Donnerstag, 1. November 2012

Standpunkt 437 - Nachrichten-Ticker, 31.10.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir kurz kommentieren oder ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...


Themen: Euro Rekord-Arbeitslosigkeit – Griechenland – Österreich – Ökonomie – Europa – Großbritannien – Schweiz – US-Arbeitslosenquote – Armut in Amerika – Vietnam  


In eigener Sache I:
Ein Update 2.0 zum Thema „Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht“ steht hier für unsere LeserInnen bereit. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Außerdem möchten wir uns auf diesem Weg für das riesige Interesse an diesem Beitrag bedanken. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn weiter zu machen wie bisher. 


Kampf um den Euro
(zeit.zdf.de) Vor den Suppenküchen in Athen bilden sich lange Schlangen, prügelnde Rechtsradikale jagen in griechischen Dörfern nach Sündenböcken. Beinahe täglich erschüttern Demonstrationen und Proteste das Land. Die Wiege der Demokratie versinkt in Gewalt und Anarchie. Auch in anderen europäischen Ländern spitzt sich die Situation zu. In der spanischen Hauptstadt räumt die Polizei die Wohnungen ganzer Familien, die ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen können, im Norden Italiens begehen verzweifelte Unternehmer Selbstmord. In Frankreich schließen ganze Fabriken. Und in Deutschland wächst die Sorge, auf den Schulden der anderen sitzen zu bleiben, wenn die europäische Zentralbank weiter marode Staatsanleihen kauft. Die Dokumentation "Kampf um den Euro" schildert, wie sich die Krise im Laufe des Jahres 2012 entwickelt hat. Die Autoren waren wochenlang unterwegs in Griechenland, Frankreich, Italien und Spanien. Sie zeigen, dass die kleinen Leute die Zeche zahlen für die schwerste Krise Europas in der Nachkriegszeit, fragen, wie es soweit kommen konnte und wer dafür verantwortlich ist. "Ich habe noch nie eine solche Situation erlebt, ich rechne in allen Krisenländern mit schweren sozialen Unruhen", sagt Romano Prodi, ehemaliger Präsident der EU-Kommission. Die Sparpolitik der Troika, die Griechenland aus dem Schuldensumpf führen sollte, ist längst gescheitert. "Sie behandeln uns wie ein Dritte-Welt-Land, führen sich auf wie Besatzer", klagt der Abgeordnete Nikos Tsoukalis. Die großen Südländer versinken in der Rezession. Spanien braucht nach dem Platzen der Immobilienblase Milliarden für seine maroden Banken, muss gleichzeitig seine Schulden abbauen. Sozialabbau, Arbeitslosigkeit und Massenproteste sind die Folge. "Die Medizin lautet: Der Kranke, der bereits sehr schwach ist, muss noch mehr zur Ader gelassen werden", kritisiert der ehemalige spanische Ministerpräsident Felipe Gonzales. Selbst Frankreich gerät zunehmend in Schwierigkeiten, Präsident Hollande kann viele Wahlversprechen nicht mehr halten. Und die Deutschen fürchten um ihren Wohlstand, wenn Berlin immer neue Garantien und Rettungsschirme zulässt. Zur Mediathek…

Kommentar: Unbedingt ansehen. Sollte allen die Augen öffnen, die noch an ein Wunder glauben oder daran, dass die Regierungen Europas unter Anleitung der deutschen einen guten Job machen. Es ist ein kapitaler Irrtum. Aber Vorsicht: Schäubles Kommentare können Schnappatmung verursachen!


Neue Rekord-Arbeitslosigkeit in Eurozone 
(wirtschaftsblatt.at) Die Arbeitslosenrate in der Eurozone ist auf 11,6 Prozent gestiegen. Österreich steht mit 4,4 Prozent am besten da. Lesen…

Kommentar: Traurige Zahlen. Das Ergebnis unseliger europäischer Krisenpolitik, nicht der Gemeinschaftswährung, wie ständig behauptet wird.


