Donnerstag, 4. Oktober 2012

Standpunkt 403 - Nachrichten-Ticker, 03.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Euro-Rettung Milliardengrab BayernLB – Bankenregulierung und Deutsche Bank – Stiglitz – Euro – Italien – Stimmung in Deutschland – Europa – Peer Steinbrück – US-Autoindustrie – Goldvorräte der Notenbanken 


In eigener Sache I:  
Ein neues Update zum Thema Enteignungen ist fertig und steht hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Wir haben diesen Beitrag sorgfältig recherchiert und formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar.


"Kein chinesischer Investor kauft Staatsanleihen, die nicht sicher sind"
(format.at) Der finanzstarke chinesische Pensionsfonds CIC kauft aktuell keine Staatsanleihen von europäischen Krisenländern. Auch gehe er nicht davon aus, dass andere Anleger aus China derzeit Papiere solch hochverschuldeter Länder erwerben wollten, sagte der Vorsitzende des CIC-Verwaltungsrats, Jin Liqun, am Dienstag in Moskau der Nachrichtenagentur Reuters am Rande einer Investorenkonferenz. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Sie haben nichts genützt, die Betteltouren nach China. Wertlos auch die vollmundigen Zusagen der chinesischen Führung, Europa bei der Rettung des Euro zu helfen. Das Reich der Mitte verfolgt seine eigenen Pläne im Krieg der Währungen. Sehr deutlich formuliert es Tyler Durden: „China Just Killed All ‚China Bails Out Europe’ Rumors For Good“ heißt es auf zerohedge.com (hier). Auf China darf man sich nicht verlassen.   


Milliardenkredite trotz interner Warnung
(sueddeutsche.de) Der Verwaltungsrat um den damaligen CSU-Chef Erwin Huber kannte die Bedenken der eigenen Risiko-Kontrolleure. Dennoch vergab die BayernLB Milliardenkredite an die Hypo Alpe Adria. Nun befasst sich die Parlamentarische Kontrollkommission des Bayerischen Landtags mit den Vorgängen. Weiterlesen…

Kommentar: Ein klarer Beweis dafür, dass auch die Institute aus der Welt der Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland einer weitreichenden Aufsicht bedürfen. Aber die Politik wird es zu verhindern wissen. Zu verlockend sind die Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Geschäfte dieser Banken. Jede Sparkasse und jede Genossenschaftsbank hat ihre(n) politisch bedingten Skandal(e). Wetten? Die BayernLB hat so eine Einflussnahme 3 Milliarden Euro gekostet. Überrascht sind wir nur darüber, dass in Bayern eine Aufarbeitung versucht wird.   


Bankenregulierung: EU-Pläne gefährden Rating der Deutschen Bank
(ftd.de) Wenn Deutschlands größte Bank ihre Handelseinheit mit separatem Eigenkapital unterlegen muss, dürfte diese Einheit ein schlechteres Rating als jetzt bekommen. Das sagte S&P-Bankenexperte Stefan Best der FTD. Weiterlesen…

Kommentar: Das Rating der Deutschen Bank ist längst irrelevant, nur gestützt durch die Gewissheit, dass der Staat im Krisenfall die Bank retten wird. Sonst wäre es zwei Stufen niedriger. In Anbetracht des winzigen Eigenkapitals und der höchst-riskanten Geschäfte (hier) wäre selbst ein »A-«-Rating für die Deutsche Bank immer noch zu gut. Aktuell hat die Bank ein »A+«-Rating.  


Stiglitz warnt vor Kollaps des Euro
(derstandard.at) Das Krisenmanagement der Eurozone sei fatal, die Finanzregulierung komme kaum voran, sagt Nobelpreisträger Joseph Stiglitz. Weiterlesen…

Kommentar: Aufschlussreiches Interview. Besonders wegen der Aussagen zu Amerika. Seine Vorschläge zur Lösung der Krise in Europa werden nicht funktionieren, weil auch sie nicht das Grundproblem beheben, die bankrotten Banken.    


Italiens Sparprogramm: "Zum Teil nutzlose Therapie"
(diepresse.com) Der italienische Rechnungshof kritisiert die strenge Sparpolitik der Regierung. Er warnt auch vor der Gefahr einer Verschleuderung von Staatsunternehmen. Es sei nicht sicher, dass die drakonischen Rationalisierungsmaßnahmen zu einem Ende der spekulativen Angriffe gegen Italien seitens internationaler Finanzmärkte führen werden. Weiterlesen…

Kommentar: Treffende Analyse, die sich bewahrheiten wird, sollte der Druck der Straße nicht das Schlimmste verhindern.


