Mittwoch, 5. September 2012

Standpunkt 366 - Nachrichten-Ticker, 04.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Goldman Sachs – Moody’s – Troika – Griechenland – Banker-Boni – Philipp Rösler – Portugal – ESM – EZB – Draghi – Slowenien – Fed – Staatsschulden – Finanzindustrie – China – Schweiz – Food Stamps 


Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt
(arte.tv) Die US-Bank steht für Maßlosigkeit und Spekulation. 30.000 Banker flechten ein Netz, das Staaten straucheln und Währungen fallen lässt. „Le Monde“-Journalisten drangen in die Schaltzentrale des Imperiums vor und sprachen mit Aussteigern (Quelle: stern tv-magazin, 30.08.2012). Zum Film…

Kommentar: Ein absolutes Muss. Bitte unbedingt ansehen. Diese Reportage sollte unseren LeserInnen endgültig die Augen öffnen, wer hinter dem Währungskrieg gegen den Euro steckt. Geschätzte 80 Mio. Deutsche haben mit ihrer Meinung über die europäische Krise Unrecht, inklusive der 37.000 Kläger in Karlsruhe. Außerdem ein Haufen Ökonomen, dazu die Herren Hankel, Henkel, Starbatty, Issing, Weidmann und wie sie sonst noch heißen. Wir sehen unsere Auffassung völlig bestätigt: Die Krise lässt sich nur lösen, wenn zuallererst die Finanzindustrie auseinandergenommen wird. Leider gibt es aber niemand weit und breit, der diesen Job machen könnte. Deshalb schwindet unsere Hoffnung und wir erwarten in absehbarer Zeit den ultimativen Kollaps. Absolut sicher ist auch: Wer seine Ersparnisse oder sein Vermögen nicht endlich gegen diese vorhersehbare Entwicklung absichert, der steht irgendwann mit leeren Händen da.    


Moody’s senkt Ausblick auf negativ: Triple A Deutschlands wackelt
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Ratingagentur Moody’s hat bis auf Finnland den Ausblick bei allen europäischen Triple A-Staaten auf negativ gesetzt. Der Grund: Die Schuldenkrise wird Deutschland und die anderen Nordstaaten erheblich belasten. Weiterlesen…

Kommentar: Dieser Ausblick ist ein Witz, vor allen Dingen, was Finnland betrifft. Dem Land geht es keinen Deut besser als den anderen auf negativ gesetzten. Andererseits haben wir diese Entwicklung schon seit Monaten erwartet. Finnlands Sonderbehandlung ist ein kompletter Fake, entlarvt die Bewertungen der Ratingagenturen als Teil eines großen Theaters. Positiv wird bei Finnland bewertet, dass sich das Land im Zusammenhang mit den Hilfen für Griechenland und Spanien Sonderrechte ausgehandelt hat. Niemandem will auffallen, dass bei einem Bruch der Euro-Zone, z. B. durch einen Austritt Finnlands, diese Sonderrechte nichts wert sind: Bei der Verteilung der Schulden werden diese Extra-Sicherheiten einfach zu Lasten Finnlands mit eingerechnet. Schon hat sich die Sache.  


Griechen empört über angebliche Troika-Pläne
(format.at) In Griechenland hat ein Bericht über angebliche neue Vorschläge der internationalen Geldgeber zur Ankurbelung der Wirtschaft des pleitebedrohten Landes Empörung ausgelöst. So ist von einer weiteren Kürzung des Mindestlohns und gar einer Abschaffung der Fünf-Tage-Woche die Rede, wie die Athener Wochenzeitung „To Vima“ auf ihrer Internetseite am Dienstag berichtete. Weiterlesen…

Kommentar: Wir sind sprachlos, erst gestern haben wir geschrieben: Wir sind gespannt, was die Troika für schlagkräftige Argumente findet, um die Griechen bis aufs Blut zu quälen. Die Deutschen Michel werden lauthals Beifall klatschen.


Barnier gegen Obergrenze für Banker-Boni
(derstandard.at) Nach den EU-Finanzministern hat sich einem Zeitungsbericht zufolge auch EU-Binnenkommissar Michel Barnier gegen eine gesetzliche Obergrenze für Banker-Boni ausgesprochen. Weiterlesen…

Kommentar: Ein treffliches Beispiel dafür, wie gering die Lust führender europäischer Politiker ist, den Bankern in die Suppe zu spucken. Wieder soll es eine Selbstbeschränkung richten. Erbärmlich.  


