Samstag, 22. September 2012

Standpunkt 387 - Nachrichten-Ticker, 21.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: NahrungsmittelspekulationGriechenland – IWF - Spanien – Katalonien – Welthandel – Dollar – Euro-Krise – EU – Euro  – Schweden – Finanz-Casino – USA – Rösler – Japan – Rüstungsgeschäfte   


Vorankündigung: Wir haben ein neues Update zum Thema "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" vorbereitet. Noch umfangreicher, noch kritischer. Verläuft alles nach Plan, werden wir diesen neuen Beitrag noch am Wochenende veröffentlichen. 


"Nahrungsmittelspekulation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit 
(sueddeutsche.de) Jean Ziegler kämpft mit drastischer Polemik gegen den Hunger auf der Welt. Ein Gespräch mit dem UN-Experten und Autor über die Frage, ob das Wetten auf Nahrungsmittel Mord ist, warum selbst mächtige Politiker vor Großkonzernen einknicken, die kaum einer kennt. Und warum er Kuba weiter unterstützt, von Gaddafi am Ende aber abrückte. Weiterlesen… 

Kommentar: Es sollte mehr Leute wie den Schweizer geben. Klare Worte, die an der einen oder anderen Stelle noch deutlicher sein könnten. Offensichtlich sind in Deutschland die Spekulationen der Finanzkonzerne. Wer Kunde dieser Banken und Fondsgesellschaften ist macht sich mitschuldig am Hungertod zahlloser Menschen. Das ist die bittere Wirklichkeit und durch nichts, absolut nichts, zu entschuldigen. Dieses Interview ist unsere Tagesempfehlung. 


„Wie kann man da noch überleben?“ 
(heise/telepolis.de) In Griechenland spitzt sich die soziale Krise weiter zu, doch die Troika bleibt erbarmungslos. Weiterlesen…  

Kommentar: Einfach lesen und wirken lassen. Sagt so viel aus über den Umgang der europäischen Spitzenpolitiker mit der Krise und der Hilflosigkeit in Griechenland. Unerträglich.  


Griechenland vor neuem Schuldenschnitt 
(ftd.de) Die internationalen Geldgeber erwägen, das erste Paket an Hilfsgeldern für Griechenland abzuschreiben - was ein weiterer Schuldenschnitt zugunsten des hochverschuldeten Landes wäre. Und der Bundestag müsste nicht einmal zustimmen. Weiterlesen... 

Kommentar: Griechenland geht zugrunde. Zerstört von seinen angeblichen Freunden. Das Krisenmanagement ist an Scheinheiligkeit kaum noch zu überbieten. 


UBS erwartet Griechenland-Austritt bis 2013 
(wirtschaftsblatt.at) Für die Schweizer Großbank UBS rückt ein baldiges Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone näher. Weiterlesen…

Kommentar: Wieder diese unsägliche Diskussion über einen „Grexit. Griechenland war das schwächste Glied in der Euro-Zonen-Kette. Wird dieses Glied zerstört, und danach sieht es aus, ist gleichzeitig die Kette zerstört. Die Folgen sind gravierend, ihre Wirkung nicht absehbar, aber auf jeden Fall hochgradig negativ (hier).   


Troika-Bericht zu Griechenland erst nach US-Wahl 
(format.at) EU will jeden Schock für die Weltwirtschaft vor der US Wahlentscheidung vermeiden. Der über weitere Hilfszahlungen entscheidende Bericht zur wirtschaftlichen Lage Griechenlands wird EU-Diplomaten zufolge erst nach der US-Wahl am 6. November vorgelegt. Die EU wolle jeden Schock für die Weltwirtschaft vor der Entscheidung über eine Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama vermeiden. Weiterlesen… 

Kommentar/Ergänzung: Obamas Wiederwahl wirft einen langen Schatten. Damit das funktioniert unterbricht die Troika einfach ihre Arbeit in Griechenland: „Vertreter der Troika unterbrechen Verhandlungen“ (hier). Die Begründung ist unverfänglich: „Weil Athen bei der Umsetzung des Sparprogramms nicht vorankommt, reisen die Unterhändler von EU, EZB und IWF aus Athen ab. Nur nach einer Einigung mit der Troika können Hilfsgelder fließen.“ Mögliche neue Hilfszahlungen müssen dann eben auch warten. 


