Montag, 17. September 2012

Standpunkt 382 - Nachrichten-Ticker, 16.09.



Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Kosten FinanzkriseEuro – Basel III – Wolfgang Schäuble – Barroso – Frankreich – Bankenunion – Massenproteste in Spanien und Portugal – Europa – US-Banken unter Geldwäsche-Verdacht  


“The Cost of the Wall Street-Caused Financial Collapse and Ongoing Economic Crisis Is More Than $12.8 Trillion” 
(bettermarkets.com) The financial collapse and economic crisis began in 2007 and, five years later, it continues to impose enormous costs on our entire country. In its new Report, Better Markets provides a detailed review of all these costs, including those that can be quantified and those that cannot.   This is the first time anyone has not only estimated the total cost of the financial crisis, but also explained the significance of those costs in the battle over financial reform.  Over the last two years, Wall Street and its allies have refocused the debate from the financial crisis and their role in causing it to the Dodd-Frank financial reform law and the regulations needed to implement it.  They have also  made nonstop, largely baseless claims about how much financial reform will cost them without mentioning how much the crisis has cost — and is still costing — the country. For the first time, this Report details those costs, which demonstrates that the claimed costs to the industry are insignificant by comparison and that the need for financial reform to prevent such painful, deep, and far-reaching costs from ever happening again is urgent.  Release of the Report coincides with the 4th anniversary of the collapse of Lehman Brothers, the largest bankruptcy in U.S. history, which is September 15, 2012. Read more…

Kommentar/Ergänzung: Wahnsinn diese Zahl, mehr als 12,8 Billionen USD sind die Kosten der Finanzkrise. Das betrifft nur die USA. Und Bernanke legt mit QE3 noch eine kräftige Schippe drauf. Für Europa macht sich niemand die Mühe, eine vergleichbare Berechnung anzustellen. Lieber wird versucht, die Kosten eines Grexit klein  und die einer Rettung des Euro groß zu rechnen. Wer sich ernsthaft über die Hintergründe der europäischen Krise Gedanken machen will, der muss akzeptieren, dass nichts so ist, wie uns die führenden Politiker, die meisten Medien, die Pop-Ökonomen, usw., weissmachen wollen. Wer sich traut, der findet hier den kompletten Report von Better Markets. Es lohnt sich.


Barroso: "Nicht der Euro ist der Grund der Krise"
(format.at) Vielmehr hätten die in Schwierigkeiten geratenen Länder in der Vergangenheit Führungsschwäche gezeigt und sich nicht an die gemeinsamen Regeln gehalten. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso fordert Investoren auf, mehr für ein vereintes Europa zu tun. Weiterlesen…  

Kommentar: Für einen kurzen Moment hatten wir die Hoffnung, Barroso nennt die wahren Gründe. Es war ein Irrtum. Es bleibt bei Lug und Trug, den wir schon in unserem Beitrag „Europas Lügen haben kurze Beine“ (hier) an Hand vieler Beispiele beschrieben haben.  


US-Finanzaufsicht schlägt Alarm: Basel III funktioniert nicht
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die lange erwarteten schärferen Auflagen für Finanzinstitute könnten kurz vor dem Aus stehen. Nun fordert auch eine US-Behörde, dass die Basel III Kriterien überarbeitet werden sollten. Weiterlesen…

Kommentar: Sie arbeitet effektiv, die Lobby der US-Finanzindustrie. Höhere Eigenkapitalquoten sind natürlich schwer darzustellen, wenn die Bilanzen voller Giftmüll stecken. Klar ist es da auch schwierig das Risiko zu bewerten. Die schaffen es wirklich, das letzte bisschen an Regulierung auch noch erfolgreich zu torpedieren.  


„Die Lage ist zu ernst für Spielchen“
(faz.net) Finanzminister Wolfgang Schäuble rüffelt den Bundesbank-Chef, weil der sich öffentlich gegen den Kauf von Staatsanleihen ausspricht. Im Interview spricht Schäuble zudem über seine Pläne kurz vor dem 70. Geburtstag und sein Verhältnis zu Helmut Kohl. Weiterlesen…

Kommentar: Unser Eindruck: Schäuble versucht in Europa zu retten, was zu retten ist. Hin und wieder macht er dabei sogar eine gute Figur. Wie in diesem Interview.    