Griechenland: Rezession verschärft sich massiv
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Die neue Fassung des griechischen Haushaltsplans offenbart, wie schlimm es um die Wirtschaft in dem Land bestellt ist. Das BIP wird weiter schrumpfen, die Verschuldung wird weiter steigen. Lesen…

Kommentar: Alles ganz logisch, das Ergebnis nutzloser Sparpolitik. Deshalb können auch nur noch Weltfremde so tun, als seien die griechischen Zahlen eine echte Überraschung. Weil die Dinge so vorhersehbar sind, legen wir uns fest: Das Ende ist noch nicht in Sicht, selbst nicht für Optimisten wie uns. Wir hoffen völlig verkrampft auf ein bisschen Einsicht bei den führenden Politikern Europas. Leider verkrampfen wir von Woche zu Woche immer mehr – aus Angst, wir warten vergebens auf "die göttliche Eingebung"


Griechenland schont seine Reichen
(spiegel.de) Arme und Normalverdiener leiden unter immer neuen Einschnitten, doch Griechenlands Ärzte und Anwälte hinterziehen in großem Stil Steuern, Reeder kommen sogar ganz legal darum herum. Ein Journalist, der die Namen mutmaßlicher Steuersünder veröffentlicht, wird verhaftet. Wie kann das sein? Lesen…

Kommentar: Was dieser Artikel anprangert werden wir in allen Krisenländern erleben, es ist ausdrücklich nicht alleine ein griechisches Problem. Längst verfahren die Reichen in Spanien, Italien, Frankreich, nach dem gleichen Muster. Nur bei Griechenland schauen die Deutschen genauer hin. Schließlich leben die Griechen von den Groschen deutscher Sparer, so ist zumindest die öffentliche Meinung hierzulande.


Griechenland-Meldung des Monats: Warum Papandreou das Referendum über die Austeritätspolitik im November 2011 stoppte
(querschuesse.de) Ende Oktober 2011 hatte der damalige griechische Premierminister Giorgos Papandreou völlig überraschend angekündigt, die Griechen in einem Referendum über die zuvor im Gegenzug zu Finanzhilfen ausgehandelten Sparauflagen abstimmen zu lassen. Wenige Tage später machte er auf Druck der deutschen und französischen Regierung einen Rückzieher. Die Börsen feierten dies mit einem Kursfeuerwerk. Papandreou musste kurz darauf zurücktreten. Gestern am späten Abend veröffentlichte die Online-Version der griechischen Zeitung Ekathimerini einen Bericht, der eine Erklärung dafür bietet, warum Papandreou seitens Frankreich und Deutschlands unter Druck gesetzt wurde. Lesen…

Kommentar: Europa zeigt deutliche Anzeichen einer Bananenrepublik. Anders lässt sich das nicht interpretieren, was der Autor in seinem Beitrag beschreibt.


Grundbuch: Kanzler sieht Basis für Reichensteuern
(derstandard.at) SPÖ-Chef sieht Regelung für Grundbuchgebühr als Grundlage für Vermögenssteuern. Familien und Betriebe genießen Ausnahmeflut. Lesen…

Kommentar: Andere Länder, die gleichen Sitten. Europa erlebt eine ganz besondere Integration, die von gleichgelagerten Zwangsabgaben im Zuge einer breit angelegten Financial Repression. Selbst Österreich bereitet sich darauf vor. „Grundbuchgebühr wird zum Probegalopp“ titelt treffend diepresse.com (hier) und fasst den Kuhhandel so zusammen: SPÖ lässt die Bauern und Unternehmer beim Entwurf für die Grundbuchgebühr, auf den sich die Regierung am Dienstag im Ministerrat geeinigt hat, ungeschoren – und hofft so auf eine Zustimmung zur „Reichensteuer“.


Was Geld mit uns macht
(zeit.de) Der Neid auf den reichen Nachbarn, das Glück des Lottogewinns: Ökonomen erforschen immer besser, wie Geld unser Leben verändert. Was sind ihre Ergebnisse? Lesen…

Kommentar: Lesenswert, bemerkenswert, wissenswert, bedauernswert.


Europa verbietet Wetten auf Staatspleiten
(handelsblatt.com) Versicherung oder Brandbeschleuniger? An Kreditausfallversicherungen scheiden sich die Geister. Die EU wird die umstrittenen Papiere nun verbieten. Experten warnen, dass sich Investoren deshalb aus Europa verabschieden. Lesen…

Kommentar: Diese Entscheidung, sollte sie wirklich kommen, ändert nichts an der aktuellen Krise, dass muss man wissen. Diese Wetten gehen nämlich außerhalb Europas gegen Europa unvermindert weiter.


Großbritannien: Chinas Banken kehren London den Rücken
(ftd.de) Die Regeln am britischen Finanzplatz sind den Geldhäusern der Volksrepublik mittlerweile zu restriktiv. Sie weichen daher auf das laxere Luxemburg aus. Lesen… 

Kommentar: Luxemburg feiert sich bereits als wichtigsten europäischen Standort für chinesische Banken (hier). Verständlich vor dem Hintergrund, dass sich auch in Luxemburg die Reihen der Banken lichten (hier und hier). Zusätzlich steckt das bisschen heimische Industrie in Schwierigkeiten (hier), die Steuereinnahmen stagnieren, die Schulden steigen, die Krise in Europa belastet. Das Land benötigt dringend Geld. Luxemburg wird seine laschen Vorschriften deshalb bis zum Schluss verteidigen.


