Donnerstag, 13. September 2012

Standpunkt 377 - Nachrichten-Ticker, 12.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Wahl in Holland - Derivate – US-Banken – Bankenaufsicht – De Gauwe – EZB – ESM – Anleihekäufe – Euro – Spekulation – ESM-Urteil – Frankreich – Troika – Griechenland – Holland – Canada -  

Warnung: Die Karlsruher Entscheidung hat nichts verändert. Die Krise in Europa wird damit garantiert nicht beendet. Die gelebte Handlungsunfähigkeit der Politiker lässt nur einen Schluss zu: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich das „Blutbad“ Finanzkollaps.


Nichts hat sich geändert. Die Banken betrügen hemmungslos weiter, zwingen die Staaten und ihre Bürger in die Haftung und befeuern so die Staatsschuldenkrise. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Situation hilflos gegenüber, schlimmer noch, sie verspielen mit leichter Hand das Volksvermögen ihrer Länder. Längst sind die Regierungen Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos: hier.

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Weil das nicht so bleiben wird, bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise eine Enteignung ihrer Bürger vor.

Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang, ein Testballon für die Reaktion im Land. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten. Ein Blick zurück in der Geschichte zeigt: Niemand ist darin so erfahren wie die Deutschen.

Lastenausgleich, Zwangshypothek, Hypothekengewinnabgabe, sind ursprünglich eine Erfindung aus Deutschland. Bargeld- und Devisenkontrollen (Kapitalverkehrskontrollen) und das Verbot von Goldbesitz steuern andere Länder bei.  

Eine besonders perfide Spielart der Enteignung ist die neu formulierte Vorschrift des §89 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), in dem das Zahlungsverbot und die Herabsetzung von Leistungen geregelt sind. Eine Vorschrift, die im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist und in der Öffentlichkeit leider immer noch nicht zur Kenntnis genommen wurde.

Uns geht es nicht um Panikmache oder die Verbreitung von Verschwörungstheorien, sondern nur darum, unseren LeserInnen den Blick zu schärfen für die weitere Entwicklung. Zum Thema Enteignungen gibt es hier von uns eine ausführliche Übersicht.

Für alle interessierten LeserInnen, Neuankömmlinge oder Alteingesessene, haben wir außerdem hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Wer sich nicht wehrlos diesem Schicksal von Repression und Enteignung ergeben will, der muss jetzt handeln, nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Dann kann es schon zu spät sein.

Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Soviel ist sicher.
 
Wir sind gerne dabei behilflich, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Für unsere individuelle, unabhängige und sorgfältige Beratung berechnen wir lediglich eine einmalige, angemessene Aufwandsentschädigung. Alle uns zugänglich gemachten Informationen werden absolut vertraulich behandelt.

Sehr viel Wert legen wir auf unsere Unabhängigkeit. Deshalb haben wir auch ein eigenes Konzept zur Absicherung der Ersparnisse und Vermögen vorbereitet, das wir bei Bedarf sehr flexibel einsetzen können. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 



Aktuell: Euro-Freunde siegen in den Niederlanden
(ftd.de) Der Rechtsliberale Mark Rutte bleibt Ministerpräsident der Niederlande. Seine Partei VVD landet bei den Parlamentswahlen knapp vor den Sozialdemokraten. Euro-Skeptikern erteilen die Wähler eine klare Absage. Rechtspopulist Geert Wilders muss herbe Verluste hinnehmen. Weiterlesen…

Kommentar: Eine kluge Entscheidung der Niederländer. Gut auch für Deutschland. Wilders hätte sicher nicht den europafreundlichen Kurs der bisherigen Regierung fortgesetzt. Jetzt wäre es aber wichtig, dass die neue Regierung aus der Krise im eigenen Land (vgl. Meldung am Schluss des Tickers) die richtigen Schlüsse für Europa zieht. Wir haben ein bisschen Hoffnung.  


Großbanken helfen Kunden beim Verstecken von Derivate-Risiken
(format.at) Die Wall Street hat ein neues, nicht unproblematisches Betätigungsfeld entdeckt, das den Provisions-Generator wieder auf Touren bringen könnte, nachdem die Gewinne infolge der stärkeren Regulierung sinken. Business as usual also.

