Mittwoch, 12. September 2012

Standpunkt 376 - Nachrichten-Ticker, 11.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Schäuble - IWF – Schwellenländer – Spekulanten – Wall Street – Bankentestamente – EZB – Rajoy – Starbatty


Schäuble erklärt Deutschland für „schockresistent“
(handelsblatt.com) Der Finanzminister in der Defensive: Im Bundestag nennt Schäuble Deutschland krisenfest. Doch muss er die Finanzierung der Euro-Krisenländer per Notenpresse akzeptieren und seine mäßigen Einsparziele trotzig verteidigen. Weiterlesen…  

Kommentar: Arrogant. Deutsch. Eine sträfliche Überhöhung der eigenen Situation, die unterschlägt, dass diese Position durch rigorosen Abbau der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland und durch eine kompromisslose, unsolidarische Haltung gegenüber den Handelspartnern in Europa erreicht worden ist. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass vieles außerdem auf Schätzungen und Annahmen beruht, die noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ihre Belastbarkeit bestätigt haben. Populistische Augenwischerei und Momentaufnahme zur Bestätigung einer erfolgreichen Regierungsarbeit.Wer dem noch glaubt, der wird schon bald sein blaues Wunder erleben.


IWF warnt: Krise in Europa noch lange nicht vorbei
(wort.lu) Sollte Europa in eine neue Rezession rutschen, hätte auch der Rest der Welt schwer zu leiden, warnt der IWF. Weiterlesen…

Kommentar: Zuckerbrot und Peitsche. Kritik versus Durchhalteparolen. Die Ursache für das Leiden in der Welt in Europa zu verorten, ist eine starke Vereinfachung der Wirklichkeit. Natürlich mit voller Absicht, schliesslich muss der Druck auf Europa hochgehalten werden. Warum sind es nicht die vollkommen überschuldeten USA (Europa ist es nicht!) oder China, das sich von einer Blase in die nächste rettet, ohne wirkliche Fortschritte zu erzielen. China hat, im Gegensatz zum Rest der Welt, erhebliche finanzielle Mittel in Form seiner Währungsreserven, die dazu eingesetzt werden könnten, die Welt vor den schlimmsten Auswirkungen der Finanzkrise zu bewahren. 250 Milliarden Euro sollten nicht in nutzlosen Infrastrukturprojekte vergeudet werden, sondern zur Steigerung der Importe durch Stimulanz der Konsumnachfrage. Um die Krise in Europa muss sich China nicht kümmern, das könnten die Europäer alleine, dazu fehlt bloß der Wille.   


Schwellenländer im Sog der reichen Staaten
(derstandard.at) Brasilien wirft den etablierten Industrieländern vor, mit ihrer andauernden Krise die Schwellenländer mit in den Abgrund zu ziehen. Weiterlesen…

Kommentar: Der Vorwurf ist nicht neu. Genauso wenig wie die Behauptung, die Schwellenländer hätten sich „in den letzten Jahren als Wachstumsträger der Weltwirtschaft erwiesen und diese vor einem stärkeren Abrutschen bewahrt.“ Fakt ist nur, dass die von den westlichen Industrienationen vorangetriebene Globalisierung die Entwicklung der Schwellenländer enorm begünstigt hat. Das führte beispielsweise zu der irrwitzigen Situation, dass der weltgrößte Einzelhändler, das US-Unternehmen Wal Mart, viele Jahre lang bis zu 80% seiner Produkte für den US-Markt in Schwellenländern eingekauft hat. Der Konzern erzielte 2011 damit einen Umsatz von knapp 460 Milliarden USD. Die Folge: In den USA gingen viele Jobs im produzierenden Gewerbe verloren. In Europa war die Entwicklung nicht so drastisch. Jedenfalls ging der Aufschwung in den Schwellenländern hauptsächlich zu Lasten der Industriestaaten.


Spekulanten zocken mit Rohstoffen
(tageblatt.lu) Hedgefonds und andere spekulativ orientierte Anleger haben so viel Geld in die Rohstoff-Märkte gesteckt wie seit rund einem Jahr nicht mehr. Weiterlesen…

Kommentar:  Gehört verboten. Die Spekulation mit Agrarprodukten führt zu Hunger, Elend und Tod. Die Regierungen, die diese Situation nicht endlich beenden, machen sich zu Mittätern. Genau genommen sind es alle. 


