Donnerstag, 29. November 2012

Standpunkt 467 - Nachrichten-Ticker, 28.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...       


Tagesthemen: Hannes Androsch – Dirk Müller IWF versus Europa – Salami Griechenland-Rettung – Kreditfalle – Spanien – Jens Weidmann – Euro-Masterplan – Superman Mark Carney    


"Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Seit einigen Wochen steht ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Außerdem möchten wir uns auf diesem Weg für das riesige Interesse an diesem Beitrag bedanken. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Hannes Androsch: "Bankenrettung ist noch nicht weit genug" 
(derstandard.at) Eurokrise, Steuern, Forschung: Für Hannes Androsch passieren in "Biedermeier-Lustigkeit wundersame Dinge" - in Österreich wie in Europa. Seit vergangener Woche ist er Aufsichtsratschef der Fimbag, die die staatlichen Kapitalhilfen und Garantien der Republik an die Banken Österreichs verwaltet. derStandard.at hat den Industriellen zum Gespräch getroffen. Der Finanzminister unter Bruno Kreisky schildert, welche Ansammlung von "Kakophonien" in Europa und in Österreich herrschen, was bei der Bankenrettung verschlafen wurde und in Europa schief läuft. Mehr... 

Kommentar: Unsere österreichischen LeserInnen wissen Bescheid, Hannes Androsch ist einer der ihren, für alle anderen gilt: wir blicken nach Österreich. Lesenswertes Interview eines Politiker-Dinosaurier, an dem sich die Geister scheiden. 
Androsch nimmt kein Blatt vor den Mund: "Nicht Griechenland wurde bislang gerettet, sondern nur die Banken, besonders deutsche und französische..." Oder das: "Wir befinden uns in einer Eurokrise, weil wir eine politische Krise haben. (...)  Eine so schwere Krankheit kann man nicht mit einem einzigen Skalpellschnitt beseitigen. Für die Südländer ist die Austeritätskeule viel zu wuchtig. Es bedarf zumindest einer Doppel-, wenn nicht einer Triple-Strategie: Man braucht auf einige Jahre ausgelegte Einsparungen in einer für eine Volkswirtschaft verkraftbaren Dosis, gleichzeitig auch in die Zukunft gerichtete Wachstumsimpulse und Strukturveränderungen in den Produktmärkten - nicht zuletzt auch wegen der demographischen Entwicklungen." Es geht noch weiter, mit den Wahrheiten:  Unserer Währung kann die Schuld an der jetzigen Krise nicht zugeschrieben werden, diese ist Resultat einer weltweit zu lockeren Geldpolitik und verantwortungsferner Kreditpolitik, aber auch des Maastricht-Systems mit seinen Mängeln beziehungsweise Konstruktionsfehlern. Ich erinnere daran, dass die ersten, die sich an die unzulänglichen Maastrichtregeln nicht gehalten haben, Länder wie Frankreich oder Deutschland waren. 
Die wenigen Schwächen, die dieses Interview hat, so z. B. wenn Androsch erklärt, der US-Bankensektor sei "durch Regulierung, Aufsichtsbehörden und strafrechtliche Verfahren" wieder in Ordnung gebracht. 


Aktienexperte Dirk Müller: „Die Börsen sind außer Rand und Band“ 
(focus.de) Aktienexperte und Buchautor Dirk Müller spricht im FOCUS-Online-Interview über die Schulden-Zeitbombe in den USA und eine mögliche Inflation als Ausweg aus der Krise. Außerdem nennt „Mister Dax“ Gründe, warum es an den Börsen kräftig krachen könnte. Mehr...

Kommentar: Gleich noch ein Interview. Müller findet ebenfalls klare Worte und beschreibt die Unzulänglichkeiten der europäischen Krisenpolitik. Zur Griechenland-Rettung: "Kern allen Übels ist, dass die Gelder ausschließlich in die Refinanzierung der Banken gehen. Die werden ihre Griechenland-Anleihen los, weil die EZB diese Anleihen übernimmt. Es fließt also kein Geld in die Wirtschaft, sondern es werden einfach nur Schulden umgeschichtet. Und die Verschuldung Griechenlands wächst weiter. Wo ist da das Erfolgssystem? Wo ist man da auf einem guten Weg?" Oder zu den günstigen Portugal-Prognosen:  "Portugal ist auf einem guten Weg? Dort demonstriert bereits das Militär und macht mobil gegen die Sparpakete. Wir sind vielleicht auf dem guten Weg zu Revolutionen – wahrhaftig ein guter Weg, den wir da einschlagen." Sicher, wir gehen mit einigen seiner Ansichten nicht eins, trotzdem halten wir alle seine Aussagen für nachdenkenswert und gut dazu geeignet, sich daran zu reiben, um so zu einer eigenen Meinung zu kommen. 


