Samstag, 13. Oktober 2012

Standpunkt 415 - Nachrichten-Ticker, 12.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Friedensnobelpreis 2012 Hans Magnus Enzensberger – 30 Millionen Jobs – Schweizer Armee-Übung – Christine Lagarde – IWF und Europa – Spanien – Enteignung – Finanztransaktionssteuer – Eurokrisen-Gewinner – Frank Stronach – Schwellenländer – Europa versus USA – Amerikanischer Traum – Drahtzieher der Finanzwelt -  US-Wahlkampf – Welt in Leibeigenschaft


In eigener Sache I:
Ein neues Update zum Thema Enteignungen ist fertig und steht hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Wir haben diesen Beitrag sorgfältig recherchiert und verständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier).


Nur die halbe Wahrheit
(fuw.ch) Die Europäische Union erhält den Friedensnobelpreis. Die Geste soll «Brüssel» Mut machen, doch die EU als Garanten für den Frieden in Europa zu adeln, ist übertrieben, meint Ressortleiter Manfred Rösch: “Es waren primär die USA, die in der Nachkriegszeit den Frieden in Europa sicherten. Für sechs Jahrzehnte Wacht am Rhein hat Amerika nie einen Preis erhalten.” Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Dieses Herummäkeln an der Vergabe des Friedensnobelpreises finden wir ein bisschen kleinlich. Es ist nämlich überhaupt nicht übertrieben, der Europäischen Union eine große friedensstiftende Funktion zu attestieren, wie ein Blick in die Geschichte Europas zeigt. Die ist nämlich, unabhängig von den leidvollen Erfahrungen mit WK I und II, voll von kriegerischen Auseinandersetzungen. Es gibt keinen Kontinent, auf dessen Boden so viele große Schlachten geschlagen wurden wie Europa. Die Gründe lagen eindeutig in der ewigen Kleinstaaterei Europas (hier) und den übermächtigen Einflüssen der Katholischen Kirche, die entgegen biblischen Vorgaben massiv Politik betrieb und, zur Wahrung ihrer Interessen, auch vor jahrzehntelangen Kriegen nicht zurückschreckte (vgl. Dreißigjähriger Krieg in Deutschland, Achtzigjähriger Krieg in den Niederlanden und den Westfälischen Frieden, wo in zähen Verhandlungen diese Kriege beendet wurden). Beides ist in Europa vorbei und dazu leistete die Europäische Union, bis zurück in ihre Anfänge als Montanunion, den wichtigsten Beitrag. Daran ändern auch die kriegerischen Auseinandersetzungen nach dem Zerfall Jugoslawiens oder der Glaubenskrieg in Nord-Irland nichts. In beiden Fällen konnte letztlich die EU mäßigend wirken. Deshalb ist es auch verzeihlich, dass die Institution und nicht eine oder mehrere Personen den Friedensnobelpreis erhält, wie es der Spiegel sogleich in einem Kommentar bemängelt: „Richtige Idee, falscher Preisträger“ (hier). „Niemand kann ernsthaft etwas gegen den Friedensnobelpreis für die Europäische Union einwenden. Genau da liegt das Problem - die Entscheidung ist ziemlich wohlfeil. Mutiger wäre es gewesen, einen Mann auszuzeichnen, der verkörpert, was den EU-Politikern von heute fehlt: Jacques Delors.“ Das ist Meckern aus Prinzip.

