Mittwoch, 28. November 2012

Standpunkt 466 - Nachrichten-Ticker, 27.11. (2)


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ... 

Ein Novum, erstmalig gibt es bei uns einen Nachrichten-Ticker-Nachtrag. Es sind einfach zu viele Beiträge, die wir in den vergangenen 24 Stunden zusammengetragen haben. Deshalb geben wir jetzt noch den Rest:  


Tagesthemen: Basel III – UK-Downgrade brit. EU-Referendum – Schweizer Bankenaufsicht – Griechenland   


Angst vor dem Crash: EU und USA stoppen Basel III kurz vor dem Ziel 
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Offenbar haben die europäischen und US-Banken noch so viele Schrottpapiere in ihren Büchern, dass sie nun die strengen Eigenkapitalregeln für die Banken („Basel III“) kurz vor dem Ziel stoppen. Damit können auch zahlreiche Zombie-Unternehmen hoffen, dass es noch einige Zeit Geld zum Nulltarif gibt. Mehr... 

Kommentar: Wir haben es erwartet und deshalb bereits vor zwei Tagen in einem Kommentar formuliert: "Die europäischen Banken nehmen gerne den Ball auf, den die amerikanischen erst vor wenigen Tagen ins Spiel gebracht haben. Die Politik wird nachgeben." Na also, geht doch. Die Angst vor Pleiten ist einfach zu groß. 


Who’s the Next Downgrade Domino to Fall?…The UK?  
(snbchf.com) Whoever downgrades France, must do the same to the United Kingdom. But we know that Moodys have one of their main offices in London, mostly British and American share holders. Apart from Standard and Poors’ highly criticized US downgrade in August 2011, the leading three rating agencies seem to be very myopic with regards to the United Kingdom and the United States. Would they saw through the branch on which they were sitting? Read more... 

Kommentar/Ergänzung: Ein klasse Beitrag, der treffend formuliert auf den Punkt kommt und seine Aussagen mit hervorragenden Grafiken untermauert. Da gibt es nichts zu mäkeln. Die "schönsten" Grafiken schon einmal zur Einstimmung "fürs Auge": 


Grafik 1: UK Risk Status:



Grafik 2: Decomposition of Debt worldwide:



Grafik 3: France Risk Status: 


Grafik 3 haben wir einem Beitrag bei zerohedge.com entnommen. Sie soll den Vergleich zwischen Großbritannien und Frankreich erleichtern und stammt ursprünglich, wie Grafik 1, aus dem Fundus der BBC


Monti knallhart: Briten sollen EU-Referendum abhalten 
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Eine Volksabstimmung der Briten soll über den Verbleib von Großbritannien in der EU Aufschluss geben, wenn es nach Mario Monti geht. Der italienische Premier will die Briten herausfordern, er selbst glaubt nicht an einen Austritt Großbritanniens. Mehr... 

Kommentar: Die Forderung steht im Zusammenhang mit den gescheiterten Verhandlungen über den neuen EU-Haushalt. Monti hofft jedoch, anders wie wir, auf den Verbleib der Briten in der EU. Mittlerweile hat sich die politische Großwetterlage zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland geändert: Die Bank of England bekommt einen ehemaligen Goldman als neuen Chef: Mark Carney. Damit wird Großbritannien, der wichtigste Brückenkopf US-amerikanischer Interessen in Europa, weiter "ausgebaut". Der EU-Austritt Großbritanniens, den wir uns so sehr wünschen, ist damit erst mal vom Tisch


Bankenrettung kann ein gutes Geschäft sein 
(wirtschaftsblatt.at) Mitunter muss der Staat eingreifen – die USA zeigen wie’s geht. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Es ist immer wieder erstaunlich, wie in den deutschsprachigen Medien die Rettungsaktionen der US-Regierung nach der Lehman-Pleite für Banken und Autobauer verklärt und zu einem guten Geschäft für die Steuerzahler schöngerechnet werden. Es ist eine sehr einseitige Sicht auf die Dinge, die in diesem Artikel betrieben wird. Was für die Autorin offensichtlich keine Rolle spielt, ist beispielsweise der Einsatz, den der Fed betrieben hat, um zu retten, was zu retten war. Oder die Schäden, die der gesamten Volkswirtschaft entstanden sind. Better Markets hat kürzlich einen Report veröffentlicht, mit einem niederschmetternden Ergebnis: “The Cost of the Wall Street-Caused Financial Collapse and Ongoing Economic Crisis Is More Than $12.8 Trillion”. Diesen Report gibt es hier, aber leider nur auf Englisch. 12,8 Billiarden US-Dollar sind eine unvorstellbare Summe (= 12.800.000.000.000.000), da fallen ein paar Hundert Milliarden Dollar angebliche Rückzahlungen nur als lächerlich gering auf. Das amerikanische Levy Economics Institute hat den Aufwand des Fed untersucht und kommt zu folgendem Ergebnis: "$29,000,000,000,000: A Detailed Look at the Fed’s Bailout by Funding Facility and Recipient". Leider auch nur in Englisch verfügbar (hier). Trotzdem, durch das umfangreiche Grafik-Material sehr informativ. Der erhebliche Aufwand für die Bankenrettungen zeigt noch einmal die folgende Grafik (die Hervorhebungen spielten in dem ursprünglichen Beitrag eine Rolle): 


Quelle: washingtonblog.com
 
Wenigstens der Schluß des Artikels stimmt uns versöhnlich - durch den Hinweis auf die Vergessenen der Rettungsmaßnahmen: "Hunderte kleinere Banken wurden eiskalt fallengelassen, KMU gingen en masse pleite." Die waren nicht wichtig für die großen Zampanos an der Wall Street. 


"Viel strenger hätte die Finma nicht handeln können
(tagesanzeiger.ch) Die Finma zieht Konsequenzen aus dem Fall Adoboli: Ihre Beurteilung der
Kontrollmassnahmen bei der UBS fällt vernichtend aus. Beobachter des Finanzplatzes sehen den Strategiewechsel nun in anderem Licht.
Mehr... 

Kommentar: Die schweizerische Bankenaufsicht beginnt durchzugreifen. Während im restlichen Europa alle Banken noch Narrenfreiheit genießen, geht die FINMA dazwischen. Auf jeden Fall fährt sie schweres Geschütz auf: "Bei der UBS-Investmentbank geht künftig nichts mehr ohne Einverständnis der Finma", heißt es in einem anderen Artikel der Zeitung: "Beamte auf gefährlichem Terrain" (hier). Was haben "Joe" Ackermann und Paul Achleitner, die beiden "Manager-Lichtgestalten" gegenüber der deutschen Öffentlichkeit erst kürzlich behauptet: Die Banken hätten ihre Lektion gelernt. Das war eine Finte, mehr nicht. In Wahrheit wurde es nach 2008 nur noch viel schlimmer. 


Zweifel an der Tragfähigkeit der neuen Griechenland-Beschlüsse 
(faz.net) Das neue Hilfsprogramm für Griechenland besteht aus vielen verschiedenen Maßnahmen. Auch viele Teilnehmer an der Marathonsitzung konnten danach kaum erklären, was wirklich beschlossen wurde. Die Korrespondenten der F.A.Z. geben erste Antworten auf die wichtigsten Fragen. Mehr... 

Kommentar: Ein gut gemeinter Versuch, das Maßnahmenpaket hinter den neuen Milliarden für Griechenland zu erklären. Und tatsächlich, er ist gelungen.