Dienstag, 30. Oktober 2012

Standpunkt 434 - Nachrichten-Ticker, 29.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Deutschlands Reichtum Lebensversicherung – Beraten und verkauft – Banken sind „sicher“ – Spanien – Griechenland – Europa – US-Konzerne – US-Wirtschaft


In eigener Sache I:
Ein Update 2.0 zum Thema „Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht“ steht hier für unsere LeserInnen bereit. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Außerdem möchten wir uns auf diesem Weg für das riesige Interesse an diesem Beitrag bedanken. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn weiter zu machen wie bisher. 


Reichtum groß wie nie: Deutsche setzen auf schnelles Geld
(ftd.de) Das Vermögen deutscher Privathaushalte steigt leicht - aber auf das Rekordniveau von 4811 Mrd. Euro. Dabei zeigt sich: Die Deutschen haben derzeit gern schnellen Zugriff auf ihr Geld, langfristige Anlagen sind out. Die Bundesbank sieht Parallelen zur Zeit des Dotcom-Booms. Lesen…

Kommentar: Liest sich super. Der Haken daran: Den größten Teil der Menschen betrifft es nicht. Das Ungleichgewicht hat weiter zugenommen. Nur die Reichen sind reicher geworden. Die deutschen Leitmedien beginnen damit, das Gegenteil zu behaupten, um den Eindruck zu vermitteln, alle Deutschen profitieren von der exportorientierten Wirtschaft und der tollen Politik der Bundesregierung

Quelle: fondsprofessionell.at

Der verzweifelte Kampf um die Lebensversicherung 
(handelsblatt.com) Die Deutschen kaufen immer weniger Lebensversicherungen. Doch der größte Versicherer im Lande möchte seinen Verkaufsrenner noch nicht abschreiben. Was von den Argumenten der Allianz zu halten ist. Lesen…

Kommentar: Ein Artikel, der den Gesellschaften nicht weh tut. Was wir schon wieder vermissen ist der wichtige Hinweis auf § 89 Versicherungsaufsichtsgesetz. Die Auswirkungen sind weitreichend und vernichten Vermögen. Der folgende Auszug stammt aus unserem Beitrag „Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht“ (hier): 

«Durch diese Vorschrift ist es u. a. möglich, Auszahlungen aus Lebensversicherungsverträgen ganz oder teilweise zu stoppen. Entweder wenn die Vermögenslage des betroffenen Unternehmens dies erfordert, oder wenn der Staat per Enteignungsgesetz (gemäß Artikel 14 Abs. 3 GG) sich den Zugriff sichert. Außerdem wird festgelegt, dass die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Beiträge in der bisherigen Höhe weiterhin zu bezahlen, vom Auszahlungsstopp unberührt bleibt. So eine Regelung lässt nur den Schluss zu, dass Konzerne und Politik mit dem Schlimmsten rechnen und schon frühzeitig darauf vorbereitet sein wollen. Im Gesetz heißt es: „Alle Arten Zahlungen, besonders Versicherungsleistungen, Gewinnverteilungen und bei Lebensversicherungen der Rückkauf oder die Beleihung des Versicherungsscheins sowie Vorauszahlungen darauf, können zeitweilig verboten werden.“ Damit sind jederzeit rückwirkende Eingriffe möglich. Beispiel: Verliert eine der Gesellschaften im Verlauf der Euro-Krise große Teile ihres angelegten Vermögens, so erlaubt diese Vorschrift, zukünftige und/oder laufende Leistungen zu versagen, die vereinbarten Beiträge müssten aber weiter bis zum Vertragsende bezahlt werden. Leistungen am Vertragsende gibt es nicht.
Für Hypothekenfinanzierungen, bei denen eine oder gar mehrere Versicherungen als Sicherheit oder zur Tilgung eingesetzt werden, kommt es zu einer völlig irren Situation: Die Sicherheit für die Hypothek ist weg und/oder die Tilgung ist schlagartig auf Null gestellt. Folge: Die Bank will neue Sicherheiten, einen Ausgleich für die verlorenen Ansprüche aus der für die am Ende der Versicherungslaufzeit vorgesehene Tilgung, im schlimmsten Fall kommt es zur Zwangsversteigerung. Obwohl jeden Monat pünktlich die Beiträge gezahlt wurden und genau diese Beiträge weiter bezahlt werden müssen, ohne noch irgendeinen Wert zu haben. Die neue Tilgungsvereinbarung mit der Bank belastet den Etat zusätzlich. Jeder kann sich selbst an Hand seiner eigenen Situation die Folgen einer solchen Entwicklung überlegen.
In unseren Augen ein besonders perfides Mittel, um sich irgendwann diesen Teil von „Volkes Vermögen“ unter den Nagel zu reißen. Der Staat hat doppelten Nutzen. Die Sache geht so: Die Versicherungsgesellschaften werden lange vor dem finalen Ereignis per „Financial Repression“ aus „Sicherheits- und Liquiditätsgründen“ dazu verdonnert, gering verzinste oder – noch besser - gleich gar nicht verzinste Staatsanleihen zu kaufen. Diese Anleihen werden später konsequenterweise für wertlos erklärt. Den dadurch in Not geratenen Gesellschaften verbietet man die Auszahlung von Leistungen, während die Pflicht zur Beitragszahlung für die Versicherten bestehen bleibt.»   