Union so weit vor der SPD wie seit der Bundestagswahl nicht
(zeit.de) Angela Merkel ist weiter das stärkste Argument für die Union. Ihr Krisenmanagement bringt sie auf einen Rekordvorsprung vor der SPD, der die Kandidatendebatte schadet. Weiterlesen…

Kommentar: Krisenmanagement, welches Krisenmanagement? Es ist schlicht nicht vorhanden. Keine Ahnung, was die Menschen in Deutschland wahrnehmen. Offensichtlich macht die SPD in der öffentlichen Wahrnehmung eine so schlechte Figur, dass im Vergleich dazu die Union ohne große Schwierigkeiten punkten kann.  


Barroso: Mehr Tempo auf dem Weg zur politischen Union
(wirtschaftsblatt.at) EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso fordert mehr Tempo auf dem Weg zu einem auch politisch vereinten Europa. Weiterlesen…

Kommentar: Noch einmal Barroso. „Märkte und Investoren wollten jetzt konkrete Schritte in diese Richtung sehen“, behauptet er. Findet, es ist „ein wichtiges Element für die Glaubwürdigkeit des Euro-Raumes“. Vorsicht, mit dieser Haltung ist der Mann eine Gefahr im Kampf gegen die Krise. Er setzt die falschen Prioritäten. Was er vorhat, untergräbt die Demokratie und festigt die Übermacht der Finanzindustrie. Barroso gehörte zu den europäischen Politikern, die in den Monaten nach der Lehman-Pleite immer wieder eine Regulierung der Finanzmärkte versprachen. Dieses Versprechen muss endlich eingelöst werden, dann geht auch die Krise zu Ende. Erst danach Schritt für Schritt zu mehr Integration und vor allen Dingen nicht mit der „heißen Nadel gestrickt“.   


Frankreich nervös: Bankenunion soll wankende Pariser Banken retten
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Frankreich will im Gegensatz zu Deutschland die Bankenunion so schnell wie möglich durchpeitschen. Blickt man hinter die Kulissen der französischen Bankenlandschaft, wird klar warum Frankreich die Bankenunion so dringend will. Weiterlesen…

Kommentar: Frankreich brennt der Kittel. Für uns und unsere LeserInnen schon lange keine Überraschung mehr. Wir haben es vorhergesehen und darüber berichtet, z. B. hier. Hoffentlich bedeutet diese Entwicklung eine kleine Chance für mehr Einsicht bei den europäischen Krisenmanagern. Vielleicht lässt sich Italien noch trickreich unter den Rettungsschirm pressen, bei Frankreich gelingt das nicht. Was dann?

Wir hören schon den neuen Jubel der Euro-Gegner, die wieder auf das Ende der Gemeinschaftswährung und die Einführung der D-Mark hoffen. Für den Fall jubeln wir still vor uns hin, weil diese Zeche sofort bezahlt werden muss und unsere Warnung vor einer vollständigen Enteignung endlich noch viel mehr Beachtung findet. Für eine Krisenvorsorge ist es dann aber zu spät.

Danach ist nicht nur Europa, danach ist die Welt eine andere und Amerika hat sein Ziel erreicht. Die Europäer haben es vermasselt. Für alles, was danach passiert, wird nur noch die Euro-Krise verantwortlich gemacht.   


Massenproteste in Spanien, Portugal gegen Sparpolitik
(wirtschaftsblatt.at) Beim "Marsch auf Madrid" machten die Spanier ihrem Ärger Luft. "Zum Teufel mit der Troika" hieß es bei Massenprotesten in Portugal. Weiterlesen…

Kommentar: Die iberische Halbinsel entwickelt sich zum Pulverfass. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob 50.000, 100.000 oder 500.000 Menschen demonstrieren. Entscheidend ist, dass flächendeckend demonstriert wird, überall in den beiden Ländern gehen die Menschen auf die Straße. Da brennt eine Lunte. Dürfen die spanische und portugiesische Regierung eigentlich das Militär im Innern einsetzen? Eine Frage, die bald an Brisanz gewinnt.


