Mittwoch, 19. September 2012

Standpunkt 384 - Nachrichten-Ticker, 18.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: StaatsarmutSozialstaat – Renten in Südeuropa – Privatisierung in Griechenland – Irland – Gewerbeimmobilien – Österreich – Schuldenschnitt – Großbritannien – Vereinigtes Europa – QE3 – Bankenregulierung – China – USA – Romney


Der Staat wird ärmer
(heise/telepolis.de) …und das private Vermögen wächst, vor allem weiter oben. Das stellt angeblich nun auch der neue Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung fest. Der Staat wird ärmer, die vermögenden Schichten reicher. Weiterlesen…   

Kommentar: Eine nicht mehr tolerierbare Entwicklung. Eigentlich. Nur hat niemand den Mut, diese Entwicklung zu stoppen. Klassische, neoliberale Umverteilung, von unten nach oben: 




Warum und wie der Sozialstaat ins Gerede kam
(nachdenkseiten.de) Das war das Thema eines Vortrags, den ich im vergangenen Jahr auf einer Tagung der Stiftung Deutsche Postgewerkschaft hielt. Der Text ist aktuell und jetzt in einem von Frank Bsirske, Andrea Kocsis und Franz Treml herausgegebenen Buch erschienen. Ich habe darin beschrieben, wie systematisch und langfristig angelegt am Niedergang der Sozialstaatlichkeit gearbeitet worden ist und was dagegen zu tun wäre. Die Mehrheit unseres Volkes war lange Zeit, mindestens bis zum Jahr 2000, von der Notwendigkeit und Richtigkeit solidarischer Sicherungen überzeugt. Dieses Vertrauen wurde dann immer mehr beschädigt. Ohne Sinn und Verstand. Und nur zur Wahrung privater Interessen. Die Agenda 2010 ist Teil dieses Zerstörungswerks. Weiterlesen…  

Kommentar: Pflichtlektüre. Alleine schon wegen Gerhard Schröder’s Zitat aus Davos: „Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.“  Basta.


Hohe Renten in Südeuropa gehen zu Lasten der Deutschen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Ökonomen warnen, die großen Unterschiede in den europäischen Rentensystemen würden die Solidarität in Europa schwer belasten. Während Deutsche in der Rente lediglich 39,3 Prozent ihres Gehalts ausbezahlt bekommen, sind es bei Griechen 81,8 Prozent. Da die EU zunehmend zu einer Schuldenunion ausgebaut wird, droht eine Überstrapazierung der Solidarität. Weiterlesen…

Kommentar: Herrlich, diese prozentualen Gegenüberstellungen. Schüren weiter den Zorn auf Griechenland und den Rest. „Die Durchschnittsrente in Griechenland ist etwa halb so hoch wie in Deutschland“ heißt es richtig in „Merkels Märchen vom faulen Portugiesen“ bei zeit.de (hier). Ausführlicher geht es hier: „Luxus-Renten in Griechenland?“  


Ausverkauf: Griechenland soll „El Dorado“ für Investoren werden
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Der Verkauf der Energiekonzerne soll Griechenland neue Investitionen und mehr Arbeitsplätze bringen. Dies wünscht sich zumindest der neue Chef der Agentur für die Privatisierung griechischer Staatsunternehmen. Er träumt von einem griechischen „El Dorado“. Weiterlesen…

Kommentar: Die vielfältigen, schlechten Erfahrungen aus früheren Erlebnissen anderer Länder spielen für Griechenland keine Rolle. Immerhin wird sich der Kreis der Investoren vergrößern: jetzt sind die Chinesen dabei. Ändert aber nichts am vorhersehbaren Ergebnis der Enteignung.


Irland: Troika zahlt eine weitere Milliarde an Banken
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Eine weitere Milliarde sind Irlands Banken sicher. Das verkündete die EU-Kommission nach der vergangenen Troika-Inspektion. Das Land sei auf einem guten Weg. Dennoch gibt es weiterhin große Herausforderungen. Weiterlesen…

Kommentar: Diese neue Zahlung an die irischen Banken ist ein schlechter Scherz. Wieder ein Beweis dafür, dass es eine Bankenschuldenkrise ist, keine Staatsschuldenkrise. Als Gegenleistung verlangt der IWF, Irland solle den bereits nicht mehr vorhandenen Sozialstaat noch weiter abbauen.


Experten erwarten neue Welle von Immo-Notverkäufen
(wirtschaftsblatt.at) In Deutschland wird es 2013 laut einer Studie von Ernst & Young vermehrt zu Notverkäufen vor allem von Büroimmobilien kommen. Weiterlesen…

Kommentar: Das wird nicht ohne Wirkung bleiben. Selbst wenn die betroffenen Banken keine Verluste erleiden hat es Signalwirkung. Wegen der Bundestagswahl wird es jedoch von den deutschen Medien in schöner Einhelligkeit totgeschwiegen werden. Nur keine Unruhe stiften. Erst muss die anerkannte Krisenmanagerin Angela Merkel als Bundeskanzlerin bestätigt werden. Erst danach dürfen die schlechten Nachrichten in Deutschland das Licht der Welt erblicken.       