IWF schätzt spanischen Geldbedarf geringer ein 
(derstandard.at) Laut Christine Lagarde braucht der Finanzsektor 40 Milliarden Euro. Spanien glaubt aber mehr zu brauchen. Weiterlesen… 

Kommentar: Wir bleiben dabei: Spaniens Banken werden insgesamt 300 Milliarden brauchen, nicht nur 40 Milliarden. Die Hilfen werden gerade in ganz kleine Einheiten zerlegt, um mit dem Gesamtvolumen in der Öffentlichkeit nicht unnötig anzuecken. Außerdem müssen noch wahrscheinlich 200 Milliarden für den Rest, inklusive der Regionen, gestemmt werden. 


Spanien braucht 180 Milliarden Euro 
(format.at) Spanien hat im Verlauf der kommenden zwölf Monate einen Finanzbedarf von etwa 180 Mrd. Euro. Das geht aus einer Prognose der französischen Großbank BNP Paribas hervor. Sollte der Euro-Rettungsschirm ESM etwa 50 Prozent dieser Summe auffangen, dann würde sich der Bedarf also noch immer auf 90 Mrd. Euro belaufen. Weiterlesen… 

Kommentar: Das zum Thema 40 Milliarden Finanzbedarf des IWF. Möglich, dass Spanien in den nächsten 12 Monaten mit 180 Milliarden auskommt, sehr wahrscheinlich ist es nicht. 


"Spaniens Sparprogramm ist viel zu ambitioniert" 
(ftd.de) Südeuropas Konjunktur wird noch lange lahmen: Erst in fünf Jahren dürften Italien und Spanien wieder wachsen. Das sagt Jacques Cailloux, Europa-Chefsvolkswirt der japanischen Großbank Nomura, im FTD-Interview. Weiterlesen… 

Kommentar: Ein verständlicher Vorwurf. Wir verstehen aber auch Spaniens Haltung. Die spanische Regierung fürchtet die überharten Auflagen von EU/IWF/EZB, die über die eigenen Maßnahmen noch weit hinausgehen werden. Die Menschen in Spanien stehen unter Strom, da fehlt nicht mehr viel und das Land „brennt“. 


EU arbeitet heimlich an Hilfen für Spanien 
(ftd.de) Offiziell sperrt sich das hochverschuldete Spanien bislang dagegen, unter den Euro-Rettungsschirm zu flüchten. Hinter den Kulissen verhandeln Brüssel und Madrid längst über die Details eines Hilfsprogramms. Schon kommende Woche könnte der Reformplan stehen - damit die EZB unbegrenzt Staatsanleihen des Landes kaufen kann. Die EU bereitet hinter den Kulissen ein neues Hilfsprogramm für Spanien und unbegrenzte Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) vor. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen der Financial Times sagten, verhandelt die Europäische Kommission derzeit mit der spanischen Regierung über die Forderungen der internationalen Geldgeber - um sicherzustellen, dass die Bedingungen erfüllt sind, bevor Madrid einen offiziellen Hilfsantrag stellt. Das Programm mit Wirtschaftsreformen soll kommende Woche vorgestellt werden. Weiterlesen… 

Kommentar: Die Öffentlichkeit wird wieder einmal über die Wahrheiten im Unklaren gelassen. Gehört zum europäischen Krisenmanagement: „Europas Lügen haben kurze Beine“ (hier). 


Schäuble nennt Hilfsprogramm für Spanien unnötig 
(spiegel.de) Spanien braucht nach Meinung von Wolfgang Schäuble kein Hilfsprogramm, um wieder auf die Beine zu kommen. Auch die Diskussion über einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland kritisierte der Finanzminister. Die Bürger in beiden Ländern müssen sich auf weitere Einschnitte gefasst machen. Weiterlesen… 

Kommentar: Noch einmal: Spanien fehlen mindestens 300, eher 500 Milliarden Euro. Keine Ahnung, was Wolfgang "Baron von Münchhausen" Schäuble mit dieser Aussage bezweckt. Die Spekulanten feiern. 


