Freitag, 30. November 2012

Standpunkt 468 - Nachrichten-Ticker, 29.11.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...       


Tagesthemen: Arbeitskosten in Europa – EU-Reform Zombiebanken – Hoffnung USA – Argentinien 


"Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Seit einigen Wochen steht ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Außerdem möchten wir uns auf diesem Weg für das riesige Interesse an diesem Beitrag bedanken. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Unterschied zwischen Belgien und Bulgarien pro Arbeitsstunde: 35,80 Euro 
(heise/telepolis.de) Eine aktuelle Studie zeigt die Entwicklung der Arbeitskosten im europäischen Vergleich – und analysiert die Auswirkungen auf Währungsstabilität und soziale Sicherungssysteme.
Bruttolohn, Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen, Kosten für Aus- und Weiterbildung und Steuern – in die Berechnung der Arbeitskosten fließen gleich mehrere Faktoren ein. Der Betrag, der am Ende herauskommt, entscheidet nicht nur über die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes, sondern auch über die Entwicklung des Wachstums, die Stabilität von Währungen oder die Zukunft sozialer Sicherungssysteme. Eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung beziffert die Arbeitskosten in Deutschland auf 30,10 Euro pro Stunde im Jahr 2011. Dieser Wert basiert auf Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat und liefert insofern wenig Diskussionsstoff. Seine Interpretation umso mehr. Mehr...

Kommentar: Die Arbeitskosten in der Eurozone sind ein ständiger Streitpunkt innerhalb der Diskussion um die Lösung der europäischen Krise. Diese Untersuchung des IMK (hier) schlägt denen die Argumente aus der Hand, die für die Krisenstaaten eine Senkung der Lohnkosten empfehlen, ohne auf der anderen Seite in Deutschland einen deutlichen Anstieg der Löhne zu befürworten. Tatsächlich würde es genügen, wenn in Deutschland einseitig die Löhne und Gehälter überdurchschnittlich steigen, um damit die Versäumnisse der vergangenen Jahre aufzuholen. Vielleicht wäre es unter diesen Voraussetzungen sogar möglich, hierzulande eine zarte Binnennachfrage zu kreieren. Die folgende Grafik aus der Untersuchung zeigt die Mißverhältnisse: 




Wir sind uns sicher, Deutschland wird seinen Ruf als Lohnminusmeister mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen - in der irrigen Annahme, sich damit auf Dauer einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Nachbarn zu verschaffen.  


Es braucht ein Europa der Regionen 
(tagesanzeiger.ch) Nicht die wirtschaftlichen Ungleichgewichte gefährden die europäische Einheit, sondern der wachsende Einfluss der Nationen. Europa braucht eine Demokratie ohne Nationalstaaten. Mehr... 

Kommentar: Ein bedenkenswerter Ansatz. Funktioniert aber nur, nachdem die Krise gelöst worden ist, keinesfalls als Lösung selbst. Unabdingbare Voraussetzung für eine Lösung der Krise in Europa ist, daran führt kein Weg vorbei, definitiv die Zerschlagung der Finanzindustrie und ihrer Strukturen. Ohne einen Neubau des Finanzsystems, dem ausnahmslos alle bankrotten Banken in Europa zum Opfer fallen müssen, kann es keine Weiterentwicklung der EU als politische und wirtschaftliche Einheit geben. Banken dürfen nie und nimmer systemrelevant sein, Staaten und ihre Bürger schon. 


"Bringen diese Banken was, oder sind sie bloß ein Ärgernis?" 
(format.at) Angesichts der Schuldenkrise in Europa fordert Julius Bär-Chefökonom Janwillem Acket die Schließung von "Zombiebanken". Zombiebanken sind scheintote Banken, die zu groß sind, als dass sie pleitegehen dürften. "Es gibt eine ganze Reihe von Banken, die haben keine Daseinsberechtigung", sagte Janwillem Acket am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Mehr... 

