Dienstag, 9. Oktober 2012

Standpunkt 409 - Nachrichten-Ticker, 08.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...

Themen: Rettungsfonds ESM Draghi’s neue Freunde – Spanien - Portugal – Holland – Unruhen in Europa – Deutschland verliert Triple-A – China   


In eigener Sache I:
Ein neues Update zum Thema Enteignungen ist fertig und steht hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Wir haben diesen Beitrag sorgfältig recherchiert und verständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier).


Startschuss für den Rettungsschirm ESM
(derstandard.at) Der dauerhafte Rettungsschirm löst mit einem Stammkapital von 700 Milliarden Euro seinen Vorgänger EFSF ab. Dieses teilt sich in 80 Mrd. Bareinzahlungen auf, die von den ESM-Ländern als Sicherheit nach und nach bis 2014 in den ESM-Kapitalstock einbezahlt werden müssen, sowie 620 Mrd. Euro an abrufbarem Kapital. Aufgrund der Sicherheiten kann der ESM bis zu 500 Mrd. Euro an Krisenstaaten ausleihen. Weiterlesen…

Kommentar: 500 Milliarden stehen für Hilfsmaßnahmen zur Verfügung. Klingt nach viel, in Wahrheit ist es eine lächerlich geringe Summe. Damit stehen für die europ. Krisenländer nicht mehr Mittel zur Verfügung wie Deutschland für seine Banken im Rettungsfonds SoFFin vorhält. Wem der ESM ausschließlich nutzt, ist auch klar: den Banken. Eurogruppenchef Juncker spricht von einer „glaubwürdigen Antwort auf die Krise“. Der zum ESM-Chef ernannte Klaus Regling, ein beinharter Monetarist, nennt den neuen Rettungsfonds „einen Meilenstein“. Die Herrschaften legen eine falsche Spur.


Das ist der Beginn der "langfristigen Stabilisierung" des Euro
(format.at) Die Eurozone hat den ständigen Euro-Rettungsfonds ESM und somit ihr wichtigstes Instrument im Kampf gegen die Schuldenkrise aus der Taufe gehoben. Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker sprach nach der Gründungssitzung am Montag in Luxemburg von einem "historischen Meilenstein". Finanzministerin Maria Fekter (V) hat den ESM als "Kriseninstrumentarium" bezeichnet. Damit habe Europa einen Mechanismus gefunden, mit dem "wir Schwierigkeiten im Hinblick auf Staaten auch managen können". Weiterlesen…

Kommentar: Seit heute arbeitet der ESM. Ausgestattet mit reichlich Vorschußlorbeeren durch Politik und Banken. Daraus aber gleich eine „langfristige Stabilisierung“ für die Gemeinschaftswährung abzuleiten zeigt schon wieder, wie wenig die Politik von den wahren Schwierigkeiten hinter der Krise in Europa versteht. Es erinnert daran, wie oft schon diese Krise für beendet erklärt wurde und sich stattdessen nur noch weiter verschärfte. So werden wir die weitere Entwicklung in Europa auch erleben: Die Schwierigkeiten werden größer und größer. Wer sie sieht, für den sind die Folgen absehbar. Daran ändert auch nichts, dass die Ratingagentur Fitch den ESM mit Triple A bewertet. Moody’s folgt dem grundsätzlich, jedoch mit der Einschränkung eines negativen Ausblicks (hier).


Rettungsfonds ESM in Kraft: Europas größte Waffe
(spiegel.de) Der Streit um direkte Bankenhilfen überschattet das Inkrafttreten des neuen Rettungsfonds ESM. Beim Euro-Gruppen-Treffen in Luxemburg drängen Spanien und Irland auf Unterstützung bei der Bankenrettung. Doch Deutschland will keine Altlasten übernehmen. Weiterlesen…

Kommentar: Die Überschrift zeigt, der ESM ist eine kapitale Fehleinschätzung. Der Rettungsfonds verschafft bestenfalls ein wenig Zeit, um die richtigen Schritte zur Lösung der Krise einzuleiten. Das wird aber nicht geschehen. Immer noch geht es nur darum, den Menschen in Europa die „never-ending Story“ Bankenrettung weiter unterzujubeln, statt sie so schnell wie möglich zu beenden.


