Sonntag, 14. Oktober 2012

Standpunkt 416 - Nachrichten-Ticker, 13.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Banker, Gottes Werk Heiner Flassbeck’s Trennung – Ludwig Poullain – Kartenhaus Euro – Bankenpleiten – Obdachlose in den USA – US-Banken


In eigener Sache I:
Ein neues Update zum Thema Enteignungen ist fertig und steht hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Wir haben diesen Beitrag sorgfältig recherchiert und verständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier).


"Banker meinen, der liebe Gott hätte sie zum auserwählten Volk erklärt"
(sueddeutsche.de) Susanne Schmidt gilt als Kennerin der Finanzwelt und misstraut darum den Reden der Banken. Die Tochter des Altkanzlers im Gespräch über Spekulationsgewinne, Klüngel zwischen Wirtschaft und Politik, sinnlose Appelle und Forderungen aus ihrer SPD nach Verstaatlichung der Geldinstitute. Lesen…

Kommentar: Ein vielsagendes Interview. Endlich kommt die „Insiderin“ Susanne Schmidt zur Sache. In ihrem Buch „Markt ohne Moral“ war sie noch entschieden zu zaghaft, glaubte noch mehr an das Gute im Menschen „Banker“. Sie hat dazu gelernt. Übrigens, von Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs, ist der Ausspruch überliefert, er und seine Bank verrichteten einfach nur "Gottes Werk" (hier).  


„Die Euroländer müssen sich trennen“
(tagesanzeiger.ch) Für Heiner Flassbeck ist der Euro nicht mehr zu retten. Aus Sorge um die politische
Integration empfiehlt der UNO-Ökonom den Ausstieg aus der Währungsunion. Lesen…

Kommentar: Eine echte Überraschung, dass Heiner Flassbeck aufgeben will. Er, der sich immer vehement für den Euro eingesetzt hat, zeigt Schwäche. Was ihn umtreibt ist verständlich, aber einfach nicht umsetzbar, schlicht auch nicht wünschenswert. Es wäre eine politische Bankrotterklärung, von der sich Europa so schnell nicht mehr erholt. Natürlich trifft seine Analyse auf den Punkt, nur ist er kraftlos in seiner Schlussfolgerung. Flassbeck erwähnt mit keinem Wort die Kosten einer Aufspaltung der Eurozone. Außerdem scheint er die Krise in Europa mittlerweile primär als Staatschuldenkrise einzuordnen und nicht als Bankschuldenkrise, die es immer noch ist. Nach unserer Einschätzung gibt es für Europa nur noch einen Weg: 1. Lösung der Bankenkrise durch vollständige, tiefgreifende Reform der Finanzindustrie, Zerstörung des Privilegs „systemrelevant“, 2. Entlastung der Staatsschulden durch die Separation der Hilfszahlungen und Garantien für die Banken, die Staatschulden würden so wieder annähernd auf das Vorkrisenniveau zurückgehen, 3. Rückbau der Spardiktate in den südeuropäischen Ländern, 4. Strukturprogramme, um die Ungleichgewichte innerhalb Europas langfristig auszugleichen, 5. Weiterentwicklung der Europäischen Union, hin zu mehr Integration unter strikter Einhaltung der demokratischen Ordnung. Alles das ist der Preis dafür, damit Europa zukünftig weiter eine starke politische und wirtschaftliche Rolle in der Welt spielen kann.


Ex-WestLB Banker: Euro-Kartenhaus wird mit riesigem Knall in sich zusammenfallen
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Für den Ex-WestLB Vorstand Ludwig Poullain ist der Euro nicht zu retten: Er bezeichnet die Euro-Rettung als ein einziges Fiasko und erwartet einen „währungspolitischen Urknall“, nach dem alle Staaten von vorne beginnen müssten. Lesen…

Kommentar: Sorry, aber die Analyse von Ludwig Poullain ist grundfalsch. Seinen Beitrag bei Cicero gibt es hier. Kein einziges Wort verliert er über die wirklichen Ursachen der Krise in Europa. Erkennt er sie nicht? Schade. Deshalb hoffen wir sehr, dass Poullain mit seiner „Urknall“-Theorie nicht Recht bekommt. Der Schaden wäre immens, ein Totalverlust der Ersparnisse, bzw. Vermögen sehr, sehr wahrscheinlich. Keine einzige europäische Großbank würde diese Entwicklung überleben. Die Rettung durch Staatshilfen unmöglich. Selbst Sparkassen und Genossenschaftsbanken wären maximal betroffen. Wie gesagt, die Folgen sind vollkommen unkalkulierbar, es gibt historisch dafür kein „Vorbild“. Europa ist immer noch weltweit die Wirtschaftsmacht No. Eins. Die Zerstörung des Euro hätte gravierende Auswirkungen auf diese Position. Deutschland würde dann, wie alle anderen, vor einem Scherbenhaufen stehen.Zum Schluss: Ludwig Poullain hat schon besser analysiert, beispielsweise 2004: „Sittenverfall im Bankwesen– Ungehaltene Rede“ (hier). Damit hätte er weitermachen müssen. 