IWF: „Die Welt verliert zunehmend die Geduld mit Europa“ 
(diepresse.com) Der Exekutivdirektor des Internationalen Währungsfonds, Johann Prader, kritisiert nach den jüngsten Entscheidungen zu Griechenland, dass sich die Politik auf keine tragfähige Lösung einigen könne. Mehr... 

Kommentar: Der IWF beginnt damit, seine Haltung gegenüber der europäischen Krise  zu ändern. Weg von der strammen Austeritätspolitik deutschen Zuschnitts, hin zu sehr viel mehr Flexibilität. Noch wäre es nicht zu spät, daß sich Europa ändert und ebenfalls seine Krisenpolitik ändert. Andernfalls behält es den Schwarzen Peter für die Finalisierung der Finanzkrise, deren Teil die Euro(pa)-Krise ist. Mit der deutschen Kanzlerin ist das aber nicht zu machen - wenigstens nicht vor der nächsten Bundestagswahl 2013. Sie will erneut gewählt werden, da stört eine Lösung der europäischen Krise, die auf jeden Fall viel Geld kosten wird. Nur werden die Kosten dafür von Monat zu Monat immer höher. 


Die teuerste Salami der Welt 
(spiegel.de) Offiziell hat die Bundesregierung in Brüssel den erneuten Schuldenschnitt für Griechenland verhindert. Tatsächlich ist der längst Realität. Doch Kanzlerin Merkel setzt weiter auf Salamitaktik bei der Krisenlösung. Die Opposition sollte endlich ihre Unterstützung dafür aufgeben. Mehr...

Kommentar: Wolfgang Münchau kommt in dieser Kolumne wieder einmal ohne Umschweife zu "des Pudels Kern" und entlarvt die Krisenpolitik der deutschen Kanzlerin als klassische Salamitaktik. Münchau ist mit uns davon überzeugt, daß es nicht funktionieren wird und nennt dafür seine Gründe. Gut geeignet, um sich fit zu machen für die Diskussionen am Arbeitsplatz, Stammtisch und im Verein. 


Top-Ökonomen: Robert Skidelsky - Die Kreditfalle 
(ftd.de)  Nicht die aggressiven Verleiher waren Schuld an der Krise, sondern unvernünftige oder verblendete Kreditnehmer, vor allem aus nicht wohlhabenden Schichten. Diese Sicht erklärt vieles viel besser als die orthodoxen Annahmen. Mehr... 

Kommentar: Noch so ein Faktenverdreher.  Dieses Mal der britische Wirtschaftshistoriker Skidelsky. Aber lesen Sie selbst.


Warum die EU Spaniens Banken mit Milliarden hilft
(ftd.de) Ein halbes Jahr nach dem Hilferuf Spaniens steht der Umfang der EU-Rettungsaktion für dessen marode Geldhäuser fest: Sie erhalten 37 Mrd. Euro. Ein Blick auf die Hintergründe der Bankenhilfe. Mehr...

Kommentar: Gut geeignet für alle, die sich bisher nur sehr zögerlich mit der "spanischen Krankheit" auseinandergesetzt haben. Der Beitrag liefert, knapp formuliert, einiges an Basiswissen. 


Bockiger Weidmann durchkreuzt Schäubles Hilfepläne 
(focus.de) Um den Griechen auf die Beine zu helfen, soll die Bundesbank einen Teil ihrer Gewinne an Athen überweisen. Zumindest hat sich das die Bundesregierung so gedacht. Bundesbank-Chef Weidmann macht jedoch klar: So einfach ist die Sache nicht. Mehr... 

Kommentar: Weidmann tut gerade so, als könne er auf die Mittelverwendung ernstlich Einfluß nehmen. Kann er nicht. Deshalb wird wenigstens Unruhe gestiftet, um den Mythos der Bundesbank als Stabilitätsanker am Leben zu halten. Es ist der berühmte "Sturm im Wasserglas", den Weidmann entfacht und für den ihn Stammtische und Journaille postwendend loben werden. Mit Vorschlägen zur Krisenlösung hält er sich leider sehr zurück, was wir auf das Heftigste bedauern. 


