Dienstag, 23. Oktober 2012

Standpunkt 425 - Europas Krise (35) - kurz erklärt

Europas Krise: Titel, Thesen, Lösungen! - Folge 35  

Die Krise kurz erklärt 

Es ist schon eine Weile her, dass wir in dieser Reihe einen Beitrag veröffentlicht haben. Für alle neuen LeserInnen: Vor Monaten haben wir damit begonnen, in loser Reihenfolge Artikel zu veröffentlichen, die wir in unserem umfangreichen Archiv wiederentdecken. Dafür nutzen wir hin und wieder die Zeit auf eine ganz andere Art und verschwinden in den tiefen unserer virtuellen Bibliothek. Klicken uns durch viele Gigabytes Daten, auf der Suche nach Erklärungen über Entstehung, Entwicklung und Lösungsmöglichkeiten dieser europäischen Krise, nach Beiträgen, die irgendwann irgendwo schon einmal erschienen sind. Unsere Entdeckungen bringen wir in diesem Blog in loser Folge zur Auffrischung oder sogar als „Neuerscheinung“ für unsere LeserInnen. Dabei nehmen wir wenig Rücksicht auf unsere eigene Meinung. 

Zeit, alles wieder aufzufrischen. Bisher sind in dieser Reihe bei uns folgende Beiträge erschienen: 

Stephan Schulmeister: „Wessen Hand war das?“, einer Betrachtung „zur großen Krise und ihrem gesellschaftlichen Kontext“ (hier)
Schulmeister, ausgewiesener Kritiker des Neoliberalismus, beginnt unsere Reihe mit einer Betrachtung „zur großen Krise und ihrem gesellschaftlichen Kontext“.  

Frédéric Lordon: „Die Mechanik der Finanzkrise“ (hier)
Der Aufsatz wurde von dem französischen Wirtschaftspublizisten Frédéric Lordon bereits im September 2007 verfasst. Lange vor der Lehman-Pleite, die in der deutschen Öffentlichkeit als eigentlicher Auslöser der Finanzkrise angesehen wird, die  aber tatsächlich bereits 2005 in den USA ihren Anfang genommen hat. 

Stephan Schulmeister: „Ist der Euro noch zu retten?“ (hier)
Der Autor macht sich Gedanken um die Rettung der euorpäischen Gemeinschaftswährung Euro. 

Philippe Legrain: „Der EZB-Angstfaktor“ (hier)
Legrain beschäftigt sich mit der Rolle der EZB als Retter in der Not und beschreibt Möglichkeiten, wie die Europäische Zentralbank eingreifen kann. Er vertritt damit eine Position entgegengesetzt den deutschen Hardlinern in der Politik und bei der Bundesbank. 
 
André Kostolany: „Staats-Anwalt“ (hier
In dieser Kolumne aus 1986 hat sich K. mit der Verstaatlichung von Banken beschäftigt. Anlass war der Plan der französischen Chirac-Regierung, die verstaatlichten Banken schnellstens wieder zu privatisieren. Er beschäftigte sich damals schon mit der Macht der Banken, ihren originären Aufgaben und – sehr aufschlussreich – mit der Situation der deutschen Großbanken. Kostolanys Aussagen bescheren uns heute ein Déjá-vu-Erlebnis ganz besonderer Art.   

Vaclav Havel: „Der Intellektuelle und die Politik“ (hier) 
Angesichts der unzähligen Intellektuellen, die sich seit Monaten mit vermeintlichen Lösungen zur europäischen Krise hervortun, oder gar gleich die Politik infiltrieren, möchten wir diese Gedanken eines wirklichen Intellektuellen wärmstens zur Lektüre empfehlen. 

Le Monde diplomatique: „Griechische Zustände“ (hier)
Die Autorin berichtet sehr ausführlich über die augenblickliche Situation in Griechenland und ihre Ursachen. 
 
