Sonntag, 28. Oktober 2012

Standpunkt 432 - Nachrichten-Ticker, 27.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Bankenrettung in Europa Spanien – Griechenland - Luxemburg – Euro – Wachstum in der Krise – Zeitarbeit in Deutschland – Deutsche sparen weniger - US-Wahlkampf


In eigener Sache I:
Ein Update 2.0 zum Thema „Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht“ steht hier für unsere LeserInnen bereit. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Außerdem möchten wir uns auf diesem Weg für das riesige Interesse an diesem Beitrag bedanken. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn weiter zu machen wie bisher. 


Europa rettet die Banken, die Menschen landen auf der Straße
(format.at) Das Beispiel Spanien zeigt, woran Europa krankt. Bis zu 100 Milliarden € sollen aufgewandt werden, um den notleidenden spanischen Banken unter die Arme zu greifen. Jenen Banken, die noch vor wenigen Jahren ein gutes Geschäft darin sahen, jedem Spanier einen Kredit anzudrehen, so dass er oder sie eine Eigentumswohnung oder ein Haus erstehen konnte. Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Berichte über die Zustände in den Krisenländern kann es nicht genug geben. Dieser beschreibt eine unglaubliche Entwicklung in Spanien, einer der größten und wichtigsten Volkswirtschaften Europas. Sehr empfehlenswert auch die Reportage des ZDF, auf die am Schluss des Beitrages hingewiesen wird. Besonders tragisch: Die Banken sind nicht zu retten. Zu den Problemen aus der Zeit der Finanzkrise, in Europa geht es um rund 18 Billionen Euro (hier), kommen neue Probleme hinzu. Verursacht durch eine an die Rettungsmilliarden gekoppelte Sparpolitik, die beispielsweise in Spanien die Arbeitslosenquote mittlerweile auf über 25% getrieben hat (hier). Die Grafik am Ende des Kommentars zeigt sehr anschaulich die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Spanien, Portugal, Griechenland und Irland seit Beginn der deutschen Austeritätspolitik für Europa. Neue Kreditausfälle sind die Folge, neue Räumungsmaßnahmen, ein Kreislauf. Wie schnell sich die Dinge verschlechtern, zeigen zwei weitere Grafiken, ebenfalls am Ende des Kommentars: Das Volumen zweifelhafter, möglicherweise uneinbringlicher Kredite hat sich alleine von Januar bis Juni 2012 um rund 20 Milliarden Euro erhöht.

Die ZDF-Reportage lässt erahnen, warum die Banken so rigoros gegen die Alteigentümer vorgehen, statt sich mit ihnen zu arrangieren: Die „überzähligen“ Schulden [das sind eigentlich Forderungen an Kunden, denen aber in Folge die Krise die Sicherheiten abhanden gekommen sind, der Verf.] werden einfach dem Staat aufs Auge gedrückt.  Deshalb werden die Zinsen skrupellos nach oben getrieben, obwohl die Banken billiges Geld regelrecht in den Hintern geschoben bekommen. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob die Darlehen nicht, oder wenigstens noch teilweise, bedient werden. EU/EZB/IWF werden es den Banken schon richten, die Menschen dafür in die Schuldenknechtschaft genommen. Es ist immer wieder das gleiche Spiel. Mit welcher Berechtigung glauben wir Deutschen eigentlich, dass dieser Kelch an uns vorüber geht? Es gibt keine. Der einzige Unterschied ist der, dass die Krise in Deutschland zuletzt ankommt und die Deutschen deshalb genügend Zeit haben, sich gründlich darauf vorzubereiten. Macht aber kaum jemand. Wir hören es ständig: Deutschland geht es gut, uns wird schon nichts passieren, die Merkel wird es schon richten, usw. Wir glauben, so ähnlich haben sich die Deutschen auch in den 1920er und 1930er Jahren verhalten, sind blindlings ihren Politikern gefolgt und ins Verderben gerannt (hier). Nicht nur die Politiker haben dieses Problem, auch ihre Wähler: "Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."  (George Santayana, amerik. Philosoph, 1863 – 1952) 





  

