Sonntag, 9. September 2012

Standpunkt 373 - Nachrichten-Ticker, 08.09.



Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Bundesbank – Merkel – EZB – Draghi – Bankenunion – Europa – Portugal – Slowenien – China  


Merkel stellt sich gegen die Bundesbank
(welt.de) In der Eurokrise unterstützt die Bundeskanzlerin plötzlich den Kurs der EZB, die den Ankauf von Anleihen aus Schuldenstaaten angekündigt hat. Und sie selbst erhält dabei immer mehr Unterstützung. Weiterlesen…  

Kommentar: Wir haben im gestrigen Ticker bereits geschrieben, dass Merkel keinen Grund hat, sich gegen die Maßnahme der EZB in Stellung zu bringen (hier). Die unbegrenzten Anleihenkäufe sind mit harten Auflagen verbunden, die von den deutschen Leitmedien unterschlagen werden. Draghi hat die bisher getroffenen Regelungen der Politik übernommen und stellenweise noch verschärft. Weidmann stützt sich immer nur auf die diffuse Gefahr einer Inflation, die aber eine Reihe von Fachleuten nicht stützen. Geht es nach denen, dann ist die Gefahr einer Deflation sehr viel größer. Was möglicherweise auch Merkel auffällt ist die Tatsache, dass von der Bundesbank keinerlei brauchbare Vorschläge für die Lösung der Krise kommen. Nur sich auf die Abwehr der Inflation zu beschränken ist in dieser Krise zu wenig.


„Alternativlos“
(fuw.ch) Mit dem Anleihenkaufprogramm wird eine hoch explosive Situation entschärft, schreibt FuW-Chefredaktor Mark Dittl in seinem Kommentar zum EZB-Entscheid. Weiterlesen…

Kommentar: Der Autor kommentiert sachlich und kommt zum richtigen Ergebnis: „Die EZB konnte nicht nichts tun. Sie nimmt ihre Pflicht als Lender of Last Resort wahr.“ Rücksicht auf die Befindlichkeiten der deutschen Stammtische konnte die EZB dabei nicht nehmen.


Draghi rettet was zu retten ist
(presseurop.eu) Mit seiner Ankündigung, die EZB werde Anleihen klammer Staaten aufkaufen, kompensiert Mario Draghi die Untätigkeit der europäischen Politiker. Und einmal mehr präsentiert er sich als derjenige, der die Spielregeln ändert. Genau, was wir heute brauchen, meint die spanische Zeitung El Pais. Weiterlesen…

Kommentar: Verständliche Euphorie aus Spanien. Die jedoch solange verpufft, wie die spanische Regierung nicht unter den Rettungsschirm schlüpfen will. Möglicherweise ist die Situation in Spanien sehr viel schwieriger wie bisher bekannt und die Regierung will diesen Zustand so lange wie möglich verbergen. So erwarten wir beispielsweise mindestens 300 Milliarden Euro Bedarf für die Rettung der spanischen Banken, während die Regierung mittlerweile weniger als die veranschlagten 100 Milliarden Euro behauptet.


Bankenunion: Es fehlt der politische Rahmen
(handelsblatt.com) Es gibt auch noch vernünftige Konzepte – das zeigt die Studie des Politikberaters Achim Dübel. Sie verdeutlicht, dass eine Bankenunion nicht die Krise der Politik und des Euro beseitigen kann. Weiterlesen…

Kommentar: Ein anderer Ansatz kommt zum gleichen Ergebnis: Die Bankenunion löst die Krise nicht. In dieser Betrachtung ist es der fehlende politische Rahmen, aus unserer Sicht die nicht gelöste Bankenschuldenkrise. Was auch sehr viel schwerer wiegt, da man in Europa Erfahrung mit fehlenden politischen Rahmenbedingungen hat.   


Weiterbauen an der Heimat Europa!
(sueddeutsche.de) Europa braucht eine Verfassung – doch zu welchem Preis? Müssen wir auf dem Weg nach Europa die wertvolle deutsche Verfassung aufgeben? Nein, man kann Europa gewinnen und zugleich das Grundgesetz wahren. Beides mit mehr Demokratie. Weiterlesen…

Kommentar: Heribert Prantl meint es gut mit Europa, das unterstellen wir einfach. Und er hat eine Vision. Die ist bemerkens- und lesenswert. Prantl beschreibt, wie es gehen könnte – zu einer anderen Zeit. Gerade die Deutschen wehren sich unmissverständlich gegen mehr Europa. Sie lassen sich nur überzeugen, wenn die sich immer noch verschärfende Krise gelöst sein wird. Das Problem: Die Deutschen wollen keine Lösung, sie wollen die Auflösung – der Eurozone. Und Angela Merkel will sich nicht der unnachgiebigen Haltung der Deutschen entgegenstellen. Stattdessen presst sie, als Gegenleistung für deutsche Hilfe, den Menschen in den Krisenländern Spardiktate ab, die nicht vernünftig sind und die Länder kaputtsparen. Das wird sich bitter rächen und am Ende richtig teuer für die Deutschen. Aktuell ist es eine Reichensteuer, die als Financial Repression diskutiert wird.  Tatsächlich werden Vorbereitungen getroffen, den Bürgern sehr viel tiefer in die Tasche zu greifen. Wir werden aus diesem Anlass in einem weiteren Update unseren Beitrag „Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht“ (hier) in den nächsten Tagen aktualisiert unseren LeserInnen zur Verfügung stellen.  


Portugals Premier verordnet neues Sparpaket
(manager-magazin.de) Die Portugiesen müssen den Gürtel noch enger schnallen. Portugals Premier Pedro Passos Coelho will bei der Sanierung der Staatskassen nicht nachlassen. Für viele Beschäftigte bedeutet das höhere Sozialausgaben. Zugleich sollen Portugals Unternehmen wettbewerbsfähiger gemacht werden. Weiterlesen…

Kommentar: Wissen Troika und Regierung wirklich was sie tun? Nein. Grau ist jede Theorie und vollkommen idiotisch. Warum, steht hier.


„Slowenien braucht kein ausländische Hilfe“
(format.at) Der slowenische Finanzminister Janez Sustersic hat Spekulationen eine Absage erteilt, das Euroland müsse unter den Rettungsschirm schlüpfen. Weiterlesen…

Kommentar: Es fehlen bis zu acht Milliarden Euro, da ist es mehr als verwunderlich, wenn der Finanzminister den Eindruck vermitteln will, es geht ohne EU-Hilfe. Das spanische Beispiel macht Schule: Offensichtlich fürchtet auch Slowenien die „Black Men“ der Troika.


„Die Chinesen lernen schnell“
(zeit.de) Welches Wirtschaftssystem wird das 21. Jahrhundert beherrschen? Der Chinese Daokui „David“ Li und der Brite Niall Ferguson streiten sich darüber. Weiterlesen…

Kommentar: Leistungsvergleich Wirtschaftssystem China - USA. Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die mehr über die Krise in Europa wissen wollen und über die mögliche Entwicklung Chinas.