Deutscher Banker: "Bankrotte Institute nicht erhalten" 
(diepresse.com) Die Geldmarktflutung durch die EZB macht dem Verband deutscher Banken Sorgen. Die Aufräumarbeiten im Finanzsektor müssen umgehend gestartet werden. Lesen… 

Kommentar: Eine geradezu lächerliche Forderung vom Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz. Würde die Politik diese Forderung Ernst nehmen, was grundsätzlich wünschenswert wäre, dann wären die deutschen Bankkonzerne besonders stark betroffen. Natürlich will Schmitz das nicht. Ihm geht es nur um die Banken in den südeuropäischen Ländern, außerdem in Frankreich und Irland. Ein bisschen Show für die Galerie, um mehr geht es dem Bankenverband nicht. 


Problemlösung à la USA: Obdachlose kriminalisieren 
(wirtschaftsfacts.de) Die wachsende Anzahl von Obdachlosen wird nach der Krise an den US-Häusermärkten zu einem immer größeren Problem für viele finanziell schwache Kommunen. Insbesondere in Kalifornien explodierten in den letzten Jahren die so genannten Zeltcamps, wo viele Obdachlose landeten. Da es keine Strategien gibt, wie man diesen Gestrandeten wieder zur Integration in die Gesellschaft zu verhelfen gedenkt, werden die Betroffenen nicht selten durch neu und hastig erlassene Gesetze kriminalisiert. Das Leben und die Perspektivlosigkeit unter dieser ignorierten Gesellschaftsgruppe verkomplizieren sich, was noch ernsthafte Folgen haben dürfte. Die Opfer werden durch Städte und Kommunen kriminalisiert, um sich den Folgekosten aus der Krise zu entziehen. Lesen… 

Kommentar: Armut, Obdachlosigkeit, kein Job, alles Teil der Wahrheit hinter den Hurra-Nachrichten der vergangenen Tage und Wochen, die aus den USA in den deutschsprachigen Medien ankommen. Betroffen sind nicht nur Zehntausende, sondern Millionen Menschen. Wir erwarten in absehbarer Zeit erhebliche Unruhen in Amerika. Zuerst in den besonders betroffenen Regionen, später großflächig in allen Bundesstaaten: Aus dem Protest Weniger wird eine Bewegung Vieler. Polizei und Nationalgarde bekommen Arbeit. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Prügelszenen anlässlich der US-Studentenunruhen in den 1960er Jahren? 


US-Großbanken scheffeln Geld wie vor der Krise 
(format.at) Niedrige Zinsen treibt Geschäft mit Hypotheken-Krediten an - JP Morgan Gewinn steigt um ein Drittel, Wells Fargo erwirtschaftet einen Zuwachs von 25 %. Angesichts der niedrigen Zinsen wollen viele US-Hausbesitzer ihre alten Hypotheken umschulden. Weiterplatzierung der Kredite am Kapitalmarkt treibt Gewinne der Banken. Die Investoren rennen den Instituten die Türe ein, weil die US-Notenbank als garantierter Abnehmer der Papiere feststeht. US-Großbanken verdienen wieder soviel wie vor der Krise - und erneut ist das Hypothekengeschäft Gewinnbringer Nummer eins. Lesen… 

Kommentar: Das gehört auch zu den positiven Nachrichten aus Amerika. Die Banken verdienen wieder Geld, also geht es aufwärts. Auch im Häusermarkt. Ein Trugschluss, wie sich zeigen wird. Tatsächlich entstehen die Gewinne durch die Geschäfte, die schon einmal, nämlich 2007, für den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes gesorgt haben. Dieses Mal begünstigt durch die neue QE3-Maßnahme der Fed. War nichts mit der Unterstützung der Wirtschaft: Wieder fließt die von der Fed bereitgestellte Liquidität ausschließlich in die Zockerbude Finanz-Casino.  


© Victor Juhasz, rollingstone.com

In eigener Sache II:
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier). Die Diskussion um eine Reichensteuer war erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.