James K. Galbraith: „Das Kapital soll zahlen“ (hier)
Der Autor erläutert als „Außenansicht“, „wie das Projekt Europa gerettet werden könnte“.  
 
Thomas Fricke: “Marktpanik im Euroland” (hier)
„Der "Rettungsschirm", der in Brüssel aufgespannt wurde, soll Angriffe auf den Euro abwehren. Die wurden freilich ermuntert durch das Zögern der Euroländer - und durch die Fehler der Regierung in Berlin. 
 
Stephan Schulmeister: „New Deal für Europa“ (hier)
Schulmeister untersucht die Auswirkungen der schon damals für die Krisenstaaten als „alternativlos“ beschriebenen Sparprogramme und bieten gleichzeitig eine Alternative an. Er verfolgt dabei, wie könnte es anders sein, einen entgegengesetzten Weg und empfiehlt, in Anlehnung an Roosevelts New Deal von 1933 zur Lösung der Weltwirtschaftskrise von 1929, maßgeschneiderte Konjunkturprogramme in den betroffenen Ländern. 

Heiner Flassbeck, Friederike Spiecker:  „Warum Sparen keine Vorsorge für die Zukunft ist und acht Vorschläge, es anders zu machen“ (hier)
Die beiden Autoren liefern schon sehr früh bedenkenswerte Ansätze für den Umgang mit der Krise. Heiner Flassbeck ist Chefvolkswirt der UNCTAD in Genf, Friederike Spiecker arbeitet als freie Wirtschaftspublizistin.  

Stephan Schulmeister: “Die Bundesbank: Hüter der Stabilität oder des Finanzkapitals?” (hier)
Der Autor, österreichischer Ökonom, veröffentlichte im Dezember 1997 seine Untersuchung zu diesem Thema und kommt zu Ergebnissen, die in der Haltung der Bundesbank bis heute, mitten in die europäische Krise hinein, nachwirken.
 
Jacques Delpla, Jakob von Weizsäcker: „Die große Aufteilung der europäischen Schulden“ (hier)
Die Ökonomen Jacques Delpla und Jakob von Weizsäcker gelten als Geburtshelfer der Euro-Bonds, deren Idee sie hier vorstellen. 

Robert Solow: “Jetzt muss der Staat Schulden machen” (hier)
Der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Solow fand schon im August 2008, noch vor der Lehman-Pleite, "jetzt muss der Staat Schulden machen". Damit meinte er aber nicht, die Banken zu retten, sondern die reale Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren. 
 
Joseph Stiglitz: “Anpacken, und zwar sofort: Globale Antworten auf eine globale Rezession” (hier)
Der Artikel hilft zu verstehen, warum die 2008 begonnene weltweite Krise keinesfalls zu Ende ist, sondern sich ganz im Gegenteil noch weiter verschärft. Auch in Europa! 
 
Barry Eichengreen: „Die Griechen sind eure Lehman Brothers“ (hier)
Der Autor wichtige Zusammenhänge der Krise zu erklären. Ideen, diese Krise frühzeitig einzudämmen, lieferte Eichengreen gleich mit. 

Barry Eichengreen: “Europas trojanisches Pferd” (hier)
Eichengreen beschäftigt sich damit, in der Griechenland-Krise den Beginn für eine vertiefende politische Integration Europas zu sehen. 

Sepp Wall-Strasser: “Man schlägt die Griechen aber meint den Sozialstaat” (hier)
Der Autor ist Bereichsleiter für Bildung und Zukunftsfragen im ÖGB Oberösterreich und beschreibt den Angriff auf das europäische Wohlfahrtssystem. Er kommt bei seiner Einschätzung zu folgendem Ergebnis: “Was der neoliberalen Sparpolitik der letzten 25 Jahre nur Schritt für Schritt gelungen ist - den Wohlfahrtsstaat zurückzudrängen -, soll nun offenbar in einem raschen Coup vollendet werden.” 
 