Noch einmal zurück zu dem Kommentar aus der Schweiz, in dem den USA der größte Anteil am Frieden in Europa zugesprochen wird. Natürlich spielte Amerika eine wichtige Rolle bei der Entwicklung Europas, zuletzt bei der Wiedervereinigung Deutschlands 1989. Es geht auch nicht darum, diese Unterstützung zu schmälern. Nur, Amerika ging es ausschließlich um die Wahrung eigener Interessen. Sollte es zu einem neuen Krieg zwischen den Blöcken kommen, dann bitteschön wieder in Europa, auf keinen Fall in Nordamerika. Von diesem Gedanken wurde das Engagement der Amerikaner geleitet, dafür wurde Deutschland wieder auf eigene Füße gestellt, dafür wurden Truppen und Atomwaffen vorzugsweise in Deutschland stationiert (die Kosten dieser jahrzehntelangen Stationierungen waren übrigens von Deutschland zu übernehmen), Verträge wurden entsprechend abgefasst. Es ist sicherlich legitim, eine andere Sicht auf die europäische Entwicklung zu haben, vor allen Dingen in einem Land, dass einerseits großen Wert auf militärische Neutralität, andererseits aber, wäre es zu einem Krieg zwischen den Blöcken gekommen, genauso dem Erdboden gleich gemacht worden wäre, wie der Rest Europas. Von Amerika genauso wie von Russland, ohne Rücksicht auf europäische Verluste. Die Angst davor, zwischen amerikanischen und russischen Interessen zerrieben zu werden war es aber auch, die der Europäischen Union ihren friedensstiftenden Charakter für ganz Europa gegeben hat. So gesehen gibt es keine halbe Wahrheit. Das zu würdigen war an der Zeit. Warum nicht gerade jetzt, wo Europa in einer tiefen Identitätskrise steckt? An deren Lösung auch die Schweiz ein elementares Interesse haben muss. An der Preisvergabe herumzunörgeln erscheint da wirklich eher pingelig, statt sachlich fundiert.

Wir haben uns in einem gesonderten Beitrag, unter dem Titel „Steht die Eurozone erneut am Rand des Abgrunds?“, mit der Vergabe des Friedensnobelpreises 2012 beschäftigt (hier) und bitten die LeserInnen dafür ausdrücklich um ihre Aufmerksamkeit. Es lohnt sich, alleine schon wegen der dort verwendeten, vielsagenden Karikatur!   


Die politische Enteignung der Europäer
(derhauptstadtbrief.de) Mit ihren Lieblingsmantras „Zu uns gibt es keine Alternative“ und „Wenn unser Vorhaben scheitert, scheitert Europa“ werden die Retter nicht durchkommen.
Krise? Welche Krise? Die Cafés, die Bistros und die Biergärten sind gut besucht, auf den deutschen Flughäfen drängeln sich die Urlauber, man hört von Rekordumsätzen der Exportwirtschaft und von sinkenden Arbeitslosenzahlen. Ganz so, als spiele sich der Zustand der Europäischen Union nur im Fernsehen ab. Gähnend nehmen die Leute von den wöchentlich erklommenen „Gipfeln“ der Politiker und vom wirren Streit der Experten Notiz. Das alles scheint sich in einem rhetorischen Niemandsland voll unverständlicher Sprachregelungen abzuspielen, das mit dem Alltag der sogenannten Lebenswelt nichts zu tun hat.
Offenbar fällt es den wenigsten auf, dass die europäischen Länder seit geraumer Zeit nicht mehr von demokratisch legitimierten Institutionen regiert werden, sondern von einer Reihe von Abkürzungen, die sich an ihre Stelle gesetzt haben. Wo es lang geht, darüber befinden EFSF, ESM, EZB, EBA und IWF. Nur Experten sind imstande, diese Akronyme auszubuchstabieren.
Auch, wer was und wie in der EU-Kommission und in der Euro-Gruppe beschließt, erschließt sich nur den Eingeweihten. Gemeinsam ist all diesen Einrichtungen, dass sie in keiner Verfassung der Welt vorkommen, und dass kein Wähler bei ihren Entscheidungen etwas mitzureden hat.
Es mutet gespenstisch an, mit welcher Gelassenheit die Bewohner unseres kleinen Kontinents ihre politische Enteignung hingenommen haben. Das mag daran liegen, dass es sich um ein historisches Novum handelt. Im Gegensatz zu den Revolutionen, Staatsstreichen und Militärputschen, an denen die europäische Geschichte reich ist, geht es bei uns lautlos und gewaltfrei zu. Darin besteht die Originalität dieser Machtübernahme. Keine Fackelzüge, keine Aufmärsche, keine Barrikaden, keine Panzer! Alles spielt sich friedlich im Hinterzimmer ab.
Dass dabei auf Verträge keine Rücksicht genommen werden kann, wundert niemanden. Existierende Regeln wie das Subsidiaritätsprinzip der Römischen Verträge oder die Bailout-Verbotsklausel von Maastricht werden ganz nach Belieben ausgehebelt. Lesen…