Diese Milliardenlasten bringt der ESM für Deutschland
(focus.de) Nach vielen Verzögerungen nimmt der Euro-Rettungsschirm ESM heute seine Arbeit auf. Die Folgen sind weitreichend – für die Schuldenkrise und für Deutschland. Weiterlesen…

Kommentar: Nur Narren können glauben, die 700 Milliarden Euro Kapitalausstattung genügen. Gerne wird vergessen, dass alleine Deutschland für die Rettung seiner Banken vorsorglich knapp 500 Milliarden Euro im SoFFin vorhält. Die Größenverhältnisse stimmen einfach nicht. Der ESM reicht vielleicht für Spanien, für Italien reicht er schon nicht mehr.    


Draghis neue Freunde
(zeit.de) Der EZB-Chef wird gescholten für den Plan, Anleihen von Krisenstaaten aufzukaufen. Beifall erhält er überraschend von Abgeordneten – auch aus der FDP. Weiterlesen…

Kommentar: Dieser Artikel ist unsere Tagesempfehlung. Scheinbar begreifen wenigstens die Europa-Abgeordneten, dass mit Draghis Plan das eigentliche Mittel gegen eine zu schnelle Ausweitung der Krise zur Verfügung steht, der ESM ist es nämlich nicht. Aber auch für die Anleihenkäufe gilt: Sie lösen die Krise nicht.


Spanien zerfällt
(format.at) Während in Madrid und Barcelona die Menschen auf die Straße gehen, um gegen immer mehr Sparmaßnahmen zu protestieren, zerfallen langsam und leise die Dörfer und Städtchen im ländlichen Spanien. Spanien, das Land von Don Quixote und El Cid, das von Politikern und in der Bevölkerung gerne verklärt wurde, ist von der aktuellen Wirtschaftskrise besonders stark betroffen. Weiterlesen…

Kommentar: “Das spanische Wachstums-Wunder war nichts als Science Fiction”, sagt Javier Madero Garfias, ein Architekt, der seit 1973 Hunderte von Wohnungen in Ecija entworfen hat. “Ich glaube nicht, dass es jemals wieder so wird wie es war. Es ist das erste Mal, dass es den Kindern in Spanien schlechter geht als ihren Eltern.” Besser kann man die Situation nicht zusammenfassen.


Schäuble: Spanien braucht kein Rettungspaket
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Zur Stunde treffen sich die Finanzminister der Eurozone, um den ESM endgültig zu ratifizieren, damit dieser seinen Dienst aufnehmen kann. Vor allem Spanien wird einen großen Teil der Gelder aus dem neuen Rettungsschirm benötigen. Finanzminister Schäuble geht jedoch davon aus, dass Spanien kein weiteres Bailout benötigt. Weiterlesen…

Kommentar: Ein neuer Angriff auf die Intelligenz. Wir erinnern ausdrücklich unsere LeserInnen daran, dass wir für Spanien Hilfsmaßnahmen im Volumen von mindestens 300 Milliarden, eher sogar 500 Milliarden Euro, veranschlagen. Schäuble ignoriert die Zustände in Spanien und behauptet einfach: „Spanien braucht kein Hilfsprogramm“. Nur ein neuer Baron von Münchhausen.


Rating-Agentur: Portugal braucht weiteres Rettungspaket
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Lissabon muss seinen Bailout-Plan aufgrund der schwachen Wirtschaftsleistung komplett überarbeiten. Zudem erschweren die öffentlichen Proteste gegen die Sparmaßnahmen die Bemühungen der Regierung, kurzfristig Zugang zu den Finanzmärkten zu erhalten. Lissabon spielt wie Griechenland und Spanien auf Zeit. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Was auch sonst? Selbst EU/EZB/IWF spielen auf Zeit. Was Moody’s beschreibt, ist nicht wirklich eine Überraschung. Portugal folgt Griechenland. Schuld daran sind die maßlosen Spardiktate aus Berlin, Brüssel und New York für das Land. Die folgende Grafik zur Entwicklung der portugiesischen Industrieproduktion seit 1990 zeigt augenfällig, was wir meinen: 




Hollands Tulpen welken
(focus.de) Mehr Arbeitslose, höhere Kreditausfälle, sinkende Häuserpreise: Die Immobilienblase in den bisher so krisenresistenten Niederlanden droht zu platzen. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Für uns und unsere LeserInnen ist Holland schon lange in Not. Wir weisen schon seit Monaten daraufhin, dass es die verklärte Stärke des Landes nicht gibt. „Die Hypothekenschulden sind relativ zur Wirtschaftsleistung (…) die höchsten der Welt. Jeder Einwohner schultert die enorme Summe von 38 010 Euro. Zum Vergleich: Die Deutschen leisteten sich pro Kopf Kredite von 14 090 Euro, im EU-Schnitt sind es sogar bloß 12 900. (…) Schon heute lebt jeder fünfte Niederländer in einer Immobilie, die so stark an Wert verloren hat, dass er mit ihrem Verkauf seine Hypotheken nicht mehr ablösen könnte.“ Das erinnert sehr stark an die Verhältnisse in den USA.

