Mittwoch, 10. Oktober 2012

Standpunkt 410 - Nachrichten-Ticker, 09.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...

Themen: Kosten Grexit Staatskonkurs – Deflation - Griechenland – Spanien – Finanztransaktionssteuer   

In eigener Sache I:
Ein neues Update zum Thema Enteignungen ist fertig und steht hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Wir haben diesen Beitrag sorgfältig recherchiert und verständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier).


Schockprognosen für Griechenlands Euro-Austritt
(focus.de) Während Angela Merkel noch betont, dass Griechenland ein Teil der Euro-Zone sei, rechnen die Ökonomen einen Austritt des Landes durch. Die Folgen wären weitreichend – für Griechenland und auch für Deutschland. Weiterlesen…

Kommentar: Ein Horrorszenario, die Berechnung der Citigroup. Einbruch der Wirtschaftsleistung um minus 10,2%, Inflation 14,9%, Arbeitslosenquote 29,5% und eine Staatsschuldenquote von 431,5% sind aus heutiger Sicht unglaubliche Zahlen. Auszuschließen sind sie nicht. Die Folge: Das Land hängt auch nach dem Austritt vollkommen von der Unterstützung Europas ab. Zusammen mit den wirtschaftlichen Auswirkungen eines „Grexit“ ergeben sich enorme finanzielle Belastungen für die wichtigsten europäischen Bündnispartner, die nach unserer Einschätzung leicht die Kosten des Zusammenhalts der Euro-Zone übersteigen können.


Staatskonkurs als Chance
(fuw.ch) “Die Folgen eines Staatskonkurses sind vor allem für die Gläubiger einschneidend, für den betroffenen Staat aber insgesamt entlastend.” Die Verknüpfung von Staatskonkurs mit Euro-Ausschluss ist eine Drohkulisse. Der Konkurs Griechenlands wäre nicht das Ende der EU, sondern der Anfang eines Lernprozesses. Weiterlesen…

Kommentar: Wie wunderbar einfach lässt sich über die Umstände und die (positiven) Folgen einer Staatspleite theoretisieren. Alles läuft so schön glatt und reibungslos. Unter dem Strich gibt es angeblich nur Gewinner. Das gerne angeführte Beispiel Argentinien zeigt jedoch eindeutig, dass die Dinge in der Praxis eben doch ganz anders liegen. Das Land liegt heute, viele Jahre nach der vom IWF erzwungenen Pleite, immer noch auf der Schnauze, krebst wirtschaftlich vor sich hin und die Menschen leiden unter den Folgen. Gerade wegen der wieder aufkeimenden Diskussion um einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone stellen wir den LeserInnen diesen Beitrag vor, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Wir sind da schon sehr festgelegt. Übrigens, die vertraglichen Regelungen zur Gemeinschaftswährung sehen einen Austritt nicht vor.


Deflation, das vergessene Szenario
(fuw.ch) Der Tenor lautet: Mehr unkonventionelle Geldpolitik führt früher oder später zu hoher Inflation. Doch global betrachtet laufen zahlreiche Entwicklungen ab, die deflationär wirken. Weiterlesen…

Kommentar: Es wird Zeit für einen Hinweis darauf, dass es außer der besonders von den deutschen Politikern geschürten „German Angst“ vor der Inflation eine sehr gefährliche entgegen gesetzte Entwicklung gibt. Russell Napier, Berater des französisch-asiatischen Brokerhauses CLSA, rechnet mit einem deflationären Schock. Napier’s Thesen erscheinen schlüssig und wir empfehlen unseren LeserInnen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es wäre nicht das erste Mal, dass einer erwarteten Inflation eine sehr intensive Deflation voraus geht.


IWF fürchtet sich vor Deflation in Europa
(format.at) Die Europäische Zentralbank sollte nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds die Zinsen für die vorhersehbare Zukunft niedrig halten. Eventuell müsse sie die Zinsen wegen der Deflationsgefahr sogar weiter senken, sagte der IWF. Weiterlesen…

Kommentar: Keine rosigen Aussichten. Wir sind schon gespannt darauf wie die Deutschen damit umgehen, dass es in absehbarer Zeit nichts wird mit der Inflation. 


