Sonntag, 30. September 2012

Standpunkt 397 - Nachrichten-Ticker, 29.09.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ... 

Themen: USA Fitch – Großbritannien – Europa – Griechenland 

In eigener Sache: Ein neues Update zum Thema Enteignungen ist fertig und steht hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Wir haben diesen Beitrag sorgfältig recherchiert und formuliert. Für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik sind wir dankbar.


USA – Aufschwung ohne Jobs
(ftd.de) Die US-Industrie hat sich von ihrem Einbruch erholt und feiert Erfolge beim Export. Doch es entstehen kaum neue Arbeitsplätze. Für den Präsidenten wird das zum Problem. Weiterlesen…

Kommentar: Deshalb ist es auch nur für Ironiker ein Aufschwung. Die USA brauchen dringend Jobs, Jobs, Jobs. Eine Arbeitslosenquote auf dem Niveau der Great Depression ist völlig inakzeptabel. 




Barack Obama hat dafür in seiner ersten Amtszeit viel zu wenig - nämlich nichts - getan. Irgendwann hatte er mal 1 Million neuer Jobs versprochen, gehalten hat er dieses Versprechen nicht. Die US-Konzerne sitzen auf rund 2 Billionen US-Dollar Liquidität, mit der sie viel unnützes Zeug anstellen, statt Jobs zu schaffen. Die Manager-Boni sollten von der Anzahl neuer Arbeitsplätze abhängig sein, nicht vom Börsenwert des Unternehmens.


Fitch lässt Bombe platzen: Britisches Triple A wackelt
(format.at) Großbritanniens Haushaltsdefizit explodiert, die Schulden steigen und die Wirtschaft stagniert. Jenseits des Ärmelkanals braut sich ein Giftcocktail zusammen, der jetzt auch von den Ratingagenturen wahrgenommen wird. Großbritannien droht der Entzug des Triple A-Ratings warnt die Ratingagentur Fitch. Weiterlesen…

Kommentar: Endlich. Schon seit Monaten schreiben wir darüber, dass Großbritannien pleite ist. Die folgende Grafik spricht Bände: Die Staatsverschuldung hat sich innerhalb von 10 Jahren verdreifacht. Zum Triple-A-Rating haben wir schon vor einem Jahr unsere Prophezeiungen abgeliefert: „Die Triple A Märchen“ (hier). 



EU-Defizitregel: Von Mitterand am Küchentisch aus dem Ärmel gezaubert

(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Länder der Eurozone sind bemüht, durch Einsparungen sich möglichst bald der Defizitgrenze von 3 Prozent zu nähern. Woher die Vorgabe kommt, wusste bisher keiner. Nun enthüllt ein französischer Ökonom, dass es sich um eine klassische Hausnummer handelt. Die EU verlieh dem Fantasie-Wert jedoch quasi-mathematische Autorität, ohne zu wissen, was er bedeutet. Weiterlesen…   

Kommentar: So, so, die Defizitregel stammt von Mitterrand. So werden Mythen gezimmert. Die Defizitgrenze stammt, wie alle anderen Maastrichtkriterien, aus der Giftküche der Bundesbank. Die wollte damit den Euro verhindern. Das hat sie nicht geschafft. Statt dessen bringen diese Kriterien die Gemeinschaftswährung aber schon 2002 in Schwierigkeiten. Ausgerechnet Deutschland reißt die Defizitgrenze. Ein Jahr später folgt Frankreich. 



Was Europas Einheit gefährdet 
(sueddeutsche.de) Enthusiasten schwärmen gerne von der Vielfalt Europas. Doch nun zeigt sich in der Krise, wie sehr der Kontinent in seiner Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik auseinanderklafft. Das überfordert die Bürger und kann zerstören, was in Jahrzehnten aufgebaut wurde. Weiterlesen… 

Kommentar: "Wir haben heutzutage nur Europäer, durchweg mit demselben Geschmack, denselben Leidenschaften, denselben Gebräuchen, die alle vom Gemeinwohl reden und dabei nur an sich selber denken, die alle Mäßigung vortäuschen und wie Krösus sein wollen.“ – Rousseau, 1770  


Der große Europa-Schwindel

(spiegel.de) Europa existiert nicht! Das muss eine sehr irritierende Nachricht für alle sein, die seit Monaten damit beschäftigt sind, eben dieses Europa zu retten. Aber vielleicht erklärt diese Erkenntnis, warum Angela Merkel und ihre Kollegen mit dieser Rettung nicht so recht vorankommen. Weiterlesen… 


Kommentar: Einspruch! Es ist nur ausgeufert. Schneller, weiter, höher, war mal die Devise. Daraus ist ein Super-Verbund von 27 Staaten entstanden, von ganz arm bis ganz reich, außerdem mit einem sehr unterschiedlichen Verständnis von Demokratie und Menschenrechten in Osteuropa. Das funktionierte solange ohne Blessuren, wie diese Unterschiede mit viel Geld, bevorzugt Euros, zugekleistert werden konnten. Jetzt, wo immense Probleme in der Welt und Europa die Runde machen, treten diese Unterschiede massiv zu Tage. Die Kohle, die früher die Unterschiede verdeckte, wird jetzt gebraucht, um die Banken am Leben zu halten. So einfach ist das. Der große Schwindel ist nur der, dass uns Politiker wie Gerhard Schröder diese Osterweiterung als logisch und vernünftig untergejubelt haben.  


Griechen erhalten offenbar Geld ohne Reformen
(manager-magazin.de) Koste es was es wolle: Trotz neuer Milliardenlöcher und nicht umgesetzter Reformen soll Griechenland nach Medienberichten die nächste Tranche von 31 Milliarden Euro aus dem Euro-Hilfspaket erhalten. Kanzlerin Angela Merkel gibt das Pochen auf Reformen angeblich auf. Weiterlesen…


Kommentar: Jetzt nur keine gespielte Entrüstung. Es ist nämlich eine logische Entwicklung, aus mindestens zwei Gründen: Die Diskussionen um einen Grexit der deutschen Maulhelden von CDU/CSU und FDP war nur billigster Theaterdonner fürs (Wahl-)Volk, Geschwätz – sonst nichts. Spanien und Italien verlangen Hilfsgelder ohne Auflagen von EU/IWF/EZB. Diesem Wunsch wird man entsprechen. Da muss man Griechenland, Portugal und Irland ein bisschen entgegen kommen.