Donnerstag, 11. Oktober 2012

Standpunkt 411 - Nachrichten-Ticker, 10.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Wirtschaftspolitik Clemens Fuest – IWF - Einlagensicherung – Euro-Krise – Kapitalflucht - Herbstgutachten – Finanztransaktionssteuer – Großbritannien – Spanien – Wachstum – „Made in USA“     


In eigener Sache I:
Ein neues Update zum Thema Enteignungen ist fertig und steht hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Wir haben diesen Beitrag sorgfältig recherchiert und verständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier).


Der Irrsinn der europäischen Wirtschaftspolitik
(tagesanzeiger.ch) Griechenland, Spanien und Italien werden die gesetzten Sparziele einmal mehr nicht erreichen, aber auch Frankreich und Slowenien werden sie verfehlen. Warum hält Europa an dieser aussichtslosen Politik fest?
Albert Einstein hat Wahnsinn einst definiert als den Versuch, ein Experiment immer wieder zu wiederholen und dabei auf einen anderen Ausgang zu hoffen. Die Austeritätspolitik der Eurozone ist der schlagende Beweis dieser These: Seit mehr als zwei Jahren werden in regelmäßigen Abständen neue Sparziele und Budgetvorgaben definiert, die ebenso regelmässig verfehlt werden. Das ist auch im Herbst 2012 nicht anders. Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt der Eurozone in seinem neusten Bericht zur Lage der Weltwirtschaft erneut ein verheerendes Zeugnis aus. Lesen…

Kommentar: Unsere heutige Tagesempfehlung. Alles stimmt bei dieser Analyse. Schade, dass uns der Autor nicht auch noch den Grund für diese fehlgeleitete europäische Krisenpolitik liefert. Dann könnten wir wenigstens verstehen, warum dieser Mist über diesen langen Zeitraum so konsequent durchgezogen wird. Schließlich spielt diese nutzlose Politik der US-Regierung und der Wall Street in die Hand, die bisher höchst erfolgreich den Schwarzen Peter für den Zustand der Finanzkrise den Europäern unter der Tür durchgeschoben haben. Dort liegt er immer noch. Vielleicht liegt die grundfalsche Krisenpolitik von Angela Merkel I., der Kaiserin von Europa (hier), einfach nur an ihren Hofschranzen, pardon Beratern…


"Es gibt nur einen Weg: Gesundschrumpfen"
(derstandard.at) Ökonom Clemens Fuest hält einen zweiten Schuldenschnitt für Athen und die Rosskuren in den Südländern für unerlässlich. Für Finanzwissenschaftler Clemens Fuest ist die Bankenunion keine Sache, die man jetzt sofort und vollständig umsetzen kann. Wenn man in der aktuellen Lage der Eurozone eine Bankenunion mit gemeinsamer Einlagensicherung und gemeinsamem Restrukturierungsfonds eingehen würde, würde man Risiken zulasten der nordeuropäischen Banken, Sparer und Steuerzahler umverteilen, sagt der Wissenschaftler im Interview mit derStandard.at. Einen zweiten Schuldenschnitt in Griechenland hält er für ebenso unerlässlich wie die schmerzhaften Sparmaßnahmen in den südlichen EU-Ländern. Lesen…

Kommentar: Ein „Fachidiot“? (Begriffserklärung hier) Leider müssen wir diese Frage stellen. Dieses Interview gibt allen Anlass zu dieser Annahme. Wir jedenfalls haben uns entschieden. Fuest gehört für das neokonservative Handelsblatt zu den Top-10 der deutschen Ökonomen. Ab März 2013 soll Fuest das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaft (ZEW) leiten. Ein Grund zur Freude? Wohl kaum. Solche Leute verschärfen die Krise und begründen ihren Standpunkt akademisch korrekt: Alles in grauer Theorie und nur am Rande der Fakten. Die Fragen der Interviewerin spielen Fuest dabei in die Karten. Ein Beispiel: Beide wissen, dass die Bankenunion zwar wunderbar geeignet ist, die starken und die schwachen Staaten gegeneinander auszuspielen, aber die Krise damit nicht gelöst werden kann. Wie viel Billionen Euro groß muss der Einlagensicherungsfonds sein? Auch wenn es niemand gefällt, allen voran den Sparern und Politikern in Deutschland, der Müll in den Bilanzen der europäischen Banken beträgt unverändert rund 18 Billionen Euro (hier). Dazu kommen noch die auf eine Hand voll Banken konzentrierten Risiken aus dem Derivatehandel (hier). Niemand, auch Fuest nicht, hat einen Schimmer davon, wie diese Probleme zu lösen sind. Deshalb verstecken sich diese „Experten“ hinter akademischer Wichtigtuerei und alle anderen machen einfach weiter wie bisher.    


