Mittwoch, 5. September 2012

Standpunkt 367 - Stirbt Morgan Stanley?


Droht Morgan Stanley der Exodus?


Gestern erschien bei „manager-magazin.de“ ein Beitrag, der uns sofort aufgefallen ist. Überschrift: „US-Geldriesen Morgan Stanley droht Exodus“. Der Autor, Markus Gärtner, hatte Brisantes über die Geschäfte bei Amerikas größtem Vermögensverwalter zu berichten.

Natürlich geht es u. a. auch um die Beteiligung an der Massenvernichtungswaffe Derivatehandel. Morgan Stanley gehört aktuell zu den großen Derivate-Playern und rangiert hinter HSBC und Wells Fargo. Laut den Zahlen des OCC (Comptroller of the Currency), nicht zu verwechseln mit der "Options Clearing Corporation", beträgt das nominale Derivate-Volumen im Bestand von Morgan Stanley per 31. März 2012 das 38-fache der Aktiva.

Markus Gärtner schreibt: „Bei Amerikas größtem Vermögensverwalter brennt es lichterloh. Offiziell gibt es nur Computerprobleme bei Morgan Stanley, doch dem Geldriesen droht eine Massenflucht seiner besten Leute. Schon wird über eine Schieflage wie zuletzt bei JP Morgan spekuliert.“

Er nimmt Bezug auf Gerüchte in US-Foren, die an eine Schieflage in Milliardenhöhe, vergleichbar der bei JP Morgan, glauben.

Heute ist dieser Artikel online nicht mehr zu erreichen, jeder Versuch darauf zuzugreifen bleibt erfolglos. Was ist da los? Wir haben diesen Beitrag natürlich in unserem Archiv. Deshalb stellen wir unseren LeserInnen die wichtigsten Informationen daraus zur Verfügung. 

In unserem Nachrichten-Ticker vom 02.09.2012 (hier) haben wir davon berichtet: Die Internetseite „deutsche-wirtschafts-nachrichten.de“ meldete schon vor wenigen Tagen: Angst vor Mega-Crash: Mysteriöse Vorgänge bei Morgan Stanley (hier). Demnach wollen mindestens 40 Top-Banker das Unternehmen verlassen. In der Meldung heißt es weiter: 
 
„In diesem Zusammenhang sind Informationen von Interesse, die von einigen unabhängigen, auf Edelmetalle spezialisierten Analysten lanciert wurden. So soll es nach Informationen von Jim Willie und Rick Wiles ein viel ernsteres Problem bei Morgan Stanley geben. Angeblich, so schreiben die Analysten in ihren Newslettern, habe Morgan Stanley ein gefährliches Zins Swap Geschäft laufen – welches die Bank in Existenzgefahr bringen könnte. Morgan Stanley soll im Frühjahr 2011 auf sinkende Zinssätze für US-Treasuries gewettet haben. Die Summe könnte sich auf etwa 7 Billionen US-Dollar belaufen. Dank dieser Derivate sei der im Januar 2011 ansteigende Zinssatz für US-Staatsanleihen innerhalb weniger Monate gedrückt worden, allerdings ohne, dass es tatsächlich reale Kapitalzuflüsse gegeben habe. Nun, da die US vor der Refinanzierung von Billionen an Schulden stehen, könnte die Blase platzen und Morgan Stanley in den Abgrund reißen. Betroffen wären etwa 300.000 private Depots. Die Analysten glauben, dass eine Implosion von Morgan Stanley auch die Deutsche Bank und die französische Credit Agricole gefährden könnte, weil diese drei Banken besonders vernetzt sind.“ 

Auf diese Analysen von Willie und Wiles bezieht sich auch Gärtner in seinem Beitrag für „manager magazin online“. Er schreibt außerdem: 

„Morgan Stanley stand schon einmal dicht vor dem Abgrund, ohne dass weite Teile der Öffentlichkeit davon etwas mitbekamen. Laut den Dokumenten, die Bloomberg voriges Jahr vor Gericht über die Krisenausleihungen der US-Notenbank erstritt, musste sich Morgan Stanley im Herbst 2008 bei der Fed insgesamt 107,3 Milliarden Dollar ausleihen, mehr als jede andere Bank in den USA. Diese Notkredite waren zwei Mal so umfangreich, wie die Gesamtausleihe aller Banken in den USA während der Liquiditätsengpässe nach dem schweren Terroranschlag vom September 2001. In der eskalierenden Finanzkrise vor vier Jahren hatten nervöse Hedgefonds innerhalb von zwei Wochen mehr als 128 Milliarden Dollar bei der Bank abgezogen, wie Unterlagen der Financial Crisis Inquiry Commission zeigen. Im Brokerage-Geschäft der Bank wurde es damals den Dokumenten zufolge ziemlich eng. "Das waren Einlagen von heißem Geld, das sich von einer Sekunde auf die andere verdünnisieren kann", sagt Tanya Azarchs, eine ehemalige Standard-&-Poor's-Analystin, die während der Finanzkrise unter anderem Morgan Stanley auf dem Radarschirm hatte und jetzt als Beraterin beim Immobilienspezialisten Briarcliff Manor in New York arbeitet. Auf dem Höhepunkt der Notausleihungen bei der US-Notenbank Ende September 2008 berichtete Morgan Stanley eine "starke" Versorgung mit Liquidität ohne zu erwähnen, wie abhängig die Bank von den Krediten der Zentralbank geworden war.“

Was Gärtner dann noch weiter beschreibt, passt sehr gut zu unserem eigenen Beitrag „Desaster Derivatehandel“ (hier): 

„Die Gerüchte über eine mögliche Schieflage, die von der Bank bisher nicht kommentiert wurden, sind nicht überprüfbar. Keine der großen US-Banken publiziert den Umfang ihrer Hedgefonds-Bestände. Auch über die Derivate-Positionen ist kaum etwas bekannt. Die einzige Aufstellung, die über die Risiken der Branche nähere Angaben macht, sind die Quartalsberichte des US Comptroller of the Currency (OCC) in Washington. Laut dem jüngsten Bericht des OCC über das erste Quartal 2012, ist der Nominalwert der von US-Banken gehaltenen Derivate von Januar bis März im Jahresvergleich um 1,2 Prozent auf jetzt 228 Billionen US-Dollar minimal zurück gegangen. Doch das Geschäft mit den abgeleiteten Finanzprodukten ist gefährlich konzentriert. Von den 1291 bei der Börsenaufsicht versicherten Banken, die Derivate-Geschäfte melden, vereinigen die vier größten 93 Prozent des nominalen Volumens auf sich sowie 81 Prozent der Kreditrisiken.

Der Handel mit zinsbasierten Derivaten hat demnach allein im ersten Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahr um 577 Prozent zugenommen. Bei Derivaten, denen Kredite zugrunde liegen, beträgt der Zuwachs laut dem OCC satte 393 Prozent. Zwar hätten die groß im Derivate-Geschäft engagierten Banken zuletzt wegen der Krise in Europa und der Furcht vor wachsender Regulierung ihre Gesamtverstrickung leicht abgebaut. Doch das Risiko für einzelne Banken hat sich dadurch kaum verringert.“ 

Unser Fazit: Morgan Stanley schaut in den Abgrund. Es genügt eine winzige Kleinigkeit und die Finanzindustrie kollabiert. Bei dem Versuch zu retten werden die Staaten sich den Tod holen.