Im kommenden Jahr treten Regeln in Kraft, die Derivatehändler zwingen, ihre Wetten zum größten Teil mit Sicherheiten hoher Qualität abzudecken. Das Problem: Es zeichnet sich ein Mangel an erforderlichen Sicherheiten ab. Einige Großbanken haben eine Lösung des Problems gefunden. Die Zauberformel lautet: Sicherheiten-Transformation. Weiterlesen…  

Kommentar: Während sich ganz Europa und große Teile der restlichen Welt an der Entscheidung in Karlsruhe aufreiben, beweisen die Finanzkonzerne schon wieder ihren Reichtum an Phantasie. Die Maßnahmen der europäischen Regierungen, ihrer Institutionen und der EZB, sind so lange in der Krise vollkommen wirkungslos, wie nicht endlich diesen hochgradig Kriminellen das Handwerk gelegt wird. Noch immer wird ihnen von den Politikern Absolution erteilt, wird ihnen erlaubt da weiter zu machen, wo eigentlich nach der Lehman-Pleite Schluss sein sollte.   


Hoffen auf den Steuerzahler: US-Banken kaufen massiv Schrottpapiere
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Sichere Anlagen sind wegen der verschärften Kapitalquoten und der Krise Mangelware geworden. Investmentbanken helfen ihren Kunden nun dabei, Schrottpapiere zu sicheren Assets zu machen. Was nach einem kühnen Trick klingt, stellt ein massives Risiko dar und könnte zu einem erneuten Finanzcrash führen. Weiterlesen…

Kommentar: Nur ein weiteres Beispiel dafür was gerade so innerhalb der Finanzindustrie passiert. Die Risiken des Derivatehandels sind bisher schon unkalkulierbar hoch. Jetzt wird dieser Zustand weiter verschärft. Die Massenvernichtungswaffe (Warren Buffett) gewinnt an Sprengkraft. Dabei natürlich auch die US-Tochter der Deutschen Bank.


EU-Kommission: Kleine Banken Europas sind das wirkliche Problem
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Nicht die großen systemrelevanten Banken hält EU-Binnenmarkt-Kommissar Barnier für eine Gefahr für die EU. Es sind die kleinen Banken und aus diesem Grund müssten auch sie unter die neue, europäische Bankenaufsicht gestellt werden. Ein möglicher Chef der neuen Bankenaufsicht ist bereits im Gespräch. Weiterlesen…

Kommentar: Was für eine dumme Aussage. Die Krise wird mit solchen Politikern kein Ende finden. Das sind höchstens Steigbügelhalter der Finanzkonzerne, die gerade wieder Anlauf nehmen, um der „Welt in der wir leben“ den Rest zu geben. Klar, niemand will diese existenzbedrohende Aussicht wahrhaben, jeder ist vollauf mit Verdrängen beschäftigt. Nur, wer diese Krisenverschärfung verschläft, der wird bitter dafür büßen.
  

„Der ESM und das Einschreiten der EZB reichen nicht“
(tagesanzeiger.ch) Nach dem Entscheid der deutschen Verfassungsrichter kann der ESM endlich starten. Was bedeutet das für Europa – und wo stehen wir in der Eurokrise überhaupt? Wirtschaftsprofessor Paul De Grauwe gibt Auskunft. Weiterlesen…

Kommentar: Eine sehr gute Analyse, jenseits der taktischen Geplänkel in Deutschland, Spanien, Italien, Brüssel oder beim IWF in New York. Nur vermissen wir auch bei De Grauwe den Mut oder die Erkenntnis, das Ur-Problem der Krise anzuprangern.  


Der Draghi-Plan ist kein Durchbruch
(blog.fuw.ch) Gemäss den Reaktionen auf den Märkten und in einer Reihe von Publikationen hätte man glauben können, die neu von Mario Draghi beschlossenen Massnahmen seien der Anfang vom Ende der Eurokrise. Diese Sichtweise ist falsch. Weiterlesen...

Kommentar: Nüchtern, diese Analyse aus der Schweiz. Gibt wenig Anlass zur Hoffnung auf eine Lösung der Krise in Europa. Zeigt vielmehr deutlich: die Krise kommt nicht über den Berg.


