Dienstag, 4. September 2012

Standpunkt 365 - Nachrichten-Ticker, 03.09.



Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Bundeswehr-Inlandseinsätze – EU-Bankenaufsicht – Euro-Geldschwemme – Banker-Boni – Goldman-Sachs – Hans-Olaf Henkel – Euro – Euro-Anleihen – Draghi – Griechenland – Spanien – Italien – Österreich – Slowenien – USA – Londoner City


Bundeswehr will Häuserkampf auch für Inlandseinsätze trainieren
(heise/telepolis.de) Die Bundesregierung investiert dafür 100 Millionen Euro für den Bau einer Phantomstadt. Weiterlesen…

Kommentar: Die Bundesregierung macht konsequent da weiter, wozu das Bundesverfassungsgericht die Erlaubnis gegeben hat (hier). Wer über die Geschichte der Bundesrepublik hinaus zurück geht, der kann sich nur fürchten vor dem, was sich da entwickelt. 60 Jahre ist das Nachkriegs-Deutschland ohne militärische Einsätze im Inland ausgekommen. Daran hätte nicht gerüttelt werden dürfen. So stellt sich die Frage: Wofür? Scheinbar rechnet die politische Führung in Deutschland zukünftig mit Unruhen, nicht zuletzt wegen einer weiteren Verschärfung der Finanzkrise.


Die Multi-Billionen-Euro-Frage
(manager-magazin.de) Die Europäische Union will den Finanzsektor einer gemeinsamen Aufsicht unterstellen. Das Thema hat enorme Bedeutung: Es geht nicht nur um die Frage, wer künftig die Banken überwachen soll, sondern auch darum, wer für welche Bankenrettungen bezahlt. Weiterlesen…

Kommentar: Nur zur Erinnerung: Es geht europaweit um mindestens 18,2 Billionen Euro, ohne die Verpflichtungen aus dem Derivatehandel, die im Feuer stehen (hier). Wem diese Zahl zu mächtig erscheint, der kann sich hier ein bisschen einlesen. Keine leichte Kost. Bitte nicht schon vorher aussteigen, sondern bis zum bitteren Ende lesen. Die Größenordnungen, um die es in den PIIGS-Staaten bisher geht, immerhin auch schon 1,8 Billionen Euro (hier), sind nur ein Bruchteil dessen, was demnächst aus den Bankbilanzen quillt. Dafür ist es natürlich eminent wichtig, vorher die Sache mit einer Bankenunion, inklusive Regelung der Bankenrettungen, geregelt zu haben. Danach gibt es nämlich kein Zurück mehr und die Volksvermögen werden für die ultimativen Rettungsaktionen verbraten. Da könnte dann auch die Entscheidung anstehen, aufkeimende Unruhen als Terrorakt gegen den Staat zu qualifizieren und den Weg für Inlandseinsätze der Bundeswehr frei zu machen. Es ist zwingend geboten, vor der Bankenunion, falls die dann überhaupt noch notwendig ist, sich die Banken vorzuknöpfen, zu zerschlagen und neu aufzustellen. Wer pleite ist, da werden namhafte Institute dazugehören, wird dicht gemacht, die Verluste NICHT vergesellschaftet, das reale, werthaltige Geschäft auf eine andere Bank übertragen, so wie es in den USA die FDIC vormacht (hier).


Zwei Alternativen zur Geldschwemme
(spiegel.de) Mit billigem Geld versuchen die Notenbanken, die Finanzkrise zu lindern. Diese Woche will die Europäische Zentralbank mit einem neuen Anleihenkauf-Programm nachlegen. Doch die Geldflut schürt bei Bürgern und bei Experten Zweifel am bestehenden Währungssystem. Sie fordern Alternativen. Weiterlesen…

Kommentar: So, so, ein Goldstandard. Da bekämen die Analysten recht, die für den Fall Gold einen Anstieg auf 10.000 USD vorhersagen (hier). Für Deutschland wäre es die denkbar schlechteste Alternative: Die Goldvorräte der Bundesbank lagern überwiegend im Ausland, wie die folgende Grafik eindrucksvoll zeigt. 





Relativ problemlos erreichbar sind ganze 13%, um den Rest kümmern sich schon seit Jahren die USA. Wir sind uns sicher, der Teil ist für Deutschland längst verloren, in den USA pfeifen das die Spatzen schon von seit geraumer Zeit von den Dächern.

Die Alternative Vollgeld hat noch keine Chance, selbst nachdem mittlerweile eine kürzlich erschienene Studie des IWF die Vorteile herausgearbeitet hat (hier). Alle bisher vorgesehenen Lösungsansätze für die Krise in Europa haben nur zum Ziel, das bisherige System noch ein Stück weit über die Runden zu retten. Für die USA ist Vollgeld überhaupt kein Thema. Das könnte sich frühestens ändern, wenn aus der Finanzkrise der von uns erwartete Kollaps geworden ist und ein neues System installiert werden muss. Das wird sehr wahrscheinlich noch einige Jahre dauern.


