Sonntag, 25. November 2012

Standpunkt 462 - Nachrichten-Ticker, 24.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...            


Themen: Euro – Europa Eurokrise – Zypern-Bankenrettung – Niederlande   – Griechenland - Katalonien – Hedgefonds 



"Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Seit einigen Wochen steht ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Außerdem möchten wir uns auf diesem Weg für das riesige Interesse an diesem Beitrag bedanken. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher.  


„Der Euro sprengt Europa“ 
(faz.net) Der Jurist, Ökonom und Unternehmer Stephan Werhahn ist aus der CDU ausgetreten, weil er den Euro-Rettungskurs nicht mehr mittragen konnte. Jetzt ist er Spitzenkandidat der Freien Wähler. Es gebe Alternativen, die den Steuerzahler weniger belasteten, sagt der Adenauer-Enkel im Interview. Mehr... 

Kommentar: Es ist Bundestagswahlkampf und die Freien Wähler wollen mitreden. Was Werhahn in diesem Interview zum Besten gibt löst so wenig die Krise wie die bisherigen Versuche der Bundesregierung und ihrer europäischen Helfer. Die Insolvenz eines Staates, selbst eines wirtschaftlich so unbedeutenden wie Griechenland, beschränkt sich nicht auf die Verluste irgendwelcher privater Gläubiger, sondern löst eine Kettenreaktion aus und führt in der Folge zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems: Alleine der Giftmüll in den Bilanzen der Banken, bei den europäischen Banken immerhin rund 18 Billionen Euro (hier), wird schlagartig zunehmen. Die Staatsanleihen werden wertlos, die Sicherheiten - auch die der EZB - lösen sich in Luft auf, die knapp 1.000 Milliarden Liquiditätshilfe der EZB an die Banken wird uneinbringlich, die Steuerzahler erreicht das Schicksal des Zwangsretters. Für die Versicherungen beispielsweise, vielfach investiert in Staatsanleihen, sieht die Situation in so einem Fall nicht viel besser aus. Die nächste schlechte Nachricht für die Steuerzahler: die Alterssicherung geht in die Binsen. 
Für den von Werhahn geforderten Marshallplan (Ursprung vgl. hier) gibt es kein Geld, die vormals reichen Staaten aus der Mitte und des Nordens haben alle Hände voll mit sich selbst zu tun und brauchen jeden Euro-Cent. Natürlich wird sich die Rezession verstärken, die Arbeitslosigkeit wird immer neue Höchststände erklimmen, in Südeuropa sind gewalttätige Unruhen an der Tagesordnung, rechte Parteien und Gruppierungen werden an Einfluß zunehmen und die etablierten Parteien kräftig unter Druck setzen, am Ende gerät auch die Demokratie in Europa in noch größere Not als schon bisher. Unsere Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie soll nur eine Übersicht geben, was passiert, wenn sich Leute wie Werhahn mit ihren Ideen durchsetzen. 
Es gibt leider nur die von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebene Studie über die Kosten eines Zerfalls der Eurozone (hier). Bis eine weitere Studie zu diesem Thema vorliegt, ist die Bertelsmann-Studie das Maß aller Dinge. Ihre Zahlen sind ernüchternd. Werhahn sollte die Studie lesen und die Zahlen akzeptieren. Wenigstens bis neue vorliegen. 
Was wir brauchen ist die Verstaatlichung der Banken (Kostolany läßt grüßen, hier), die vielfach faktisch bereits vollzogen ist, um das weltweite Finanz-Casino, den Derivatehandel (hier) und die Geschäfte der Schattenbanken trockenzulegen. Banken, die unter dem Strich ohne Vermögen dastehen, gehören abgewickelt - auf Kosten ihrer Eigentümer, nicht der Steuerzahler. Deren Aufgabe ist es nur noch, die überlebensfähigen Banken wieder in die Spur zu bringen und später zu privatisieren. Die Bankenhilfen der Staaten seit Ende 2008 gehören aus den üblichen Staatsschulden herausgerechnet, von den betroffenen Banken mit Sicherheiten unterlegt, was unbesichert übrig bleibt, muß über einen Sonderfonds abgewickelt werden. Jeder Schuldenschnitt wird so entbehrlich. Danach stehen ausreichend Mittel für einen Marshallplan zur Verfügung, um die Wirtschaften der betroffenen Länder aufzupäppeln und den Ungleichgewichten zu begegnen. Viel Zeit bleibt dafür nicht mehr. Nur so bleibt die Krise auf die PIIGS-Staaten begrenzt. Natürlich muß sich auch Deutschland bewegen, aber anders wie bisher propagiert. Heiner Flassbeck, Chef-Volkswirt der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD), hat sich dazu schon hinreichend geäußert (hier). Aber, wie eingangs schon erwähnt, es ist Bundestagswahlkampf, da glaubt keiner daran, mit diesem Thema punkten zu können. 


Wie Europa 30 Jahre verliert 
(presseurop.eu)  In den von der Krise am schwersten gebeutelten Ländern wird es mehrere Jahre dauern, um den einstigen Lebensstandard wieder herzustellen. Der Abstand zu den Ländern, die besser mit der Situation zurechtkommen, wird dadurch nur noch größer und das gefährdet die Einheit und die Stabilität der Union. Mehr... 

Kommentar: Dieser Artikel ist für uns ein Beispiel dafür, daß auch im benachbarten Ausland, in  diesem Fall Polen, die Rolle der deutschen Kanzlerin in der Krise völlig überzeichnet wird. Was der Autor an Europa bemängelt, stimmt so nicht. Gerade Deutschland ist Nutznießer der Entwicklung Europas seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Dieses Eingeständnis wäre schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung zur Lösung der Krise in Europa. Was sonst noch klemmt, läßt sich mit wenigen politischen Handgriffen nach der Krise beheben. 


