Donnerstag, 20. September 2012

Standpunkt 385 - Nachrichten-Ticker, 19.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: EU-Beitritt TürkeiNorwegen – Griechenland – Portugal – Bankrun – Spanien – Bankenunion – Euro-Krise – Europa – Deutsche Bank – China – Derivate – USA – Japan  


"EU wird uns um Beitritt anflehen"
(format.at) "Der Tag wird kommen, da wird man uns anflehen beizutreten", doch "am Ende des Tages werden wir entscheiden, ob wir beitreten wollen oder nicht."

"Die EU ist seit 50 Jahren uns gegenüber unaufrichtig und heuchlerisch", klagte der türkische Wirtschaftsminister Zafer Caglayan am Dienstagabend im Gespräch mit der APA. Die Union zeige seinem Land immer noch die kalte Schulter, obwohl die Türkei im Gegensatz zu den meisten EU-Staaten die Maastricht-Kriterien erfülle. "Die Türkei hat ein Recht auf einen EU-Beitritt und wird auf dieses Recht nicht verzichten" stellte er klar, dass die Türkei nicht daran denke, ihr Beitrittsgesuch zurückzuziehen. Offen sei aber, ob es bis zur Verwirklichung des Beitritts die EU und den Euro überhaupt noch geben wird. Weiterlesen…   

Kommentar: Die Türkei profiliert sich mit europäischer Hilfe. Im Übrigen ist der türkische Erfolg eine Luftnummer, weil kreditblasenfinanziert. Die Verhandlungen über den EU-Beitritt des Landes, über den seit 2005 verhandelt wird, bieten dem Land erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Eine Mehrheit für eine Aufnahme des Landes gibt es in der EU nicht. Das wurmt die Türken. Das Land bekommt in diesem Jahr knapp 900 Millionen Euro als Hilfe von der EU, um sich für den Beitritt fit zu machen. Seit 2007 sind schon über 3 Milliarden Euro in die Türkei geflossen (hier). Die Beitrittsverhandlungen sind so gesehen ein voller Erfolg – für die Türkei.  


In Norwegen wird der Öl-Reichtum zum Problem
(format.at) Das 1969 vor der Küste Norwegens gefundene Erdöl hat dem Land einen schier unermesslichen Reichtum beschert - manchen mehr, manchen weniger. Denn der Öl-Boom, den Beobachter mit dem Goldrausch in den USA Ende des 19. Jahrhunderts vergleichen, hat sich für einige eher zu einem Fluch als zu einem Segen entwickelt. Weiterlesen…

Kommentar: Ein interessanter Bericht über das Land im hohen Norden. Es entwickelt sich eine Zweiklassengesellschaft. Kaum vorstellbar, dass die durch den Ölreichtum Wohlhabenden dem Rest davon auf Dauer etwas abgeben. Das wird weiter die Spannungen fördern.   


Griechenland: Importe brechen wegen Krise ein
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Griechen haben kein Geld mehr für den Konsum. Daher sind im Juli auch die Importe massiv eingebrochen. Das leichte Wachstum bei den Exporten kann diese negative Entwicklung nicht ausgleichen. Weiterlesen…

Kommentar: Das erklärt die besseren Statistikwerte, die gerade überall als Trendwende herumgereicht werden.  


Massive Proteste in Portugal
(merkur-online.de) Der Erfolgsstory Portugals als „Musterschüler“ unter den europäischen Krisenländern droht ein jähes Ende. Das Elend nimmt rasant zu. Jetzt kam es zu massiven Protesten. In Lissabon kam es zur größten Protestdemonstration seit dem Ende der Diktatur 1974. Weiterlesen…

Kommentar: Absehbar schlechte Nachrichten aus Portugal. Das Land wird nicht zur Ruhe kommen, immer neue Auflagen der Troika geben ihm den Rest. Kaum vorstellbar, dass die Regierung Coelho das überleben wird.  


Bankrun in Europa: 326 Milliarden Euro abgezogen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Aus den peripheren Staaten flossen im vergangenen Jahr rund 300 Milliarden Euro in stabile Euroländer wie Deutschland. Das zunehmende Ungleichgewicht ist in einen Teufelskreis übergegangen und gefährdet den Euro massiv. Weiterlesen…

Kommentar: Bleibt kein Dauerzustand. Das Geld fließt wieder dahin zurück, wo es hergekommen ist. Falls Europa ein Interesse am Ende der Krise hat.