So kann das Projekt Europa gelingen
(sueddeutsche.de) An fast allem, was schlecht ist, soll Europa schuld sein: an der spanischen Arbeitslosigkeit, am Tod der Glühbirne und den Pleiten kleiner Handwerksbetriebe. Doch Europa ist kein Projekt irgendeiner geheimnisvollen Elite. Europa ist unser Leben und dieses neue Leben muss organisiert werden. Wo das Kernproblem der EU liegt - und worauf es in Zukunft ankommt. Weiterlesen…

Kommentar: Ein weiter Bogen, den der Autor spannt. Von einem „Konglomerat der Scheußlichkeiten“ über die Vorwürfe an die „Freizeitapokalyptiker“ und „grummelnden Untergangsnachdenker“ bis hin zu vermeintlichen Demokratiedefiziten ist alles dabei. Wenigstens zum Schluss des Beitrages gibt es noch frohe Kunde: „Europa, organisiert in der EU, wird auch in Zukunft mühsam bleiben. Man wird, sehr im eigenen Interesse, Kompromisse zum möglichst Besten aller finden müssen. Dies ist die Zukunft Europas – jenseits aller Untergangsphantasien, aber auch jenseits der Träume vom großmächtigen Bundesstaat Europa. Na also, geht doch.


Banken unter Geldwäsche-Verdacht
(faz.net) Drogenhandel und Terrorismus sollen die beiden amerikanischen Großbanken JP Morgan und Bank of America ermöglicht haben. Die Behörden ermitteln wegen Geldwäsche. Weiterlesen…

Kommentar: Den schenken wir uns, diese Meldung spricht für sich. Nur so viel: Es sind höchst kriminelle Vereinigungen.



Zum Schluss: Die Karlsruher Entscheidung ändert nichts an der Krise in Europa. Damit wird lediglich ein bisschen Zeit gewonnen. Die gelebte Handlungsunfähigkeit der Politiker führt unausweichlich nur zu einem bestimmten Ereignis: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich das „Blutbad“ Finanzkollaps. Der „Point of no Return“ liegt unmittelbar vor uns.  

Die Banken betrügen hemmungslos weiter, zwingen die Staaten und ihre Bürger in die Haftung und befeuern so die Staatsschuldenkrise. Es ist ein Teufelskreis. Die Politiker stehen dieser Situation hilflos gegenüber, zerfleischen sich in nutzlosen Grundsatzdiskussionen, schlimmer noch, sie verspielen mit leichter Hand das Vermögen ihrer Bürger. Längst sind die Regierungen Teil des von den Banken weltweit betriebenen Finanz-Casinos: hier.

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Weil das nicht so bleiben wird, bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor.

Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang, ein Testballon für die Reaktion im Land. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt: Niemand ist darin so erfahren wie die Deutschen.

Lastenausgleich, Zwangshypothek, Hypothekengewinnabgabe, sind ursprünglich eine Erfindung aus Deutschland. Bargeld- und Devisenkontrollen (Kapitalverkehrskontrollen) und das Verbot von Goldbesitz steuern andere Länder bei.  

Eine besonders perfide Spielart der Enteignung ist die neu formulierte Vorschrift des §89 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), in dem das Zahlungsverbot und die Herabsetzung von Leistungen geregelt sind. Eine Vorschrift, die im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist und in der Öffentlichkeit leider immer noch nicht zur Kenntnis genommen wurde.

Uns geht es nicht um Panikmache oder die Verbreitung von Verschwörungstheorien, sondern nur darum, unseren LeserInnen den Blick zu schärfen für die weitere Entwicklung. Zum Thema Enteignungen gibt es hier eine ausführliche Übersicht. Für alle interessierten LeserInnen, Neuankömmlinge oder Alteingesessene, haben wir außerdem hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Wer sich nicht wehrlos diesem Schicksal von Repression und Enteignung ergeben will, der darf nicht länger der Herde folgen, sondern muss jetzt handeln. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Soviel ist sicher.
 
Wir sind gerne dabei behilflich, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Für unsere individuelle, unabhängige und sorgfältige Beratung berechnen wir lediglich eine einmalige, angemessene Aufwandsentschädigung. Alle uns zugänglich gemachten Informationen werden absolut vertraulich behandelt.

Sehr viel Wert legen wir auf unsere Unabhängigkeit. Deshalb haben wir auch ein eigenes Konzept zur Absicherung der Ersparnisse und Vermögen vorbereitet, das wir bei Bedarf sehr flexibel einsetzen können. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de