Samstag, 24. November 2012

Standpunkt 461 - Nachrichten-Ticker, 23.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...           


Themen: Financial Times Deutschland – Staaten und Banken Konjunktur – Merkels Superregierung – Frankreich   – Spanien – Katalonien - Europa – Griechenland - China – USA  


"Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Seit einigen Wochen steht ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Außerdem möchten wir uns auf diesem Weg für das riesige Interesse an diesem Beitrag bedanken. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher.  


"Financial Times Deutschland" wird eingestellt 
(sueddeutsche.de) Die "Financial Times Deutschland" erscheint am 7. Dezember zum letzten Mal, wie der Verlag Gruner + Jahr in Hamburg mitteilte. Verhandlungen mit möglichen Investoren waren zuvor gescheitert. Betroffen sind mehr als 300 Mitarbeiter. Das Magazin "Capital" soll in Zukunft von Berlin aus weitergeführt werden. Mehr... 

Kommentar: Eine Hiobsbotschaft. Vor wenigen Tagen erklärt die Frankfurter Rundschau ihre Insolvenz, nun wird die Financial Times Deutschland (FTD) eingestellt. Als ob Gruner + Jahr nur auf eine solche Gelegenheit gewartet hätte. Wir finden diese Entscheidung äußerst bedauerlich. Damit verliert der deutschsprachige Raum eine Zeitung, die sich aus unserer Sicht bis heute für den Euro stark gemacht hat und immer denjenigen mit Argumenten zur Hand war, die für den Erhalt der Gemeinschaftswährung eingetreten sind. Damit ist nun Schluß. Handelsblatt, Wirtschaftswoche und der Wirtschaftsteil der F.A.Z. treten mehr oder weniger unverhohlen für die Auflösung der Gemeinschaftswährung ein. Erst einmal hoffen wir, daß die Journalisten der FTD ihre missionarische Arbeit anderswo fortsetzen können. 


Teuflischer Pakt zwischen Staaten und Banken 
(spiegel.de) Griechenland ist pleite und bekommt von den einheimischen Banken trotzdem weiter Geld. Überall in der Euro-Zone ist die Finanzbranche als Käufer von Staatsanleihen unverzichtbar - was sie vor allzu forscher Regulierung schützt. Jetzt schlagen Experten Alarm. Mehr... 

Kommentar: Wie viele Jahrzehnte funktioniert dieses System schon so? Der Kapitalismus kennt nichts anderes. Das ist auch genau der Grund, warum die Banken, überwiegend längst pleite, von den Staaten gerettet werden (müssen). "Wir sind vollständig abhängig von den öffentlichen Banken. Jemand muss jeden einzelnen Dollar, der im Umlauf ist, egal ob in bar oder elektronisch, leihen. Wenn die Banken ausreichend künstliches Geld herstellen, dann sind wir reich, wenn nicht verhungern wir. Wir haben kein stabiles Geldsystem. Wenn man das Bild im Ganzen erfasst, ist die tragische Absurdität unserer hoffnungslosen Position regelrecht unglaublich, aber sie  ist wahr. Das ist das allerwichtigste Thema, dem sich intelligente Menschen überhaupt widmen können. Es ist derartig wichtig, dass unsere ganze Zivilisation zusammenbrechen könnte, wenn die Wahrheit nicht allgemein bekannt wird und die Missstände nicht wirklich schnell angegangen werden" (Robert H. Hamphill, Kredit Manager, Atlanta Federal Reserve Bank). Ausnahmslos alle Hilfspakete für Griechenland, Irland und Portugal, oder die knapp 1.000 Milliarden Euro Liquidität durch die EZB, erfüllen nur diesen einen Zweck. Gut verständlich erklärt es auch der Wiener Professor Franz Hörmann: „Der Staat verschuldet sich bei den Banken, um die Zinsen der Schulden, die er bei den Banken hat, zu begleichen oder um die Banken zu retten, bei denen er selber Schulden hat.“ Kapiert? Die folgende Karikatur hilft zu verstehen: 