IWF warnt Euro-Zone vor auszehrender Kapitalflucht
(manager-magazin.de) Schrille Töne des Währungsfonds: Europa drohe eine Abwärtsspirale aus Kapitalflucht, Ängsten vor dem Euro-Kollaps sowie wirtschaftlichem Abschwung - und das gefährde das Weltfinanzsystem. IWF-Chefin Lagarde fordert deshalb einen Plan zur Einführung einer Bankenunion in Europa. Lesen…

Kommentar: Der IWF kann die Unterstützung der US-amerikanischen Krisenpolitik kaum noch verbergen. Eine Ansammlung nichtsnutziger Beamter, völlig infiltriert von Goldman Sachs, mischt sich auf unerträgliche Art und Weise in die europäische Politik ein. Als Teil des innersten Zirkels im Kreis der Krisenmanager. Das hat nichts mit Verschwörungstheorie zu tun, das sind nackte Tatsachen. Jetzt eine Banken- und Fiskalunion in der bisher öffentlich gemachten Form zu etablieren, löst nicht die Krise, sondern zementiert für lange Zeit die bestehenden maroden Zustände im Finanzsektor. Die Kapitalflucht lässt sich nur durch die uralte Maßnahme „Kapitalverkehrskontrolle“ unterbinden, daran hat bisher aber noch niemand Interesse, schliesslich sind nur die Privilegierten vermeintliche Nutznießer einer Kapitalflucht. Wie das Geld zu gegebener Zeit wieder zurückgeholt wird, machen im Fall der Schweiz, schon seit vielen Monaten die USA vor (hier). Ein leichter staatlicher Zugriff ist garantiert.


"Keine untragbare Last für Deutschland und Österreich"
(derstandard.at) Europa kann die Kapitalflucht nur mit einer gemeinsamen Einlagensicherung stoppen, sagt IWF-Vize David Lipton. Lesen…

Kommentar: Noch einmal: Die notwendige Größenordnung für eine Einlagensicherung überfordert alle betroffenen Länder Europas, nicht nur Deutschland und Österreich. Vom IWF die Welt erklärt zu bekommen, macht uns regelmäßig stutzig. Zu Recht, wie wir finden. Was die Herrschaften vom IWF empfehlen hat noch nie den Menschen genutzt, die davon betroffen waren. So auch jetzt. Gut zu beobachten am Beispiel Griechenlands.  


"Es droht eine böse Abwärtsspirale"
(format.at) Das zögerliche Handeln der europäischen Regierungen gegen die Schuldenkrise führt die globalen Finanzmärkte laut dem IWF an den Rand des Zusammenbruchs. Lesen…

Kommentar: Was wirklich droht erleben wir demnächst, wenn die US-Präsidentschaftswahl vorbei ist. Egal, wer gewinnen wird. Das Problem ist Amerika, erst danach kommt Europa. Die Aufgabe des IWF ist es auch nur, von dieser Tatsache abzulenken. Daran sollten die LeserInnen denken, wenn sich wieder einmal Lagarde und ihre Beamten zu Wort melden.   


Herbstgutachten: Ökonomen sehen schwarz für die Euro-Zone
(ftd.de) Die EZB könne mit weiteren Zinssenkungen keine neuen Impulse schaffen, glauben deutsche Wirtschaftsforscher. Sie fordern mehr Anstrengungen von der Politik. Die Regierungen müssten wieder die Führung übernehmen - nicht die Notenbanken. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben keine Hoffnung auf eine absehbare Lösung der Euro-Krise. Daran ändere auch die Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) mit unbegrenzten Anleiheaufkäufen nichts. "Eine langfristige, wirtschaftspolitische Lösung der Krise zeichnet sich dennoch nicht ab, vielmehr bleiben die Stabilitätsrisiken hoch", heißt es im neuen Herbstgutachten der Institute, das am Donnerstag in Berlin vorgestellt werden soll und der FTD bereits vorliegt. Damit dämpften die Institute Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Krise. Lesen…

Kommentar: Wie immer wird es an nützlichen Lösungsvorschlägen mangeln. Stattdessen nur wieder jede Menge Kritik, hinter der die Politiker auch wieder nur in Deckung gehen werden. So viel geballtes Expertenwissen und so wenig Ergebnis. Niemand will in der europäischen Krise Verantwortung übernehmen, ist es das?     