Griechenland sammelt 1,3 Milliarden Euro ein
(handelsblatt.com) Griechenland hat Anleihen für sechs Monate im Wert von 1,3 Milliarden ausgegeben. Die Rendite lag mit 4,46 Prozent in etwa auf dem Niveau von August 2011. Größter Abnehmer waren die einheimischen Bankhäuser. Weiterlesen…

Kommentar: Ein kleines Beispiel dafür, was mit dem Geld der EZB passiert und warum aus dieser Ecke keine Inflationsgefahr kommt. Für die beteiligten Banken ein Bombengeschäft: Geld zu 1% von der EZB (hier) wird für 4,46% verliehen, die erhaltenen Staatsanleihen wieder für gutes, extrem billiges Geld bei der EZB hinterlegt, usw. Wieder eine „never-ending Story“ der Finanzindustrie.


Griechenlands Retter sind erpressbar
(sueddeutsche.de) Wieder einmal steht den Griechen das Wasser bis zum Hals. Wieder einmal signalisieren die Euro-Länder, dass sie dem gebeutelten Land nur noch wenige Tage gewähren wollen, bis die Sparauflagen erfüllt sein müssen. Die Drohungen wirken kompromisslos - doch kaum jemand rechnet mit der Pleite Griechenlands. Weiterlesen…

Kommentar: Die Überschrift ist teilweise fehlerhaft: Griechenland wird überhaupt nicht gerettet. Es sind die Banken. Noch nicht einmal die griechischen, sondern nur alle anderen. Bitte hier unseren Beitrag „Fata Morgana Griechenland-Rettung“ lesen. Deshalb sind es auch die Banken, die Europa erpressen, nicht die Regierungen oder die Menschen in den Krisenstaaten. „Euroland in Bankenhand“ (hier) wäre die passende Überschrift. Die Fakten im Artikel sind schwach, oft unzutreffend. Griechenlands Sparanstrengungen können nicht funktionieren. Die Regierung verspricht regelmäßig Dinge, bei denen von vorneherein allen Beteiligten, d. h. Griechenland, EU, EZB, IWF und Troika, klar ist, dass sie nicht einzuhalten sind. Diese Versprechen sind „große Show“, nichts anderes. An Griechenland wird ein Exempel statuiert, in jeder nur erdenklichen Form und mit allen Tricks und Kniffen, zu denen die Politik fähig ist. Bitte immer daran denken, wenn dieses Theater weitergeht. Übrigens, in Spanien wird die nächste Bühne für ein großes europäisches Rettungs-Schauspiel gerade aufgebaut: noch pompöser, noch blumiger dekoriert, noch fintenreicher gespielt, mit mehr Schauspielern, noch mehr Regisseuren und freiem Eintritt.    


Wir zahlen nur noch für uns selbst
(faz.net) Angela Merkel besucht Griechenland, und sie weiß genau: Das Hilfsgeld, das Deutschland zahlt, kommt vor allem uns selbst zugute. Mit dieser Zahlung kann man auch aufhören. Weiterlesen…

Kommentar: Ein Erklärungsversuch, der leider auf der halben Strecke zusammenbricht. Die Geschichte geht so: Die Finanzkrise kommt 2008 in Europa an. Die meisten europäischen Staaten müssen zwangsweise mit milliardenschweren Hilfspaketen „ihre“ Banken und die der Nachbarn am Leben halten. Die Staatsschulden steigen in der Folge sprunghaft an: 


© dgb.de, 2012


In der irrigen Meinung, die Krise ließe sich auf diesem Wege schnell beenden, haben sogar die Amerikaner viele Milliarden USD an die europäischen Großbanken überwiesen (die gelben Markierungen haben keine Bedeutung): 