Kommentar: Leider ist das Beispiel nicht besonders glücklich gewählt: die deutschen Landesbanken. Sicher, diese Banken sind entbehrlich, wirklich gefährlich sind sie nicht. Deren Bilanzmüll paßt locker in den deutschen Bankenrettungsfonds SoFFin. Anders verhält es sich bei der Deutschen Bank, der Commerzbank, den beiden Schweizer Großbanken, der britischen HSBC, usw. Alles Banken, die sich im Derivatehandel verheddert haben (hier) und damit eine Massenvernichtungswaffe in den Händen halten, die bei der kleinsten Erschütterung hochgehen kann. 


USA sind plötzlich Hoffnung der Weltwirtschaft 
(welt.de) Unerwartet gute Zahlen aus den USA: Die Wirtschaft ist im dritten Quartal um 2,7 Prozent gewachsen, an den Börsen setzt sich die gute Stimmung durch. Davon profitiert auch die deutsche Wirtschaft. Mehr... 

Kommentar: Der Versuch einer Gesundbetung. Richtig, die Weltwirtschaft braucht die USA als Hoffnungsträger. Nur ist es bis dahin noch ein entbehrungsreicher Weg, für die Amerikaner und den Rest der Welt. Die aktuelle Wirklichkeit in den USA gibt noch keinen Anlaß zur Hoffnung, noch weniger zur Zuversicht. Die behauptete gute Laune der US-Verbraucher gibt es nicht, die Chancen auf eine Lösung des Haushaltsstreits bis zum Jahresende sind äußerst gering. Die folgenden Beiträge unterstreichen unsere Einschätzung: 


Bowles Says Fiscal Cliff Deal Unlikely by End of Year 
(bloomberg.com) The co-chairman of President Barack Obama’s 2010 fiscal commission said it’s unlikely the President and Congress will reach a deal by the end of this year to avert the so-called fiscal cliff.
Erskine Bowles, also a former chief of staff to President Bill Clinton, estimated there is a one-third probability the sides will strike a deal by the end of this year. Speaking today at a breakfast in Washington sponsored by the Christian Science Monitor, he said there’s another one-third chance that all sides will reach a deal early in 2013.
“I’m really worried,” Bowles told reporters. “I believe the probability is we’re going over the cliff.”
Bowles isn’t involved in the budget negotiations, though he said he met with Obama yesterday. He also was among a group of company leaders who met today with House Republicans. Following the meeting, Bowles told reporters he sensed no greater willingness by Republicans to let income tax cuts for high earners expire Dec. 31 as Obama is demanding.
“We’ve got a very long way to go and very few days to get there,” he said. Bowles didn’t describe his conversation with the president.
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Kommentar: In den deutschsprachigen Medien wird schon seit Tagen die Zuversicht verbreitet, die Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern kommen voran und eine Lösung gelingt bis zum Jahresende. Dieser Artikel vermittelt einen anderen Eindruck. 


Ugly Q3 GDP Confirms Personal Consumption Collapsing; Headline "Growth" Driven By Government, Inventory Accumulation 
(zerohedge.com) One glance at today's second read of Q3 GDP may leave some with the false impression that the US economy is soaring, because after sliding to 1.3% in Q2, and after a preliminary read of 2.0% in the first Q3 estimate, today's print, which missed estimates of a 2.8% print, did nonetheless rise to 2.7%. "A stunning success", the administration sycophants would say. Absolutely wrong. Because a quick glance at the underlying numbers shows the true picture of the economy which contracted far more than most expected, with personal consumption collapsing to 1.4% Q/Q, on hopes of a 1.9% rise, and down from 2.0%. In fact, at 0.99% personal consumption expenditures - the core driver of 70% of the US economy - were a tiny 36% of the headline number. Ironically today's second GDP revision was far worse when analyzed at the component level, than the first Q3 estimate, which while lower overall at 2.0%, at least had personal consumption nearly 50% higher at 1.42%, or well over half of the total contribution. So what drove "growth" in Q3? Nothing short of the most hollow and worst components of GDP: Government Spending, which soared to 0.67% of the annualized number, the first positive print in years, and of course, Inventories, which were responsible for 30% of the headline number. Finally, and most importantly, Fixed Investment, aka CapEx, was a meager 0.1%, or the lowest GDP contribution since Q1 2011. Without CapEx there is no corporate revenue growth (and future hiring intentions) period.
Sadly not even Sandy can be blamed on the collapse in consumption in Q3, for the simple reason that the Hurricane did not hit until 1 month into Q4. Perhaps it is Sandy's fault it did not hit sooner. In the meantime, all those hoping that the US consumer is finally waking up from his slumber and is spending (on credit of course) like a drunken sailor (for anything more than iPads using student loan proceeds), will have to wait until Q1 2013, as the Q4 2012 number will be even uglier than the one just released. Read... 