„Beim Abseitsstehen verlieren die Briten sehr viel Steuergeld“
(tagesanzeiger.ch) Die Finanztransaktionssteuer kommt in elf EU-Ländern. Stephan Schulmeister, ein Experte in dieser Sache, über das Fernbleiben Londons und New Yorks und das Feilschen von Italien und Spanien. Lesen…

Kommentar: Lesenswert. Selbst wenn wir Schulmeisters positive Einstellung zu dieser Steuer nicht teilen. Wirft aber einen vielsagenden Blick auf die britische Europapolitik. Großbritanniens Regierung verhält sich absolut europafeindlich. Die Menschen tragen diese Politik offensichtlich mit: Time to Go, UK. Statt Griechenland die Euro-Zone sollte Großbritannien, Amerikas wichtigster Brückenkopf in Europa, zügig die EU verlassen. Ein Traum ginge für uns in Erfüllung. Europa wäre nämlich in seiner Entwicklung schon viele Jahre weiter, gäbe es seit 1973 nicht das EU-Mitglied Großbritannien. Davon sind wir felsenfest überzeugt.   


Großbritannien: Von Aufschwung kann nicht die Rede sein
(ftd.de) Zum Ende des Parteitags muss Großbritanniens Premier David Cameron seinem Volk weitere Reformen ankündigen. Vor allem im Sozialsektor drohen harte Einschnitte. Dennoch verspricht Cameron, sein Land werde niemanden auf der Strecke lassen. Im globalen Wettbewerb gelte nur die Devise "sinken oder schwimmen", mahnte der britische Premierminister. "Ich werde nicht zulassen, dass dieses Land weiter abrutscht." So stimmte David Cameron das Land auf weitere schmerzhafte Reformen ein - in der Sozialfürsorge und im öffentlichen Dienst. Das Sparprogramm der konservativ-liberalen Koalition sei die Basis, auf der Großbritanniens Privatsektor neue Jobs schaffen könne, sagte der Konservative am Mittwoch zum Abschluss des Jahresparteitags in Birmingham. Nach zweieinhalb Regierungsjahren gebe es auch erste Anzeichen der Besserung: "Großbritannien ist im Aufwind." Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Noch eine hoffnungslos überforderte Regierung. Cameron hat nur einen Plan, wo eine Vision nötig wäre. Mit seinem Plan wird er den Briten große Schmerzen zufügen. Die von ihm in Aussicht gestellte Besserung wird sich als Hirngespinst erweisen. Wie Cameron sich das vorstellt steht hier: „Großbritannien lockert Regeln für Banken“: Aus Sorge vor einer Rezession weicht die britische Finanzaufsicht FSA Presseberichten zufolge die Regeln für ihre Banken auf. Sie sollen künftig nicht mehr einen bestimmten Prozentsatz ihrer risikoreichen Vermögenswerte unterlegen müssen. Die Banken sollen so mehr Kredite vergeben können. Großbritannien ist nicht zu retten.


Die spanische Bombe
(spiegel.de) In der Euro-Krise herrscht trügerische Stille: Die EZB hat die Bazooka rausgeholt, der Rettungsfonds ESM hat seine Arbeit aufgenommen und die Bankenunion scheint nahe. In Wirklichkeit aber droht eine große Gefahr - nicht aus Griechenland, sondern aus Spanien. Von Wolfgang Münchau. Lesen…

Kommentar: Schade, mittlerweile neigt Münchau sehr zu Übertreibungen. Wie sonst könnte er die spanische Immobilienblase im Vergleich zur US-amerikanischen Hypothekenkrise (hier) so sehr überbewerten? Richtig aber seine Aussage, dass der Bauboom in Spanien hauptsächlich von deutschen Banken finanziert wurde. Die sind es dann auch, die erhebliche Verluste tragen müssen, wenn erst einmal die Wertberichtigungen anfangen. In diesem Zusammenhang erscheint auch der europäische Einlagensicherungsfonds in neuem Licht: Dessen Nutznießer wären letztendlich nämlich die  Banken in Deutschland. Entlastet würden die deutschen Sparer, weil der Rest Europas mitzahlen muss.


Die US-Illusion von ewigem Wachstum  
(handelsblatt.com) Die Krise sei nur kurz, versichert Barack Obama. Er verspricht Arbeitsplätze, Investitionen, Konjunkturanreize – kurzum: Wachstum. Doch dieses Dogma gerät künftig arg ins Wanken. Gegensteuern kann die Politik kaum. Lesen…

Kommentar: Eine Diskussion in die richtige Richtung. Für die Politiker schwer begreifbar, auch in Europa. Der Bundestagswahlkampf 2013 wird ein gutes Beispiel dafür abgeben.


"Made in USA" – Die totgesagte Industrie lebt
(format.at) Die USA gelten als Land der Dienstleistungen. Hergestellt wird hier kaum noch etwas, glauben viele. Das ist ein Irrtum. Die US-Industrie erlebt gerade eine Renaissance. Sogar deutsche Autos werden von Amerikanern zusammengeschraubt. Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Der Artikel zeichnet ein trügerisches Bild. In Wahrheit liegt die US-Industrie nach wie vor am Boden, wie ein Vergleich mit dem Dienstleistungssektor zeigt: 


 
Das ist eindeutig, oder? 


In eigener Sache II: 
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier). 

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier). Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de