In Spanien stehen 800.000 Immobilien leer 
(welt.de) In Spanien gibt es Ferienimmobilien längst zum halben Preis – nun geht es noch weiter bergab. Pleite-Firmen schwemmen den Markt mit Schnäppchen aus der Konkursmasse. Doch es gibt Ausnahmen. Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Täglich kommen einige Hundert neu dazu. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Wer mit einer Ferienimmobilie oder einem Alterssitz in Spanien liebäugelt, der muss weiter Ruhe bewahren und abwarten, die Preise haben den Boden noch nicht erreicht, da ist noch viel Platz nach unten. Unabhängig vom Preis sollte der Kauf einer Immobilie in Spanien sowieso gut überlegt sein. Nehmen die Probleme in Spanien weiter zu, womit fest gerechnet werden kann, dann dürften die Sympathiewerte gegenüber den Deutschen ähnlich heftig in den Keller gehen wie die Immobilienpreise. Die folgende Grafik zeigt die durchschnittliche jährliche Preisentwicklung in Spanien von 2002 zu 2012, gemessen jeweils im August:  

Quelle: zerohedge.com, 2012

Milliardenverluste: EU bereitet Hilfszahlungen an spanische Bankia vor
(ftd.de) Spaniens Bankenbranche macht gute Fortschritte, urteilen EZB und EU-Kommission. Die angeschlagene spanische Bankengruppe Bankia hat für die abgelaufenen neun Monate einen Verlust von 7,05 Mrd. Euro bekanntgegeben. Fast zeitgleich hieß es von Seiten der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Union (EU) am späten Freitag, dass die erste Hilfszahlung für die Bankenbranche des Landes kurz bevorstehe. Im Vorjahreszeitraum hatte Bankia noch einen Pro-Forma-Gewinn von 295 Mio. Euro erzielt. Lesen…

Kommentar: Lug und Trug, die Sache mit den guten Fortschritten. Aber die Zeit drängt, die spanischen Banken brauchen dringend frisches Geld, da muss schon mal, nach alter Politikermanier, munter drauflos gelogen werden. Über die Höhe der Zahlung ist noch nichts bekannt geworden.  


Griechenland: Immobilienmarkt steht vor dem Kollaps 
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Eine steigende Zahl von Häusern in Griechenland steht leer. Viele Griechen ziehen in kleinere Wohnräume, weil sie sich größere Wohnungen nicht mehr leisten können. Daher sind viele Mieter auch mit ihren monatlichen Zahlungen im Verzug. Die Vermieter müssten trotzdem Steuern zahlen. Lesen…

Kommentar: In Griechenland sind es mittlerweile über 300.000 Häuser, die leer stehen. Nur zum Vergleich: Griechenland hat knapp 10 Millionen Einwohner, Spanien hat rund 47 Millionen Einwohner. Sollte sich die Entwicklung gleichen, dann könnte sich die Zahl der leerstehenden Immobilien, gemessen an der Einwohnerzahl, in Spanien noch nahezu verdoppeln.  


Luxemburg: Weniger Defizit, mehr Gesamtschulden 
(wort.lu) Neue Daten zu Defizit und Verschuldung in der EU und im Euro-Raum - Luxemburg mit drittniedrigstem Schuldenstand. Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Luxemburg zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung von Defizitquote und Staatsschulden. Hinter Estland und Bulgarien(!) hat das Land die niedrigste Verschuldung. „Juncker-Land“ ist nur zu wünschen, dass es keine Probleme mit den Schulden der Privathaushalte und Unternehmen bekommt. Luxemburg liegt in diesem Bereich einsam an der Spitze in Europa, noch vor Irland und Großbritannien. Löblich: Die Luxemburger zahlen pro Kopf den höchsten Anteil an den Rettungsmilliarden in Europa. 


Der Euro hat Europa nicht geeint 
(faz.net) Es gibt mehr Integration in der EU, aber die Währungsunion driftet auseinander. Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Der Beitrag ist in der Reihe Sonntagsökonom der F.A.S. erschienen. Uns erinnert das mehr an einen „Sonntagsfahrer“. Dieser Anspruch war dem Euro auch gar nicht in die Wiege gelegt worden. Heute wird dieses Ansinnen von den Euro-Gegnern gerne dazuinterpretiert. Der Euro steht in Wahrheit für einen einheitlichen, großen, überwiegend kaufkräftigen Markt, mit tollen Möglichkeiten für die multinationalen europäischen Konzerne, allen voran natürlich die deutschen. Außerdem sollte der Euro als Welt-Reserve-Währung aufgebaut werden, immerhin erreichte er zu Spitzenzeiten einen Anteil von über 30% am Welthandelsvolumen, aktuell sind es nur noch knapp über 20%. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf unseren Beitrag „Der Euro: treibende Kraft in einem globalisierten Finanzsystem“ (hier). Es handelt sich um eine Rede des spanischen Ökonomen Eugenio Domingo Solans, die er im Auftrag der EZB am 11. November 2002 vor der Spanisch-Schweizerischen Handelskammer in Zürich gehalten hat. Solans war bis zu seinem Tod 2004 das erste spanische Mitglied im Direktorium der EZB. Das sollte genügen. 