Katalonien macht sich auf den Weg in die Unabhängigkeit 
(heise/telepolis.de) Nach dem erfolglosen Treffen mit dem spanischen Ministerpräsident kündigt der katalanische Regierungschef "Entscheidungen von großer Tragweite" an. Weiterlesen… 

Kommentar/Ergänzung: Spanien steht vor einer neuen Zerreißprobe. Dank Europas Krisenmanagement. Die Nerven liegen blank: „Madrid droht Katalonien mit dem Ausschluss aus der EU“ (hier). Eine Abspaltung Kataloniens von Spanien wäre illegal, warnt der spanische Außenminister. Doch in den spanischen Medien werden bereits Wahltermine kolportiert, die zur Unabhängigkeit Kataloniens führen könnten. 


Erzielt die Welt einen Exportüberschuss? 
(handelsblatt.com) Die Summe der Exporte und Importe aller Länder ergibt einen Überschuss. Da wir keinen extraterrestischen Handel treiben, stimmt das wohl nicht. Der virtuelle Überschuss geht auch auf das Tempo der Frachtschiffe zurück. Weiterlesen… 

Kommentar: Ein bisschen Hintergrundwissen zur Ablenkung.


Euro-Krise bremst Welthandel 
(spiegel.de) Die Krise in Europa wirkt sich auf den globalen Warenumschlag aus. Die Welthandelsorganisation hat ihre Prognose für das laufende Jahr deutlich heruntergeschraubt. Auch die Aussichten für 2013 sind trübe. Weiterlesen…

Kommentar: Natürlich, schuld ist die Euro-Krise. Nicht die Schwäche der USA oder Chinas. Durchsichtiges Manöver der Welthandelsorganisation (WTO). Europa wird gekeilt.


Euro-Krise droht den Dollar anzustecken 
(welt.de) Die Angst um den Euro ebbt ab, doch nun braut sich in den USA der nächste Sturm zusammen. Denn der amerikanische Schuldenberg wird immer gigantischer. Der Dollar hat schon deutlich an Wert verloren. Weiterlesen…

Kommentar: Nein, so ist es nicht. Die Krise in Europa dient nur einem Zweck: von den massiven Schwierigkeiten in den USA abzulenken. Dafür wurde sie installiert. Bisher ist das gut gelungen. Ewig geht es nicht so weiter. Bis über die US-Präsidentschaftswahl hinaus wird es aber funktionieren. Davon sind wir überzeugt.


Die EU darf nicht gespalten werden 
(zeit.de) Nur als große Macht kann Europa die politischen Vorteile der USA und Chinas ausgleichen. Kerneuropa ist zu klein, die Zukunft haben regionale Verbünde. Weiterlesen… 

Kommentar: Stimmt, aber die Chancen stehen schlecht. Am Ende ist auch die Wirtschaftsmacht Europa nur noch zweitklassig. Verhindern lässt sich diese Entwicklung nur durch die Zerstörung der übermächtigen Finanzindustrie. Daran führt kein Weg vorbei. Je früher, umso besser/billiger. Die treibenden Kräfte hinter dem Streben nach Auflösung der Euro-Zone kämpfen an der falschen Stelle. 


 Der Euro, die vernachlässigte Währung 
(finanztreff.de) Ist eine übernationale Währung wie der Euro zum Scheitern verurteilt? Nicht unbedingt. Aber die beteiligten Nationen müssen sich bemühen, zusammenzuwachsen. Irgendwie ist die Arbeit daran einfach liegen geblieben. Weiterlesen…

Kommentar: Lesenswerter Beitrag. Für alle, die sich über den Tag hinaus um den Euro Gedanken machen.


Borg Says Swedish Taxes Can’t Go Into Ill-Managed European Banks 
(bloomberg.com) Swedish Finance Minister Anders Borg said his government will never agree to let taxpayers in the largest Nordic economy bail out “ill-managed” banks elsewhere in Europe. In his latest attack against Europe’s proposed banking union, Borg called the basic structure proposed for a common European banking framework “unreasonable,” arguing that Sweden won’t accept a model that gives euro members more clout than European Union states outside the currency bloc. Read more…  

Kommentar: Keine Überraschung, der schwedische Standpunkt. Wir bleiben gelassen, auch Schweden kommt in die Krise. 