Quelle: zerohedge.com


Stimmung in der deutschen Wirtschaft bessert sich überraschend 
(spiegel.de)  Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November überraschend verbessert: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg zum ersten Mal seit März. Der wichtigste Gradmesser für die deutsche Konjunktur kletterte von 100,0 Punkten im Oktober auf jetzt 101,4 Zähler. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Die Hoch-Zeit des Einzelhandels steht vor der Tür, da muß eine Wohlfühl-Nachricht her, damit den Konsumenten das Geld locker sitzt, damit in der Vorweihnachtszeit die Kassen klingeln. Bisher laufen die Geschäfte schlecht: "Schlechte Geschäfte im Inland: Umsatzsteuer-Einnahmen brechen weg": Die Umsatzsteuer entwickelt sich überraschend schlecht. Im Oktober war der Steueranstieg nur noch halb so hoch wie im Vormonat. Der Grund: Die Deutschen haben Angst vor der Krise und kaufen weniger. Mehr hier


Merkels Märchen von der Superregierung 
(spiegel.de) "Diese Bundesregierung ist die erfolgreichste seit der Wiedervereinigung": Das sagte Angela Merkel im Rededuell mit ihrem Herausforderer Peer Steinbrück. Erzählt sie die Wahrheit? Warum die Kanzlerin nicht besser ist als ihre Vorgänger Kohl und Schröder. Mehr... 

Kommentar: Manchmal muß sich auch der Spiegel mit der Wirklichkeit auseinandersetzen, statt der Bundesregierung journalistisch unter die Arme zu greifen. Diesmal im Münchhausen-Check: die beste Regierung der vergangenen zwanzig Jahre.  Das Ergebnis ist erwartungsgemäß ausgefallen - ernüchternd. Offensichtlich genügt es aber den Ansprüchen der Deutschen, die in Umfragen Kanzlerin und Regierung eine gute Arbeit bescheinigen.


Größenwahn ist Frankreichs Weg in den Ruin 
(welt.de)  Ob Absolutismus oder bürgerliche Revolution: Die glanzvollen Zeiten Frankreichs hatten stets eine Schattenseite, den Bankrott. Denn für die hochgesteckten Ziele reichte die Wirtschaftskraft nie aus. Mehr... 

Kommentar: Natürlich - die Welt tritt noch einmal nach. Ein lächerlicher Vorwurf an die Adresse Frankreichs, den auch der Blick in die Geschichte nicht untermauert. Ebensowenig der zitierte Artikel des britischen Economist. Die Besserwisser aus Deutschland "oberlehrern" gegen den wichtigsten Handelspartner. Wahlkampfgetöse ist das, mehr nicht.


Thomas Fricke - Vive la résistance! 
(ftd.de) Das düstere Orakeln über Frankreichs Wirtschaft hat etwas hochgradig Fahrlässiges. Als hätte manch einer noch immer nichts aus der Krise der vergangenen drei Jahre gelernt. Mehr...

Kommentar: Danke, Thomas Fricke, für diesen wahrhaftigen Beitrag, den wir unseren LeserInnen unbedingt ans Herz legen. Unsere heutige Leseempfehlung. Erleichtert enorm die Meinungsbildung, selbst kritischen Geistern. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. 


Drei Pfade für Spanien  
(fuw.ch)  Mario Draghi verdient ein Lob. Seit seiner im Juli geäusserten Ankündigung, die unter seiner Führung stehende Europäische Zentralbank werde alles unternehmen, um das Überleben des Euro zu sichern, hat sich die Zinssituation für Spanien und Italien stabilisiert. Das im August in Aussicht gestellte OMT-Programm (Outright Monetary Transactions), in dessen Rahmen die EZB nötigenfalls unbeschränkt Staatsanleihen aufkauft, hat sich bislang als Brandmauer bewährt. Die Troika-Verhandlungen rund um Griechenland produzieren derweil freilich weiterhin viel Lärm, aber Griechenland ist im grossen Bild der Eurokrise nicht wirklich relevant. Wir bleiben – wie in diesem Blog schon mehrmals erwähnt – dabei: Spanien ist das Land, das im Auge behalten werden muss. Dort wird sich das Schicksal der Europäischen Währungsunion entscheiden. Mehr...  

