Sonntag, 2. September 2012

Standpunkt 362 - Nachrichten-Ticker 01.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ... 


Themen: China – Mittelstand – Portugal – Sonderwirtschaftszonen – Griechenland – Euro-Zone – Weidmann – EZB – Bank of England – Australien – US-Wirtschaft – Bernanke – Fed – USA - UBS


Chinesen wollen in großem Stil deutsche Mittelständler kaufen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die chinesischen Investitionen in deutsche Unternehmen nehmen stetig zu. Noch immer ist Deutschland das beliebteste Investitionsziel für die Chinesen. Jeder vierte chinesische Manager erwägt einen Deal in Deutschland. 2011 war China der größte ausländische Investor in Deutschland. Weiterlesen…

Kommentar: Diese Entwicklung liegt voll im Trend – einer weiterhin sehr exportlastigen Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Die Geschäfte mit den europäischen Nachbarländern schwächeln, dann erliegt man eben ganz schnell den Lockungen fernöstlicher Reize. Die Chinesen verfolgen dabei knallhart ihre eigenen Interessen und setzen alles daran, ihre technische und qualitative Rückständigkeit so schnell wie möglich aufzuholen. Die Japaner haben zu Beginn ihrer Erfolgsgeschichte noch alles fotografiert und auf-/abgeschrieben. China hält sich damit erst gar nicht auf, sondern kauft sich das dringend benötigte Wissen einfach ein. Nach wie vor haben deutsche Ingenieure einen tadellosen Ruf in der Welt und deren Erfindungen/Entwicklungen genießen hohes Ansehen. Nur bei der Qualität der Produkte hapert es hin und wieder, wie das jüngste Beispiel bei Mercedes schmerzhaft zeigt (hier). Die Chinesen sind Meister des Kopierens und diese Fähigkeit genießt dort ein hohes Ansehen. Apple und IKEA haben damit bereits Bekanntschaft gemacht. China wird seine Methoden der Unternehmensübernahmen weiter verfeinern, die Fertigungen der übernommenen Unternehmen nach Hause verlagern und die Standorte in Deutschland schleifen.   


Portugal verfehlt das Defizitziel
(tagesanzeiger.ch) Portugal wird ein höheres Haushaltsdefizit haben, als mit seinen Gläubigern abgemacht. Das Sparprogramm macht der Wirtschaft des Landes schwer zu schaffen, die Arbeitslosigkeit steigt. Weiterlesen…

Kommentar: Wäre die EU konsequent, dann hätte Portugal jetzt verschärfte Auflagen zu erwarten. Tatsächlich rechnen wir damit nicht. Portugal genießt schon seit geraumer Zeit als Krisenstaat eine Sonderbehandlung, immer wieder wird ihm eine gute Entwicklung wegen der buchstabengetreuen Umsetzung der europäischen Spardiktate bescheinigt. Zusätzlicher Druck lastet auf dem Land durch die Entwicklung im benachbarten Spanien, die nicht ohne negative Folgen bleiben wird. Die Menschen leiden. Die beiden folgenden Grafiken zeigen die aktuelle Situation in Portugal und anderen ausgewählten europäischen Ländern und sind selbsterklärend: 







Sonderwirtschaftszonen sollen Griechenland retten
(spiegel.de) Wie kommt Griechenland aus der Rezession? Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, fordert im SPIEGEL Sonderwirtschaftszonen für das krisengeschüttelte Land. EU-Beamte sollen mit ihren griechischen Kollegen die Investitionen überwachen – ein Vorschlag, der immer mehr Unterstützer findet. Weiterlesen…

Kommentar: Eine Schnapsidee, die jetzt als großer Wurf gefeiert wird. Schulz erfindet einen neuen Begriff, will eine „Wachstumsagentur“ schaffen. Kein Wort davon, dass Sonderwirtschaftszonen mit EU-Recht nicht vereinbar sind. In Deutschland wurde kurz nach der Wende 1990 darüber diskutiert, eine Sonderwirtschaftszone für Ostdeutschland einzurichten. Experten hielten sie damals jedoch tarif- und steuerpolitisch sowie in Hinblick auf EU-Regeln für nicht durchsetzbar, damit war die Sache erledigt. Nachzulesen hier, bei Wikipedia. Was soll also diese fruchtlose Diskussion?


42 Prozent der Österreicher erwarten Euro-Kernzone
(format.at) 18 Prozent der Befragten glauben an ein völliges Zerbrechen der Eurozone und ein Comeback des Schilling. 42 Prozent der Österreicher rechnen damit, dass es in zehn Jahren eine Euro-Kernzone ohne Griechenland, Spanien und Portugal geben wird. Weiterlesen…

Kommentar: Sie sind halt doch zuversichtlich, die Österreicher. Wenigstens für sich selbst. Sehen sich als Teil einer Euro-Kernzone. Unterschätzen dabei aber völlig die Gefahren, die aus Osteuropa auf sie zukommen werden und alle bisherigen Maßnahmen zur Stabilisierung des Bankensektors leicht in den Schatten stellen können. Die dann erforderlichen Lösungen könnten die Leistungsfähigkeit Österreichs sehr schnell an ihre Grenzen bringen. Was dann? Rettungsschirm? Euro-Austritt? Für die Teilnahme an der Kernzone könnte es in dem Fall auf einmal nicht mehr reichen. Außerdem hat Nowotny recht, wenn er das Auseinanderbrechen der Euro-Zone als Katastrophe bezeichnet. Die Kosten wären gigantisch, in der Höhe kaum vorstellbar, auf jeden Fall nicht bezahlbar. Die Wirtschaftsmacht Europa wäre auf Jahre hinaus geschwächt.  


