Samstag, 27. Oktober 2012

Standpunkt 431 - Nachrichten-Ticker, 26.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: PIMCO’s Anlagevorschläge Goldsucher in Europa – Attac - EZB –S&P – Frankreichs Banken – Spaniens Arbeitslose – Chinas reiche Vettern – US-Wahlkampf


In eigener Sache I:
Ein Update 2.0 zum Thema „Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht“ steht hier für unsere LeserInnen bereit. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Außerdem möchten wir uns auf diesem Weg für das riesige Interesse an diesem Beitrag bedanken. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn weiter zu machen wie bisher. 


"Mein Kartoffelacker" 
(zeit.de) Andrew Bosomworth legt für den weltgrößten Fonds, Pimco, Milliarden an. Was rät er? Und an welcher Anlage hat er Freude? Lesen…

Kommentar: Es fällt uns schwer, Bosmworth’s Anlagevorschläge gut zu finden. Natürlich ist es eine prima Sache, sich eine Immobilie anzuschaffen, um darin selbst zu wohnen, nur nicht im Augenblick. Die Preise stimmen einfach nicht mehr. Wer sich immer noch ernsthaft mit einem Kauf beschäftigt, sollte sich die Situation in Holland ansehen. Ein eigentlich gesunder Markt gerät schon seit Monaten durch die Fortsetzung der Krise unter Druck, die Preise beginnen zu erodieren. Natürlich sieht Bosomworth in Deutschland noch keine Immobilienblase – wenn er nur sechs Monate weit voraus sieht. Finger weg von Gold, wenigstens von größeren Beständen. Silber ist besser. Wir erwarten ein Goldverbot, mit allem drum und dran, flächendeckend in Europa versteht sich. In diesem Fall ist Gold erst einmal wertlos. Für Silber erwarten wir eine solche Maßnahme nicht. Kapital-Lebensversicherungen haben keinen Wert mehr, es sei denn, die Restlaufzeit beträgt nur noch höchstens 24 Monate. Die tödliche Gefahr heißt § 89 VAG (Zahlungsverbot, Herabsetzung von Leistungen). Den Gesetzestext gibt es hier, ausführliche Informationen bieten wir in unserem Enteignungs-Update (hier). Diese Vorschrift erfüllt einen ganz bestimmten Zweck: Notfalls kann der Staat knapp 1000 Milliarden Euro Leistungsansprüche in die Hand bekommen. Klare Sache: Risiko-Lebensversicherung ja, Kapital-Lebensversicherung nein. Die Inflation wird so oder so überbewertet. Völlig hysterisch. Akut ist sie kein Thema, mittel- oder langfristig vielleicht schon. Fraglich aber, wie gravierend sie ausfällt. Angeblich wollen die Zentralbanken eine kontrollierte Inflation bis maximal 4% zulassen. Deutschland erlebte Anfang der 1970er, 1980er und 1990er Jahre erheblich höhere Inflationsraten und ist damit ganz gut zurecht gekommen. Sogar die Vermögen haben sich in dieser Zeit außerordentlich gut entwickelt. Was wir meinen, zeigen noch einmal die beiden folgenden Grafiken: 


© besema.de 




„In Europa ist das Schlimmste vorbei“, meint Bosomworth. Selbst ein Experte kann sich irren. 


Wo ist das Schweizer Gold? Die SNB schweigt 
(handelszeitung.ch) Die Notenbanken in Deutschland und Österreich geben Details zu ihren Goldbeständen im Ausland bekannt. Sie wollen die Reserven überprüfen. Die Schweizerische Nationalbank sieht keinen Handlungsbedarf - und setzt auf Geheimhaltung. Lesen...

Kommentar/Ergänzung: Was ist nur los, in der Mitte Europas. Die Goldsuche beschäftigt auch die Schweizer. Scheinbar ist die Schweizer Nationalbank (SNB) aber sehr viel konsequenter als die Deutsche Bundesbank. Es wird eisern geschwiegen. Schon im März stellte 20min.ch die Frage, „Wo liegt das Schweizer Volksvermögen?“ (hier) und schreibt: „Die Schweizer Nationalbank lagert palettenweise Gold im Ausland. Wie viel – und vor allem wo – ist geheim. Angesichts enormer Staatsschulden wollen Politiker die Barren in die Schweiz zurückholen.“ Überraschend, dass selbst die SNB ihr Gold im Ausland lagert, mehr ist jedoch nicht bekannt. Es gibt auch in der Schweiz eine Initiative „Rettet unser Schweizer Gold“. Selbst die Österreicher hat das Goldfieber gepackt. Der KURIER titelt „Österreichs Goldschatz wird nachgezählt“ (hier). Immerhin „280 Tonnen Gold lagert die Nationalbank in Wien, London, Zürich, Basel. Der Rechnungshof wird die Nationalbank prüfen - dabei wird auch geschaut, wieviel wo lagert“, schreibt die Zeitung. Offensichtlich ist der Virus ansteckend und von Deutschland auf Österreich übergesprungen: „Geheimniskrämerei bietet viel Platz für Vermutungen und Verschwörungstheorien. So auch, wenn es um die Goldbestände der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) geht. "Wie in Deutschland ist auch in Österreich ein unzulänglicher Umgang mit den Goldreserven zu vermuten", ließ FPÖ-Abgeordneter Gerhard Deimek am Dienstag in einer Aussendung wissen. Er fordert, dass das OeNB-Gold "samt und sonders auf österreichisches Hoheitsgebiet gebracht" wird.“ Nachzuvollziehen ist diese plötzliche Aufregung nicht, aber offensichtlich zerstört die Krise in Europa endgültig auch das allerletzte Vertrauen.  


