Samstag, 1. September 2012

Standpunkt 361 - Nachrichten-Ticker, 31.08.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: USA – Mitt Romney – Jackson Hole – EU-Arbeitslosigkeit – Euro – EZB – Spanien – Kapitalflucht – Schweizer Bankgeheimnis – Moody’s – Schweizer Rating – China – Euro-Krise


US-Unternehmenschefs verdienen mehr, als ihre Unternehmen an Steuern zahlen
(heise/telepolis.de) Das US-Finanzsystem belohnt gerade die Unternehmensführer, die den höchsten Nachsteuer-Gewinn erzielen, d. h. Steuern bestmöglich vermeiden. Weiterlesen…

Kommentar: Obama wollte das ändern. Noch ein Versprechen, das von ihm geopfert wurde. Es hat seine Gründe, warum das Ansehen Barack Obamas bei den Amerikanern konkurriert mit dem von Jimmy Carter: dessen Ansehen ist grottenschlecht.  


Romney verspricht zwölf Millionen neue Jobs
(manager-magazin.de) US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat seine Anhänger auf dem Parteitag der Republikaner mit großen Versprechen begeistert. Der Multimillionär präsentierte sich als Garant für eine bessere Zukunft und warb vor allem um die Stimmen der Arbeitslosen. Weiterlesen…

Kommentar: Wir können den amerikanischen Wählern nur den Weitblick wünschen, Romneys Versprechen als das zu erkennen, was es ist: wertlos. Schon der aktuelle Präsident hat sich daran erfolglos versucht. Bei Obama waren es anfangs 2,5 Millionen Arbeitsplätze, die er schaffen wollte (hier). Er ist damit kläglich gescheitert. Wir erinnern noch einmal an die Episode, dass sich auf 56.000 offene Stellen bei McDonalds im vergangenen Jahr 1 Million Amerikaner beworben haben. Zuletzt waren es wenigstens 1 Million Jobs, die Obama versprochen hat (hier). Passiert ist nichts, die Arbeitslosenquote bleibt unverändert. Romney legt die Latte ohne Not noch ein Stück höher. Schließlich will er, „dass Amerika erfolgreich ist“. Dafür möchte er auch die Bildung verstärken. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass es gerade Bundesstaaten unter republikanischer Führung gewesen sind, die aus Kostengründen massenhaft Lehrkräfte entlassen haben. „Gegenfinanzieren“ will Romney seinen insgesamt 5 Punkte starken Plan mit Steuersenkungen für Unternehmen und dem Abbau von Regulierungen. Auf so eine Idee kann offensichtlich nur kommen, wer seine Geschäfte über Steueroasen abwickelt, statt zuhause die sowieso schon niedrigen Steuern zu zahlen. Die republikanischen Anhänger bejubeln einen Präsidentschaftskandidaten, der sich für Außenstehende durch und durch unamerikanisch, weil unpatriotisch, verhält.     


Gipfeltreffen der Sünder
(handelsblatt.com) Die Chefs der Notenbanken treffen sich in Jackson Hole. Was früher ein Treffen solider Stabilitätsexperten war, ist heute ein Gipfeltreffen der Geldbeschaffer: Sie sollen den Schuldenrausch der Politik finanzieren. Weiterlesen…

Kommentar: Hin und wieder können wir es nicht lassen und kommentieren einen Artikel im Handelsblatt. Früher wurden wir regelrecht zerrissen, heute werden wir geduldet. Bei diesem Artikel war es wieder einmal soweit und wir haben einen Kommentar hinterlassen, den wir an dieser Stelle für unsere LeserInnen noch einmal wiederholen wollen:

Wieviel Falschheit steckt schon im einleitenden Text! Es ist nicht der Schuldenrausch der Politik der finanziert wird, es sind die Schulden der Banken, die von den Regierungen bedient werden. Dazu ist jedes Mittel recht. Erst werden 22 Pleite-Banken, um ihnen mit riesigen Milliardenbeträgen auf Kosten der Steuerzahler helfen zu können, als "systemrelevant" eingestuft. Später, als auch das nicht reicht, wird in Europa die Bankenschuldenkrise kurzerhand in eine Staatsschuldenkrise umgedeutet. Die Bilanzen der europäischen Banken sind randvoll mit Müll, am dicksten gefüllt sind die britischen, die beiden Schweizer Großbanken, die Deutsche Bank und die Commerzbank. Bei letzterer nicht ohne Charme, da streng genommen in deutschem Staatseigentum. Daran sind nicht die Einführung des Euro oder die Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone schuld, sondern ausschließlich die Geschäftsmodelle dieser Banken. Die griechischen, spanischen, portugiesischen, irischen Banken waren nur die Erfüllungsgehilfen, um die heimatlichen Märkte aufzublasen. Jedes neue Hilfspaket, egal wohin es geschickt wird, hat nur ein Ziel: den großen Banken-Knall so lange wie möglich hinauszuzögern. Es genügt z. B. eine Kleinigkeit und der Derivatemarkt explodiert. Dann ist die Deutsche Bank, einst Primus in Deutschland, nichts mehr wert und die knapp 500 Milliarden Euro im dt. Bankenrettungsfonds schrumpfen zur Größe einer Portokasse. Die Jagd auf die Südeuropäer, in Deutschland seit Monaten der öffentliche Mittelpunkt, geht am Kern vollkommen vorbei. Sie dient nur der Ablenkung und wird bestens orchestriert.  