„Es ist heute völlig klar geworden: Die Währung der Union ist der Euro“
(format.at) Das Bundesverfassungsgericht hat den Weg zum Start des Euro-Rettungsschirms ESM freigemacht – allerdings nur unter Vorbehalt.  Weiterlesen…

Kommentar:  Daran bestand schon vorher kein Zweifel. Höchstens die Euro-Gegner hatten minimale Hoffnung auf eine Ablehnung des ESM durch das höchste deutsche Gericht. Karlsruhe hat richtig entschieden, selbst wenn jetzt im Anschluss viel Kritik laut wird. Damit ist der Euro leider immer noch nicht über den Berg. Die Krise wird ein bisschen entschärft, aber nicht beendet. Sie hat das Zeug zu einer unendlichen Geschichte.


Das sagen Experten zur ESM-Entscheidung
(wirtschaftsblatt.at) Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat den Weg zum Start des Euro-Rettungsschirms ESM freigemacht. Die ersten Reaktionen liegen vor. Weiterlesen…

Kommentar: Erste Statements zur Entscheidung. Diese Experten-Meinungen lassen wir unkommentiert.  


Euro gerettet, Demokratie in Gefahr
(tagesanzeiger.ch) Vier Gründe, warum das deutsche Verfassungsgericht richtig entschieden hat – und einer, warum dieser Entscheid sehr gefährlich werden kann. Weiterlesen…

Kommentar: Die Demokratie ist in Europa längst aus anderen Gründen in Gefahr. In Deutschland ist Angela Merkel dabei, eine „marktkonforme Demokratie“ zu installieren. Insgesamt erodieren die demokratischen Grundzüge in Europa seit Beginn der Krise und den nutzlosen Versuchen, sie mit Spardiktaten zu lösen.


Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt
(welt.de) Viele Investoren hatten den Euro schon totgesagt. Das ESM-Urteil des Bundesverfassungsgerichts lässt sie ihre Strategie überdenken. Nun schwenken sie um und befeuern die Kurse. Weiterlesen…

Kommentar: Was für ein Quatsch. Die Spekulanten wussten Bescheid. Goldman Sachs war mit einer entsprechenden Einschätzung schon vorher an die Öffentlichkeit gegangen. Das sind Börsen-Strohfeuer, die gerade entfacht werden und die nicht lange anhalten. Mehr nicht.  


Was das Urteil für Deutschland und den Euro bedeutet
(sueddeutsche.de) Haftung ohne Limit, ausgehöhltes Budgetrecht, EZB-Interventionen: Die Verfassungsrichter benennen in ihrem Urteil die Risiken der Euro-Rettung sehr klar, ziehen daraus jedoch kaum Konsequenzen. Ihre Vorbehalte ändern nichts daran, dass Europa nun zusammenrückt – unter großen finanziellen und politischen Risiken. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum ESM-Urteil. Weiterlesen…

Kommentar: Der Versuch einer Deutung. Tatsächlich werden erst die nächsten Wochen zeigen, wie der Hase läuft. Spanien ziert sich noch mit seinem Bailout-Antrag, Monti’s Italien blockiert komplett, Zypern und Slowenien eiern noch rum, in Griechenland wütet die Troika und Portugal wird gerade mit Samthandschuhen angefasst. Es bleibt also spannend.   


Die Bedeutung Frankreichs für Europa
(project-syndicate.org) In der Debatte über die Zukunft der Europäischen Union und der Eurozone steht Deutschland immer im Mittelpunkt. Mit 28% des BIP und 25% der Bevölkerung der Eurozone ist das Land die größte Volkswirtschaft dort. Sein Leistungsbilanzüberschuss ist inzwischen größer als der von China und absolut gesehen weltweit am höchsten. Und das Land kann zwar manchmal durch gewichtete Mehrheiten überstimmt werden, aber jeder akzeptiert, dass ohne die Zustimmung Deutschlands in der Eurozone nicht viel erreicht werden kann.

Die Bedeutung Deutschlands innerhalb Europas ist zwar gerechtfertigt, aber deshalb sollte man nicht die entscheidende Rolle Frankreichs unterschätzen. Frankreich erwirtschaftet nicht nur an zweiter Stelle hinter Deutschland etwa 22% des BIP der Eurozone und beherbergt 20% ihrer Einwohner, sondern hat innerhalb der Union auch die gesündeste Demographie, während die deutsche Bevölkerung voraussichtlich in den nächsten zehn Jahren abnehmen wird. Weiterlesen…

Kommentar: Frankreich findet augenblicklich auf der europäischen Krisenbühne überhaupt nicht statt. Hollande hat zu Hause alle Hände voll zu tun. Da bleibt Zeit, sich einmal mit Frankreich grundsätzlich zu beschäftigen, wie es der Ökonom Kemal Dervis tut. Ein bemerkenswerter Beitrag und allen wärmstens zu empfehlen, die sonst nur Nabelschau betreiben.