Kommentar/Ergänzung: Fundiert begründet. Unbedingt auch den an gleicher Stelle bereits früher erschienenen Beitrag  "Die wahre Bombe liegt in Spanien" lesen: Alles blickt nach Griechenland. Die «freiwillige» Umschuldung, die dem griechischen Staat am letzten Wochenende gelungen ist, hat die Wirtschafts-Schlagzeilen dominiert. (Der Deal war für die Bondholder etwa so freiwillig wie ein Geständnis in der Inquisition, aber das ist ein anderes Thema.) Doch nüchtern betrachtet ist es irrelevant, was in Athen genau ausgehandelt wurde. Sicher ist: Gelöst sind die Probleme des Landes nicht, und Griechenland wird in nicht allzu ferner Zukunft ein weiteres, drittes Rettungspaket benötigen. Nein, die wahre Prüfung für die Europäische Währungsunion wird nicht in Athen stattfinden, sondern 2400 Kilometer weiter westlich: in Spanien. Das ist das Land, das uns die nächsten Jahre in Atem halten wird. Oft wird argumentiert, Spanien sei nicht wirklich gefährdet, weil die Staatsschulden weniger als 70 Prozent des Bruttoinlandproduktes ausmachen. Leider greift dieses Argument zu kurz. Viel zu kurz. Spanien besitzt alle Ingredienzen für einen toxischen Cocktail: einen überschuldeten Privatsektor, ein marodes Bankensystem, einen aufgeblähten Immobilienmarkt, der noch einen grossen Abwertungsschub vor sich hat, ein chronisch hohes Leistungsbilanzdefizit und eine schwache internationale Wettbewerbsfähigkeit. Mehr hier. Falls der Autor dieser Beiträge recht behält, was wir für wahrscheinlich halten, läuft schon alles schief bei den Rettungsbemühungen für Spanien. Und  Frankreich spielt sowieso keine Rolle mehr.   


"Das katalanische Finanzsystem hängt am Tropf der EZB"    
(format.at)  Die katalanischen Banken könnten zu einem Hindernis auf dem Weg zur Unabhängigkeit der spanischen Region werden, weil sie mit rund 60 Mrd. Euro bei der Europäischen Zentralbank in der Kreide stehen. Der katalanische Präsident Artur Mas hat für den 25. November vorgezogene Wahlen ausgerufen. Der Schachzug könnte den Drang nach Unabhängigkeit verstärken, aber auch zu einem katalanischen Staat außerhalb der EU und ohne Bindung an Spanien führen. Mehr...  

Kommentar: Warum zum Hindernis? Bis zur Separation Kataloniens ist es noch ein weiter Weg, die vorgezogene Neuwahl ist nur der erste Schritt. Die europäische Krise entwickelt sich weiter, die Rettungsversuche für Spanien werden sich auch um die 60 Mrd. Euro Schulden der Region kümmern müssen. Die Unabhängigkeit Kataloniens dauert wesentlich länger. Journalistisch wird wieder einmal Stimmung gemacht - gegen einen demokratischen Prozeß. 