Die Deutschen haben’s in Europa richtig gut
(welt.de) Ein Riss geht durch die EU: Spanier, Griechen und Italiener leben in Angst, im Norden hingegen herrscht allgemeine Zufriedenheit. Auch die Bundesbürger finden ihr Leben eigentlich ganz prima. Euro-Frust, Griechen-Ärger, Spanien-Angst. Die Krise der Europäischen Union kennt nicht nur kein Ende, die Problemfälle werden auch immer größer - darüber kann die Verzögerungstaktik der Politik nicht hinwegtäuschen. Trotzdem fühlen sich die Deutschen auf dem Höhepunkt der Krise richtig gut. Wenn sie ihr Leben insgesamt beurteilen, sind 88 Prozent der Bundesbürger mit ihrem Leben zufrieden. Das ist ein Spitzenwert in der Union, übertroffen nur noch von den Bürgern in den Beneluxländern und in Skandinavien. Weiterlesen…

Kommentar: “Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht stets ihr Opfer.” (Gustave Le Bon, 1841 - 1931, franz. Massenpsychologe) Besser kann man diese Situation in Deutschland nicht beschreiben.


Lammert ruft zum Kampf für Europa auf
(spiegel.de) Beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit erinnert Norbert Lammert an die "europäische Dimension" der Wiedervereinigung. Der Bundestagspräsident warnt davor, die europäische Idee nur auf ökonomische Fragen zu verkürzen: "Europa ist mehr als der Euro." Wenn der Integrationsprozess Europas nicht weiter vorankomme, weil die Staaten der Mut verlasse, "dann hätte Europa seine Zukunft hinter sich." Deutschland und Europa seien keine zwei getrennte Sachverhalte: "Die Weiterentwicklung Europas liegt im deutschen Interesse." Dies sei im Allgemeinen nicht umstritten, aber im Alltag nicht immer präsent, so Lammert. Weiterlesen…

Kommentar: Nicht den Staaten fehlt der Mut, sondern den Menschen. Der Traum von einem Vereinigten Europa ist mit den Deutschen (noch) nicht zu machen. Zu tief sitzt die Angst davor, für diese Integration alleine die Rechnung übernehmen zu müssen. Es hat heute keine Bedeutung mehr, was Konrad Adenauer bereits vor 50 Jahren erkannte: Die Einheit Europas war ein Traum weniger. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für alle.  Angela Merkel hat offensichtlich kein Interesse an einem dauerhaft starken Europa, mit Deutschland in seiner Mitte, allen Lippenbekenntnissen zum Trotz. Die aktuellen Umfragen bestätigen: die Mehrheit der Deutschen trägt diese Haltung mit. Alle anderen Politiker folgen.


Peer Steinbrücks größte Fehleinschätzung
(spiegel.de) Peer Steinbrück will Griechenland mehr Zeit geben. Er unterstützt jetzt sogar Euro-Bonds. Wie glaubwürdig ist dieser Sinneswandel? Denn als Finanzminister unter Kanzlerin Merkel hat er noch ganz anders gedacht - und verheerende Entscheidungen in der Euro-Krise getroffen. Von Wolfgang Münchau. Weiterlesen…

Kommentar: Die SPD will ihren Bock zum Gärtner machen. Dessen Verantwortung für die Krise ignoriert sie einfach, bzw. hofft, über die Sache sei Gras gewachsen. Hoffentlich ein Irrtum. Selbst Münchau bagatellisiert Steinbrücks tatsächliche Verantwortung wenn er schreibt, „er hat die Euro-Krise nicht verursacht“. Was ist es dann, wenn er, gemeinsam mit seinem Staatssekretär Jörg Asmussen, tatkräftig mitgeholfen hat, den deutschen Finanzmarkt für die Zockerbanden der Finanzindustrie zu öffnen? Dieses Ereignis haben wir in dem Beitrag "Euroland in Bankenhand" (hier) beschrieben. Insgesamt ist der Artikel aber erfreulich komplett.


US-Autoindustrie: Es läuft wieder
(tageblatt.lu) Im Sommer 2009 stand Amerikas Autoindustrie vor dem Kollaps. Der Staat musste eingreifen. Und heute? Die Geschäfte brummen. Wenn da nur der europäische Markt nicht wäre. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Sagenhafte 80 Milliarden Dollar Staatsknete gab es für die „Big Three“. Wie gut die angelegt sind ist bis jetzt noch nicht entschieden. „Als Rückgrat der US-Autoindustrie erweist sich derzeit ausgerechnet der heimische Automarkt, der in der Rezession so brutal eingebrochen war. 2009 hatten alle Hersteller in den USA gerade noch 10,4 Millionen Autos verkauft, nachdem es zu Spitzenzeiten ein paar Jahre zuvor noch 16 oder 17 Millionen waren. In diesem Jahr, so kalkulieren die Experten des Autoportals Edmunds.com, dürften es 14,4 Millionen werden. Ihre Kollegen vom Marktforscher J.D. Power gehen von 14,3 Millionen aus.“ Diese Schätzungen sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. „GM September Sales Miss; Channel Stuffing Resumes“ titelt beispielsweise zerohedge.com (hier). Die Grafik dazu spricht Bände: 



Bei Ford und Chrysler sieht es nicht besser aus: Überall stehen bei den Händlern unverkaufte Neuwagen, die von den Herstellern in ihren Statistiken bereits als verkauft geführt werden. 