Weidmanns Schlacht
(faz.net) Der Bundesbank-Chef will verhindern, dass die EZB eine Notenbank nach italienischem Vorbild wird. Dafür erwägt er sogar den Rücktritt. Der Kampf um den Euro eskaliert. Weiterlesen...

Kommentar: Was für ein ärmliches Schauspiel. Kriegsgetöse in der EZB. Statt sich gemeinsam gegen die Spekulanten in Stellung zu bringen, oder, besser noch, die Krise mit geeigneten Maßnahmen zu beenden, bekämpfen sich die beiden Lager innerhalb der EZB scheinbar mit allen Mitteln. Weidmann treibt die urdeutsche Eigenschaft der Prinzipienreiterei wieder einmal auf die Spitze. Andererseits ist er natürlich gezwungen, an der Durchsetzung der Maastricht-Kriterien festzuhalten. Schliesslich war es die Bundesbank, die Europa damals diesen Murks eingebrockt hat in der Absicht, den Euro doch noch zu verhindern. Weidmann reitet das falsche Pferd: nicht die Inflation ist gefährlich, sondern der Zusammenbruch der Eurozone.         


Bank of England: Geldschwemme vermehrt das Vermögen der Reichsten
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Seit Anfang 2009 hat die britische Regierung stetig geldpolitische Lockerungen durchgeführt. Doch die wirklichen Nutznießer waren nicht die Durchschnitts-Briten, sondern die reichsten 5 Prozent der Bevölkerung. Gewinne von bis zu 322.000 Pfund pro Haushalt haben sie erreicht. Weiterlesen…

Kommentar: Die restlichen 95% sind auf dem Weg in den Lebensstandard der 1920er Jahre, wie die Bank of England (BoE) schon vor Monaten in einer Untersuchung festgestellt hat. Es hat schon seine eigene Klasse, mit welcher Begründung die BoE gleichzeitig ihre geldpolitischen Maßnahmen verteidigt: sie seien allen Bevölkerungsteilen nützlich gewesen, da sie einen noch „tieferen Einbruch der britischen Wirtschaft verhindert hätten“. Sicherlich tröstlich für alle Briten, die durch stahlharte Sparprogramme der Regierung ihren Job verloren haben und die ohne jede Aussicht auf einen neuen bleiben, während andererseits der Wert der Aktien „um 26% oder 600 Milliarden Pfund“ gestiegen ist. Die von der BoE bereitgestellte Liquidität sollte eigentlich die Wirtschaft antreiben, nicht die Aktienkurse. Was wir meinen, zeigt die folgende Grafik über die Entwicklung der Industrieproduktion, die mittlerweile auf dem Niveau der frühen 1990er Jahre angekommen ist: 




Australien: Neue Baugenehmigungen brechen im Juli um 17,3% ein 
(wirtschaftsfacts.de) Man muss schon auf beiden Augen blind und beiden Ohren taub sein, um die sich mehrenden Anzeichen für eine geplatzte Blase nicht sehen zu wollen. Die Vergabe von neu erteilten Baugenehmigungen brach im Juli in Australien am stärksten innerhalb der letzten zehn Jahre ein. Wie neueste Daten zeigen, kam es im Vergleich mit dem Vormonat zu einem dramatischen Rutsch von 17,3%. Davon betroffen waren alle Bundesstaaten gleichsam. Während im Juli auch die Verkäufe von neuen Häusern auf das zweitniedrigste Niveau in den letzten elf Jahren sanken, werden Ökonomen und Analysten nicht müde, über eine Fortsetzung der Preissteigerungen an den heimischenImmobilienmärkten zu schwadronieren. Dabei scheint die Blase längst geplatzt. Weiterlesen… 

Kommentar: Hin und wieder lohnt es sich auch noch, die Dinge außerhalb Europas zu beobachten:  Australiens Weg in die Krise ist vorgezeichnet. Wieder ist Auslöser der Immobilienmarkt. Weltweit verläuft alles nach dem gleichen Muster. Der Finanzindustrie sei Dank.   

   
US-Wirtschaft: Bernanke verdeutlicht Fed-Dilemma
(wort.lu) Kein klares Signal aus Jackson Hole. Weiterlesen… 

Kommentar: Wir rechnen weiter fest damit, dass Bernanke noch einmal reichlich Liquidität zur Verfügung stellt, quasi als Wahlhilfe für den amtierenden Präsidenten. Der Erfolg hängt vom Timing ab. Deshalb zögert Bernanke noch. Erst versucht er es noch ein bisschen mit den offiziellen Zahlen zum Wirtschaftswachstum und dem Konsumverhalten der Verbraucher. So hangelt er sich von Tag zu Tag weiter.  
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Drei Ex-UBS-Banker in den USA verurteilt
(handelsblatt.com) Die Mitarbeiter sollen amerikanische Kommunen bei Anleihegeschäften betrogen haben. Je nach Schwere der Schuld drohen den Verurteilten jetzt bis zu 30 Jahre Haft und Geldstrafen in Millionenhöhe. Weiterlesen…

Kommentar: Die Amerikaner lassen einfach nicht locker und setzen wenigstens kleine Nadelstiche gegen die Banken. Die Verurteilung der früheren UBS-Banker erhöht noch einmal den Druck auf die Schweizer Banken in der Auseinandersetzung um die Schwarzgeldkonten von US-Bürgern. Wir sehen hier nur einen Sieger, die USA. Damit wird gleichzeitig auch eine Schneise geschlagen für andere Staaten, um an das Geld ihrer Bürger in der Schweiz zu kommen. Wichtig für die südeuropäischen Krisenländer.