Donnerstag, 6. September 2012

Standpunkt 368 - Nachrichten-Ticker, 05.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Billionenschulden – Irland-Bailout – Trichet – Reparationszahlungen – Depression – Großbanken rüsten auf – EZB – Bankenrettung – Commerzbank-Blessing – Maastricht-Kriterien – Bernanke – China


Die Welt auf Pump – Reißen uns die Schulden in den Abgrund?
(ardmediathek.de) Angeblich haben wir über unsere Verhältnisse gelebt, uns zu viel geleistet: Auf jedem Deutschen lastet eine Staatsschuld von fast 26.000 Euro. Weltweit stehen die Industrieländer mit 55 Billionen Euro in der Kreide. Jetzt sollen es die Bürger richten - sprich Sparen, hämmert uns die Politik ein. Die Staatsverschuldung hat weltweit Billionen umverteilt - von unten nach oben. Mit den Schulden explodierten die Vermögen der Millionäre dieser Welt. Warum? Gierige Banker? Arglose Politiker? In einem Gewinnmaximierungssystem, das angeblich alternativlos ist? Die Staatsverschuldung und die Dominanz der Finanzoligarchie ist eine Gefahr für unser Gemeinwesen und die Demokratie, urteilt der Wirtschaftsexperte Prof. Max Otte. Zum Film…

Kommentar: Ein Beitrag für Nachzügler. Lief bereits im März in der ARD, gestern noch einmal im HR. Unbedingt ansehen. Es lohnt sich. Für Einsteiger genauso wie für Fortgeschrittene.


Schwere Vorwürfe: EZB-Chef soll Irland zu Bailout gezwungen haben
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Irische Politiker und Ökonomen glauben, dass der frühere Zentralbank-Chef Trichet den ehemaligen irischen Finanzminister in Briefen zu einem Bailout gezwungen haben soll. Der Finanzminister selbst bestätigt die Vermutungen. Trichet weist sie zurück und will die entsprechenden Briefe nicht veröffentlichen lassen. Weiterlesen…

Kommentar: Wäre eine logische Folge der vorangegangenen Zwangs-Bankenhilfen in Europa unmittelbar nach der Finanzkrise 2008. Irland war damals mit knapp 400 Milliarden Euro eines der Länder mit den höchsten genehmigten Liquiditätshilfen, Kreditgarantien und Kapitalerhöhungen. 2009 hatte Irland ein BIP von rund 160 Milliarden Euro (Quelle: Wirtschaft Irlands, Wikipedia, 05.09.2012). Eine irrwitzige Konstellation.  


Griechenland stellt an Deutschland Reparationsforderungen
(format.at) Das griechische Finanzministerium berechnet die Höhe der Reparationsforderungen an Deutschland wegen des Zweiten Weltkriegs. Diese Rechnung werde erstmals aufgestellt, erklärte der stellvertretende Finanzminister Christos Staikouras auf Anfrage einer der Parteien Griechenlands. Das Ministerium habe damit begonnen, Archivmaterial zu sammeln, welches dann wiederum von einer Expertengruppe gesichtet werden solle, fügte er hinzu. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Der Standard geht noch weiter und berichtet „Deutschland schuldet Griechenland Milliarden“ (hier). Nach Berechnungen des Grünen Europaabgeordneten Daniel Cohn-Bendit beläuft sich die Reparationsschuld an Griechenland auf 80 Milliarden Euro, Zinsen inklusive. Für das Land wäre diese Summe eine große Hilfe, für Deutschland nicht diskussionsfähig. Aber, verjährt ist es noch nicht.      