Kommentar: Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger meldet sich immer wieder zur Krise in Europa mit seiner Sicht auf die Dinge zu Wort. Diesen Einsatz vermissen wir von den vielen anderen wortgewaltigen Dichtern und Denkern. Wie immer auch dieses Mal mit vielen kritikwürdigen Anregungen und Denkanstößen. Seine Meinung einfach so zu übernehmen empfehlen wir deshalb nicht. Bemerkenswert aber noch sein Schluss: „Ohne Kosten, Auseinandersetzungen und schmerzliche Einschränkungen wird es beim Rückzug aus der Sackgasse, in die uns die Ideologen der Entmündigung geführt haben, nicht abgehen. Die Panik ist in dieser Lage der schlechteste Ratgeber, und wer einen Abgesang auf Europa abstimmt, kennt seine Stärken nicht.“ 


Krise vernichtete bisher 30 Millionen Jobs
(derstandard.at) Die Schuldenkrise wird nach Schätzung von UN-Experten im kommenden Jahr sieben Millionen weitere Arbeitsplätze vernichten. Lesen…

Kommentar: Unglaubliche Zahlen: 30 Millionen sind es schon, 7 Millionen Jobs werden noch vernichtet. Einen Teil davon auch in Europa. Noch schlimmer: 900 Millionen Frauen und Männer leben weltweit trotz eines Jobs im Elend. Sie verdienten so wenig, dass sie und ihre Familien nicht über die Armutsgrenze von zwei Dollar pro Person und Tag kommen. Ein Rat hat der neue ILO-Direktor Ryder auch für Europa parat: "Finanzielle Konsolidierung kann nur nachhaltig wirken, wenn sie mit sozialer Verantwortung und einer fairen Verteilung der Lasten einher geht."  


Schweizerische Armee überprüft Einsatzbereitschaft
(news.admin.ch) Die Armeestabsrahmenübung "STABILO DUE" ist am 6. September gestartet und dauert bis am 21. September. An den Standorten Bern, Luzern, Kriens und Monte Ceneri sowie Dübendorf, Emmen, Payerne und im Raum Reusstal wird die Einsatzbereitschaft der militärstrategischen, operativen und taktischen Führung überprüft.. Das Übungskonzept von "STABILO DUE" basiert auf dem Szenario, dass Teile eines auf der Landkarte speziell gestalteten Europas instabil sind. Auch in der Schweiz gibt es Unruhen, Anschläge und Gewalttaten. Lesen…

Kommentar: Vor einigen Tagen haben wir im Nachrichten-Ticker bereits auf diese Übung hingewiesen (hier). Wir wollen heute nur noch mit der offiziellen Bestätigung nachlegen.   

     
Lagarde beklagt Schulden "wie in Kriegszeiten"
(derstandard.at) Die Überwindung der Krise sei "unglaublich schwierig", sagte sie, Schäuble drängt auf weiteren Schuldenabbau. Lesen…

Kommentar: Wir fragen uns schon, welche Krisenmanager gerade am Werk sind. Lagarde sollte wissen, dass sich die Welt schon seit langer Zeit im Kriegszustand befindet. Der letzte große Krieg wurde vom Westen 2003 im Irak begonnen (hier) und der kostet Monat für Monat Milliarden US-Dollar (hier). Seit dem sind noch viele kleine militärische Auseinandersetzungen, außerdem Währungs- und Handelskriege, hinzu gekommen. Alles Dinge, die Benzin ins Feuer der Finanzkrise gießen, sie am Leben halten und sogar noch verschärfen.    


Lagarde: Weltfinanzsystem weiter zu verwundbar
(wort.lu) Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat ihre Forderung nach einer tatkräftigeren Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte erneuert. Auch fünf Jahre nach der verheerenden Bankenkrise sei das Weltfinanzsystem weiterhin zu verwundbar, sagte Lagarde zum Auftakt der dreitätigen IWF- und Weltbank-Jahrestagung am Freitag in Tokio. Trotz aller erfreulichen Fortschritte seien die nötigen Reformen längst nicht abgeschlossen, mahnte sie. Lesen…

