompensieren.  


Merkel muss die Außenwirtschaft fördern
(handelsblatt.com) Die Kritik an mangelnder Unterstützung für die deutsche Außenwirtschaft wird immer lauter – wenig Koordination und falsche Akzente. Jetzt ist die Kanzlerin gefragt, vor allem als Türöffner für neue Wachstumsmärkte. Weiterlesen…

Kommentar: … und wieder einmal wird die Entwicklung des Binnenmarktes vernachlässigt. Seit Gründung der Bundesrepublik sucht die deutsche Wirtschaft ihr Heil im Export, der Binnenmarkt spielt keine Rolle. Dieses Manko ist augenfällig, abgestellt wird es nicht. Das rächt sich irgendwann.  


Wirtschaftsweiser warnt vor Crash von zehn Prozent
(welt.de) Darf Griechenland aus der Euro-Zone gedrängt werden? Der Wirtschaftsweise Lars Feld warnt vor einem verheerenden Dominoeffekt – mit einem nie dagewesenen Absturz der deutschen Wirtschaft. Weiterlesen…

Kommentar: Lars Feld ist uns bisher nicht als engagierter Euro-Retter aufgefallen. Scheinbar hat er nachgerechnet und ist vor dem Ergebnis erschrocken. 3,5 Billionen sind kein Pappenstil, besonders unter dem Aspekt, dass es bereits 8,2 Billionen Euro implizite Staatsschulden in Deutschland gibt. Nach einem Crash sind es dann mindestens 11,7 Billionen Euro. Tödlich. Die von Feld empfohlene Lösung eines Schuldentilgungsfonds kann höchstens Teil einer Gesamt-Lösung sein, ausreichend ist sie auf keinen Fall.  


Aigner schont die Banken
(sueddeutsche.de) Vor der Finanzkrise hatten Banken ihren Kunden Schrottpapiere angedreht. Kontrollen durch anonyme Testkunden sollten das in Zukunft verhindern. Doch bis heute hat die Regierung keinen einzigen verdeckten Kontrolleur losgeschickt – und vor der Bundestagswahl wird das wohl auch nichts mehr. Weiterlesen…  

Kommentar: Unfassbar, wie Aigner einknickt. Selbst auf das kleinste Fitzelchen von Kontrolle wird noch verzichtet. Wieder ein voller Erfolg für die Bankenlobby.


Hildebrand prophezeit Bankgeheimnis den baldigen Tod
(tagesanzeiger.ch) Der ehemalige Nationalbankpräsident sieht schwarz für das Bankgeheimnis. In einem Interview gab er diesem noch eine Lebensdauer von maximal zehn Jahren. Weiterlesen…  

Kommentar: Eine interessante Prognose, die jedem zu Denken geben sollte, der sich immer noch mit dieser Sache beschäftigt und für geeignet hält, sein Vermögen vor dem Fiskus zu verstecken. Fällt die Schweiz, dann fällt auch der Rest. Dubai und Singapur, die Kanalinseln, Lichtenstein, Österreich, Luxemburg oder die anderen einschlägigen Standorte, werden sich dieser Entwicklung kaum entgegenstellen. Es wird Zeit, sich darauf einzustellen. Schwarzgeld ist keine gute Idee.