„Was Europa derzeit durchmacht, riecht nach Depression“
(format.at) Europa steckt inmitten einer Bankenkrise, die sich in eine umfassende Wirtschaftskrise ausweiten könnte, wenn nicht schnell gehandelt wird. Diese Ansicht vertritt Carl Weinberg, der Gründer und Chef-Volkswirt von High Frequency Economics in New York. Weiterlesen…

Kommentar: Behält Weinberg recht, dann verliert Europa endgültig seine starke Stellung als größte Wirtschaftsmacht in der Welt und biegt auf den amerikanischen Weg ein. Aktuell leben 1/5 der US-Bürger in Armut, mehr als 46 Millionen beziehen Lebensmittelmarken, die tatsächliche Arbeitslosenquote liegt bei weit über 20%, über 16% der Erwerbsfähigen haben Jobs, von denen sie nicht leben können. Wie es dann mit dem Euro weitergeht spielt keine große Rolle mehr. Für viele Millionen Europäer geht es in diesem Fall nur noch um das nackte Überleben – auch für Millionen Deutsche.  


Großbanken kaufen Söldner- und private Sicherheitsfirmen auf
(wirtschaftsfacts.de) Großbanken in aller Welt kauften sich in den letzten Monaten neben Waffen- und
Munitionsproduzenten auch verstärkt in Anbieter von privaten Sicherheitsdienstleistungen ein. Mancherorts stellt man sich bereits die Frage, ob diese Aktivitäten Vorbereitungen auf einen sich abzeichnenden Zusammenbruch des Weltfinanzsystems dienen. Denn Schutz dürften die Top-Banken in diesem Falle sicher nötig haben. Zu den besonders hoch im Kurs stehenden Akquisitionszielen gehören auch Söldnerfirmen wie DynCorp oder Blackwater. Bei der Federal Reserve unterhält man seit Gründung eigene Spezialeinsatzkräfte.  Weiterlesen…

Kommentar: Besorgniserregend, diese Entwicklung. Besonders in Verbindung mit der jüngsten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Wir sind gespannt darauf, wann die Deutsche Bank soweit ist.   


Europas heimliche Regierung
(sueddeutsche.de) Sie hilft Kreditinstituten, kontrolliert Staaten und soll bald die Finanzaufsicht übernehmen: Die Europäische Zentralbank gilt als Nebenregierung. Die Macht von EZB-Chef Mario Draghi wächst. Er hat die Trägheit der Politiker spürbar satt. Nun möchte er die Euro-Zone retten – mit der Notenpresse. Weiterlesen…

Kommentar: Schuld an dieser Entwicklung ist die Handlungsunfähigkeit der europäischen Regierungen (hier). Die Politiker aller Couleur machen aus Feigheit einen wirklich schlechten Job. Sie überlassen es der EZB, sich an der Rettung des Euro zu versuchen. Aber ohne Erfolg. Am Ende verfügt die EZB jedoch über eine riesige Machtfülle und bereitet den Weg für eine weitestgehende Integration der Europäischen Union. Zum Vorteil der Finanzindustrie, auf Kosten der Bürger.       


Euro-Krise: Bankenrettung nicht auf unsere Kosten
(ftd.de) Wer Kreditinstitute sanieren will, sollte künftig die Ausgaben für fremde Krisen nicht in Europa verschieben. Ein Haftungsverbund ohne Aufsicht ist nicht akzeptabel. Weiterlesen…

Kommentar: Die Menschen noch länger für dumm zu verkaufen auch nicht. Es gibt kein bewährtes deutsches Banksystem mehr. Selbst die Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind kontaminiert. Ein funktionierendes Institutionssicherungssystem? Was soll das? So ein System existiert nicht, es sei denn, damit ist die Abwälzung auf den Steuerzahler gemeint. Was sich in nichts von einer Bankschulden-Sozialisierung der Finanzindustrie unterscheidet. Bauchladen-gleich wird immer wieder das deutsche Interesse vor sich hergetragen, „dass nationale Rettungsfonds nicht für fremde Krisen geradestehen müssen“. Durch die internationale Vernetzung der Banken, inklusive der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, gibt es keine fremden Krisen mehr. An jeder Krise, an jeder Stelle in der Welt, sind schon seit Jahren deutsche Institute beteiligt, regelmäßig auch als Krisenverursacher. In den USA wurde diese Vernetzung bereits 2008 akzeptiert, so daß Milliarden der US-Bankenhilfen auch an europäische Banken geflossen sind (hier und hier). Für die Schäden seiner Banken muss auch Deutschland endlich Verantwortung übernehmen. Dafür zu sorgen ist die Aufgabe der Politiker.