Kommentar: Noch einmal Lagarde. Die scheinheilig anmahnt, was von den Lobbyisten der Finanzindustrie schon seit Monaten, nein eigentlich seit vier Jahren schon, erfolgreich verhindert wird. Dodd-Frank Act und Volcker Rule schlummern irgendwo in Amerika. Die Europäer nehmen gerade erst Anlauf, um zu regulieren (hier). Vor der staunenden weltweiten Öffentlichkeit wird eine Show abgezogen, die maximalen Aktionismus suggeriert und es tatsächlich schafft, dass sich 99% der Betroffenen wieder entspannt zurück in ihren Fernsehsessel fallen lassen, aus dem sie im ersten Moment, bei dem Wort „verwundbar“, erschreckt aufgesprungen waren. Wer sich die Vita von Madame Lagarde näher ansieht, der wird den Verdacht nicht los, dass sie mit Bedacht für die Position der IWF-Chefin ausgewählt worden ist, in der sie den zaghaften Aufrührer DominiqueStrauss-Kahn ersetzt hat. Eine Französin, durch die Amerika seine Interessen vertreten lässt. Vor dem Hintergrund des dauernd angespannten US-amerikanisch-französischen Verhältnisses hat das doch was, oder?    


Der IWF und Europa, ein Clash der Kulturen
(zeit.de) Europa hofft, doch den USA ist das nicht genug: In Japan streiten Europa und der Internationale Währungsfonds über die richtige Krisenpolitik. Lesen…

Kommentar: Bedauerlich, dass die Europäer unbedingt auf der Teilnahme des IWF bei den Rettungsbemühungen für die Eurozone bestanden haben. Das wird sich noch bitter rächen, davon sind wir überzeugt. Die vom Autor in Aussicht gestellte Erfahrung des IWF mit Krisen, auf die Europa nicht leichtfertig verzichten sollte, endete für die betroffenen Länder regelmäßig in einem Fiasko, während sich der Westen bereicherte. Die jeweilige Krise veränderte sich, gelöst wurde sie nie.


Schäuble: Herabstufung Spaniens Missverständnis
(derstandard.at) Das Missverständnis gehe auf "die Schaffung unrealistischer oder unzutreffender Erwartungen" auf den Finanzmärkten zurück. Seinem Eindruck nach hätten die Teilnehmer des Treffens "sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass wir in Europa erhebliche Fortschritte gemacht haben" bei der Überwindung der Krise. Lesen…

Kommentar: Was für ein wachsweicher Kommentar des „letzten Europäers“ im Kabinett Merkel. Er zeigt die Hilflosigkeit im Umgang mit der Krise und ihren Nebenwirkungen. Tatkraft sieht definitiv anders aus. 


"Die Bürger werden schleichend enteignet"
(spiegel.de) Die deutschen Banken warnen vor Inflation in Deutschland. Im Interview erklärt Verbandspräsident Andreas Schmitz, warum Sparer Schritt für Schritt ihr Vermögen verlieren - und wie sicher Gold ist. Die hohen Rednerhonorare für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verteidigt er. Lesen…

Kommentar: Noch so ein Inflationsprophet. Passt zum aktuellen Spiegel-Titel. Soll wohl schnell noch unterstützend wirken, nachdem die Thesen der Titelgeschichte kritisiert wurden (hier). Die Infaltionsuntergangspropheten sprießen, passend zur Jahreszeit, wie Pilze aus dem Boden. Zu Steinbrück formuliert Andreas Schmitz tiefgründig: „Ihm zu unterstellen, er sei käuflich, halte ich für absolut übertrieben.“ So, so, er hält es für übertrieben, dem Vorwurf an sich tritt er aber nicht entgegen. Der Artikel hat insgesamt einen gewissen Unterhaltungswert.


Zielkonflikt Finanztransaktionssteuer
(fuw.ch) “Jeder Finanzpolitiker, der eine neue Steuer plant, muss die Frage beantworten, welches Ziel er damit zu erreichen gedenkt.” Nur wenn die Steuer kurzfristig ausgerichtete Spekulationen verringert, lässt sie sich rechtfertigen. Politiker schielen indes auch auf Zusatzeinnahmen. Lesen…

Kommentar: Keine schlechte Arbeit um die Hintergründe der Schmalspur-Finanztransaktionssteuer. Räumt unsere Bedenken gegen die Steuer nicht aus, im Gegenteil.


