Freitag, 5. Oktober 2012

Standpunkt 405 - Nachrichten-Ticker, 04.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Gold Citymaut – Banken-Stress-Test – US-Banken – Irland - Portugal – Italien – Spanien – EZB – Euro-Krise – Hollande   


In eigener Sache I:  
Ein neues Update zum Thema Enteignungen ist fertig und steht hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Wir haben diesen Beitrag sorgfältig recherchiert und formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar.


Gold wird für deutsche Sparer zum Euro-Ersatz
(welt.de) Die Bundesbürger wollen sich wegen der Euro-Krise nicht mehr langfristig binden. Riester-Rente und Rentenpolicen verlieren rapide an Akzeptanz. Allein Sachwerte wie Immobilien und Gold boomen. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Dieser Artikel fordert unseren Widerspruch heraus. Damit meinen wir nicht die Riester-Rente oder Rentenpolicen. Dagegen waren wir schon immer. Wovor wir aber auch warnen ist die hemmungslose Begeisterung für Immobilien oder auch Gold. Das halten wir für gefährlich. Die Nachteile überwiegen die Vorteile. Bei den Immobilien sind die Preise zu hoch und steigen durch die massenhafte Nachfrage noch weiter, diese Entwicklung hat die typischen Merkmale einer Blasenbildung. Bei Gold ist sicherlich noch viel Platz nach oben. Leider sprechen die historischen Vorbilder für ein Goldverbot, nur eine Goldsteuer, wie andernorts erwartet wird, ist ein zu schwacher staatlicher Eingriff. Noch einmal unser Hinweis auf den Beitrag bei zerohedge.com: „Eric Sprott: Do Western Central Banks Have Any Gold Left?“ (hier) Die westlichen Notenbanken veröffentlichen keine belastbaren Daten mehr zu ihrem Goldbesitz. Das schürt Misstrauen und fördert Bedenken. Deshalb fassen wir zusammen: Finger weg von Immobilien in Deutschland und Europa, es drohen zusätzliche, unkalkulierbare Belastungen. Gold empfehlen wir nur nervenstarken Anlegern, aber auch denen nicht in großen Mengen. Für die meisten Menschen ist es nicht leicht gegen Recht und Ordnung zu verstoßen. Was wir meinen: Das Goldverbot wird durch drakonische Strafen abgesichert, schließlich geht es um die Suche nach der (Gold-)Nadel im Heuhaufen. Geldstrafe für leichte Fälle, Gefängnis für schwere Fälle und Wiederholungstäter. Es wird dann auch nicht möglich sein, das Gold ins Ausland zu schaffen, um es dort zu lagern oder gegen eine harte Devise einzutauschen. Devisen- und Kapitalverkehrskontrollen blockieren vollständig den Bewegungsradius. Alle relevanten Staaten Europas werden sich diesen Maßnahmen anschließen. Garantiert.


Bundesländer erwärmen sich für Citymaut
(ftd.de) London hat die Innenstadt zur Mautzone gemacht. Für solch ein Modell können sich die Verkehrsminister der Bundesländer, chronisch knapp bei Kasse, erwärmen. Den Bürgern blühen neue Abgaben. Verkehrsminister suchen neue Geldquellen für Straßen. Weiterlesen…

Kommentar: Wir haben diese Art der „sanften Enteignung“ bereits in unserem jüngsten Update zu den staatlichen Werkzeugen der Enteignung angekündigt. Dabei bleibt es nicht. An einer generellen Pkw-Maut wird bereits gearbeitet (hier). Der Staat wird viel Phantasie dabei entwickeln, seine Bürger zu drangsalieren.


Bankenaufsicht bescheinigt Geldhäusern Stressresistenz
(zeit.de) Die EU-Bankenaufsicht EBA sieht die Institute auf dem richtigen Weg, ihre Resistenz gegen Turbulenzen zu verbessern. Vier Banken konnten die Auflagen aber nicht erfüllen. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Dieser Stresstest: ein Witz. Glauben Sie uns das einfach. Reinstes Placebo. Die 205 Milliarden Euro neues Kapital werden hauptsächlich gespeist aus den diversen Bankenhilfen von EU/EZB/IWF. Eigenkapital sieht in unseren Augen anders aus. In den Bilanzen der europäischen Banken lagert billionenschwerer Giftmüll, geschätzte rund 18.000 Milliarden Euro, was sollen da ganze 205 Milliarden ausrichten? Alleine die spanischen Banken brauchen 300 Milliarden Euro, um ihre größten Probleme aus dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes zu lösen.