„Ohne Wachstum geht es nicht“ 
(tageblatt.lu) Aus der Konvergenz der europäischen Staaten bis zur Finanzkrise, ist seitdem eine Teilung geworden, die frühestens in zehn Jahren endet. Das ist die Auffassung, die Professor Karl-Heinz Paqué vor der Alphonse Weicker Stiftung vertrat. Lesen…

Kommentar: Paqué spricht einerseits von Wachstum, andererseits meint er, die Peripheriestaaten müssten ihre Hausaufgaben machen. Welche er meint, lässt er offen. Das augenblickliche Spardiktat für diese Länder steht dem empfohlenen Wachstum jedenfalls entgegen. Er meint Wachstum durch „Patente und Produktrealisierung“, beides Dinge, die sich nicht so ohne weiteres in den betroffenen Ländern realisieren lassen, was nur wieder für Länder wie Deutschland Vorteile bringt. So etwas kommt von Bildung, ein Bereich, in dem die Krisenländer massive Einsparungen vornehmen sollen. Paqué spricht über die neuen Armenhäuser Europas, die Menschen dort haben andere Sorgen als Erfinden und Entwickeln.


Zeitarbeiter vor den Trümmern 
(sueddeutsche.de) Der Lkw-Hersteller MAN läuft auf Notbetrieb, Tausende Zeitarbeiter werden sofort ihren Job verlieren. Man kann dem Unternehmen seine falsche Unternehmenspolitik durchaus vorwerfen - doch MAN überbringt auch eine schlechte Nachricht für die gesamte Wirtschaft. Lesen…

Kommentar: Macht das „Schule“, dann kriselt es in einem Arbeitsmarktsegment, in dem sich mittlerweile knapp 1 Million Arbeitnehmer tummeln. Ein dickes Problem für das Jobwunder Deutschland.    


Jeder vierte Deutsche kann kein Geld mehr sparen
(welt.de) Die Deutschen legen einer Studie zufolge weniger zur Seite. Auffällig ist dabei, dass es mittlerweile beim Sparverhalten keine Unterschiede zwischen Ost und West mehr gibt. Lesen… 

Kommentar: Also doch, die Armut beschränkt sich nicht auf das Alter. Als nächstes wird die Sparquote die 10%-Marke durchbrechen – nach unten. Aber es gibt ja auch noch gute Nachrichten, Deutschland will ab 2014 keine Schulden mehr machen.    


US-Wahl 2012: Wähler? Ausgeschlossen!
(sueddeutsche.de) Auch wenn der texanische Generalstaatsanwalt mit Strafverfolgung droht: In den USA gibt es für Wahlbeobachter einiges zu tun. Restriktive Wahlgesetze und gezielte Fehlinformationen sorgen vor den Präsidentschaftswahlen für Unruhe. Lesen…

Kommentar: Eine treffliche Analyse, an deren Schluss man unmissverständlich zu dem Ergebnis kommt, dass die Wahlbeobachter in den USA dringend gebraucht werden. „Texas droht OSZE-Wahlbeobachtern“ schreibt ebenfalls die Süddeutsche zum gleichen Thema (hier): Es sind Drohungen, wie sie die OSZE von demokratischen Staaten normalerweise nicht erlebt: „Der texanische Generalstaatsanwalt stuft Wahlbeobachtung bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen als potenziell kriminellen Akt ein.“ Möge sich jeder seine eigene Meinung bilden.


Obama and the Road Ahead: The Rolling Stone Interview
(rollingstone.com) In an Oval Office conversation with a leading historian, the president discusses what he would do with a second term – and his opponent's embrace of 'the most extreme positions in the Republican Party'. Read more…

Kommentar: Ein langes Interview mit dem Amtsinhaber, der nun schon seit einigen Tagen in verschiedenen Umfragen unter Druck steht. Lediglich Huffington Post sieht Obama klar vorne (hier). Beim Rest sieht es so aus: 



In eigener Sache II:
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.