Sie haben die Schulden – wir den Profit
(zeit.de) Die verschwenderischen Südeuropäer gefährden unseren Wohlstand? Von wegen – ihnen haben wir Deutschen den Reichtum zu verdanken. Ein Essay. Lesen…

Kommentar: Unsere heutige Tagesempfehlung. Ohne Wenn und Aber. Gespickt mit reichlich Fakten. Ausführlich und sehr ergiebig für alle, die regelmäßig am Arbeitsplatz, im Verein, am Stammtisch und sonst wo in Diskussionen verwickelt werden, und dabei regelmäßig zur Minderheit gehören. 


Frank Stronach: „Merkel beschädigt die Reputation Deutschlands“
(faz.net) Der eurokritische Milliardär will mit dem „Team Stronach“ 2013 ins österreichische Parlament. Ein Land sollte so regiert werden wie ein Unternehmen gemanagt, sagt der 80 Jahre alte Gründer des Autozulieferers Magna im F.A.Z.-Interview. Lesen…

Kommentar: Stronach will zukünftig kräftig in der österreichischen Politik mitmischen. Außerdem generiert er sich als sprachgewaltiger Störenfried in der europäischen Krise. Deshalb muss man sich zwangsläufig mit seinen Thesen beschäftigen. Hier und da ist sogar etwas Nützliches dabei, wie wir finden. Vielleicht sogar förderlich, um mit seinen Beiträgen die Lösung der Krise in Europa zu forcieren? 

 
China, Indien & Co. hängen die Euro-Zone ab
(welt.de) Die asiatischen Schwellenländer haben den Euro-Raum beim globalen Bruttoinlandsprodukt überflügelt. Während China aufsteigt, verliert die Euro-Zone immer mehr Anteile an der Weltwirtschaft. Lesen…

Kommentar: Wir bleiben dabei: Solche Berichte dienen nur dem Ziel, die betreffenden Länder schön zu schreiben. Schließlich sollen das die neuen Märkte für die deutsche Industrie werden, um die Verluste in Europa auszugleichen. Die Wirklichkeit sieht anders aus, wie wir in den vergangenen Wochen immer wieder in unserem Nachrichten-Ticker an Hand von entsprechenden Berichten nachgewiesen haben.


Der große Unterschied zwischen Europa und den USA
(fuw.ch) Wir feiern dieser Tage ein nettes kleines Jubiläum: Vor exakt drei Jahren, am 6. Oktober 2009 um genau zu sein, nahm in Athen das Kabinett von Georgios Papandreou seine Arbeit auf. Noch am Tag seines Amtsschwurs sagte Griechenlands neuer Premier, die Finanzlage des Staates sei viel schlimmer, als die offiziellen Zahlen vermuten ließen. Er warnte, das Budgetdefizit des Jahres 2009 werde 12,7% des Bruttoinlandprodukts erreichen.
Und so nahm die Eurokrise mit unerbittlicher Konsequenz ihren Lauf. Wir stehen heute kein bisschen näher an einer Lösung als damals.
Mal abgesehen von der in diesem Blog schon oft thematisierten Notwendigkeit, die Europäische Währungsunion für ihre langfristige Überlebensfähigkeit mit einer Fiskalunion zu verschmelzen, stellt sich noch eine andere, elementare Frage: Ist die Europäische Zentralbank überhaupt in der Lage, eine sinnvolle Währungspolitik für diesen grossen, heterogenen, aus 17 Ländern bestehenden Währungsraum zu verfolgen? Die praktische Erfahrung sagt: Nein. Lesen…

Kommentar: Der Autor, Mark Dittli, macht mit diesem Beitrag keine gute Figur. Die anschließenden Kommentare sprechen eine beredte Sprache. Uns fällt auf, dass ein wesentliches Argument für seine Meinung, die Sache mit den Unterschieden bei der Arbeitslosigkeit, auf den offiziellen, falschen US-Arbeitslosenzahlen basiert. Die richtigen gibt es hier und sie korrespondieren mit denen Spaniens oder Griechenlands. Ständig wird außerdem auf der Einrichtung einer Fiskalunion herumgeritten, mit dem der Euro wieder auf die Füße, sprich aus der Krise, kommen soll. Wir wiederholen: Das funktioniert so nicht. Auf jeden Fall nicht, bevor die Probleme der europäischen Banken, immerhin mindestens sagenhafte 18 Billionen Euro schwer (hier), gelöst sind. Das geht nur, wenn statt der Verluste gleich die Banken sozialisiert = verstaatlicht werden. Es genügt auch nicht, das Konzept der EU-Experten-Gruppe, unter Leitung des finnischen Notenbankchefs Erkki Liikanen, mit dem Schwerpunkt Trennbankensystem, umzusetzen (hier). Europa muss klotzen, nicht kleckern.