Diese Vorschrift lässt nur eine Konsequenz zu: Auflösen aller Kapital-Lebensversicherungen mit Rest-Laufzeiten von mehr als zwei Jahren. Wer noch keine Lebensversicherung hat, muss dabei bleiben. Wer sich unbedingt gegen das Todesfall-Risiko absichern will, der darf nur noch eine Risiko-Lebensversicherung abschließen. Alle anderen bekommen irgendwann das Fell über die Ohren gezogen! Der Staat wird von dieser Vorschrift skrupellos gebrauch machen.


Beraten und verkauft
(zeit.de) Die Regierung will Anleger besser schützen. Aber mit dem Verbot von Provisionen tut sie sich schwer. Lesen…

Kommentar: Dieser Beitrag öffnet die Augen. Es ist wie immer: Zuerst großartige Ankündigungen, die sich am Ende weitestgehend verflüchtigen. Was bleibt, ist nicht der Rede wert, wie sich auch in diesem Fall wieder deutlich zeigt. Die Anleger werden weiter alleine gelassen, wenn es um Höhe und Nachweis der Provision geht.   


77 Prozent glauben, dass das Geld bei den Banken "sicher" ist
(format.at) Rechtzeitig zum Weltspartag ist das Vertrauen in die österreichischen Banken laut einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes "Spectra" im Auftrag der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) wieder gestiegen. Lesen…

Kommentar: Eine für uns überraschende Nachricht aus Österreich. Die heimischen Banken genießen offensichtlich ein hohes Ansehen bei ihren Kunden. Vielleicht liegt es ja daran: bei der Raiffeisen gibt es eine 100%ige Einlagensicherung. Es geht aktuell um immerhin 51 Milliarden Euro Spareinlagen. Bei einem Eigenkapital von insgesamt 11,5 Milliarden Euro zum 31.12.2011 (hier) trotzdem ein hoher Anspruch, wenn man außerdem bedenkt, dass die Einlagensicherung der Raiffeisenbanken in Österreich den Fall einer Pleite nicht überleben wird. Ohne staatliche Hilfe geht da definitiv nichts. 