Geldvermögen der Österreicher geschrumpft
(derstandard.at) Österreich erreicht Platz 15 der reichsten Länder der Welt, die Schweizer sind eine Klasse für sich, die reichsten EU-Bürger sind die Belgier. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Das ist aber eine Überraschung. Nehmt diesen Vergleich nicht so Ernst, liebe Österreicher. Es ist doch auch kaum zu glauben, dass die Belgier die reichsten in der EU sind. Papier ist bekanntlich geduldig. Interessant die Entwicklung in Irland, wo sich das Vermögen um 10% gesteigert hat. Die Milliarden-Hilfen von EU/IWF/EZB zeigen offensichtlich Wirkung. Schade für die Finnen, deren Vermögen sich um stattliche 13%, dem höchsten Wert unter den Top-20, verringert hat. Die Schweizer mit deutlichem Abstand auf Platz 1. Das wird sich schlagartig ändern, wenn die Derivateblase platzt (hier). Dann steht bei den Schweizern, Amerikanern, Briten und Deutschen ein dickes Minus auf dem Konto Privatvermögen.  




Warum ein Schuldenschnitt die bessere Lösung ist 
(faz.net) Die Eurozone steht vor der Wahl: Entschuldung durch Inflation oder Schuldenschnitt für einzelne Krisenländer. Inflation ähnelt einem Flächenbombardement, das jeden trifft. Gezielter wirkt ein Schuldenerlass, allerdings nur, wenn er noch rechtzeitig kommt. Die EZB hat es in der Hand. Weiterlesen… 

Kommentar: Diese Analyse spielt auch nur mit den Ängsten der Menschen in Deutschland vor der Inflation. Außerdem schreibt sie die Lüge von der Staatsschuldenkrise weiter. Was den Autoren erlaubt, das Grundübel der europäischen Krise einfach zu ignorieren. Alleine die Banken und ihr Bilanzmüll sind das Problem. Für alle, die uns das immer noch nicht glauben, zeigen wir noch einmal die folgende Übersicht zum besseren Verständnis. Die Grafik zeigt die Zunahme der Schuldenquote in den PIIGS-Staaten und der Eurozone insgesamt. Das ist eindeutig.  

 
 
© dgb.de, 2012  

Was wir ebenfalls vermissen ist eine klare Stellungnahme dazu, dass seit dem Ende des 2. WK kein Schuldenschnitt für das betroffene Land tatsächlich zum gewünschten Erfolg geführt hat, siehe Argentinien. Den Eindruck zu vermitteln, im Fall Griechenland sei der jüngste Schuldenschnitt ein Erfolg gewesen, halten wir mindestens für grob fahrlässig.

Zum Thema Inflation bieten wir ebenfalls eine aussagefähige Grafik an: 



Anfang der 1970er und 1980er Jahre lag die Inflation in Deutschland bei über 7%. Trotzdem haben sich zu dieser Zeit die Vermögen gut entwickelt. 

Lawrence Summers - Die Briten verlieren ein Jahrzehnt 
(ftd.de) Großbritannien erholt sich weitaus schlechter von der Krise als andere Staaten. Die Regierung müsste ihre Wirtschaftsleistung erhöhen - statt sie strukturell kaputtzusparen. Weiterlesen… 

Kommentar: Larry Summers’ Analyse zu Großbritannien passt in weiten Teilen auch auf die Krisenpolitik der EU. Deshalb können auch seine Lösungsansätze als Grundlage für die europäischen Krisenstaaten dienen. Er wäre ein schlechter Amerikaner, würde er nicht hinter vorgehaltener Hand die Maßnahmen der Fed unterstützen. In diesem Punkt können wir Summers nicht folgen. Der gewünschte Effekt, die Wirtschaft anzukurbeln, verpufft in der Spekulation an den Aktien- und Rohstoffmärkten. Außerdem im Währungskrieg gegen den Euro. Wir bleiben dabei: Die Absicht, mit der nahezu unbegrenzter Liquidität die Wirtschaft zu unterstützen, sind bloße Lippenbekenntnis zur Beruhigung der Öffentlichkeit. 


Warum Europa zur Super-Nation werden muss 
(spiegel.de) Jetzt helfen nur noch die Vereinigten Staaten von Europa: Um den Euro zu retten, muss sich die EU zum Bundesstaat weiterentwickeln. Dazu gehört auch ein entschlossenes Nation Building: Der Aufbau einer gemeinsamen Identität, so wie er in den Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts geschah. Weiterlesen…


Kommentar: Viele nette Ideen vom Autor. Leider löst keine davon die augenblickliche Krise. Deshalb müssen sie warten. Die Vereinigten Staaten von Europa sind bestenfalls Zukunftsmusik. In einem überschaubaren Zeitraum nur dann zu realisieren, wenn die Krise in Europa einigermaßen glimpflich zu Ende geht. Danach sieht es leider nicht aus. „Euroland in Bankerhand“ (hier) ist die Ursache dafür.  