Wer sich bis dahin mit seinen Ersparnissen, bzw. seinem Vermögen, nicht eingebunkert hat, den wird dieser Finanztsunami wegfegen. Garantiert. 


25 Millionen Menschen in der EU ohne Job
(derstandard.at) Die Arbeitslosenquote des Euroraums bleibt auf Rekordniveau, unverändert hoch auch die Jugendarbeitslosigkeit. Weiterlesen…

Kommentar: In der Euro-Zone sind 18 Millionen Menschen arbeitslos, ein neuer Höchststand. Eine Entwicklung, für die einzig und allein die europäische Austeritätspolitik verantwortlich ist. Die mit unerfüllbaren Spardiktaten bezahlten Hilfsmilliarden für die Banken kosten zusätzlich noch Arbeitsplätze. Tragisch. 





„Ich warne davor, den Euro aufzugeben“
(taz.de) Wenn die Währung zerbricht, dann eher an Finnland als an Griechenland, sagt der Ökonom Gerhard Illing. Die Geschichte zeigt, dass kleine, reiche Länder Währungsunionen immer als Erste verlassen. Weiterlesen...

Kommentar: Ein kleines, feines Interview. Gerhard Illing macht bemerkenswert zutreffende Aussagen, die endlich den Weg in die Köpfe des Deutschen Michel finden sollten, bevor es zu spät ist.    


Streit um EZB eskaliert
(derstandard.at) Vor der entscheidenden Sitzung des EZB-Rats droht der dritte deutsche Notenbanker aus Frust über die Euro-Notenbank das Handtuch zu werfen. Weiterlesen…

Kommentar: Klingt eher nach Erpressung. Währenddessen bereiten sich die Spekulanten auf eine neue Runde „Gewinne machen“ in Europa vor. Das ist großes Schmierentheater, und alle Beteiligten wissen es.   


EZB hat die Führung in Europa übernommen
(handelsblatt.com) Jürgen Stark, der frühere Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank, warnt die Notenbanker vor dem Verlust der Unabhängigkeit. In Wahrheit zeigen sie den Politikern den Weg aus der Krise – und das ist auch gut so. Weiterlesen…

Kommentar: Vieles, was Charles Wyplosz in seinem Beitrag beschreibt, ist richtig. Seiner positiven Bewertung der EZB-Maßnahmen zur Krisen-Lösung folgen wir aber nicht. Wie die Katze um den heißen Brei streicht die EZB nämlich um das Grundproblem herum, die völlig indiskutablen Zustände in der Finanzindustrie. Beispielhaft beschrieben in unserem Beitrag „Desaster Derivatehandel“ (hier), der ultimativen Massenvernichtungswaffe (Horst Köhler, Warren Buffett). Greift die Politik da nicht ein, und die Chancen dafür stehen schlecht, wird die europäische Krise nicht gelöst, verlängert die EZB nur das Leiden und erlaubt den Spekulanten weiter ihre Gewinne zu machen. Jürgen Stark oder Jens Weidmann verweigern sich scheinbar aus Prinzip dem offensichtlich Notwendigen. Dazu: Carl-Ludwig Holtfrerich: „Die Deutschen sind als Prinzipienreiter bekannt“ (hier).

   
Spanien erhöht die Mehrwertsteuer
(handelsblatt.com) In Spanien tritt an diesem Samstag eine Erhöhung der Mehrwertsteuer in Kraft. Für die Bewohner des krisengeschüttelten Landes bedeutet das erhebliche Mehrausgaben. Manche Branchen trifft die Erhöhung besonders hart. Weiterlesen… 

Kommentar: Statt eines eigenen Kommentars verweisen wir noch einmal auf den Beitrag „Wenn Steuererhöhungen die Steuereinnahmen senken“ (hier),  orgestellt vor zwei Tagen.

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Kapitalflucht aus Spanien: Der nächste Rekord
(format.at) Die durch die Bankenkrise beschleunigten Kapitalabflüsse aus Spanien haben im ersten Halbjahr einen neuen Rekordstand erreicht. Weiterlesen…

Kommentar: Aus Sicht der Kunden eine verständliche Reaktion. Nur, Sicherheit bietet dieser Weg nicht. Wir erinnern an bereits gültige Kapitalverkehrskontrollen in Europa, die Schweiz inklusive. Ohne große Probleme wird der spanische Staat diese Gelder wieder zurückholen können. Die USA gelten als Vorreiter.