Barnier gegen Obergrenze für Banker-Boni
(derstandard.at) Nach den EU-Finanzministern hat sich einem Zeitungsbericht zufolge auch EU-Binnenkommissar Michel Barnier gegen eine gesetzliche Obergrenze für Banker-Boni ausgesprochen. Weiterlesen…

Kommentar: Ein treffliches Beispiel dafür, wie gering die Lust der führenden europäischen Politiker ist, den Bankern in die Suppe zu spucken. Wieder soll es eine Selbstbeschränkung richten. Erbärmlich.  


Der talentierte Mr. Goldman Sachs
(derstandard.at) Goldman Sachs sichert sich Regierungsämter und Notenbankposten. Wie groß die Widersprüche sind, zeigt sich an EZB-Chef Mario Draghi. Weiterlesen…

Kommentar: In Deutschland gehört  Otmar Issing, Ex-Chefökonom der Bundesbank und der EZB - heute ständiger Störenfried bei den Versuchen die europäische Krise zu lösen - zu den Helfern von Goldman Sachs. Der Autor, Hermann Sussitz, liefert eine brauchbare Analyse. LeserInnen mit guten Englischkenntnissen empfehlen wir einen Blick in einen Beitrag von Matt Taibbi, erschienen im US-RollingStone unter dem Titel „Goldman Sachs: The Great American Bubble Machine“ (hier). Wir liefern demnächst eine kommentierte deutsche Übersetzung. Es wird klar, Goldman Sachs orchestriert die Folgen der Finanzkrise in den USA und Europa. Goldman Sachs geht es immer nur darum, Profit zu machen, am besten auf beiden Seiten der Medaille. Offene und versteckte Helfershelfer dafür gibt es genug. Das Ziel ist klar: Alle Vermögen in die Hand des reichsten 1%.   


Raus aus der Reuse!
(handelsblatt.com) Der Eurozone gehen die Argumente für den Erhalt der Gemeinschaftswährung aus – denn die Rettung wird immer nur teurer und teurer. Es ist höchste Zeit, Alternativen für die derzeitige Form des Euro auf den Tisch zu legen. Weiterlesen…

Kommentar: Hans-Olaf Henkel, ist als deutscher Helfershelfer für die Bank of Amerika tätig (hier). Das muss man immer vor Augen haben, wenn man sich mit seinen Diskussionsbeiträgen beschäftigt. Was von Henkel nicht zu erwarten ist, sind brauchbare Lösungsvorschläge. Der vorliegende Artikel zählt die angeblichen Mängel des Euro auf, stellt Mutmaßungen über die heutigen und zukünftigen Kosten an, bietet aber keine einzige Lösung. Die anschließenden Leser-Kommentare zeigen leider eindeutig, dass er mit dieser Masche gut ankommt. Nur wenige setzen sich kritisch mit dem Beitrag auseinander. Einer davon ist „Alexander-Peters“, dessen umfangreichen Kommentar wir empfehlen. Sein Fazit: „Der Eurozone mangelt es nicht an den fiskalischen oder wirtschaftlichen Voraussetzungen zu einer ordentlichen Währung. Vielleicht kann der Euro nicht so gut werden, wie die D-Mark einmal war, aber besser als der Dollar sollte er nach den Daten allemal sein können. Wenn er es heute nicht ist, dann liegt das nicht an der ökonomischen, sondern an der politischen Seite dieser Währung: Dem Euro fehlt die politische Absicherung durch eine handlungsfähige, gemeinsame Fiskalpolitik, welche der Dollar hat. Niemand aber stellt sich in Europa der Schaffung einer solchen gemeinsamen Fiskalpolitik vehementer entgegen als Nationalisten vom Schlage Henkels. Wenn der Euro wirklich in eine Währungskatastrophe münden sollte, werden diese Nationalisten Mitschuld daran tragen.“ (siehe 03.09.2012, 14.21 Uhr) 


Draghi, buy ‚em out!
(heise/telepolis.de) Wie die EZB mit dem Rückkauf von Euro-Anleihen den Euro und die Euro-Staaten retten könnte.
Rund 10 Billionen Euro schulden die EU-17-Staaten – ja, wem eigentlich? Den Banken? Den Bürgern? Tatsächlich halten italienische und französische Pensionsfonds deutsche Staatsanleihen, deutsche Fonds italienische und französische. Etwa 80% aller Euro-Staatsanleihen werden zwar nicht nur im eigenen Land, aber im Euroraum gehalten. Deutschlands Top-30-Dax-Unternehmen haben zusammen mit rund 700 Milliarden Euro eine Marktkapitalisierung von gerade einem Drittel des deutschen Anleihevolumens. Einfacher gesagt: Der Finanzmarkt ist weitgehend staatlich. Weiterlesen...