Entwicklung der Immobilienpreise in den Niederlanden seit 2008: 


 
„Wenn die Preise um weitere zehn Prozent nachgeben, sei bereits jede dritte Immobilie überschuldet, warnt die Niederländische Zentralbank.“ Nach unserer Einschätzung wird der weitere Preisrückgang noch größer ausfallen. Damit ist auch die Idee eines Nord-Euro obsolet.


Schweizer Armee bereitet sich auf Unruhen in Europa vor
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die Schweiz rechnet wegen der Euro-Krise mit gewalttätigen Unruhen in Europa und will daher die Verteidigung an den Landesgrenzen verstärken. Bei Manövern wird bereits für den Ernstfall von Unruhen, Demonstrationen und Flüchtlingsströmen geübt. Weiterlesen…

Kommentar: Für 99,9% der Deutschen ein undenkbares Szenario, von dem die Schweiz ausgeht. Als Folge dieser Annahme rüstet das Land seine Streitkräfte auf. Sicher ist jedenfalls: Die Unruhen in den südeuropäischen Staaten und in Frankreich werden massiv zunehmen. Darauf deutet die Heftigkeit der aktuellen Auseinandersetzungen anlässlich täglicher Demonstrationen in den betroffenen Ländern hin. Die Regierungen in Italien und Spanien bereiten bereits den Einsatz ihrer Streitkräfte im Innern vor. Selbst in Deutschland wäre aufgrund der jüngsten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts eine solche Entwicklung möglich. Was uns zu denken gibt: Tausende Spanier sind so verzweifelt, dass sie sich darauf zurückgezogen haben, in den Müllcontainern der Supermärkte nach Nahrungsmitteln zu suchen (hier). In Reaktion darauf sind diese Container in einigen Regionen bereits mit Schlössern versehen worden. Die unmittelbare Folge der erzwungenen Sparprogramme, wie die folgende Grafik zeigt: 



Außerdem noch einmal einen Blick auf die schmerzhafte Entwicklung der spanischen Industrieproduktion seit 1990:




Ratingboutique entzieht Deutschland das "AAA" 
(ftd.de) Ihre Prognosen erwiesen sich oft als hellsichtig: Die Schweizer I-CV urteilt unabhängiger, weil sie sich von Investoren, nicht von Emittenten bezahlen lässt. Umso schmerzhafter, dass sie nur noch vier Staaten mit einem Toprating bewertet. Weiterlesen…

Kommentar/Ergänzung: Eine vollkommen korrekte Bewertung der Schweizer (hier). Bestätigt voll und ganz unsere schon vor Monaten geäußerte Erwartung (hier). Eine weitere interessante Arbeit der I-CV findet sich hier unter dem Titel „Alternativer Stresstest stellt Europas Großbanken bloß“. Das Ergebnis ist auch für Deutschland von Bedeutung: „Die Bankenstudie der Ratingboutique I-CV ist berüchtigt. Schließlich warnten die Schweizer schon 2007 vor Risiken bei Lehman Brothers und den Island-Banken. Nun ist der neue Stresstest da - und knöpft sich besonders die Commerzbank sowie die italienischen Geldhäuser vor.“ Schon mehr als ein Jahr alt, aber immer noch aktuell. 


Weltbank warnt vor Crash in China 
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Nach dem IWF hat nun auch die Weltbank ihre Wachstumsprognose für China deutlich nach unten gesenkt. Sowohl die Krise in Europa als auch die schwierige Lage der US-Wirtschaft stellen ein großes Risiko für China dar. Der Abwärtstrend könnte sich sogar noch beschleunigen. Weiterlesen…

Kommentar: Diese Entwicklung wird den deutschen Konzernchefs den Angstschweiß auf die Stirn treiben und tiefe Spuren im deutschen Export nach China hinterlassen.


In eigener Sache II: 
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier). Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.