Schön, wenn die deutschen Banken diesen wertlosen Stresstest bestanden haben. Pech nur, dass die Bilanzen vieler Banken reichlich kontaminiert sind. Schlimmer, die Deutsche Bank, der frühere Primus, ist nach unserer Einschätzung längst pleite. So deutlich muss man das formulieren. Was wir meinen zeigt die folgende Grafik augenfällig: 


Die Deutsche Bank ist einer der Big Player in diesem Spiel. Es genügt nur eine Kleinigkeit, z. B. die Unterbrechung der Bankenhilfen in Europa, um diese Massenvernichtungswaffe (O-Ton Warren Buffett) auszulösen. Deshalb ist es so wichtig, dass weiter Geld an die Banken in den Krisenstaaten fließt. Zu diesem Zweck wurde, von langer Hand geplant, die Bankenkrise in eine Staatsschuldenkrise umgedeutet. So einfach ist das. 

Und die Medien spielen ihre Rolle perfekt: „Stresstest: Banken haben dicken Risikopolster“ titelt diepresse.com (hier) und glaubt: „Die geprüften Geldinstitute deckten sich mit 200 Milliarden Euro frischem Kapital ein. Auch RZB und Erste Group übertrafen die Anforderungen klar.“ Besonders übel: Es wird der Eindruck vermittelt, „damit seien die Banken heute in einer besseren Verfassung, die Realwirtschaft zu finanzieren.“ Eine schlichte Lüge. Genauso wie die gute Verfassung der RZB und Erste Group. Die kommenden Monate werden den bisher noch unbeteiligten Zuschauern in Österreich und Deutschland die Augen öffnen. Wer uns nicht glauben will, dem antworten wir mit einem Zitat von Arthur Schopenhauer: "Alle Wahrheit durchläuft drei Stufen. Zuerst wird sie lächerlich gemacht oder verzerrt. Dann wird sie bekämpft. Und schließlich wird sie als selbstverständlich angenommen.”   


US-Banken scheffeln Geld wie selten zuvor 
(format.at) Die sechs größten Kreditinstitute der Wall Street haben in den vier Quartalen bis Ende Juni zusammen 63 Milliarden Dollar Gewinn erzielt. Vor vier Jahren unterzeichnete US-Präsident George W. Bush das umfangreichste Unternehmens-Rettungs-Programm in der amerikanischen Geschichte. Den Arbeitslosenzahlen hat es kaum geholfen, sie liegen seit 43 Monaten konstant über der Marke von acht Prozent. Die größten Banken des Landes erzielen allerdings wieder Gewinne wie seit 2006 nicht mehr. Weiterlesen…

Kommentar: Es ist unglaublich, aber davon ist kein einziger Dollar in der Realwirtschaft verdient. Machen wir uns doch nichts vor: Alles stammt aus der Zockerbude Welt-Finanz-Casino, teilweise nur mit Hilfe massiver krimineller Machenschaften. Die jüngsten Entdeckungen, nur die Spitze eines gigantischen Eisbergs, bestätigen unmissverständlich unsere Auffassung. Die Grundlage dieser Entwicklung beschreibt Andrew Lo, Professor für Finanzwesen an der Sloan School of Management des Massachusetts Institute of Technology (MIT): “Unser Land und unsere Regierung haben eine Menge Geld ausgegeben, um die Bankenbranche zu stabilisieren.”  


Irland übertrifft die Sparziele 
(ftd.de) Die grüne Insel steckt tief in der Krise, das zeigt eine Vielzahl von Indikatoren. Dennoch dürfte das Haushaltsdefizit 2012 trotz schwacher Konjunktur geringer ausfallen als geplant. Weiterlesen… 

Kommentar: Bloße Mutmaßungen werden als Tatsachen verbreitet. Diese Meldung kommentieren wir mit einer anderen Meldung: „Notenbank: Erholung Irlands wird 20 Jahre dauern“ (hier): Die irische Wirtschaft wird Jahre brauchen, um sich von der aktuellen Krise erholen zu können. Das Wirtschaftswachstum wird frühestens in zwei Jahren so weit sein. Der Immobilienmarkt könnte über 20 Jahre brauchen, um sich zu normalisieren. So prognostiziert von der irischen Notenbank. Noch ein Blick auf die raue irische Wirklichkeit: "Wirtschaftsflüchtlinge: 183.000 junge Iren wandern aus" (hier).  