Kommentar: Danke für diesen Diskussionsbeitrag. Bemerkenswert. Mehr vom Autor Alexander Dill gibt es hier.


Die letzte Runde im Sparpoker
(heise/telepolis.de) Was die griechische Regierung im Einzelnen kürzen und wie sie Mehreinnahmen erzielen will.  Weiterlesen…

Kommentar: Eine Farce, die da veranstaltet wird. Es gibt nichts mehr zu sparen, trotzdem wird genau dieser Eindruck vermittelt. Und von den Krisenmanagern in Berlin, Paris, Brüssel und New York, gefordert. Trotzdem geht im rechten politischen Lager in Deutschland das Geschwafel von einem Austritt Griechenlands immer weiter. Wir sind gespannt, was die Troika für schlagkräftige Argumente findet, um die Griechen bis aufs Blut zu quälen.


Rajoy: Spanien kann sich nicht mehr selbst finanzieren
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der spanische Premier Mariano Rajoy hält eine Finanzierung der spanischen Schulden an den Finanzmärkten für nicht mehr machbar. Offenbar haben auch schon die Verhandlungen mit der EU über eine Rettung Spaniens begonnen. Weiterlesen… 

Kommentar/Ergänzung: Eine absehbare Entwicklung. Besonders, nachdem bereits jetzt feststeht: das mit der Europäischen Union vereinbarte Defizitziel für 2012 ist überschritten. In den ersten sieben Monaten ist ein Budgetdefizit von 48,5 Milliarden Euro aufgelaufen, minus 4,62% des BIP. Außerdem hat sich die Ratingagentur Moody’s bereits zu Wort gemeldet und die Herabstufung der Kreditbonität auf Junkniveau angedroht, falls Madrid um weitere internationale Finanzhilfen ersuchen sollte (hier). Das gleiche Spielchen wie bisher auch. Die Herabstufung der spanischen Regionen auf Junk hat bereits die Ratingagentur Standard & Poor’s begonnen. Es könnte sehr gut sein, dass sich Europa mit der Rettung Spaniens verhebt.  

 
Rezession in Südeuropa: Der italienische Patient
(ftd.de) Die Regierung in Rom prescht mit Reformen voran, doch Italiens wirtschaftliche Aussichten verdüstern sich – es droht eine Arbeitslosenquote von 15 Prozent. Experten befürchten, dass die Misere des Landes noch lange anhält. Weiterlesen…

Kommentar: Italien befindet sich auf dem direkten Weg unter den Rettungsschirm. Das wird schmerzhaft für Italien und für Europa. Montis Maßnahmen werden die Situation nur verschlimmern.


Slowenien: „Österreich ist im Worst-Case-Szenario eindeutig gefährdet
(format.at) Bei einer Staatspleite Sloweniens droht auch Österreich Ungemach, weil das Bankensystem am stärksten in Slowenien exponiert ist, meint Londoner Analyst. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Unsere österreichischen LeserInnen kennen unsere Meinung zu den gefährlichen Folgen für Österreich, wenn es in Osteuropa knallt, wovon wir fest ausgehen. Slowenien ist nur eine Zwischenstation auf dem Weg in diese Krise. Selbst wenn es in dem Zusammenhang nur um „Pipifax-Beträge“ geht, wie „format.at“ in einem anderen Artikel schreibt (hier). Wahrscheinlich wird die Zahlungsunfähigkeit Sloweniens verhindert, nur weiß noch niemand, wie teuer diese Rettung wird – auch für Österreich.  


US-Talfahrt geht weiter: Weniger Beschäftigte im August
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Zahl der neuen Anstellungen in den USA wird im August deutlich zurückgegangen sein. Die US-Wirtschaft hat nicht wie gehofft Fahrt aufgenommen. Die Schuldenkrise und das verlangsamte Wachstum in China drücken die allgemeine schlechte Lage der amerikanischen Wirtschaft. Obama und die Fed werden handeln müssen – vor allem mit Blick auf die Wahlen im November. Weiterlesen…

Kommentar: Wir können es nur immer wieder betonen: Die offizielle US-Arbeitslosenquote ist geschönt, wie die folgende Grafik, Stand Juli 2012, zeigt: 



 
Nachwehen der Finanzkrise: London macht Jagd auf frühere Starbanker
(ftd.de) Ermittlungen gegen den Ex-Barclays-Chef, eine Sammelklage gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden der Royal Bank of Scotland: Mit Fred Goodwin und John Varley müssen sich gleich zwei Protagonisten des jüngsten Booms der Londoner City ihrer Vergangenheit stellen. Weiterlesen…

Kommentar: Inspiriert vom großen Bruder USA macht Großbritannien Ernst und rückt der City auf die Pelle. So etwas würden wir uns in Deutschland auch wünschen. Fraglich bleibt aber, ob es auch zu Verurteilungen kommen wird.