"Gold ist reine Spekulationssache" 
(diepresse.com) Der Börsenpsychologie-Experte erklärt, warum das Risiko von Immobilien und Gold unterschätzt wird - und warum es so schwer ist, den Markt zu schlagen. Weiterlesen…

Kommentar: Gegen Gold als Teil einer Krisenvorsorge ist nichts einzuwenden. Insofern spielt die Spekulation keine Rolle. Zu beachten ist nur, dass in der Zukunft ein Goldverbot droht, womit der Goldbesitz kriminalisiert wird: Bei Zuwiderhandlung drohen Geldstrafe oder Gefängnis. Es wird sich um ein umfassendes Verbot handeln, d. h. es wird in ganz Europa Gültigkeit haben, die Schweiz eingeschlossen. Außerdem wird es von den neuen Kapitalverkehrskontrollen erfasst. Über kurz oder lang findet der Staat so auch die (Gold-)Nadel im Heuhaufen. Gold ist wirklich nur etwas für Hartgesottene, die dieses Goldverbot ohne Not aussitzen können. 

Wir wissen, dass im Internet die Aussicht auf ein Goldverbot regelmäßig lächerlich gemacht wird. Hauptsächlich von Leuten, die Interesse daran haben, weiter große Mengen Gold an ängstliche Anleger verkaufen zu können. Wer dieser Einschätzung folgt, unterliegt einem fatalen Irrtum. Die Alternative ist Silber, inklusive einer besseren Kursentwicklung. Im Übrigen ein interessantes Interview.    


"Im 'Feuerring' haben nur physische Werte und Gold Bestand"
(format.at) Bill Gross meint, dass der Teufelskreis aus Verschulden, Gelddrucken und Inflation zu einem "Feuerring" führen wird, in dem nur physische Werte sowie Gold Bestand haben. Auf der Suche nach sicherer Rendite werden die internationalen Kapitalströme nach Überzeugung des Finanzexperten Bill Gross künftig nicht mehr die USA aufsuchen. Weiterlesen…

Kommentar: Gross hat vor einigen Monaten schon einmal gravierend daneben gelegen, US-Staatsanleihen abgestoßen und damit viel Geld verloren. Es klingt natürlich sehr gefährlich, wenn er erklärt:  "Anleihen werden verkohlen, Aktien mit Sicherheit versengt; nur physische Werte sowie Gold haben innerhalb des ’Feuerrings’ Bestand." Wir sind fest davon überzeugt: Für den gewöhnlichen Anleger eignet sich Gold bestenfalls kleinteilig zur Krisenabsicherung.  


Eric Sprott: Do Western Central Banks Have Any Gold Left?
(zerohedge.com) Somewhere deep in the bowels of the world’s Western central banks lie vaults holding gargantuan piles of physical gold bars… or at least that’s what they all claim. The gold bars are part of their respective foreign currency reserves, which include all the usual fiat currencies like the dollar, the pound, the yen and the euro. 
Collectively, the governments/central banks of the United States, United Kingdom, Japan, Switzerland, Eurozone and the International Monetary Fund (IMF) are believed to hold an impressive 23,349 tonnes of gold in their respective reserves, representing more than $1.3 trillion at today’s gold price. Beyond the suggested tonnage, however, very little is actually known about the gold that makes up this massive stockpile. Western central banks disclose next to nothing about where it’s stored, in what form, or how much of the gold reserves are utilized for other purposes. We are assured that it’s all there, of course, but little effort has ever been made by the central banks to provide any details beyond the arbitrary references in their various financial reserve reports.
Twelve years ago, few would have cared what central banks did with their gold. Gold had suffered a twenty year bear cycle and didn’t engender much excitement at $255 per ounce. It made perfect sense for Western governments to lend out (or in the case of Canada – outright sell) their gold reserves in order to generate some interest income from their holdings. And that’s exactly what many central banks did from the late 1980’s through to the late 2000’s. The times have changed however, and today it absolutely does matter what they’re doing with their reserves, and where the reserves are actually held. Why? Because the countries in question are now all grossly over-indebted and printing their respective currencies with reckless abandon. It would be reassuring to know that they still have some of the ‘barbarous relic’ kicking around, collecting dust, just in case their experiment with collusive monetary accommodation doesn’t work out as planned. From Eric Sprott and David Baker of Sprott Asset Management. Read more…  

Kommentar: Sprott und Baker haben die Bestände der westlichen Notenbanken nachgerechnet und mit den Fördermengen und den Goldaufkäufen verglichen. Das Ergebnis ist verheerend. Sollten ihre Annahmen zutreffen, dann sind die offiziell ausgewiesenen Goldbestände des Westens nicht mehr das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen. Es ist schlicht nichts mehr da. Die Vorräte liegen dann nur noch in China, Rußland, Venezuela, Mexiko, Arabien und einigen Entwicklungsländern. Für uns ein weiteres sicheres Indiz dafür,  dass es im Laufe der Krise in den Industriestaaten zu einem Goldverbot kommen muss. Die folgende Grafik zeigt die offiziellen Goldvorräte der wichtigsten westlichen Institutionen: 





In eigener Sache II:  
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier). 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (hier). Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.