Spanien: Höhere Mehrwertsteuer setzt Einzelhändler unter Druck
(diepresse.com) Die auf 21 Prozent angehobene Verbrauchssteuer bescherte den Einzelhändlern den stärksten Umsatzeinbruch seit über sechs Jahren. Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Die spanische Regierung wird ähnliche Erfahrungen machen wie die griechische: Ihre Sparbemühungen werden in wichtigen Bereichen scheitern. Einfach, weil sie von völlig falschen Annahmen ausgeht. Die Mehrwertsteuererhöhung ist ein Beispiel dafür. Wie dramatisch die Entwicklung ist, beschreibt sehr anschaulich querschuesse.de: „Paukenschlag in Spanien: reale Einzelhandelsumsätze mit -12,6%“. Der Autor schreibt u. a.: „Wie es nicht anders zu erwarten war, feuert diese Erhöhung der Mehrwertsteuer die Abwärtsbewegung prozyklisch an, weiter werden die volkswirtschaftlichen Schäden mit voller Kraft maximiert. Die realen Einzelhandelsumsätze brachen im September 2012 mit der monatlich höchsten Rate seit Beginn der Datenreihe im Januar 1995 ein“ (hier). Die Grafiken in dem Beitrag zeigen augenfällig, was schief läuft.  


"Spanien wird 2013 nicht mehr in der Lage sein, sich aus eigener Kraft zu finanzieren"
(format.at) Die in dieser Woche anstehenden Wirtschaftsdaten aus Spanien werden das Ausmaß der Misere enthüllen, in die Europas viertgrößte Volkswirtschaft geraten ist. Die Regierung in Madrid ringt darum, den Anstieg des Haushaltsdefizits einzudämmen und ein Gesuch um internationale Hilfe zu vermeiden. Doch die anstehenden Konjunkturdaten könnten untermauern, dass Wirtschaft und Verschuldung eine weitere Zuspitzung der Lage anzeigen, während das Land die größten Einsparungen seit Rückkehr zur Demokratie vor drei Jahrzehnten vornimmt. Lesen…

Kommentar: Quo vadis, Europa? Wer beendet dieses nutzlose Treiben von der „Bankenrettung um jeden Preis“? Die deutsche Kanzlerin offenbar nicht, die hat bereits ihre Wiederwahl 2013 im Kopf. Europa spielt in den nächsten Monaten eine untergeordnete Rolle. Eine Krisenlösung auf Sparflamme werden wir erleben. Hoffentlich halten sich auch die Spekulanten daran, vielleicht versucht Merkel demnächst einen „Waffenstillstand“ bis nach der Bundestagswahl zu vereinbaren. Das Problem ist nur: Die Spanier lassen sich nicht besänftigen. Die Volksseele kocht und Katalonien probt den Aufstand, die Abspaltung von Spanien (hier).


Wie Griechenland seine Steuerhinterzieher sucht
(faz.net) Griechenlands Steuerfahnder untersuchen 5000 Konten, ob von dort unversteuertes Geld ins Ausland gebracht wurde. Im Visier sind auch Politiker der Regierungspartei Nea Dimokratia.. Lesen…

Kommentar: Schon allein dafür hat sich der Einsatz gelohnt, die Liste zu veröffentlichen. Nach neuesten Erkenntnissen sollen auch hohe Steuerbeamte dabei sein. Bei dieser Gelegenheit erinnern wir an die Schwarzgeldkonten der CDU in der Schweiz und anderswo (hier). Die waren Realität, obwohl sie längst aus der Erinnerung der Menschen verschwunden sind.

  
"Ossis" gestern und Griechen heute
(heise/telepolis.de) Jörg Roesler über das DDR- und Griechenlandbild in der Öffentlichkeit und der Realität. Der Wirtschaftshistoriker Jörg Roesler sieht Parallelen zwischen dem westdeutschen Bild von der DDR und dem heutigen deutschen Bild von Griechenland. Ihm zufolge stürzt sich das Image in beiden Fällen nicht nur auf Tatsachen, sondern auch auf Ressentiments, die über Medien und die Politik verbreitet werden.. Lesen…

Kommentar: Sehr umfangreich, dieser Beitrag. Für uns trotzdem die Tagesempfehlung. Es lohnt sich. Vor allen Dingen die Fakten sind erstaunlich. Nichts davon findet sich in den deutschen Leitmedien. Das hat wohl seinen Grund.


