Montag, 10. September 2012

Standpunkt 374 - Nachrichten-Ticker, 09.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...

Themen: Bankenrettung – Finanzkrise – Draghi – Bundesverfassungsgericht – IWF – Reinhold Messner – USA vs. EU – Lagarde – Spanien – Irland – Griechenland – Sky Du Mont – China   


„Wir müssen diesen Teufelskreis, dass die Rettung von Banken den staatlichen Haushalt schwächt, durchbrechen“
(format.at) Marode Institute sollen von 2013 an direkt Geld aus dem Rettungsfonds bekommen. Vier Jahre nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise will die [Europäische] Union jetzt Nägel mit Köpfen machen. Die Bankenunion gilt als Voraussetzung um marode Institute direkt aus dem Rettungsschirm bedienen zu können. Weiterlesen…  

Kommentar: Die Überschrift hat uns echt überrascht. So viel Erkenntnis in einem Satz – ein Knaller. Dieses Gefühl war schnell zu Ende. Der Horror geht weiter. Die Rettung von Banken erhält eine Zukunft. Die Bankenunion wird primär dafür erschaffen. Nicht um die Banken zu kontrollieren oder gar dicht machen zu können. Das muss aufhören. Schnell und schmerzlos – für die Menschen.  


Five Years Since The Great Financial Crisis: „No Growth, No Deleveraging“
(zerohedge.com) One of the populist buzzwords of the past 5 years, particularly in Europe, has been "austerity", which as we have said for the roughly the same past 5 years, is simply a synonym for "deleveraging" but one which carries just the right amount of negative connotations, and is used by crafty politicians to shift blame from their own failure to enact proper policy (which over the past 30 years has merely meant to borrow growth from future political cycles, aka, issue debt) onto a "technical" word conceived by Ph.D.-clad economists, who too, are looking for a passive victim on which to project their failure of enacting a voodoo economic theory. There is one problem with all of the above. As we have also been saying for the past five years, the austerity deleveraging myth is one big lie. We are setting the record straight below with facts and figures. We would be delighted if some politician, somewhere, could disprove these facts, which essentially imply that the world is now in a global recession, having experienced no growth as the recent 100% contractionary PMI print of all major economies confirms, yet without any country actually having implemented austerity, pardon deleveraging to have at least a modest justification for this failure of growth.. Read more…

Kommentar: Das Ergebnis handlungsunwilliger und handlungsunfähiger Politiker (hier), hüben wie drüben. Wann hat dieses Treiben ein Ende? Erst, wenn aus der Finanzkrise ein Finanzkollaps geworden ist.  


Die bedrohliche Macht des Mario Draghi
(faz.net) Der EZB-Präsident hat seine Notenbank mit der Entscheidung für unbegrenzte Anleihenkäufe in eine neue Ära katapultiert. Sie ist nun oberster Euroretter. Und bringt damit unser Geld in Gefahr. Weiterlesen…

Kommentar: Ein dummer Artikel. Es sind die Politiker, die die EZB zum Handeln zwingen. Draghi hat sich nicht vorgedrängelt. Wochenlang ist er den Regierungen mit seiner Forderung nach Entscheidungen auf die Nerven gegangen. Entscheidungen, die den Euro retten, nicht zerstören, wie es die Hardliner im Rücken der deutschen Kanzlerin planen. Entscheidungen außerdem, die seit Herbst 2008 mehrere Monate lang versprochen, aber bis zum heutigen Tag nicht eingehalten wurden. Es geht darum, der Finanzindustrie die rote Karte zu zeigen. Wenigstens in Europa, exklusive Großbritannien. Den Briten sollte die Tür weit aufgestoßen werden, damit sie sich endlich ihren Herzenswunsch erfüllen können: den Austritt.


Ein Nein aus Karlsruhe wäre für Deutschland teuer
(welt.de) Am Mittwoch entscheidet das Verfassungsgericht über die Beteiligung am Hilfsfonds ESM. Ein Aus wäre für den Steuerzahler womöglich noch gefährlicher als grünes Licht aus Karlsruhe. Weiterlesen…

Kommentar:  Um was geht es eigentlich? Die Kosten? Den Erhalt der Gemeinschaftswährung? Wenigstens einen Rest von Solidarität? Wer weiß das noch? Hoffentlich Gauweiler und die 37.000 anderen Kläger. Schließlich ist in Karlsruhe Gauweilers „Neuer Eilantrag gegen ESM“ (hier). Was den Mann wohl umtreibt – Europa oder Deutschland können es jedenfalls nicht sein.  