Commerzbank-Chef: Blessing wirft EZB Rechtsbruch vor
(ftd.de) Der Chef der teilverstaatlichten Commerzbank geht mit ungewohnt scharfen Worten gegen die geplanten Bondkäufe der EZB vor. Und glaubt, dass Banker zuviel verdienen. Weiterlesen...

Kommentar: Wo bleiben die Alternativen? Der Bruch der Eurozone ist keine. Von einem aus einer Banker-Dynastie muss mehr kommen. Schon Henry Ford erkannte: „Suche nicht die Fehler – finde das Heilmittel.“ Bemerkenswert übrigens: Die Ehefrau von Blessing ist Partnerin bei Goldman Sachs (hier).  


„Das Aufweichen der Maastricht-Kriterien zählt zu den historischen Fehlern Europas“
(format.at) Erst dadurch seien laut dem deutschen Außenminister Westerwelle die finanziellen Probleme entstanden, mit denen Europa derzeit kämpfe. Diesen müsste nun mit klaren Regeln begegnet werden. Weiterlesen…

Kommentar: Westerwelle hat entweder keine Ahnung oder ignoriert die Tatsachen. Die Verstöße Deutschlands (hier) und Frankreichs  gegen die Maastricht-Kriterien haben absolut nichts mit der heutigen Krise in Europa zu tun. Ganz davon abgesehen, dass diese Kriterien schon zum Zeitpunkt des Maastricht-Vertrages großer Murks waren und lediglich dem Zweck dienten, die Gemeinschaftswährung noch im allerletzten Moment zu verhindern. Bedanken wir uns dafür bei der Bundesbank. Die aktuelle Krise ist einerseits der Vergemeinschaftung der Bankenschulden seit 2008 geschuldet und andererseits dem Währungskrieg gegen den Euro. Die Umdeutung in eine Staatsschuldenkrise legitimiert die weiteren Milliardenhilfen für die Banken und die Schuldenknechtschaft der Menschen in den betroffenen Ländern.


Bernanke-Schelte in Jackson Hole
(fuw.ch) In Jackson Hole war Ben Bernanke nicht der einzige, der sich über die Poltik der US-Notenbank (Fed) ausließ. Ein anderer Ökonom tat dasselbe und stellte dem Fed-Chef kein gutes Zeugnis aus. Weiterlesen…

Kommentar: Ein interessanter Beitrag, aber eher für Fortgeschrittene.

  
Peking bereitet sich auf Bankenrettung vor
(handelsblatt.com) Chinas Führung hat den Banken eine üppige Finanzierung der Staatsfirmen aufgedrückt, um den Boom anzufeuern. Nun brauchen die Banken selbst Hilfe. Die bekommen sie – aber die eigentlichen Probleme werden nur verwischt. Weiterlesen…

Kommentar: Diese Entwicklung zeigt eins: China betreibt im Vergleich zum Westen doch nicht den besseren Kapitalismus. Die Methoden sind überall gleich. Die Ursache ist nachzuvollziehen: Chinas Banker und Wirtschaftslenker sind von westlichen Universitäten und Banken ausgebildet worden.   


Wie man sich in China täuschen kann
(ftd.de) Westliche Manager halten chinesische Regierungsvertreter für intelligent, sachkundig und freundlich. Dass diese ihrem Volk gegenüber inkompetent und korrupt sind, blenden sie aus. Weiterlesen…

Kommentar: Sehr informativer Beitrag über die zukünftige Supermacht China und den erklärten Zukunftsmarkt deutscher Unternehmen. Leicht verständlich geschrieben. Lesenswert.