Anne Dufresne:  “Union der Lohndrücker” (hier)
Die Autorin ist Soziologin an der Katholischen Universität Löwen in Belgien. Sie erklärt: “Der EU geht die Produktivität über alles. 
 
Carl-Ludwig Holtfrerich: „Die Deutschen sind als Prinzipienreiter bekannt“ (hier)
Holtfrerich liefert jedenfalls eine mögliche Erklärung für die deutsche Haltung in der Krise. 
 
Jean-Paul Fitoussi: Zur Krisenbekämpfung muß die europäische Politik die Nachfrage ankurbeln“ (hier)
Fitoussi, Ökonom und Direktor des franz. Forschungsinstituts “l’Observatoire français des conjunctures économiques”, schildert sehr anschaulich die augenblickliche Situation und ihre Ursachen, gleichzeitig beschreibt er leicht verständlich seinen Lösungsvorschlag, eine Art moderner Marshallplan Europas. Weil es eben im Kern eine Bankenkrise ist und ein solcher Plan zwar die Staaten, nicht aber die betroffenen Banken rettet, hat dieser richtige Lösungsansatz (noch) keine Chance. Trotzdem muß er zur Diskussion gestellt werden, selbst wenn viele seine Auffassung nicht teilen
 
Michael Hudson: „Die Großen fressen die Kleinen: Der Krieg der Banken gegen das Volk“ (hier)
Es gibt einen Weg, wie der Euro gerettet werden kann: Man muss nur der Europäischen Zentralbank erlauben, das zu tun, wofür Notenbanken gegründet worden sind: Geld drucken, so die Meinung des Autors.
 
Michael Hudson: „Was sind Schulden?“ (hier)
"Die Weltgeschichte beweist: Interessen von Gläubigern sind nicht die der Demokratie. Bankenrettungen führen in die Oligarchie. Der Finanzsektor betreibt eine neue Art der Kriegsführung." 
 
Michael Hudson: „Schuldenkrise: Gute Bank, böse Bank“ (hier)
Warum kapitulieren die Staaten vor der Macht der Banken? Es gibt Beispiele genug in der Geschichte für eine Politik, bei der die Banken produktive Aufgaben hatten.  

Ibrahim Warde: „Die Reue war kurz und folgenlos: 3 Jahre nach der großen Krise“ (hier)
Der US-Professor Ibrahim Warde beschäftigt sich noch einmal mit den Folgen der Krise und hat  treffende Schlüsse gezogen. 
 
„Bad Bank“-Konzept von Willem Buiter (hier)
Hier Buiters Plan, eine der wahrhaftigsten Lösungen, um die real existierende Welt aus den Fängen der Blutsauger von Goldman Sachs, FED, EZB, IWF, Weltbank und ihren Helfershelfern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zu befreien. 
 
Robert Skidelsky: „Die Linderung der Schuldenlast“ (hier)
Mitten in der Krise um Spanien formuliert Skidelsky seine Ideen rund um einen tiefgreifenden Schuldenerlass mit dem Ziel, einer lang anhaltenden Rezession zu entkommen. Der Autor bezieht sich bei seiner Argumentation auf die Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, oder auch auf John Maynard Keynes. Wir halten Skidelsky’s eigene Annahmen für falsch, auf denen er seinen Lösungsansatz aufbaut. Deshalb würde sein Vorschlag nicht funktionieren. Er will die angebliche Staatsschuldenkrise beheben, nicht die vorherrschende Bankenkrise.

Jens Berger: „Angie im Wunderland“ (hier)
Berger geht hart mit der Krisenfähigkeit der Kanzlerin ins Gericht, ebenso aber auch mit der öffentlichen Meinung zu Angela Merkel. 
 
Reinhard Jellen: Deutschland hat die größten Bad Banks der Welt (hier)
Es handelt sich um ein Interview mit dem Autor Leo Müller über die Verantwortung von Politikern und Aufsichtsbehörden für das Finanzdesaster.  