Eine Entgiftung der gesamten Eurozone ist möglich 
(diepresse.com) Die Finanz- und Schuldenkrise braucht ein Bündel an Maßnahmen. Eine Lösung ist möglich, wenn Erleichterungen für die Sanierung von Haushalten mit wirtschaftlichen Stimulierungen einhergehen. Mehr... 

Kommentar: Ein Beitrag, der wenigstens ein kleines bisschen Zuversicht verbreiten möchte. Der Autor macht sich für eine Lösung stark, die auf den Erhalt der Eurozone abzielt. Das ist löblich. Der vorgeschlagene Schuldenschnitt birgt jedoch unabsehbare Gefahren. 


Ein Jahr schuften für die Bankenrettung 
(tagesanzeiger.ch) Die Troika will Zypern einen Rettungskredit geben. Ranghohe Quellen sprechen von 17,5 Milliarden Euro – das wären satte 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Mehr... 

Kommentar: Spätfolge der Griechenland-Krise und ihrer grundfalschen Lösungsansätze. Was ist eigentlich aus den Milliarden geworden, die Rußland zugesagt hatte? 


Niederlande: Gefängnisanstalten vor Schließungswelle  
(wirtschaftsfacts.de) Gewerkschaften werfen der Regierung eine Zerstörung der niederländischen Gefängnislandschaft vor. Der niederländischen Regierung geht das Geld zum Unterhalt ihrer Gefängnisse aus. Resultat ist, dass Pläne des Justizministeriums eine Schließung von 11 der landesweit 29 Gefängnisse vorsehen. Unter den Mitarbeitern der Verwahranstalten für Kriminelle führt die Entwicklung zur berechtigten Angst vor Jobverlust und zukünftiger Arbeitslosigkeit. Experten kritisieren, dass eine Wiedereingliederung von Straftätern in die Gesellschaft in Gefahr sei. Mehr... 

Kommentar: Die Sparmaßnahmen nehmen in den Niederlanden jetzt schon groteske Züge an. Aber lesen Sie selbst. 


Malaria in Griechenland ausgebrochen 
(handelsblatt.com) Eigentlich gilt Malaria als ausgerottet. Doch nun ist die Krankheit in Griechenland aufgetreten. Experten fürchten nun, dass nicht alle Erkrankten eine Behandlung erhalten – weil das Geld im Gesundheitssystem fehlt. Mehr... 

Kommentar: Wir haben bereits in einem der letzten Nachrichten-Ticker darüber berichtet. Jetzt ist die Meldung auch in der deutschen Presse angekommen. Der Kahlschlag im Gesundheitswesen zeigt Folgen. Möglich, daß sich die Krankheit in Europa noch ein wenig mehr ausbreitet. 


Katalanische Unabhängigkeit von Spanien "absolut realisierbar" 
(heise/telepolis.de) Am Sonntag wird in der wirtschaftlich bedeutsamsten spanischen Region
gewählt, die ihre Unabhängigkeit anstrebt. Mehr... 


Kommentar: Europa schmeckt diese Entwicklung überhaupt nicht. Spanien würde seine Industrieregion verlieren, Katalonien müßte angeblich aus Eurozone und EU austreten, was Europa vor ungeahnte Probleme stellen würde. Was passiert beispielsweise mit den Milliarden, die bereits nach Spanien geflossen sind? Vor allen Dingen die EZB-Gelder für die Banken ("Seid umschlungen, Milliarden!" hier) stehen dann im Feuer. Alleine acht spanische Banken unter den ersten dreißig, denen mit diesem Programm zuletzt geholfen wurde. Damit ist klar, Europa stellt sich offen auf die Seite der spanischen Zentralregierung, um die Separation der Region so lange wie möglich hinauszuzögern. 


Griechenland wird zur Goldgrube für Hedgefonds 
(diepresse.com) Die Spekulationen über ein Schuldenrückkauf-Programm treiben die Kurse von griechischen Staatsanleihen in die Höhe. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Logisch, und die Banken, Versicherungen, Goldman Sachs. Dafür wird die Krise am Leben gehalten. Wer sich darüber wundert, der ist durch und durch scheinheilig, oder glaubt dummerweise immer noch an das Gute im Banker. Die Wirtschaftswoche nennt es "Wahnsinn mit System" und beschreibt es so: Wenn der EFSF den Griechen tatsächlich zehn Milliarden Euro leiht, freuen sich die Fondsmanager. Für Hedgefonds eröffnen sich in der Eurozone jetzt nämlich ungeahnte Möglichkeiten und findet, es ist "ein großes Hilfsprogramm für die Hedgefonds-Branche". (hier). Die Finanz-Industrie sorgt - mit 100%iger Rückendeckung durch die Politik - für sich. Am Ende wäscht eine Hand die andere. Noch einmal eine unserer Lieblingskarikaturen, um zu zeigen, was da auf Kosten ganz Europas abgeht: 

Quelle: rollingstone.com


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Besser kann man nicht beschreiben, was wir bei unseren Beratungen immer und immer wieder erleben. Es ist offensichtlich brutal schwer, sich von den liebgewonenen, teilweise sogar ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, sich und seine Ersparnisse auf das Unabwendbare vorzubereiten. 

Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Regierungen schauen diesem Treiben vollkommen hilflos zu. Schlimmer: Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Dieser Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.    

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff so weit wie möglich in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen dabei helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.