Ein Musterschüler fällt zurück 
(zeit.de) Portugal galt lange als Vorbild unter den Krisenstaaten. Doch jetzt rebelliert das Volk gegen die Sparpolitik – und die Regierung lenkt ein. Weiterlesen… 

Kommentar: Die Bezeichnung „Musterschüler“ ist der blanke Hohn. Das Land geht vor die Hunde. Die eigene Regierung wickelt es ab. Die Wirtschaft kollabiert. Die Menschen geraten zunehmend in Armut. Kein einziges Sparziel kann erfüllt werden. Die Regierung lenkt nicht wirklich ein, die Maßnahmen werden nur geändert: Jetzt werden eben die Steuern erhöht (hier). Die Unruhen werden zunehmen, die Regierung abtreten. Ende offen.   


Italiens kolossale Probleme

(manager-magazin.de) Euro-Land wartet darauf, dass Spanien unter den Rettungsschirm schlüpft - doch auch in Italien ist die Lage weiterhin kritisch. Hat das Land unter dem Reformer Mario Monti die Kraft für einen Turnaround? Zeit, sich auf einige unternehmerische Stärken zu besinnen. Weiterlesen…

Kommentar: Eine interessante, kurzweilige Beschreibung der italienischen Zustände, auch wenn sie lange schon bekannt sind und mit dem aktuellen Problem in Europa wenig zu tun haben. Der Turnaround ist nicht abhängig von Monti, sondern von den Spekulanten und dem Ende der europ. Austeritätspolitik.    


Spanien, oh jé!
(zeit.de) Klammer Staat, marode Banken – und jetzt will Katalonien wieder mal Unabhängigkeit. Weiterlesen…

Kommentar: Nicht Griechenland ist das Problem, Spanien ist es. Da ist so viel Dreck unterm Teppich, davon bekommt Europa eine lang anhaltende Allergie. Die Unabhängikeitsbemühungen sind nur eine weitere Baustelle. Aber nicht wichtig. Den Kleingeistern in Deutschland mit ihrem Hang nach mittelalterlicher Kleinstaatlichkeit werden diese Bestrebungen aber entgegen kommen.  


"Wir kehren zurück zum Spiel mit dem Feuer zwischen EZB und den Regierungen"
(format.at) EZB-Chef Mario Draghi wartet weiter darauf, dass Spanien ihm mitteilt, ob sein Plan zur Rettung des Euro benötigt wird. EZB tagt heute in Ljubljana. Einen Monat nachdem der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) das bislang noch nie dagewesene Anleihen-Aufkauf-Programm zur Rettung der südlichen Euro-Staaten vorgestellt hat, zeigt sich Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy zögerlich, um Hilfe zu bitten. Weiterlesen…

Kommentar: Rajoys Zögern hat gute Gründe. Er kennt das wahre Ausmaß der Probleme seines Landes. Und sucht nach einer Lösung, diese Probleme Europa scheibchenweise zu präsentieren. Das ist alles.   


Was in der Euro-Krise wichtig wird
(zeit.de) Die Zentralbank will Geld drucken, der ESM ist in Kraft: Ist die Krise jetzt vorbei? Die fünf wichtigsten Antworten zum Stand der Schuldenkrise. Weiterlesen…

Kommentar: Ein ehrenwerter Versuch. Informativ und auf jeden Fall lesenswert. Für alle LeserInnen, die gerade nicht auf der Höhe der Zeit sind.  


Austerität auf Französisch – Vom Einknicken eines Hoffnungsträgers
(nachdenkseiten.de) Als im Mai der Sozialist François Hollande die französischen Präsidentschaftswahlen gewann und Merkels wichtigsten Verbündeten in der EU, Nicolas Sarkozy, aus dem Amt jagte, konnte man hoffen, dass der Widerstand gegen die Austeritätspolitik in ganz Europa Auftrieb erhalten würde, hatte Hollande im Wahlkampf doch angekündigt, er würde eine Neuverhandlung des Fiskalpakts – in Frankreich als “Merkozy-Pakt” verschrien – durchsetzen und nicht akzeptieren, dass dem Land ein Spardiktat aufgezwungen würde. Vor allem in den südeuropäischen Krisenstaaten, die tief in der durch die verordnete Sparpolitik verursachten Krisenspirale stecken, war die Hoffnung groß, im neuen französischen Präsidenten einen Verbündeten gewonnen zu haben, der die Forderung nach Lockerung oder gar Beendigung der untragbaren Austeritätspolitik unterstützen würde. Fünf Monate nach Hollandes Amtsantritt ist nun die Enttäuschung bei den Gegnern der Austeritätspolitik in- und außerhalb Frankreichs groß. Weiterlesen…

Kommentar: Für uns ist Hollande ebenfalls eine Enttäuschung. Besonders, weil er auf europäischer Ebene abgetaucht ist und Angela Merkel kampflos das Feld überlässt. Sehr beachtlich der beschriebene Widerstand der Ökonomen und ihr Aufruf am Ende.  


In eigener Sache II:  
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier). 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier). Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

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