Troika setzt Athen Daumenschrauben an
(derstandard.at) Das Pensionseintrittsalter soll von 65 auf 67 erhöht werden, auch die Wiedereinführung der Sechs-Tage-Woche wird vorgeschlagen. Weiterlesen…

Kommentar: Nicht zu vergessen, dass die Arbeitnehmer, wenn der Betrieb dies für nötig einstuft, bis zu 13 Stunden am Tag arbeiten sollen. Kündigungsfristen und Abfindungen sollen halbiert werden. Alles Maßnahmen die wirkungslos bleiben werden und die Probleme im Land zusätzlich verschlimmern. Verstößt gegen europäisches Recht. Den Technokraten von EU/EZB/IWF ist das egal. Die Bundeskanzlerin nennt es wahlweise „alternativlos“ oder „marktkonforme“ Demokratie. Bravo, Europa.


Hollands Immobilienkrise trifft deutsche Anleger
(manager-magazin.de) Kritische Parlamentswahl heute in Holland: Auch dort ist eine Spekulationsblase geplatzt, die Preise von Bürotürmen und Shoppingcentern brechen ein. Betroffen sind auch deutsche Anleger – und deren Zehn-Milliarden-Investment in Holland. Weiterlesen…

Kommentar: Jetzt ist endgültig offiziell worüber wir schon früh berichtet haben, "manager-magazin.de" hat das Thema aufgegriffen. Natürlich stehen auch deutsche Gelder im Feuer. Verluste sind programmiert. Die Sache ist für Holland noch nicht zu Ende. Die ersten Banken bereinigen ihre Bilanzen, die Regierung prüft Hilfsmaßnahmen. Nicht zu vergessen: auch am Eigenheimmarkt ist die Krise ausgebrochen. Die Preise von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen sind um 15% gefallen. Nachdem von 1995 bis 2011 das Volumen der an Privathaushalte vergebenen Hypothekenkredite von umgerechnet 140 Milliarden Euro auf sagenhafte 640 Milliarden Euro – oder 105% des BIP – gestiegen ist. Moody’s erwartet, ähnlich wie in Irland und Spanien, massive Stützungsmaßnahmen durch die Regierung und hat deshalb bereits die Bonität von fünf Banken des Landes gesenkt und eine Herabstufung niederländischer Staatsanleihen in Aussicht gestellt. In Holland bereitet sich ein Blutbad vor. Für uns ist sicher: Deutschland wird von dieser Entwicklung nicht verschont bleiben.


Sharp trade slowdown set to wallop GDP
(theglobeandmail.com) Virtually all major exports fell sharply in July, setting up a weak quarter for growth. The high dollar and the global slowdown are crushing Canada's trade-dependent economy. The latest evidence: The country posted the largest trade deficit in July since Statistics Canada began keeping records in 1971. Read more…

Kommentar: Die Karawane zieht weiter, jetzt nach Canada. Niemand wird davon verschont, das sollten sich die Deutschen endlich einmal klar machen. Sonst wird es sehr schmerzhaft.


Heimlicher Bailout für Daimler und Banken: Bund will EADS-Anteile kaufen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Weil der Daimler-Konzern keine privaten Abnehmer für seine Anteile am Rüstungskonzern EADS gefunden hat, springt Deutschland über die KfW ein und gewährt damit gleich auch noch der Deutschen Bank und der Allianz einen heimlichen Bailout. Es drohen weitere Milliarden-Risiken für den Steuerzahler, die schon bisher tatkräftig für das Überleben des Prestige-Unternehmens gesorgt haben. Weiterlesen…

Kommentar: Eine Nachricht, die keines besonderen Kommentars bedarf. Deutschlands Wirtschaftspolitik ist auf jeden Fall absonderlich, wenn man diese Entscheidung mit der gegen Schlecker vergleicht. Es ist halt ein Unterschied: Bei EADS geht es um teuer subventionierte Rüstungsgüter, bei Schlecker ging es lediglich um 14.000 Mitarbeiterinnen ohne Perspektive.