© washingtonblog.com, 2012


Danach ging es Schlag auf Schlag: Der Euro wurde in die Zange genommen und zu diesem Zweck das schwächste Glied, Griechenland, mit massiven Spekulationen angegriffen. Die Gegenwehr der Europäer war gleich Null, außer salbungsvollen Worten gab es monatelang keine vernünftige Reaktion. Die Zinsen werden künstlich in die Höhe getrieben, der griechische Staat muss die zögerlich einsetzende Hilfe durch EU/IWF/EZB mit nutzlosen Austeritätsprogrammen deutscher Provenienz bezahlen, mit denen sich die Situation nur noch zusätzlich verschlimmert. Die Wirtschaftsleistung sinkt rapide, im Gegenzug nehmen die Staatsschulden zwangsläufig weiter zu. Die Hilfsmilliarden „für Griechenland“ sind die reine Farce. Wie die Sache abläuft zeigt wunderbar diese holländische Karikatur zur Krisenbeherrschung: 

© presseurop.eu, Jos Collignon

Eine Zahlungseinstellung, wie sie der Autor des Artikels empfiehlt, ist in diesem Spiel(-chen) schlicht nicht vorgesehen – noch nicht. 


Rajoy’s Deepening Budget Black Hole Outpaces Spain’s Cuts 
(bloomberg.com) The black hole in Spain’s budget has expanded faster than Prime Minister Mariano Rajoy’s attempt to shrink it, portending the same unrest roiling Greece. The harshest austerity since the return to democracy in 1978 has failed to contain the deficit as the economy sinks deeper into recession. The shortfall increased in the first half of the year, as it did in the previous 12 months. Even after a sales-tax increase and health-care cuts kick in this quarter, it may still approach last year’s 9.4 percent of gross domestic product, said Ignacio Conde-Ruiz, an economist at the independent Applied Economic Research Foundation in Madrid. The fiscal and political consequences of demanding austerity in a shrinking economy highlight the dilemma facing Rajoy. To trigger a European financial lifeline, he may have to impose yet more cuts, repeating the pattern seen in Greece, Portugal and Ireland. Read more...

Kommentar: Wir erinnern uns: Gestern tönte der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Merkels einziger Europäer, in die Runde, „Spanien braucht kein Rettungspaket“ (hier). Daraufhin haben wir ihn in unserem Kommentar dazu einen „neuen Baron von Münchhausen“ genannt (hier). Dieser Beitrag der US-Nachrichtenagentur Bloomberg nennt die spanischen Probleme und überführt die europäischen Krisenmanager der Scharlatanerie. Etwas, auf das sie sich ganz besonders gut verstehen.  


Startschuss für Finanztransaktionssteuer
(wirtschaftsblatt.at) Die neue Maßnahme kann mit einer breiteren Basis als bislang angenommen starten und auf insgesamt elf unterstützende Länder setzen. Weiterlesen…

Kommentar: Vorreiter sind sie, schreibt der Autor, die elf Euro-Staaten, die sich angeblich auf die Einführung dieser Steuer geeinigt haben, mit der der Zockerei ein bisschen Einhalt geboten werden soll. Österreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Griechenland, Portugal und Slowenien haben bereits einen entsprechenden Antrag an die EU-Kommission geschickt. Die vier Staaten, die ebenfalls zugesagt haben, sind Estland, Spanien, Italien und die Slowakei. Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter unterstellt sofort eine „stabilisierende Wirkung“. Nur, für was oder wen? Die Geschäftspolitik der systemrelevanten „too big to rescue“-Banken? Die Spekulanten? Die Rettungsbemühungen? Alles falsch, es gibt keine stabilisierende Wirkung! Mit einer klitzekleinen Ausnahme: den Deutschen. Die befinden ihre Kanzlerin weiter für krisenfest und die deutschen Ideen zur angeblichen Lösung für tonangebend und richtig. Ein Traum, ein schöner Traum… von dem sich die Kanzlerin wünscht, er hält bis zur Bundestagswahl 2013.


In eigener Sache II:
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier). Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.