Der Euro darf nicht an Griechenland scheitern
(handelsblatt.com) Europa hat einen Preis, aber zugleich auch einen allgemeinen Wert. Diesen Wert kann nur erhalten, wer für ein wettbewerbsfähiges und starkes Europa streitet, argumentiert der Wirtschaftsminister und FDP-Chef Philipp Rösler. Weiterlesen…

Kommentar: Wir fragen uns schon seit geraumer Zeit, ob der zum Arzt ausgebildete Bundeswirtschaftsminister Rösler tatsächlich an das glaubt, was er im Zusammenhang mit Griechenland zum Besten gibt. So viel Ahnungslosigkeit eisern durchzuhalten ist einfach nicht möglich – denken wir. Andererseits gelten Ärzte in Wirtschaftsdingen mehrheitlich als vollkommen unbefähigt. Das wäre die einzige mögliche Erklärung für den Nonsens, den Rösler auch in diesem Gastbeitrag wieder von sich gibt. Irgendjemand sollte ihm den Rücktritt vom Ministeramt nahelegen.   


Angola: Portugals Rückkehr nach Afrika
(ftd.de) Die katastrophale Wirtschaftskrise treibt sie aus dem Land: In Angola finden Tausende Portugiesen eine neue Zukunft. Die ehemalige Kolonie ist dank des Öls zur Wirtschaftsmacht geworden. Weiterlesen…

Kommentar: Portugal hat sich zum Auswandererland entwickelt. Zu Hause fehlt es wegen der Austeritätsprogramme an Perspektiven. Nur zur Erinnerung: Europa ist der größte Wirtschaftsraum der Welt, der gerade von unfähigen Politikern und kriminellen Bankern zerstört wird. Eine Zerstörung, der die Deutschen Beifall klatschend zuschauen, weil sie beharrlich den Lügen glauben, die ihnen die Medien in mundgerechten Portionen liefern: Der Euro ist schlecht, die Griechen sind faul, alle leben auf Kosten der hart arbeitenden Deutschen. In Wahrheit völliger Stuss.  


ESM verstößt gegen Gesetz und EU-Verträge
(welt.de) Im Extremfall könnte der Euro-Rettungsschirm Deutschland 700 Milliarden Euro kosten. Wird das Bundesverfassungsgericht den Mut aufbringen, die Verfassung und die Bürger vor der Politik zu schützen? Weiterlesen...

Kommentar: Wir wundern uns immer wieder wie unbeachtet es in dieser Diskussion bleibt, dass Deutschland von 2002 bis 2005 straflos gegen die Maastricht-Kriterien verstoßen hat. Scheinbar das Recht des Stärkeren. Die Schwachen dürfen heute nicht auf Hilfe hoffen. Schwache, handlungsunfähige Politiker (hier) erzwingen eine Entscheidung durch das Bundesverfassungsgericht über eine Frage, die dort nichts zu suchen hat. Hoffentlich sind sich die Richter ihrer Unabhängigkeit bewusst und lassen sich nicht von den Meinungsbildungsversuchen der Journaille beeinflussen.  


„Die Bazooka geht nach hinten los“
(faz.net) Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) spricht sich gegen eine Banklizenz für den Rettungsfonds ESM aus. In einem F.A.Z.-Gastbeitrag bedauert er, dass sich „auch mein Parteifreund Wolfgang Kubicki den Apologeten der Bazooka-Therie“ angeschlossen hat.  Weiterlesen…

Kommentar: Wie immer: viel Kritik, keine Lösungen. Natürlich auch die übliche Fehldiagnose, es handele sich um „eine ausgewachsene Zahlungsbilanzkrise im Euroraum“. Wieder ein Wirtschaftsminister, der durch völlige Ahnungslosigkeit auffällt.


Draghi, der einzige Staatsmann
(presseurop.eu) Am 6. September will der Präsident der Europäischen Zentralbank ankündigen, dass sein Institut durch den Ankauf von spanischen und italienischen Anleihen versuchen wird, die Euro-Krise zu lösen. Auch wenn diese Maßnahme von Deutschland abgelehnt wird, kann sie dennoch den Weg in die Zukunft Europas weisen. Weiterlesen… 

Kommentar: Nein, das ist Draghi sicherlich nicht. So wenig, wie der Ankauf von Staatsanleihen die Krise in Europa lösen wird. Wir können es nur immer wiederholen: Draghi gewinnt Zeit, aus der die Politik nichts macht. Nein, Madrid und Rom haben keine mutigen Entscheidungen getroffen. Nein, die Märkte vertrauen nicht der EZB. Märkte gibt es schon lange nicht mehr, an deren Stelle sind Spekulanten mit höchster krimineller Energie getreten, Vertrauen spielt da keine Rolle. Wir befinden uns mitten in einem Währungskrieg, bei dem Europa bis heute keinen einzigen Sieg erreicht hat. Europa befindet sich in einem Stellungskrieg, bei dem die EZB den Ausgang offen hält. Draghi ist ein Mann von Goldman Sachs. Es ist für uns nicht vorstellbar, dass er sich hauptsächlich den Interessen Europas und der Gemeinschaftswährung verpflichtet fühlt. Goldman Sachs orchestriert diesen Krieg gegen den Euro.  