IWF will bei den Anleihenkäufen der EZB mitreden
(wirtschaftsblatt.at) Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, will die geplanten Anleihenkäufe der EZB überwachen. Weiterlesen…

Kommentar: Jetzt auch das noch. Der IWF ist die amerikanische Laus im europäischen Fell. Es beginnt sich zu rächen, dass der IWF von Berlin, Paris und Brüssel unbedingt eingeladen wurde, bei der vermeintlichen Rettung Europas zu helfen.


Reinhold Messner: „Seilschaft Monti – Draghi will einen anderen Weg“
(faz.net) Bergsteiger Reinhold Messner lobt seine Wanderfreundin Angela Merkel, kritisiert die Politik der EZB und das italienische Gespann Draghi/Monti. Und preist das schöne Südtirol. Weiterlesen…

Kommentar: Das darf doch nicht wahr sein, jetzt kümmert sich auch noch Reinhold Messner um die Krise in Europa. Wahrscheinlich sehen wir ihn nächste Woche in irgendeiner Talk Show. Wenn er wenigstens etwas Nützliches beisteuern würde. Da kommt nichts, in dem ganzen Interview.    


USA vs. EU: Transatlantische Kalamitäten
(wirtschaftsblatt.at) Amerika spielt ein falsches Spiel, Europa leider mit. Weiterlesen…

Kommentar: Ein kleiner, feiner Artikel zu einem wichtigen Aspekt der europäischen Krise. Bitte lesen.


IWF-Lagarde: Italien und Spanien brauchen keine Reformen mehr
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der IWF ist der Meinung, Spanien und Italien hätten genug Reformen umgesetzt um die uneingeschränkte Hilfe durch die EZB verdient zu haben. Anders als zuletzt angekündigt, will der IWF nun doch wieder eine stärkere Rolle bei der Eurorettung spielen. Weiterlesen… 

Kommentar: Diese Meldung spricht für sich. Sehr aufschlussreich auch die anschließende Hintergrundanalyse: Die Wandlung des IWF: Vom Helfer der Bedrängten zur globalen Wirtschafts-Polizei.“ Direkt zu dieser Analyse geht es hier. Wir haben bereits Anfang Dezember 2011 in einem Beitrag den Ökonomen Daniel Gros zu Wort kommen lassen: „Europa hilf dir selber“. Den Beitrag, inklusive einer kleinen Einleitung von uns, gibt es hier.

Statistik der ILO: Spaniens Arbeitslosigkeit bricht Weltrekord
(ftd.de) Griechenland und Spanien leiden unter der höchsten nachgewiesenen Arbeitslosenrate der Welt. Die Statistik für Jugendliche ist noch weit verheerender. Weiterlesen…

Kommentar: Liest man diesen Bericht, dann könnte Lagarde recht haben: Das Land wurde mit vereinten Kräften von EU/EZB/IWF und einer Melange aus allen, der Troika, kaputtgespart. Da bleibt dann tatsächlich nichts mehr zu reformieren. Die Verantwortlichen sollen die negativen Effekte der Sparprogramme auf die Konjunktur und die Jobentwicklung eklatant unterschätzt haben. Wäre das wirklich der Fall, dann gehörte das Personal dieser Institutionen unverzüglich ausgetauscht. So ist es aber nicht. Für die Rettungsversuche an den Banken ist jedes Mittel erlaubt, auch die Entrechtung der Menschen in den betroffenen Staaten.


Banken brauchen mehr Geld: Irland vor nächster Sparrunde
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Wenn Irland keine zusätzliche Unterstützung bei der Sanierung seines Bankensektors bekommt, könnten neue Sparmaßnahmen blühen. Dies könnte allerdings zu einer politisch unmöglichen Aufgabe für die irische Regierung werden. Die Troika will hart bleiben. Weiterlesen...