Kommentar: Zugegeben, ein etwas trockener Stoff. Räumt aber eindeutig mit dem Märchen vom steigenden US-Konsum auf, das gerade landauf, landab durch das deutsche mediale Dorf geschrieben wird. Diese Grafik spricht Bände: 


Da muß nichts mehr kommentiert werden. 


Housing Recovery: What Has Been Forgotten? 
(zerohedge.com) As of late there has been a flood of commentary written about the housing  recovery pointing  to the bottom in  housing  and  how the revival in  housing will drive economic growth in  the years ahead. It is true that the revival in the housing market is a positive thing and is certainly something that everyone wants.  However, the hype surrounding the nascent recovery to date may be a bit premature. Read more... 

Kommentar: Bestenfalls ein sehr, sehr zaghaftes Pflänzchen, was gerade das Licht der Welt erblickt, mehr ist es noch nicht: "It is important to understand that housing will recover - eventually.  However, the reality of that recovery could be far different than what the current media and analysts predict. In an economy that is expected, according to the Federal Reserve, to have a long term economic growth trend of 2.6% - a recovery to historic norms, much less the pre-crises peak, is highly unlikely.  However, for now, the housing market is recovering and that is a good thing - just remember what is really driving it."




Alarm in Argentinien 
(ftd.de) Argentiniens Politiker haben ihre Schuldenschnitt von 2002 als Sieg verkauft – und gar als Vorbild für Griechenland. Der Schuldenschnitt war richtig. Aber seine ideologische Überhöhung fällt Argentinien nun auf die Füße. Mehr...

Kommentar: Wahrlich kein gutes Vorbild für Griechenland. Argentinien steckt heute immer noch in den Schwierigkeiten, die dem Land der Schuldenschnitt und seine Nebenwirkungen eingebrockt hat. Regelmäßig wird diese Tatsache übersehen. Scheinbar wird das bisschen Fleisch, das Argentinien mittlerweile wieder angesetzt hat, gleich wieder abgefieselt werden


Argentinien büßt für Kampf gegen Spekulanten 
(sueddeutsche.de) Ein gepfändetes Schiff, Kolonialismus-Vorwürfe und eine Abwertung um gleich fünf Stufen durch die Ratingagentur Fitch: Der Streit zwischen Argentinien und Finanzspekulanten eskaliert. Bevor das Land einem Hedgefonds eine Milliarde Dollar zurückzahlt, riskiert es lieber einen Staatsbankrott. Mehr...

Kommentar: Das Land wehrt sich - umsonst, sein Schicksal ist besiegelt. Dafür sorgen US-Richter. 


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Besser kann man nicht beschreiben, was wir bei unseren Beratungen immer und immer wieder erleben. Es ist offensichtlich brutal schwer, sich von den liebgewonnenen, teilweise sogar ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, sich und seine Ersparnisse auf das Unabwendbare vorzubereiten. 

Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Regierungen schauen diesem Treiben vollkommen hilflos zu. Schlimmer: Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Dieser Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.    

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff so weit wie möglich in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen dabei helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.