Hildebrand gibt zu denken
(fuw.ch) „Mit dem Steuerfluchtstandort Schweiz gehe es zu Ende.“ Der ehemalige Chef der Schweizerischen Nationalbank sieht das Ende des Bankgeheimnisses zu Steuerfluchtzwecken. Weiterlesen…

Kommentar: Die Schweizer sehen diese Entwicklung gelassen, wie dieser Kommentar zeigt. Zähneknirschend, behaupten wir. Die Schweiz ist längst erpressbar geworden, wie der Steuerstreit mit den USA augenfällig macht. Die US-Finanzbehörden nutzen das gnadenlos aus. Die Schweizer Banken werden zunehmend nervös. So kündigte die Schweizer Postfinance fristlos 1.700 Amerikanern die Konten, die erst kurz vorher von der UBS übernommen wurden (hier). Wie gravierend die Folgen der US-Angriffe auf das Schweizer Bankgeheimnis sind, zeigt der folgende Beitrag:  


ZKB kündigt Schweizern mit Wohnsitz USA die Hypothek
(tagesanzeiger.ch) Den Schweizer Banken war bis vor kurzem jeder Kunde recht. Doch die USA lehrten die Banker das Fürchten. Weiterlesen…  

Kommentar: Die Züricher Kantonalbank steht massiv unter Druck. Vor einigen Monaten war so etwas unvorstellbar. Die praktische Auflösung der Privatbank Wegelin, der bis dahin ältesten Bank der Schweiz, innerhalb weniger Tage hat den Anfang gemacht (hier). Die Schweizer Banken sind auf jeden Fall für Ausländer nicht mehr sicher.  


Moody’s stellt Schweiz Blankoschein aus
(tagesanzeiger.ch) Selbst eine kollabierende Bank wäre für die Ratingagentur kein Grund, der Schweiz ihr Top-Bonitätsrating wegzunehmen. Besondere Freude hat Moody’s an der Schweizer Schuldenbremse. Weiterlesen…  

Kommentar: Der Alpen-Hedgefonds Schweiz (hier) erhält den Ritterschlag. Eine unglaubliche Entscheidung. Ein Angriff auf die Intelligenz. Vor dem Hintergrund der mageren Kapitalausstattung und der höchst riskanten Geschäfte, Beispiel Derivatehandel, von UBS und Credit Suisse nicht nachvollziehbar. Bestätigt aber die Studie der ETH Zürich zum Netzwerk der Banken (hier).


Merkels China-Besuch: Deutschlands devote Chefs
(ftd.de) Deutsch-chinesisches Wirtschaftsforum in Tianjin anlässlich des Merkel-Besuchs in China: eigentlich der Ort für Deutschlands Top-Vorstandschefs, die Stimme zu erheben. Doch deren Zurückhaltung irritiert selbst Wen Jiabao. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Wir verkneifen uns einen Kommentar. Statt dessen bieten wir unseren LeserInnen ein Beispiel journalistischer Arbeit der besonderen Art. Der Artikel erschien nämlich einige Stunden früher unter der Überschrift „Merkels China-Besuch: Deutschlands kriecherische CEOs“ mit demselben Inhalt. Offensichtlich wurde zügig interveniert und postwendend die Überschrift entschärft. Die ursprüngliche Fassung gibt es hier.


Wie Sie sich vor der Euro-Krise schützen können
(spiegel.de) Gold? Schweizer Franken? Oder besser Aktien? Viele Verbraucher fragen sich, wie sie ihre Ersparnisse vor einem möglichen Zusammenbruch der Euro-Zone in Sicherheit bringen können. Hier sind die Antworten auf die drängendsten Fragen. Weiterlesen…

Kommentar: Wie üblich fehlt im Zusammenhang mit den Kapitallebensversicherungen der zwingend notwendige Hinweis auf § 89 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG). Damit disqualifiziert sich dieser angebliche Ratgeber von ganz alleine. Aber es geht noch weiter. 

Bei den Staatsanleihen vermissen wir eine Aussage zu der Gefahr des Totalverlustes, wenn das Finanzsystem kollabiert. Kein Wort von Zwangshypothek, Lastenausgleich, Hauszinssteuer, o. ä. im Zusammenhang mit Immobilien. 

Gold „ein solider Schutz in Krisenzeiten“? Schon was von einem Goldbesitzverbot gehört, wie in den USA 1933 eingeführt und bis in die 1970er Jahre beibehalten? Falls Nein, wird es Zeit. Die ideale Blaupause für eine zukünftige Maßnahme. 

Fremdwährungen? Offensichtlich will der Autor des Ratgebers kein Wort über die bereits gültigen Kapitalverkehrskontrollen in Europa und ihre Folgen verlieren. 

Alles Dinge, über die wir unsere LeserInnen hier ausführlich informieren. 

Dazu fällt uns wieder das treffende Zitat von Heinrich von Kleist ein: "Journalistik ist die Kunst, das Volk glauben zu machen, was die Regierung für gut findet."