  
„Die Chance, dass es Slowenien ohne internationale Hilfe schafft, ist praktisch null“
(format.at) In der US-Notenbank Fed glaubt man nicht mehr daran, dass Slowenien seine Finanzprobleme aus eigener Kraft in den Griff bekommen kann. „Es ist klar, dass wir den Rubikon bereits überschritten haben“, sagte der Fed-Spitzenökonom und gebürtige Slowene Egon Zakrajsek in einem APA-Interview. Weiterlesen…

Kommentar: Die Fed erklärt uns die neue Front im Krieg gegen den Euro, Osteuropa. Die Handlungsunfähigkeit der europäischen Politiker (hier) macht den Spekulanten Mut, die Euro-Zone weiter unter Druck zu setzen. Der Druck auf Slowenien macht gleichzeitig Druck auf Österreich.


Staatsschulden und privater Wohlstand
(tageblatt.lu) Vertraue nur einer Statistik, die du selbst gefälscht hast, heißt es. Und gerade bei Europas Schuldenkrise können die Zahlen gedreht und gekehrt werden, wie es einem beliebt. Weiterlesen…

Kommentar: Eine etwas andere Herangehensweise an die europäische Krise. Lesenswert.


Finanzminister Frieden sieht Umbruch in Finanzindustrie
(wort.lu) Die Finanzwelt ändert sich. Doch diese sei nur ein Teil einer insgesamt größeren Welt, die sich im starken Wandel befindet, meint Luc Frieden, Luxemburgs Finanzminister. Letztlich sei die Finanzindustrie ein Motor der Wirtschaft. Man könne daher nicht einfach auf Finanzzentren verzichten. Weiterlesen…

Kommentar: Ein Plädoyer für den Finanzplatz Luxemburg, das ist sein gutes Recht. Dazu zählen wir auch seine Aussage, dass sich die Finanzwelt ändert. Dafür gibt es objektiv gesehen überhaupt keine Anzeichen. Eher ist das Gegenteil der Fall, wie die jüngsten Skandale beweisen.  


Chinas Wirtschaft rückt in das Zentrum der Krise
(welt.de) Das Wachstum in den großen Schwellenländern kommt ins Stocken. Der chinesische Index verliert 5 Prozent und das Wachstum lässt nach, was zu einer Finanzkrise in dem Schwellenland führen könnte. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Was macht dann Deutschlands Industrie, die bisher fest damit rechnet, die Ausfälle in Europa mit stärkeren Verkäufen nach China auszugleichen? Wir erwarten jedenfalls eine harte Landung in China. Diese Einschätzung macht uns einsam. In Österreich wird gerade die Frage gestellt: „Kann China die Weltwirtschaft noch ankurbeln?“ (hier) Nein, ist unsere Antwort, damit haben wir nie gerechnet.


US-Steuerstreit ist „höchst gefährlich“
(fuw.ch) Swiss-Banking-Präsident Patrick Odier rechtfertigt die Lieferung der Mitarbeiternamen mit Notstand und Gefährdung der Existenz der Banken. Weiterlesen…

Kommentar: Wir überlassen es unseren LeserInnen, diese Erklärungsversuche zu bewerten. Uns bleibt es nur, die Warnung zu erneuern: Finger weg vom Schwarzgeld.


Food Stamps auf Allzeithoch
(querschuesse.de) Laut den offiziellen Daten des US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture) stieg die Zahl der Food Stamps Bezieher im Juni 2012 um +173’617 zum Vormonat, auf ein neues Allzeithoch mit 46,670373 Millionen, nach 46,496761 Millionen im Vormonat und nach 45,183927 Millionen im Vorjahresmonat. Dieser Anstieg bestätigt die seit Monaten bei Querschuesse vertretene These, von einer miesen Qualität der bisherigen wirtschaftlichen Erholung in den USA, dominierend durch den schwachen US-Arbeitsmarkt bestimmt, der weiterhin in der Summe nur einen Stellenaufbau unterhalb des Zuwachses der arbeitsfähigen Bevölkerung generiert und somit auch keine positive Auswirkungen auf die Zahl derjenigen ausstrahlt, die in Armut leben und auf staatliche Lebensmittelhilfen angewiesen sind. Im Juni 2012 wurden laut US-Arbeitsmarkt nur +64’000 neue Stellen geschaffen, aber +173’617 Food Stamps Bezieher laut USDA. Weiterlesen…

Kommentar: Dieser Beitrag bestätigt unsere Auffassung über den schlechten Zustand der US-Wirtschaft. Seit 2007 hat sich die Zahl der Food Stamps-Bezieher um mehr als 20 Millionen erhöht. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits 60 Millionen Amerikaner die sehr strengen Auflagen für den Bezug von Food Stamps erfüllen. Nicht die besten Voraussetzungen für den Amtsinhaber, im November noch einmal als Präsident gewählt zu werden. Wir sind uns sicher, dass die Fed vor der Präsidentschaftswahl noch einmal versucht, die Wahl mit viel Liquidität im Sinne des amtierenden Präsidenten zu beeinflussen.