„Der Hochfinanz fehlt ein glaubwürdiger Staatsmann“
(format.at) Die Wall Street, das Zentrum der weltweiten Hochfinanz, ist zurzeit nicht dazu in der Lage, einen charismatischen Anführer zu benennen, der ihre Interessen vertritt. Dabei wäre dies angesichts des angeschlagenen Rufs der Branche, der zunehmenden aufsichtsrechtlichen Einschränkungen und der Kritik der Öffentlichkeit jetzt nötiger denn je. Weiterlesen…

Kommentar: Ist ein charismatischer Anführer wirklich das, was der Wall Street fehlt? Leute wie die als Beispiel genannten Jamie Dimon oder Josef „Joe“ Ackermann waren es doch die mitgeholfen haben, den Ruf der Branche maßgeblich und dauerhaft zu ruinieren. Die Finanzindustrie betreibt ihre Geschäfte als Finanz-Casino und mit Hilfe von Schattenbanken, die sich jeder Kontrolle entziehen. Dahinter steht viel kriminelle Energie, wie die jüngsten Skandale belegen. Ein Staatsmann für die Hochfinanz hätte zuerst diese Strukturen zu zerstören, ein Himmelfahrtskommando. Unwahrscheinlich, dass sich für diesen Job jemand findet. Deshalb führen Leute wie Blankfein von Goldman Sachs aus dem Hintergrund heraus die Geschäfte der Hochfinanz und nennen es "Gottes Werk". 


Selbstabwicklung von Pleiteinstituten: Bankentestamente bleiben schwammig
(ftd.de) Große Banken müssen den US-Behörden Pläne für den Fall ihrer Pleite vorlegen. Das soll Chaos wie nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers vorbeugen. Doch was die Institute präsentieren, entpuppt sich als eine einzige Enttäuschung. Weiterlesen…

Kommentar: Ein Beispiel dafür, wie respektlos die Finanzindustrie mit der US-Regierung, stellvertretend für alle anderen westlichen Regierungen, umgeht. Das sind Zocker-Buden, nichts anderes. Nach wie vor spekulieren die Finanzkonzerne auf den Einsatz von Steuergeldern zur Lösung ihrer Probleme. Alles andere steht nicht zur Debatte.


Bundestag hat die EZB in der Hand
(handelsblatt.com) So schnell, wie Finanzmärkte hoffen und Euro-Rettungskritiker fürchten, wird es nicht zu Anleihekäufen durch die EZB kommen. Denn der Startknopf für das Programm liegt in den Händen des Bundestages. Weiterlesen…

Kommentar: Die Aufregung legt sich und die Fakten spielen endlich eine Rolle. Ein überraschend sachlicher Artikel. Geht doch. 


Rajoy zieht „rote Linien“ vor Hilfsantrag
(faz.net) In seinem ersten Fernsehinterview seit Amtsantritt spricht Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy von „roten Linien“, die er im Falle eines weiteren Finanzhilfeantrages nicht überschreiten werde. EU oder EZB dürften nicht „konkrete Sparmaßnahmen“ vorgeben. Weiterlesen…

Kommentar: Spanien fürchtet den Rettungsschirm wie der Teufel das Weihwasser. Rajoy wird aus seiner Sicht gute Gründe dafür haben. Wir sind gespannt, wie Europa mit dieser ablehnenden Haltung einer seiner großen Volkswirtschaften umgehen wird. Fest steht jedenfalls: Spanien braucht Milliarden-Hilfen.  


Joachim Starbatty: Mario Draghi legt Zuschauerrolle ab
(handelsblatt.com) Der Präsident der Europäischen Zentralbank will durchgreifen und keiner „Tu-nix-Bank“ vorstehen. Mit den unbegrenzten Anleihekäufen kriselnder Euro-Staaten will er die Gemeinschaftswährung retten. Weiterlesen…

Kommentar: Der Mann verspritzt wieder nur sein Gift. An einer Lösung der Krise ist er nicht interessiert. Aus Angst, er könnte in Vergessenheit geraten.