Attac zu Amnesty-Report: Kürzungspolitik nur noch mit Gewalt durchsetzbar
(attac.de) Wie ein heute in Madrid präsentierter Bericht von Amnesty International belegt, ist die wachsende Polizeigewalt in den von der Kürzungspolitik am stärksten betroffenen europäischen Ländern erschreckend. Die Kaputtsparpolitik hat längst jede Mehrheit in der Bevölkerung verloren und kann nur noch mit Gewalt durchgesetzt werden. Sie ist daher nicht nur sozial ungerecht und ökonomisch falsch, sondern auch undemokratisch. Die EU-Eliten – darunter auch die deutsche Bundesregierung – treiben die breite Bevölkerung in die Armut, während sie Vermögende und Banken retten und schützen. Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Gestern haben wir über Attac gemeckert (hier). Es ging um „Deutschland will direkten Zugriff auf griechische Steuereinnahmen“. Zufällig meldet sich heute Attac zu Wort und moniert den Anstieg der staatlichen Gewalt gegen die Menschen in den Krisenländern. Trotzdem noch kein Grund für uns, den Vorwurf des untätigen Zusehens zurückzunehmen. Sehr empfehlenswert der Bericht von Amnesty International (hier), leider nur in Englisch verfügbar. Immerhin fordert das europäische Attac-Netzwerk „eine völlige Umkehr der desaströsen europäischen Krisenpolitik: Notwendig ist unter anderem die überfällige Regulierung der Finanzmärkte, eine koordinierte Einführung von Vermögens- und höheren Kapitalertragssteuern sowie eine solidarische europäische Wirtschaftspolitik.“ Ein Anfang.


"Die strukturellen Probleme in Europa kann die EZB nicht lösen"
(format.at) Die Geldpolitik kann laut EZB-Direktoriumsmitglied Peter Praet die ursächlichen Gründe der derzeitigen Krise nicht angehen. Er warnte auch, dass eine reichliche Liquiditätsversorgung unerwünschte Nebeneffekte schaffen kann. Es sollte bedacht werden, dass “die Geldpolitik dämpfende Wirkung haben kann, aber nicht die zugrunde liegenden Probleme, die häufig struktureller Natur sind, lösen kann”, erklärte Praet in einer Rede in Mailand. “Zudem kann die Schaffung von reichlicher Liquidität selbst Nebenwirkungen verursachen, die sorgfältig überwacht werden müssen.” Lesen…

Kommentar: Warum kommt Praet heute mit Erklärungen daher, die den Verantwortlichen schon lange bekannt sein müssen und nicht einer besonderen Erwähnung bedürfen? Die Menschen draußen interessieren solche Spitzfindigkeiten kaum, die wollen endlich klare Vorgaben, um an ein Ende der Krise glauben zu können. Politiker-Sprechblasen machen die Sache nur noch schlimmer. Noch so eine „Weisheit“, die kommt von Jörg Asmussen: “Wir brauchen eine langfristige Strategie für eine stabilere gemeinsame Wirtschafts- und Währungsunion. Es ist an der Zeit, die Konstruktionsfehler der Währungsunion zu beheben.” Schon, aber erst nachdem die Bankenkrise gelöst wurde. Alles andere ist Unfug.   


Frankreichs Banken im Visier von S&P
(format.at) 60 Milliarden € pumpte der französische Staat in seinen Banken-Sektor, trotzdem gab es jetzt Herabstufungen des Ratings. Die Ratingagentur Standard & Poor's stuft die Ratings von BNP Paribas SA und zwei kleinere französische Banken herab. Für zehn weitere Banken wird der Ausblick von stabil auf negativ revidiert. Lesen…

