Sonntag, 7. Oktober 2012

Standpunkt 407 - Nachrichten-Ticker, 06.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Zinsmanipulationen Londoner Betrügereien – Wohlstandsschwund – Reichen-Republik – Griechenland – Euro


In eigener Sache I:  
Ein neues Update zum Thema Enteignungen ist fertig und steht hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Wir haben diesen Beitrag sorgfältig recherchiert und formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar.


Zinsmanipulationen sind bei der RBS "systemisch"
(format.at) Die Royal Bank of Scotland Group (RBS) hat laut informierten Kreisen einen Händler beurlaubt, weil er versucht haben soll, die Singapore Dollar Swap Offer Rate zu manipulieren. Damit gibt es Anzeichen für Tricksereien von Bank-Mitarbeitern, die über die London Interbank Offered Rate (Libor) hinausgehen. Der Händler Chong Wen Kuang wurde wegen des Versuchs beurlaubt, den Zinssatz zugunsten seiner Handelsposition zu beeinflussen. Das teilten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen mit, die um Anonymität baten, weil die internen Untersuchungen noch im Gange seien. Chong ist der erste RBS-Mitarbeiter, der wegen Manipulationen anderer Referenzsätze als dem Libor beurlaubt oder entlassen wurde, sagte eine der Personen. RBS, die größte britische Bank im Staatsbesitz, gehört zu mindestens einem Dutzend Gesellschaften, gegen die wegen des Verdachts der Beeinflussung von Zinssätzen ermittelt wird. Damit sollten Profite bei Derivategeschäften erzielt werden. Laut einer der beiden informierten Personen hat RBS Mitte 2010 eigene Untersuchungen wegen Zinsmanipulationen gestartet. Die Bank mit Sitz in Edinburgh habe im vergangenen Jahr vier Händler wegen Manipulation des Yen- und Schweizer-Franken-Libor entlassen und zwei weitere beurlaubt, die inzwischen jedoch wieder eingesetzt worden seien. Weiterlesen…

Kommentar: Wer kann bei solchen Entdeckungen tatsächlich den Worten eines Josef „Joe“ Ackermann oder eines Paul Achleitner  glauben, die ernsthaft und in aller Öffentlichkeit behaupten (Beispiel hier), die Banken hätten aus den Ereignissen, die zu der Finanzkrise 2007 in den USA und 2008 in Europa geführt haben, gelernt? Wir bleiben dabei: Alles, was an Skandalen in den vergangenen Wochen das Licht der Welt erblickt hat, ist nur die Spitze eines riesigen Eisbergs. Es geht hier nicht um kleine Schwindeleien, sondern um großangelegte, höchst kriminelle Machenschaften. Schon deshalb ist es dringend geboten, die „too-big-to-rescue“-Banken zu zerschlagen und zukünftig mit allen Mitteln an die Kandare zu nehmen. Die Verantwortlichen müssen außerdem endlich als Kriminelle behandelt und entsprechend hart bestraft werden. Der Ablasshandel muss aufhören.


Im Zentrum des Betrugs
(handelsblatt.com) London entwickelte sich in den vergangenen Monaten von der einstigen Vorzeige-Metropole zum Hauptschauplatz für Zinsmanipulationen und Anlagebetrug. Um diese Wandlung zu verstehen, muss man ein paar Jahre zurückblicken. Weiterlesen…

Kommentar: Eine ausgezeichnete Analyse zum gleichen Thema. Die unterstreicht unsere Meinung, das System ist durch und durch verbrecherisch angelegt. Die Lösung: Ein Finanzverbrechertribunal.  