"Wir erleben nur den ersten Akt des Dramas"
(zeit.de) Amerika steht vor neuen Verteilungskämpfen, sagt Michael Lind, Buchautor und ein scharfer Kritiker der Konservativen. Die soziale Spaltung werde zum ernsten Problem. Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Ein richtungweisendes Interview. Höchst aufschlussreich für alle, die sich nicht regelmäßig mit den Verhältnissen in den USA beschäftigen. Lind hält die Vereinigten Staaten zunehmend für eine Finanz-Oligarchie: „Das ökonomische Wachstumsmodell dieser Finanzelite ist der Börsengang. Irgendwer erfindet was, das wird ein Unternehmen und dann werden Aktien an die Leichtgläubigen verkauft, die nicht sehen, wie überbewertet die Anteile sind“, so Lind weiter. Wir wissen: Ausgedacht hat sich dieses System ursprünglich Goldman Sachs. Gestützt auf einen Beitrag des US-amerikanischen RollingStone Magazin (hier) werden wir uns demnächst ausführlich damit beschäftigen und das Ergebnis im Blog veröffentlichen. Noch sind wir mit der Recherche beschäftigt. Noch einmal Lind: „Das andere Modell ist, dass man Unternehmen überschuldet, auseinander bricht und dann die Teile weiterverkauft.“ Das ist eine Erfindung der Hedgefonds. „Bei beiden Varianten ziehen die Initiatoren den Cash raus und haben nach dem Abstoßen nichts mehr mit dem Unternehmen zu tun. Das ist total fremd für den Industriekapitalismus wie in Europa oder Japan.“ Wenig Mut macht Lind am Schluss des Interviews: „(…) es wird noch viel hässlichere Dinge geben, als das, was wir bisher gesehen haben. Und das gilt nicht nur für die USA. Das Ganze ist ein Nullsummenspiel, bei dem jede Gruppe versucht, die enormen Verluste aus der Krise einer anderen Gruppe zuzuschieben. Das gilt zwischen Nationen, zwischen ethnischen Gruppen, zwischen Klassen. Es werden viele Dinge passieren, die wir bisher für unmöglich gehalten haben.“     


Der "neue" amerikanische Traum: Schweißer verdienen mehr als Banker
(format.at) Als stellvertretender Manager einer China-Restaurantkette kommt Spence Brennan auf ein Jahresgehalt von 55.000 Dollar. Er geht jedoch davon aus, dass er als Schweißer fast das Doppelte verdienen kann. Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Verglichen wird mit dem Gehalt eines leitenden Kassierers in einer Bank, wie aus Daten von CareerBuilder hervorgeht. Offensichtlich ist das aber (noch) kein Maßstab. „US-Banker kassieren 362.950 Dollar pro Jahr“ titelt welt.de (hier). Das Blatt schreibt weiter: „Während der normale Amerikaner rund 50.000 Dollar nach Hause trägt, verdienen Finanzmanager mehr als vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007. Vor allem die Boni schrauben die Einkommen nach oben.“ „Boni: Extrarunde für die Wall Street“ meldet der österreichische Standard (hier). Weiter heißt es dort: „Banker sein in New York zahlt sich immer noch aus, auch wenn die Boni an der Wall Street wieder schrumpfen dürften.“ Solche Nachrichten lassen die Meldung vom „neuen“ amerikanischen Traum in einem anderen Licht erscheinen. Aber schon Tucholsky fand: "Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen - und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch."  


Die Drahtzieher der Finanzwelt
(tagesanzeiger.ch) Sie nennen sich schlicht Group of Thirty. Ein exklusiver Club aus Bankern und Ökonomen. Mit dabei sind UBS-Präsident Axel Weber und der ehemalige SNB-Präsident Philipp Hildebrand. Lesen…

Kommentar: Der Gruppe wird großer Einfluss auf die Finanzpolitik zugeschrieben. Sie war es, die vorschlug, strukturierte Produkte nicht zu stark zu regulieren. Das Ergebnis dieser Nicht-Regulierung kennen wir mittlerweile. Interessant, wer in diesem Club so alles mitmischt. Beachtlich.   