Ex-Fed-Präsident Hoenig: Banken bald wieder wie zu Vorkrisenzeiten unterwegs 
(wirtschaftsfacts.de) Wie schön, dass es im Board der Federal Reserve wenigstens einen Ex-Vertreter gibt, der sich darüber bewusst ist, auf welche Weise die großen Notenbanken mit zu neuen Blasenbildungen an den Finanzmärkten beitragen. So wird Thomas Hoenig nicht müde davor zu warnen, dass vor allem die US-Großbanken bereits wieder zu ihrem Verhalten aus den Vorkrisenjahrenzurückkehren. Ermöglicht wird dies hauptsächlich durch die Liquiditätsflutung der Märkte durch die Zentralbanken, einer dadurch wachsenden Risikoneigung sowie einem Moral Hazard, der wie nie zuvor außer Rand und Band gerät. Bald werden wir wohl wieder dort sein, wo die Welt sich im Jahr 2007 befand. Weiterlesen…

Kommentar: Die Warnung eines Insiders. Die Bestätigung unserer Befürchtungen. Wobei wir die Situation noch schlimmer einschätzen.

USA: Arbeitslosigkeit bleibt auf hohem Niveau
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Eine steigende Zahl von Arbeitslosen hat Ökonomen in den USA überrascht: Sie geht bei weitem nicht so stark zurück wie erwartet. Beobachter erwarten nun, dass sich die Lage eher noch weiter verschlechtern dürfte. Weiterlesen…

Kommentar: Stimmt, was denn sonst? Die US-Statistiker sind wahre Künstler ihres Fachs. Die Wirklichkeit gibt es regelmäßig bei www.shadowstats.com.


Rösler und der Romneyeffekt 
(heise/telepolis.de) Auch in Deutschland gehört eine Verachtung der Einkommensschwachen bei Politikern, die Ungleichheit fördern, längst zum Alltag. Weiterlesen…

Kommentar: Profilierungssucht schlägt Vernunft. Wer FDP-Generalsekretär Döring in dieser Woche bei Anne Will gehört hat (hier), der darf sich über die Zerstörung der letzten Fragmente Sozialer Marktwirtschaft nicht wundern, das hat System.


Bank of Japan (BoJ) wieder mit dabei im globalen Währungskrieg 
(wirtschaftsfacts.de) Jetzt ist geschehen, was eigentlich nicht hätte anders passieren können. Die Bank of Japan gab bekannt, ihr Bondankaufprogramm ebenfalls um 10 Billionen Yen zu expandieren. Nach Ankündigung der Federal Reserve zu QE3 musste mit dieser Maßnahme jederzeit gerechnet werden, da der Yen gegenüber dem US-Dollar in den letzten Tagen fast schon wieder seine Rekordhochs aus dem Oktober des vergangenen Jahres erreichte. Neben der Fed, der EZB, der BoE und einigen anderen Notenbanken wird damit auch die BoJ erneut im globalen Währungskrieg aktiv. Weiterlesen…

Kommentar: Die japanische Rezession verschärft sich. Jetzt auch noch der Stress mit China (hier). Die japanische Krankheit ist hartnäckig und noch lange nicht zu Ende. Garantiert.


Menschenrechte und Panzergeschäft für de Maizière kein Widerspruch 
(zeit.de) Der Minister hat den Verkauf von Panzern nach Saudi-Arabien verteidigt. Dieser trage zur Stabilität der Region bei. Menschenrechtsbedenken reichten nicht als Kriterium. Weiterlesen…

Kommentar: Deutschland verliert bei Rüstungsgeschäften die letzten Hemmungen. Hauptsache die Kohle stimmt.


Zum Schluss: Alle Nachrichten sind nur die Begleitmusik für ein Ereignis: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor. Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang. Was es sonst noch gibt steht hier. Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Es wird Zeit, Ersparnisse und Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Soviel ist sicher. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir können Ihnen eine Hilfe sein. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine einmalige Aufwandsentschädigung. 

Sehr viel Wert legen wir auf Unabhängigkeit. Deshalb haben wir auch ein eigenes Konzept zur Absicherung der Ersparnisse und Vermögen vorbereitet, das wir bei Bedarf sehr flexibel einsetzen können. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de