"QE3"-Konjunkturprogramm: Auftragsstau torpediert Fed-Hilfen
(ftd.de) Eigentlich soll das neue Hilfsprogramm der Fed den US-Immobilienmarkt beflügeln. Dort kommt das Geld allerdings nicht an - es fehlt schlicht das Personal, um Darlehensanträge zu prüfen. Weiterlesen…

Kommentar: So ein Quatsch. QE3 hat keine messbaren Auswirkungen auf den Häusermarkt, selbst wenn schon bald der Versuch unternommen wird, diese Finte statistisch zu belegen. Es ist schon richtig, dass es in den USA für die Bearbeitung von Darlehensanträgen an Personal fehlt. Schon vor Jahren wurden diese Tätigkeiten, um Personal einzusparen, nach Indien ausgelagert. Das ist kein Witz, sondern gelebte Praxis. US-amerikanische Darlehensanträge werden schon jahrelang von notdürftig ausgebildeten Indern nach Schema-F bearbeitet. Was den US-Häusermarkt lähmt sind noch 3,5 Mio. laufende Zwangsversteigerungsverfahren und der rasante Abstieg der amerikanischen Mittelklasse. Gut bezahlte Jobs müssen her, z. B. solche, bei denen die Darlehensanträge für Hypotheken wieder von Amerikanern in Amerika  geprüft werden.    


Rückkehr zu einfacherer Bankenregulierung
(fuw.ch) Mit zunehmender Komplexität der Finanzgeschäfte wurde auch ihre Regulierung komplizierter. Die Sicherheit des globalen Finanzsystems ist dennoch kaum gestiegen. Ein Kommentar von Kenneth Rogoff. Weiterlesen…

Kommentar: Rogoff ist sicherlich eine Koryphäe. Entsprechend klar fällt seine Analyse aus. Trotzdem schreibt er „um den heißen Brei“ herum. Eine einfachere Bankenregulierung erfordert einfachere Märkte, verständlichere Produkte, weniger Spekulation. Darauf ist er bedauerlicherweise nicht eingegangen.


Verschollener Stahl in China
(heise/telepolis.de) Als Kredit-Sicherheit "hinterlegter" Stahl erweist sich zusehends als inexistent, was endemisch der Fall sein soll und einen weiteren Schatten auf das chinesische Kreditsystem wirft. Weiterlesen…

Kommentar: Wir ersparen uns einen Kommentar. Unsere kritische Meinung zu China verfestigt sich.  


Auch US-Einzelhandelsriese Home Depot zieht sich aus China zurück
(wirtschaftsfacts.de) Wenn Chinas Wirtschaft hustet, bekommen die Einzelhändler anscheinend gleich einen Schnupfen. So auch im Falle des US-Einzelhandelsriesen Home Depot, der seine letzten sieben verbliebenen Outlet-Center in China nun ebenfalls schließen wird. Mit dem Rückzug ist auch der Abbau von rund 850 Arbeitsplätzen verbunden. Die deutliche Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums führt nicht nur zum Rückzug von immer mehr ausländischen Konzernen aus dem Land, sondern auch zu einem anhaltend mörderischen Preiskampf im Einzelhandel. Weiterlesen…

Kommentar: Es reicht nicht, dass rund 800 Millionen Chinesen oberhalb der Armutsgrenze leben. Knapp 1.000 US-Dollar Einkommen im Jahr sind einfach zu wenig, um den Konsum im Land selbst endlich anzuschieben. 200 Millionen Gutverdiener reichen dafür offensichtlich nicht aus. Schade nur, dass der Rückzug von Home Depot aus China keine neuen Arbeitsplätze in der Heimat schafft.


US-Medien läuten Romneys politisches Ende ein
(spiegel.de) Mitt Romneys neuerliche Panne im US-Wahlkampf könnte den Ausgang der Präsidentenwahl besiegeln. In einem heimlich gedrehten Video beschimpfte er die Wähler des Amtsinhabers Obama - sie lägen dem Staat auf der Tasche. US-Medien schreiben jetzt den Abgesang auf den republikanischen Herausforderer. Weiterlesen…

Kommentar: Na ja, bekanntlich leben Totgesagte länger. Jedenfalls ein nettes Video (hier). Wie will Romney den amtierenden Präsidenten noch herausfordern? Das hätten wir uns gewünscht, um Obama zu mehr Leistung, nicht zu neuen Versprechungen, anzuspornen.


Zum Schluss: Alle Nachrichten sind nur die Begleitmusik für ein Ereignis: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor. Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang. Was es sonst noch gibt steht hier. Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Es wird Zeit, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Soviel ist sicher. Dabei können wir behilflich sein. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine einmalige Aufwandsentschädigung.

Sehr viel Wert legen wir auf Unabhängigkeit. Deshalb haben wir auch ein eigenes Konzept zur Absicherung der Ersparnisse und Vermögen vorbereitet, das wir bei Bedarf sehr flexibel einsetzen können. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.