Paul Krugman: „Verrückte an die Macht“ (hier)
Paul Krugman hält die Sparprogramme in Europa für eine „sehr große Dummheit“.  

Wieslaw Jurczenko: „Euroland in Bankenhand“ (hier)
Der Autor beschreibt treffend am Beispiel der Irland-Rettung die Hintergründe dieser Aktion und warum es damit weitergehen wird. Vor allen Dingen ist deutlich zu erkennen, dass jede dieser Rettungen letztlich auch eine Rettung deutscher Banken sein wird. 

Mark Schieritz: „Merkels großer Plan: Im Westen nichts Neues.“ (hier)
Die von der Kanzlerin propagierte Rettung Europas ist fehlgeschlagen, die Krise hat sich verschärft und nach wie vor fehlt es an Ernsthaftigkeit, die Krise zu lösen. Merkels großer Plan: noch nicht einmal ein Plänchen. 
   
Eugenio Domingo Solans: „Der Euro: treibende Kraft in einem globalisierten Finanzsystem“ (hier)
Es handelt sich um eine Rede des spanischen Ökonomen Eugenio Domingo Solans, die er im Auftrag der EZB am 11. November 2002 vor der Spanisch-Schweizerischen Handelskammer in Zürich gehalten hat. Solans war bis zu seinem Tod 2004 das erste spanische Mitglied im Direktorium der EZB.

Christopher Whalen: „Die Regierungen sind machtlos gegen die Bankster“ (hier)
Whalen erklärt verständlich und nachvollziehbar die Gründe für seine Behauptung: „Die Regierungen sind machtlos gegen die Bankster“. Er beschreibt den hochspekulativen Markt für Kreditausfallversicherungen, die damit verbundenen Risiken und was sich schnellstens ändern muss. Dieser Beitrag gehört in jeden gut sortierten Kopf, der sich nicht nur oberflächlich mit den vielfältigen Krisenursachen beschäftigt. 
 

Außerdem setzen wir heute diese Reihe endlich wieder mit einem neuen Beitrag fort und werden auch in den kommenden Wochen unser Archiv nach Preziosen durchforsten, die wir dann in loser Folge veröffentlichen.

„Die Krise kurz erklärt“ von Tomasz Konicz, erschienen am 23.12.2011 bei heise/telepolis.de, passt gerade jetzt wieder in die Zeit der Diskussionen über Bankenunion, Fiskalpakt, die Rettung Spaniens oder einen neuen Schuldenschnitt für Griechenland. Konicz schärft den Blick auf die Hintergründe und gibt einen Eindruck von der Hoffnungslosigkeit aller Rettungsversuche und neuen Pläne der Verantwortlichen in Europa. Wir legen diese Analyse unseren LeserInnen sehr ans Herz. Es hilft nichts, noch länger die Augen vor der selbst gewählten Handlungsunfähigkeit der Regierungen zu verschließen. Nur sehenden Auges ist es möglich, zu agieren, statt immer nur zu reagieren. Nehmen Sie sich Zeit, es lohnt sich:

„Haben Sie sich in der Dauerkrise schon häuslich eingerichtet? Können Sie noch den Überblick behalten, bei all den über uns zusammenbrechenden Schuldenbergen? Für alle, die endlich im Krisendickicht durchblicken wollen, hier nun ein ganz besonderer Service: Werden Sie in wenigen Minuten zum Krisenexperten und Bescheidwisser, mit den großen FAQ zur Krise - diesmal mit verbesserter Kapitalismuskritikformel! In wenigen Antworten auf selbst erfundene Fragen werden die Krisenursachen benannt und die häufigsten Krisenmythen entlarvt. Der Clou dabei: Am Ende einer jeden Antwort finden sich Links zu Texten, die weitergehende Infos und Hintergründe zu den entsprechenden Themenkomplexen bieten. Soviel Krise war noch nie - jetzt neu mit krisenbedingter Zufriedenheitsgarantie!“ Lesen…