Juncker: Bedingungen für Spanien-Bailout werden „sehr hart“
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) „Sehr hart Bedingungen“ sagt Eurogruppen-Chef Juncker der spanischen Regierung bei einem möglichen Rettungspaket voraus. Das erwartet auch die spanische Regierung und setzt deshalb die gesamte Rettung aufs Spiel. Weiterlesen…

Kommentar: Die Krisenmanager der EU lernen einfach nicht dazu. Es ist halt doch nur eine Laienspielschar. Unsere Empfehlung an Spanien: Hart bleiben und die dringend benötigten Euro selbst drucken. Letzteres machen andere auch. Und dann abwarten. Europa wird sich bewegen. Interessant auch, partiell die Zahlungsunfähigkeit zu erklären. Bisher sind alle hilfesuchenden Regierungen vor den Forderungen der EU eingeknickt. Zeit, mal etwas anderes zu versuchen…

   
Warum die Bankenunion so wichtig ist
(spiegel.de) Offiziell ist man sich einig: Die Bankenaufsicht muss europäisch werden. Doch in Wahrheit gehen die Vorstellungen in der EU weit auseinander - und die Bundesregierung spielt mal wieder den Bremser. Dabei kann nur eine echte Bankenunion mit gemeinsamer Einlagensicherung die Euro-Krise lösen. Eine Kolumne von Wolfgang Münchau. Weiterlesen…

Kommentar: Nein, keine Bankenunion für ein durch und durch marodes, pleitebedrohtes Finanzsystem. Das funktioniert nicht. Die Krise wird so nicht gelöst. Wenn überhaupt eine Bankenunion, dann erst am Ende einer Reihe notwendiger Maßnahmen.


Ist Europas Finanzkrise vorbei?
(project-syndicate.org) Die europäische Zentralbank hat kürzlich eine Politik des Anleihenkaufs angekündigt. Was sie „endgültige Finanztransaktionen“ (outright monetary transactions, OMTs) nennt, ist eine Annäherung an die Zentralbanken des angelsächsischen Raums. Diese Maßnahme der EZB bietet bislang die beste Chance, die seit 2010 schwelende Krise zu beenden, aber die Bank hat damit ihren Einsatz im Spiel gegen die Regierungen deutlich erhöht.
Die politischen Möglichkeiten der EZB sind gut dazu geeignet, große systemische Flächenbrände zu bekämpfen, aber kaum in der Lage, örtliche Feuer zu löschen und ihre Verbreitung zu verhindern. Das OMT-Programm, das der EZB den Kauf von Staatsanleihen von Ländern ermöglicht, die sich bereit erklärt haben, ihre Volkswirtschaften zu reformieren, schafft einen signifikanten Ausgleich zwischen der Bank und anderen Notenbanken der Industrieländer. Spanien hat dieselben Haushalts- und Strukturprobleme wie vor dem Programm, aber kann nun auf einen externen Kreditgeber der letzten Instanz zugreifen. Dies ist eine völlig neue Situation. Weiterlesen…

Kommentar: Eine Außenansicht. Nicht unbedingt allgemeinverständlich geschrieben. Deshalb eher etwas für Vorgebildete.


Wie Europa in die Schuldenfalle lief
(manager-magazin.de) Hohe Schulden erdrosseln die wirtschaftliche Dynamik und halten die westlichen Volkswirtschaften am Boden. Wie konnte es zu der Schuldenorgie kommen? Es waren nicht zuvorderst verantwortungslose Politiker, die dem Westen den Rest gaben - sondern Privatbürger und Manager. Weiterlesen…

Kommentar: Wieder ein Erklärungsversuch. Jetzt sind die Privat- und Unternehmensschulden verantwortlich für die Krise(n). Leider spielen die bei der Bewertung der Zustände in den PIIGS-Staaten keine Rolle, oder haben wir was übersehen/-hört? Wohl kaum, so dicht wie wir jeden Tag mit unseren Ohren an der Grasnarbe liegen. Europa diskutiert nur über eine Staatsschuldenkrise, über sonst nichts.

Zum Schluss stellt der Autor die Frage: Ist der Westen bankrott? Nein, nur seine Banken.  


Wachsende Einkommensungleichheit in Deutschland Mitursache der Eurokrise
(heise/telepolis.de) Eine Studie des Böckler-Instituts sieht in der "Polarisierung des Einkommens" in Deutschland den Grund für eine schwache Binnennachfrage und das Wachstum durch Exporte. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Nachvollziehbar. Noch ausführlicher hier: „Polarisierung von Einkommen destabilisiert die Wirtschaft“. Beides unsere Leseempfehlung des Tages.     


Angriff auf die Deutsche Bank
(zeit.de) Die SPD marschiert vorweg, und die Kanzlerin folgt – dem Branchenprimus droht die Aufspaltung. Weiterlesen…

Kommentar: Kaum. Viel Wind um nichts. Eine umfangreiche Analyse, der wir in wesentlichen Teilen nicht folgen können. Die beispielsweise behauptet, sowohl in den USA wie auch in der EU sei „ein Großteil der 2009 im Rahmen der G20 gemachten Versprechungen tatsächlich umgesetzt“ worden. Wir müssen da was verschlafen haben. Es geht weiter: „Die Banken müssen heute mehr eigene Geldmittel vorhalten, um bei Verlusten nicht gleich auf Unterstützung der Steuerzahler angewiesen zu sein. Die Aufsichtsbehörden kontrollieren strenger als früher. Die Bonuszahlungen sind gesunken. In Deutschland wurden die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen, um marode Institute abzuwickeln.“ Nach wie vor sind die Eigenkapitalquoten grottenschlecht, die Kontrollen werden umgangen, die gefährlichen Geschäfte in Schattenbanken und/oder Zweckgesellschaften ausgelagert, die Boni auch. Nach wie vor ist die Abwicklung einer Bank in Deutschland nur auf dem Papier möglich.