Biden v. Ryan: The Old Pro Takes On the Lying Kid
(alternet.org) In a lively contrast to last week’s presidential debate between President Barack Obama and former Massachusetts governor Mitt Romney, tonight’s match-up between Vice President Joe Biden and Republican rival Rep. Paul Ryan offered moments of riveting television as Biden used his populist persona to full effect against the wonkish and prevaricating Ryan.
In a discussion surprisingly heavy on foreign policy, the two also sparred over the federal budget, Medicare and reproductive rights -- with Ryan making the surprising claim that the courts should have no role in deciding the legality of abortion.
With the first few moments, it seemed that the whole mood of the liberal blogosphere turned from despair to elation amid a chorus of “Attaboy!” -- especially among those who gathered on Twitter and other social media.
At one point, in an exchange in which Ryan conflated Iran's reported production of fissile material with what he said were its advances in actually weaponizing that material, Biden replied, addressing moderator Martha Raddatz, "Facts matter, Martha...Facts matter." Obama supporters, long frustrated by the Republicans' campaign of mendacity, quickly adopted the line as a theme. Read more…

Kommentar: Leider lassen sich solche Beiträge nur in den USA finden und stehen deshalb nur in Englisch zur Verfügung. Schade, dass sich die deutschsprachigen Leitmedien davon nicht ein bisschen inspirieren lassen.  


10 Best Biden Put-Downs in Veep Debate
(alternet.org) At Thursday’s vice presidential debate in Danville, Kentucky, Vice President Joe Biden went all in, playing the traditional role of a vice presidential candidate: the attack dog. At times his answers played a little loose with the facts, as when he claimed that personnel at the U.S. consulate in Benghazi hadn’t asked for increased security, but he hewed far closer to the truth than Ryan, who once again trotted out the false claim that that administration is cutting Medicare, and again offered no details for how he would pay for the 20 percent across-the-board tax cut that the Republican campaign is proposing. Biden, however, had his facts and figures at the ready, as well with an evident disdain for the arguments of his opponent, Rep. Paul Ryan of Wisconsin. Readmore…

Kommentar: Der Kampf ist noch längst nicht entschieden. Trotz leichter Vorteile bei den Umfragen für Mitt Romney.


We Are On The Road To Serfdom
(zerohedge.com) We are now five years into the Great Fiat Money Endgame and our freedom is increasingly under attack from the state, liberty’s eternal enemy. It is true that by any realistic measure most states today are heading for bankruptcy. But it would be wrong to assume that ‘austerity’ policies must now lead to a diminishing of government influence and a shrinking of state power. The opposite is true: the state asserts itself more forcefully in the economy, and the political class feels licensed by the crisis to abandon whatever restraint it may have adhered to in the past. Ever more prices in financial markets are manipulated by the central banks, either directly or indirectly; and through legislation, regulation, and taxation the state takes more control of the employment of scarce means. An anti-wealth rhetoric is seeping back into political discourse everywhere and is setting the stage for more confiscation of wealth and income in the future. War is the health of the state, and so is financial crisis, ironically even a crisis in government finances. As the democratic masses sense that their living standards are threatened, they authorize their governments to do “whatever it takes” to arrest the collapse, prop up asset prices, and to enforce some form of stability. The state is a gigantic hammer, and at times of uncertainty the public wants nothing more than seeing everything nailed to the floor. Saving the status quo and spreading the pain are the dominant political postulates today, and they will shape policy for years to come. Read more…

Kommentar: „Wir sind auf dem Weg in die Leibeigenschaft“ titelt Tyler Durden und liefert dazu Fakten Markwort’schen Ausmaßes. Vieles davon sorgt sicherlich für Unruhe und Schweißausbrüche bei den LeserInnen. Vor allen Dingen bei denen, die sich mit ihren Ersparnissen immer noch in Sicherheit glauben. Das ist trügerisch, selbstbetrügerisch.   


In eigener Sache II:
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier). Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de