Kommentar: Für unsere LeserInnen dürfte diese Nachricht keine Überraschung sein: schon mehrfach haben wir auf dieses Ereignis hingewiesen. Dabei wird es nicht bleiben. Der Druck auf den Euro wird durch den Druck auf Frankreich erhöht. Diese Entwicklung wird so weitergehen, bis Frankreich auf Ramsch-Niveau heruntergestuft ist. Mittlerweile ist es ja verpönt, die Ratingagenturen zu kritisieren (hier). Nur bleiben wir davon überzeugt, was mit Europa getrieben wird ist eine abgekartete Sache, motiviert durch politische Interessen und grenzenlose Spekulationslust. Außerdem höchst professionell orchestriert, ein ganz großes Schauspiel, dessen Regisseure in der Wall Street und die wichtigsten bei Goldman Sachs sitzen. Niemand liefert uns bis heute dafür einen stichhaltigen Gegenbeweis. Es ist eine objektive Tatsache, dass die US-amerikanischen Probleme bei sachlicher Betrachtung weit über die der europäischen hinausgehen. Zusätzlich belastet wird die Situation durch die erfolglose Politik eines amtierenden Präsidenten, der natürlich wiedergewählt werden möchte. Dafür wurden Kulissen geschoben, in den USA (hier), in Europa (hier), in der Welt (hier). Die Ratingagenturen gehören zu den unmittelbaren Mittätern bei den kriminellen Machenschaften, die zu der Finanzkrise 2007/2008 geführt haben. Irgendeine Verantwortung dafür mussten sie bis heute nicht übernehmen. Im Gegenteil, immer wieder wird Rücksicht geübt, ihnen sogar Absolution erteilt. An der Entwicklung in Europa haben die Agenturen höchste finanzielle Interessen, sie verdienen mit – in jedem Fall und bei jedem noch so kleinen Ereignis, das sie verursachen. Diese Tatsache zerstört nach wie vor unser Vertrauen in diese Handlanger der Krise.   


One Quarter Of All Spanish Workers Without A Job: Female Unemployment In Ceuta Region Hits 57%
(zerohedge.com) One in four Spaniards are now officially out of work - well over double the euro-area's average 11.4% rate. This is the highest rate of unemployment since the Franco dictatorship ended in the mid-1970s as 5.8 million now stand idle. Perhaps more stunning is the fact that eight of the bailout-nation's regions have higher unemployment rates than the national average with Cueta at a stunning 41.03% (with women's unemployment rate in that region an almost incomprehensible 56.92%)!! The YoY increase of almost 800,000 people unemployed leaves 1.74 million households with no members employed. As one would expect, loan delinquencies are also surging as Caixabank just almost doubled its pool of bad loans in the third quarter. While Rajoy fiddles.... Read more…

Kommentar: Die in diesem Beitrag angebotenen Daten und Grafiken sprechen für sich. Europas Krisenpolitik ist gescheitert.  


Vetternwirtschaft: Familie von Wen Jiabao scheffelt Milliarden
(ftd.de) Die Angehörigen von Chinas Regierungschef gehören offenbar zu den reichsten Menschen dieser Welt. Das ergaben Recherchen der "New York Times". Die Website der Zeitung wurde nach Erscheinen des Berichts in der Volksrepublik gesperrt. Lesen… 

Kommentar/Ergänzung: Wir verkneifen uns einen Kommentar. Eine Überraschung war es für uns nicht: „Es gibt keine Grenze für das, was Menschen aus Habgier zu tun bereit sind“ (Henning Mankell). „China: Sippenwirtschaft im Kommunismus“ schreibt heise/telepolis.de (hier). Die Financial Times Deutschland  schreibt prompt über „Chinas moralischer Verfall“ (hier) und schreibt in der Einleitung: „Manch westlicher Manager überschlägt sich vor Begeisterung über die vermeintlich gut geölte Planmaschinerie Chinas. Für die Bevölkerung ist es dagegen eine Sensation, wenn einem Unfallopfer geholfen wird. Deshalb beginnt in höchsten KP-Kreisen eine Diskussion über Moral - mit ungewohnt offenen Worten.“  


US-Wahl 2012: Obamas Nerven liegen blank
(ftd.de) Barack Obama liegt bei weißen Wählern laut Umfragen weit hinter Mitt Romney zurück. Die Nerven liegen blank: Der sonst so gefasste US-Präsident bedachte seinen Rivalen mit einem Schimpfwort - und gab in Chicago schon mal seine Stimme ab. Lesen…

Kommentar: Wann macht Obama die entscheidenden Pünktchen? Es wird Zeit, Mr. President. Obamas Plan for a Second Term gibt es hier. Mitt Romney haut hier Ideen raus. Sagenhaft 12 Millonen neue Jobs sollen es beispielsweise werden, in etwa die Anzahl, die Amerika durch die Finanzkrise verloren hat. Der Mann muss ein Zauberer sein, oder? In Amerika gibt es über 88 Millionen Erwerbsfähige, die dem Arbeitsmarkt angeblich nicht zur Verfügung stehen


Eine erschreckende Zahl, die außerdem bei der Berechnung der Arbeitslosenquote nicht berücksichtigt wird. Ein Blick auf die wahrhaftigen Arbeitslosenzahlen bei John Williams' Shadow Government Statistics (hier) zeigt das ganze Ausmaß der Tragödie am US-Arbeitsmarkt. Eine Arbeitslosenquote von weit über 20%, höher als zu Zeiten der Great Depression:

Dagegen ist die europäische Arbeitslosenqoute geradezu ein Fest für die Sinne: 11,4% in der Euro-Zone, 10,5% in der EU (hier). 


In eigener Sache II:
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.