Die Banken „zerstören all unsere materiellen Grundlagen“, sagt Klaus Engel, Vorstandschef des Chemieriesen Evonik. Stimmt. Die Voraussetzungen dafür wurden von denen überhaupt erst geschaffen, die heute den Zeigefinger heben, inklusive der deutschen Wirtschaft. Was sonst noch beschrieben wird ist hinlänglich bekannt, nicht erst seit Gabriels Aufschrei. Die SPD will diesen Karren aus dem Dreck ziehen? Eine amüsante Vorstellung, fehlen ihr doch dazu die Gäule. Die Kanzlerin soll es richten? Noch eine Überhöhung ihrer Fähigkeiten. Gibt es nicht schon genug davon? Ein Angriff auf die Deutsche Bank? Kaum. Die Bank schützt ihr internationales Netzwerk. Noch.


Germany's big worry: China, not Greece
(reuters.com) Berlin, not Brussels, will decide the future of the ailing eurozone because Germany's economic power and its status as the European Union's main paymaster give it an effective veto over key decisions. So it comes as a surprise to find that in Berlin's corridors of power, the main worry is not whether Greece sticks to its reform pledges or Spain demands an EU bailout. As the world's third largest exporting nation, Germans are far more concerned about whether China loses its appetite for their machine tools and cars, or about what the famed Teutonic manufacturers should make in the year 2030. Dominating the stage in Germany is the towering political presence of Chancellor Angela Merkel. Just over a year before federal elections, she looks unbeatable. Read more…

Kommentar: Von China abhängig sein? Keine gute Sache – finden wir.   


Akzeptieren Banken Schrottsicherheiten zur Absicherung von Derivatewetten?
wirtschaftsfacts.de) Das Finanzsystem steht durch äußerst negative Entwicklungen an den Derivatemärkten abermals stark unter Druck. Insgesamt sollen Sicherheiten zur Hinterlegung für Derivatewetten von rund $2,6 Billionen im Feuer stehen, deren unterliegende Basiswerte sich in der Qualität zuletzt deutlich verschlechtert haben. Neue Regeländerungen werden ab dem kommenden Jahr dazu führen, dass Investoren ihre hinterlegten Sicherheiten im Derivatehandel aufstocken müssen. Dies kann nicht mehr auf Basis von Treasury Bonds geschehen, da deren Markt in Relation zu klein ist, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Weiterlesen…

Kommentar: Die weltweite Finanzindustrie – eine einzige Zockerbude. Das kann nicht reguliert werden, sondern muss ausgetrocknet werden. Ein Knochenjob, auf den sich niemand bewerben wird. Also läuft die Sache einfach weiter bis zum großen Knall. Die folgende Grafik zeigt am Beispiel der Deutschen Bank die irrwitzigen Größenverhältnisse (aus unserem Beitrag „Desaster Derivatehandel, hier): 





Amerikas unterschätztes Milliardenproblem

(zeit.de) Die Rettung von Amerikas Banken wird im Wahlkampf als Erfolg gehandelt. In Wahrheit ist die Bilanz durchwachsen – und kommt zu früh. Weiterlesen…

Kommentar: Eine ganz brauchbare Beschreibung der milliardenschweren Baustellen. Leider gibt es die nicht nur in den USA.


Japanische Notenbank lockert die Geldpolitik
(wirtschaftsblatt.at) Die japanische Notenbank weitet ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen aus. Wie EZB und die US-Notenbank (Fed) will auch die japanische Zentralbank die Notenpresse stärker anwerfen und frisches Geld in die Wirtschaft pumpen. Die Bank von Japan weitet ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren um 10 Billionen auf 80 Bill. Yen (779 Mrd. Euro) aus, teilte sie am Mittwoch in Tokio mit. Die Bank of Japan reagiert damit auf die sich eintrübenden Konjunkturaussichten. Die Exportnation leidet unter der Schuldenkrise in Europa. Zudem droht der Inselstreit mit dem wichtigsten Handelspartner China zu einer neuen Belastung zu werden: Japanische Konzerne schlossen Hunderte Geschäfte sowie Fabrikanlagen in der Volksrepublik. Als nächstes wird eine geldpolitische Lockerung der chinesischen Zentralbank erwartet. Weiterlesen…

Kommentar: Der Druck auf Europa wird enorm zunehmen. Wir befürchten, dem sind die Politiker nicht gewachsen.


Zum Schluss: Alle Nachrichten sind nur die Begleitmusik für ein Ereignis: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor. Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang. Was es sonst noch gibt steht hier. Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Es wird Zeit, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Soviel ist sicher. Dabei können wir behilflich sein. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine einmalige Aufwandsentschädigung.

Sehr viel Wert legen wir auf Unabhängigkeit. Deshalb haben wir auch ein eigenes Konzept zur Absicherung der Ersparnisse und Vermögen vorbereitet, das wir bei Bedarf sehr flexibel einsetzen können. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de