Barrosos Masterplan für einen krisensicheren Euro 
(welt.de) EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat einen Plan für eine stärkere Währungsunion entwickelt. Mit der Idee für eine neue Rechtsgrundlage schafft Brüssel sich aber eine gewaltige Baustelle. Mehr... 

Kommentar: Ähnlich wie Weidmann ist auch Barroso von seiner Idee eines integrierten Europas geradezu beseelt. Dazu muß erst einmal ein neuer EU-Vertrag her. Barroso ist kein Träumer. Er weiß, die Umsetzung dieses Ziels benötigt Zeit, viel Zeit und deshalb veranschlagt er schon von vornherein zehn Jahre. Eines ist sicher, die europäische Krise wird so lange nicht auf eine Lösung warten und mit immer neuen Hilfspaketen ist es auch nicht getan. Van Rompuy wird mit einem eigenen Vorschlag nachlegen, so daß langwierige Diskussionen sicher zu erwarten sind. 


Ein Ruf wie Superman 
(fr-online.de) Ein Kanadier wird neuer Chef der Bank of England: Mark Carney soll helfen, das Land aus der Krise zu führen. In seinem Heimatland ist ihm das überraschend gut gelungen. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Wir haben schon in Standpunkt No. 464 über diese erstaunliche Personalie bei der Bank of England berichtet (hier). Erstaunlich finden wir bei dem heutigen Artikel in der Frankfurter Rundschau (FR), daß Carney für seine Zeit bei der Bank of Canada so sehr gelobt wird. Dafür gibt es eigentlich keinen guten Grund. "Kanada gerät in die Mühlen der Weltwirtschaft" titelt kürzlich wirtschaftfacts.de und faßt zusammen: Ähnlich wie in Australien beginnt nun auch die Wirtschaft Kanadas unter der sich abschwächenden Weltwirtschaft zu leiden. Auch die rohstofflastigen Exportnationen müssen langsam erkennen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Der jahrelang anhaltende Rohstoffboom hatte sowohl in Australien als auch in Kanada mit zu einer Blasenbildung an den Immobilienmärkten beigetragen, während die Verschuldung unter den privaten Verbrauchern auf neue Rekordniveaus kletterte. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) senkte gestern ihre Prognose für das Wachstum in Kanada sowohl für das laufende als auch für das nächste Jahr. Mehr hier. Außerdem hier: "Consumer Debt Eroding Canada Banks’ Edge as S&P Cuts Outlook". Die massive Verschuldung der Haushalte zeigt diese Grafik: 

Quelle: zerohedge.com
 
Erheblicher Druck besteht längst auch im kanadischen Immobilienmarkt: "Kanadische Häusermarktblase bedroht die Finanzindustrie" überschreibt die Schweizer Finanz und Wirtschaft einen Artikel und analysiert: Der überbewertete Liegenschaftsmarkt zeigt Anzeichen von Schwäche. Privathaushalte sind massiv verschuldet, die Abwärtsspirale könnte den Banken gefährlich werden. Mehr hier. Eine Erfolgsgeschichte liest sich anders. Oder hier: "Massenproteste der Studenten wegen Finanzkrise" melden schon im Sommer die deutschen-wirtschafts-nachrichten.de und schreibt in der Einleitung: Die weltweite Finanzkrise zieht immer weitere Kreise und hat nun auch Kanada erreicht. Anfängliche Studentenproteste entwickelten sich zu Massenkundgebungen, welche nun zum Rücktritt der Bildungsministerin führten. Was kann "Europa von ihm lernen", wie die FR meint? Die beschriebenen Maßnahmen haben lediglich dazu geführt, daß Kanada später von der Finanzkrise betroffen wird. So hat auch Mark Carney das Fed zum Vorbild genommen und der heimischen Finanzindustrie reichlich Liquidität zur Verfügung gestellt. Völlig verklärt hält ihn der britische Finanzminister George Osborne für den besten Notenbanker der Welt (Quelle: Mark Carney: "Der weltbeste Notenbanker", diepresse.com, hier)


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Besser kann man nicht beschreiben, was wir bei unseren Beratungen immer und immer wieder erleben. Es ist offensichtlich brutal schwer, sich von den liebgewonnenen, teilweise sogar ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, sich und seine Ersparnisse auf das Unabwendbare vorzubereiten. 

Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Regierungen schauen diesem Treiben vollkommen hilflos zu. Schlimmer: Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Dieser Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.    

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff so weit wie möglich in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen dabei helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.