Kommentar: Was haben die Herrschaften Irland schon in diesem Jahr gefeiert. Eine erfolgreiche Auktion gab es auch schon. Alles Lug und Trug, das Land liegt im Staub, die Menschen werden von ihrer Regierung und Europa ausgeblutet. Dabei gehen der irischen Regierung die Mittel aus, selbst die zukünftigen Pensionen wurden schon angezapft. Monat für Monat wandern Hunderte Iren aus. Ein Land mit Perspektiven, jahrelang gefeiert als „keltischer Tiger“.


„Es reicht. Wir können nicht mehr“ – aber die Troika will mehr
(format.at) Der Streit um die Erfüllung der Troika-Auflagen treibt eine tiefe Kluft in die griechische Gesellschaft. In Thessaloniki protestieren Tausende gegen das neuerliche Sparpaket der Regierung. Im Vorfeld des für heute Nachmittag anberaumten Treffens zwischen griechischer Regierung und Troika-Vertretern sickert derweil durch, dass das Sparpaket noch größer ausfallen könnte als bisher angenommen. Weiterlesen…

Kommentar: Erst kürzlich haben wir es prophezeit, dass die Troika in Griechenland wieder die Daumenschrauben anzieht. Es geht um rund 17 Milliarden, statt der bisher knapp 12 Milliarden, die zusätzlich eingespart werden sollen. Wieder trifft es die untersten Einkommensschichten. Das Volk entrüstet sich – zu recht.  


Sky Du Mont: „Ich will mein Geld mit Aktien erhalten“
(handelsblatt.com) Schauspieler in Deutschland zu sein, ist ein harter Job. Oft sind die Gagen klein. Ein Grund, warum kaum einer über Geld redet. Sky Du Mont gehört zu den seltenen Ausnahmen. Was er mit seinem Geld anstellt. Weiterlesen…  

Kommentar: Na, dann viel Erfolg, Herr Du Mont. Allen anderen empfehlen wir, dieses Interview als das anzusehen was es ist: eine Werbeveranstaltung für Aktien. Auffällig, dass schon seit 2-3 Wochen regelmäßig in den Online-Ausgaben von Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Financial Times Deutschland und Focus für Anlagen, bevorzugt Lebensversicherungen, Immobilien und Aktien, geworben wird. Wir beziehen eine klare Position: Finger weg von diesen drei Anlageempfehlungen. Es sei denn, man akzeptiert das mit diesen Anlagen verbundene erhebliche Verlustpotential. Die Lebensversicherungen, die Provisionskuh deutscher Finanzberater, werden von §89 Versicherungsaufsichtsgesetz ([Aus-]Zahlungsverbot; Herabsetzung von Leistungen) mit Totalverlust bedroht. Bei den Immobilien muss zukünftig mit erheblichen Abschlägen gerechnet werden, wenn die Krisen in Europa und dem Rest der Welt nicht schleunigst gelöst werden. Danach sieht es nicht aus. Aktien erfordern naturgemäß starke Nerven, das sollte jeder bedenken, der sich von den Empfehlungen des Sky Du Mont leiten lässt. Wir tun es definitiv nicht. Wir wollen die Ersparnisse nicht nur erhalten, wir wollen, dass sie in der Krise weiter wachsen. Es geht, wie viele Beispiele in jeder der vergangenen Krisen gezeigt haben. Selbst kleine Vermögen sind davon nicht ausgeschlossen.



Angst vor China-Crash: Staatliche Intervention greift nicht
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Obwohl China die Auflagen für die Kreditvergabe gesenkt hat und eine expansive Geldpolitik betreibt, konnte der wirtschaftliche Abschwung nicht gestoppt werden. Die Industrie weist die schlechtesten Absatzzahlen seit 2009 auf. Die chinesische Führung will nun noch mehr investieren um die Konjunktur wieder anzukurbeln. Weiterlesen…

Kommentar: Wir haben schon über die 124 Milliarden Euro berichtet, die investiert werden sollen. Interessant finden wir aber die Aussage, „bisher gesetzte Maßnahmen brachten wenig Erfolg.“ Was soll sich durch die neue Investitionsmaßnahme ändern? Noch mehr Flughäfen, die keiner braucht, noch mehr Geisterstädte, in denen keiner wohnt. Wie will China damit zukünftig Geld verdienen?