Schweiz: Lieber bloss Bürger als Bürge
(fuw.ch) Die UBS entschärft ihr Risikoprofil erheblich. De facto weist der Schritt der UBS in Richtung Trennbankensystem. Ein Kommentar von FuW-Ressortleiter Manfred Rösch zum Thema Staatsgarantie. Lesen…

Kommentar: Der Autor will beruhigen. Dabei ist es noch ein weiter Weg bis zu dem Stand, den er beschreibt und die Schweizer für ihre Großbanken nicht mehr bürgen müssen. Tatsächlich steckt die Regulierung noch in Babyschuhen, die fachkundige Meinung ist der Entwicklung wieder einmal zu weit voraus.  


ADP "Cancels" 365,000 Private Jobs Created In 2012
(zerohedge.com) Frequent readers know that in addition of any "data" and "numbers" out of Larry Yun's National Association of Realtors, which we openly boycott as these are consistently manipulated (recall the massive historical December 2011 revision), slanted and conflicted, the second dataset which we have mocked with a passion is anything coming out of the ADP, which every month releases its "Private Jobs" number a day before the official BLS Non-farm Payroll data. Today, our mockeries have been proven 100% spot on. The reason? A week ago, ADP announced that going forward it would coordinate with Moody's (yes, that Moody's), and especially its chief economist, SecTres hopeful (InTrade odds of actually attain that post: 0.00) Mark Zandi, to fudge adjust its data going forward. The data revision was supposed to be publicly disclosed tomorrow when the official October ADP number was released. Well, just like today's Chicago PMI (here), and so many other data points recently, this too was released early. What the early release allowed us to promptly calculate is that using the historically revised numbers, and comparing those based on the original methodology, in 2012 alone, the US would have lost a whopping... 365,000 private jobs! Putting thus number in context, according to the revised methodology, the US has generated only 1.172MM jobs in 2012 through September, or in other words, a statistical "fix" magically eliminated over 30% of what the market had previously expected were job gains, a number which the incumbent president has certain taken advantage of on more than one occasions while campaigning. Read more…

Kommentar: Wir weisen immer wieder darauf hin, wie massiv die Arbeitslosenzahlen in den USA schöngerechnet werden. Dieser Beitrag bestätigt einmal mehr unsere Meinung. Die folgende Grafik daraus macht es augenfällig: 

© zerohedge.com   

Armut in Amerika: Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher
(ftd.de) Zu Unrecht gelten die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten für alle. Tatsächlich sorgt die dortige Politik dafür, dass Arme auch arm bleiben - anders als in vielen anderen Industriestaaten. Lesen…

Kommentar: Der US-Ökonom Jeffrey Sachs beschreibt in seinem Kommentar eine schmerzhafte Wahrheit sehr deutlich. Seine Fakten sind außergewöhnlich, seine Kritik lange überfällig. Nur, wer soll diese Zustände ändern? Obama? Romney? Weder noch. Der Verfall der Bildung ist schon alt. Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre hat Amerika schon damit begonnen, die Bildung zu vernachlässigen. Es ist kaum möglich und noch weniger gewollt, gegenzusteuern.   


Vietnam: Letzte Hoffnung Auswandern
(ftd.de) Viele Vietnamesen wollen ihr Land verlassen, schreibt Leser Volker Breck [Pseudonym], der in Vietnam Familie hat. Die Löhne sinken, Bildung ist teuer und es drohen Ernteausfälle. Lesen…

Kommentar: Wir erinnern uns gleich daran, dass wir in diesem Jahr schon mehrmals über das Erfolgsmodell Vietnam, der neuen Werkbank der Welt, gelesen haben. Offensichtlich lässt sich dieses Bild des Landes nicht länger aufrechterhalten. Natürlich wurden in Zusammenhang mit dem Land Kapitalanlagen empfohlen. Wer investiert ist, muss sich dringend mit einem Ausstieg beschäftigen.


In eigener Sache II:
Die täglichen Nachrichten zur politischen Großwetterlage geben regelmäßig die Begleitmusik für ein unabwendbares Ereignis wieder: Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Welt befindet sich in einem Teufelskreis, dem die Regierungen hilflos gegenüberstehen. Europa ist mittendrin. Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Wacht endlich auf, der Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen krisenfest zu machen. Jeder besitzt etwas, das er vor staatlichem Zugriff schützen muss. Sprechen Sie dafür mit den richtigen Leuten: uns. Wir wissen worauf es ankommt und können Ihnen helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.