Deutschland opfert Europa dem Wahlkampf 
(taz.de)  So viel Unehrlichkeit auf einmal gibt es selten in der Politik. Griechenland hat nach Ansicht der Troika alle Auflagen erfüllt, aber Deutschland mauert weiter. Der Hintergrund dieses erbärmlichen Schauspiels ist klar: Die Bundesregierung will unter allen Umständen verhindern, dass noch vor der Bundestagswahl im nächsten Jahr echtes Geld in die Hand genommen werden muss, um Griechenland zu helfen. Um das zu erreichen, verrät sie ihre eigenen Prinzipien ebenso wie das Vertrauen in Europa. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: So macht sie Krisenpolitik, die deutsche Superregierung unter Führung von Europas Albtraum, Angela Merkel (O-Ton Urban Priol). Machtversessen versucht sie alles, um die Krise über die Bundestagswahl im Herbst 2013 zu retten. Europäische oder deutsche Interessen werden von ihr diesem Ziel rücksichtslos untergeordnet. Die Menschen in den Krisenländern, allen voran Griechenland zahlen dafür einen hohen Preis, viele bezahlen diese Rücksichtslosigkeit noch mit ihrem Leben: "Greece suicide rate skyrockets, police data shows" berichtet gerade ekathimerini.com aus Griechenland (hier).  


Wie griechische Neonazis die Schulen infiltrieren 
(zeit.de) Die Nazis der Goldenen Morgenröte verbreiten ihre Gesinnung inzwischen systematisch in griechischen Bildungseinrichtungen – selbst in Grundschulen. Mehr... 

Kommentar: Europa rückt nach rechts. Eine Entwicklung, die sich nicht auf Griechenland beschränkt, jedoch dort schon in ihren Auswirkungen aus nächster Nähe zu beobachten ist. Zurückzuführen auf die brutale Sparpolitik der EU. Offensichtlich will von Europas Spitzenpolitikern niemand davon Kenntnis nehmen. Die Sache wird einfach als regionale Besonderheit abgetan und mit Schulterzucken quittiert. Diese gleichgültige Haltung wird sich rächen.


Corporate China's Black Hole of Debt 
(businessweek.com) For China bulls, things are starting to look up. The property market has been showing signs of life, and October retail sales, investment, and industrial production have come in above forecasts. A manufacturing index also showed improvement, and exports increased 11.6 percent in October, the fastest pace in five months. Yet one figure is going in the wrong direction: China’s corporate debt has risen from 108 percent of the entire economy last year to 122 percent in 2012, its highest level in 15 years, estimates GK Dragonomics, a Beijing-based economic consultancy. That makes China’s corporate sector one of the most debt-laden in the world. Read more... 

Kommentar: Ein lesenswerter Beitrag. Bildet einen wohltuenden Kontrast zu den neuen Berichten über Chinas Erholung. Die folgende Grafik stammt aus Businessweek und zeigt die Situation: 


Quelle: businessweek.com


How President Obama Won a Second Term 
(rollingstone.com)  Political strategist James Carville breaks down where the Republicans went wrong – and what it means for the future. Read more... 

Kommentar: Eine Nachlese zur US-Präsidentschaftswahl. Leider nur in Englisch verfügbar. Lohnt sich, wie die folgende Karikatur aus dem Beitrag vermittelt: 

Quelle: rollingstone.com


Boehner comments show tough road ahead for "fiscal cliff" talks 
(reuters.com) New comments from top Republican lawmaker John Boehner slamming health care reforms illustrate how hard it will be for Washington to reach a deficit reduction deal when talks resume next week, analysts said on Thursday. Read more... 

Kommentar: Diese Klippe hat Obama noch längst nicht umschifft. Die Republikaner stellen sich - wie erwartet - stur. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Besser kann man nicht beschreiben, was wir bei unseren Beratungen immer und immer wieder erleben. Es ist offensichtlich brutal schwer, sich von den liebgewonenen, teilweise sogar ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, sich und seine Ersparnisse auf das Unabwendbare vorzubereiten. 

Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Regierungen schauen diesem Treiben vollkommen hilflos zu. Schlimmer: Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Dieser Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.    

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff so weit wie möglich in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen dabei helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.