Trügerische Ruhe in Europa
(manager-magazin.de) Die EZB hat die "Dicke Bertha" einsatzbereit gemacht, die Zinsen sind gesunken. Aber die Krise ist längst nicht vorbei. Bis Weihnachten müssen die Regierungen zeigen, dass sie es mit der Zukunft des Euro ernst meinen. Sonst drohen heftige Rückschläge. Lesen… 

Kommentar: Eine erfolglose Besorgnis, die der Autor zeigt. Die Politik wird nicht „liefern“, wie er es dringend fordert. Die Regierungen erstarren in nahezu vollkommener Handlungsunfähigkeit (hier), bestenfalls in der Lage, das Allerschlimmste zu verhindern. Für den Rest wird weiter auf Zeit gespielt. Europapolitik ist deutsche Politik, bestimmt von Angela Merkel und bei der ist „aussitzen“ die wichtigste Fähigkeit.  


Bundesstaat Europa — und das Leben macht wieder Sinn
(presseurop.eu) Beim Anblick spanischer Demonstranten verfällt der italienische Schriftsteller Claudio Magris in tiefe Traurigkeit aus Sorge um die junge Generation. Das Mittel, um Selbstverwirklichung, Glück und Stabilität zu erreichen? Ein starkes Europa: dezentralisiert, föderalistisch und respektiert. Lesen…

Kommentar: Noch ein absolut lesenswerter Beitrag. Alles richtig, was Magris schreibt. Nur der Zeitpunkt für den Bundesstaat Europa ist noch nicht gekommen. Die aktuelle Krise ist damit nicht zu lösen, so verlockend dieser Gedanke auch sein mag. Es wäre geradezu fatal, den augenblicklichen Status in dieses neue Europa mit zu übernehmen. Bedauerlicherweise ist die Gefahr sehr groß, dass der Euro in den nächsten Wochen oder Monaten, verursacht durch verantwortungslose Politiker, auseinanderbricht und damit auch die EU in höchste Gefahr gerät.   


US-Konzerne hängen Europas Firmen ab
(spiegel.de) Berater sehen harte Zeiten auf europäische Unternehmen zukommen: Laut einer Studie von Ernst & Young arbeiten US-Konzerne deutlich profitabler. Die Forderung der Experten: Die Europäer müssen mit harten Sparprogrammen gegensteuern. Lesen…

Kommentar/Ergänzung: Was für ein Nonsens. Auf den natürlich das Handelsblatt auch sofort reinfällt: „US-Giganten stellen Europas Konzerne in den Schatten“ (hier). Natürlich ein ideales Argument dafür, in Deutschland die Löhne und Gehälter niedrig zu halten und den Weg für den Abbau von Arbeitsplätzen zu bereiten. Die Ursachen der Gewinne der US-Konzerne sind riesige Bestände an Liquidität, mit denen gerade günstig Gewinne zusammenspekuliert werden können und massive Erleichterungen bei der Bilanzierung, die den ohnehin schon großzügigen Spielraum seit der Finanzkrise 2008 noch erweitert haben. So lassen sich wunderbare Bilanzgewinne kreieren. Es gibt ihn nicht, den ständig herbei geschriebenen Aufschwung in den USA.


"Ölunabhängigkeit der USA ist blanker Unsinn"
(diepresse.com) USA-Experte Josef Braml spricht im "DiePresse.com"-Interview über die marode US-Wirtschaft und deren Abhängigkeiten von Öl und China. Lesen…

Kommentar: Wir geben es unumwunden zu, wir kannten Josef Braml bisher nicht wirklich. Freuen uns aber über seine Aussagen zu der US-Arbeitslosenquote oder dem amerikanischen Immobilienmarkt, decken sie sich doch mit unserer eigenen Auffassung. Aber auch seine Meinung zu den anderen im Interview behandelten Themen, wie Griechenland, US-Notenbank oder China, ist nicht von der Hand zu weisen und sollte bei unseren LeserInnen Beachtung finden. Insgesamt ein bemerkenswertes Interview, das sich wohltuend von dem üblichen Einheitsbrei abhebt, der besonders gerne in den deutschen Führungsmedien gedruckt wird.


In eigener Sache II:
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de