Sozialforscher: „Wohlstand wird weniger werden“
(diepresse.com) Die Welt nach der Krise werde nicht wie jene vor der Krise sein, sagt Sozialforscher Berthold Vogel. Vor allem die Mittelschicht wird von Wohlstandskonflikten betroffen sein. Weiterlesen…

Kommentar: Das ist die Folge der unzähligen Skandale und kriminellen Machenschaften innerhalb der Finanzindustrie. Der Wohlfahrtsstaat wird abgewickelt. In Südeuropa ist die Entwicklung schon fast vollendet. Im Norden hat es erst begonnen. In der Bundesrepublik Deutschland hatte der Sozialstaat einen ganz besonderen Stellenwert, war fester Bestandteil der Sozialen Marktwirtschaft und Deutschland war stolz darauf. Ausgerechnet die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder begann die Zerstörung - mit der Agenda 2010. Den Rest besorgt die Finanzkrise. Das Schlimme daran: die Menschen nehmen es widerstandslos hin. Kein Aufschrei, keine Demonstration, alle geben sich gefügig und eine kleine Minderheit leidet höchstens im stillen Kämmerchen. Die Folgen: „Gerade die Mitte hat vom Wohlfahrtsstaat profitiert. Jetzt, da die Ressourcen schwinden, gibt es eine Auseinandersetzung darüber, wem Förderungen und Zuwendungen genommen werden, wer sie bekommt, wer sie behält. Das wird zu Wohlstandskonflikten führen, zu Verteilungskämpfen um die Zuwendungen des Staates. Die Probleme der Mittelschicht werden immer größer, es gibt mehr prekäre Beschäftigungsverhältnisse, sie wird sich stärker in Gewinner und Verlierer aufteilen.“ Das ist eine Schande.  


Die Reichen-Republik (Anmerkungen zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung)
(isw-muenchen.de) Drei Jahre länger brauchte die Bundesregierung, um herauszufinden, was das staatlich finanzierte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bereits im April 2009 analysiert hatte: Die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich hat in Deutschland bereits vor der Finanzkrise ein neues Ausmaß erreicht. Nach Angaben des neuen Armuts- und Reichtumsberichts (A+R), der sich auf das Jahr 2008 bezieht und erst im Entwurf vorliegt  und am 14.11.2012 vom Kabinett beschlossen wird, hatte die ärmere Hälfte der Bevölkerung nach Abzug der Schulden faktisch kein Vermögen (gerade mal 1 % des Gesamtvermögens). Über 40 Millionen Menschen hierzulande sind also buchstäblich Habenichtse. Umgekehrt hatte sich bereits vor der Finanzkrise das reichste Zehntel (Dezil) der Bevölkerung mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens gekrallt: 53 Prozent. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Eine fatale Entwicklung. Wo wir international stehen zeigt folgende Grafik: 





Außerdem empfehlenswert: Unser Beitrag „Reichtum durch Arbeit ist etwas für Anfänger“ (hier).


Horror-Prognose für Griechenland 2020
(focus.de) Das dritte Hilfspaket für Griechenland rückt in immer weitere Ferne. Der Grund: Neuen Prognosen zufolge wird der Schuldenberg in Athen bis 2020 auf 140 Prozent des Bruttoinlandprodukts ansteigen. Auch in Berlin wächst die Bereitschaft, das Land pleitegehen zu lassen. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Was beschrieben wird ist logisch und nachvollziehbar. Geht die Wirtschaftsleistung in die Knie, steigt automatisch die Staatsschuldenquote, selbst wenn die Staatsschulden gleich bleiben, bzw. geringfügig zurück gehen. Zum besseren Verständnis zwei Grafiken: 








"Den Euro wird es auch in 100 Jahren noch geben"

(welt.de) Alle EU-Länder sollten langfristig dem Euro beitreten, sagt der künftige DIW-Chef Marcel Fratzscher im Interview mit der "Welt" und erklärt, warum der Euro bestehen bleiben wird. Weiterlesen…

Kommentar: Fratzscher versteigt sich in wenig nützliche Aussagen. Weder stehen die Zeiten günstig für die Erweiterung der Euro-Zone, noch lässt sich über die Haltbarkeit des Euro eine ernsthafte Aussage treffen. Wenigstens ist er vorsichtiger wie Waigel, der an einen 400jährigen Euro glaubt (hier). Das Naheliegende, eine Lösung der Krise in Europa, bietet Fratscher leider nicht an. Warum nicht? Schließlich ist er Experte.  


In eigener Sache II:  
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier). 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier). Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.