Sonntag, 9. Dezember 2012

Standpunkt 477 - Nachrichten-Ticker, 08.12.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ...       


Tagesthemen: Vermögenssteuer – USA Food StampsApple – Japan – Bankenkrise – Italien – Schulden – Irland – Weidmann versus Immobilienblase 


"Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Seit einigen Wochen steht ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Außerdem möchten wir uns auf diesem Weg für das riesige Interesse an diesem Beitrag bedanken. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Ausweg Vermögenssteuer?
(heise/telepolis.de) Warum negative Zinsen ein Weg sind, wie man wirkungsvoll das spekulative Finanzkapital in die Realwirtschaft lenken kann.
Weltweit nehmen staatliche und private Verschuldung weiter rasant zu. Das Platzen der nächsten Finanzblase zeichnet sich bereits am Horizont ab. Dabei sind in keinem vergleichbaren Land die ökonomischen Rahmenbedingungen ähnlich gut wie in Deutschland. Dennoch mussten Bund und Länder auch in diesem Jahr ihre Gesamtschuld deutlich erhöhen. Um diesen Trend endgültig zu brechen, haben SPD und Gewerkschaften die Idee der Vermögensteuer und einer Millionärsabgabe reanimiert. Noch ist nicht klar, ob die Forderung nach einer Millionärsabgaben eine Zombiediskussion zur Beschäftigung der linken Ideologen bleibt. Sicherlich ist sie geeignet, große Teile der Basis zu aktivieren. Als Antwort auf die ökonomischen Probleme sind beide Ansätze ungeeignet.  
Aus einer Vermögensteuer und einer Millionärsabgabe würden sich negative Rückkopplungen für den gesellschaftlichen Fortschritt ergeben. Damit es gelingt, die Forderung nach der Reichensteuer durchzusetzen, ist ein enormer Kraftaufwand erforderlich. Wenn sich dann zeigt, dass der Effekt nur geringfügig ist und die Ursachen der Probleme gar nicht tangiert werden, erzeugt dies Enttäuschung und Agonie. Es kommt jetzt darauf an, aus einer korrekten Analyse die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Mehr... 

Kommentar: Das Wahlkampfthema von SPD und Gewerkschaften. Steinbrück braucht ein Schlagwort, warum nicht die Vermögenssteuer. Dieser Beitrag versucht sich an einer "Nützlichkeitsanalyse" und der Autor kommt aus seiner Sicht zu einem eindeutigen Ergebnis: Ungeeignet. Er favorisiert negative Zinsen, wie in diesen Tagen von der EZB diskutiert, um die Realwirtschaft ausreichend mit Krediten zu versorgen. Nur, wofür? Für Produktionen auf Halde? Einzig Frankreich verfügt beispielsweise noch über eine nennenswerte Binnennachfrage, deren Ende jedoch bereits absehbar ist. Bleiben noch die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China. Denen werden besonders von deutschen Konzernlenkern wahre Wunderdinge zugesprochen. Nach unserer Einschätzung wird vor allen Dingen Hoffnung verbreitet. Günstig für den ifo-Geschäftsklimaindex.


USA: Food Stamps im September mit neuem Allzeithoch 
(querschuesse.de) Laut den offiziellen Daten des US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture) stieg die Zahl der Food Stamps Bezieher im September 2012 um kräftige +607’599 zum Vormonat und damit auf ein neues Allzeithoch mit 47,710324 Millionen, nach 47,102765 Millionen im Vormonat und nach 46,268250 Millionen im Vorjahresmonat. Mit diesem rabiaten Anstieg zeigt sich weiter die miese Qualität der bisherigen wirtschaftlichen Erholung in den USA, welche keine positiven Auswirkungen auf die Zahl derjenigen ausstrahlt, die in Armut leben und auf staatliche Lebensmittelhilfen angewiesen sind. Vor allem wirft diese in hunderttausender Blöcken steigende Zahl der Bedürftigen auch einen dunklen Schatten auf die Qualität des monatlichen US-Arbeitsmarktberichts, auf sinkende Arbeitslosenquoten – die nur Ergebnis erbärmlicher statistischer Verbiegungen sind. Mehr...

Kommentar: Wie die gestern untersuchten Arbeitslosenzahlen ist die neue Zahl der Bezieher von Lebensmittelmarken eine Schande für Amerika. Gab es Anfang des Jahres noch eine Verlangsamung, bzw. sogar ein Rückgang, so zieht seit einigen Monaten die Zahl der Bedürftigen wieder an. Mittlerweile ist die Zahl von 50 Millionen in Sichtweite. Hält Obama nicht endlich sein Versprechen und schafft neue Vollzeit-Jobs, wird mit dem Anstieg der Armut auch die Zahl der Food Stamps Bezieher immer noch weiter zunehmen. Die folgende Grafik aus dem Beitrag zeigt die Entwicklung: 




Apple holt Jobs zurück 
(sueddeutsche.de) Zurück zu den Wurzeln: Apple-Chef Tim Cook will Mac-Computer wieder in den USA produzieren lassen. So sollen auch amerikanische Arbeitnehmer vom Erfolg des Computergiganten profitieren. Eine Trendwende ist das aber nicht. Die Industrieproduktion ist globalisiert und wird es auch bleiben. Niemand von ökonomischem Verstand würde auch nur versuchen, daran etwas zu ändern. Mehr... 

Kommentar: Der Autor dieses Beitrages kommt mit wirklich steilen Thesen daher. So belegen Untersuchungen in den USA eindeutig, was der Autor in Frage stellt: Den millionenfachen Export von Arbeitsplätzen aus den USA in die Billiglohnländer in den vergangenen zwanzig Jahren. Einzig zu dem Zweck, auf dem Weg der Billiglöhne die Gewinne zu maximieren. Im Gegenzug haben dann uramerikanische Unternehmen wie Walmart zeitweise über 80% seiner Waren aus diesen Ländern bezogen. Während vorher über viele Jahre hinweg mittels unübersehbarer Plakate noch regelmäßig in den Stores dazu aufgerufen wurde, US-Waren zu kaufen. Die Amerikaner haben dafür mit einem massiven Einbruch des Anteils an der Weltwirtschaftleistung bezahlt, wie diese Grafik eindrucksvoll zeigt


Quelle: acrossthestreet.net
  

Schon seit mindestens zwei Jahren hat ein Umdenken eingesetzt. Logisch, daß Apple endlich ein Zeichen setzen muß, selbst wenn es erst einmal nur ein kleines ist. Voller Lob ist der Autor für das angebliche Vorbild Deutschland. Er vergißt dabei offensichtlich, daß die "Deutschland AG" über Jahrzehnte hinweg den hiesigen Industriestandort gehegt und gepflegt hat - nicht zuletzt aus Eigeninteresse. Das hat sich mittlerweile erledigt. Deshalb entstehen beispielsweise von den im vergangenen Jahr angekündigten 40.000 neuen Arbeitsplätzen im VW-Konzern nur noch 5.000 in Deutschland, der Rest geht hauptsächlich nach China. Wenn der Autor schreibt,  "die Exportüberschüsse der Bundesrepublik sind Ausdruck der Tatsache, dass die deutsche Industrie in der Lage war, das Wachstum in China und anderen Schwellenländern gut für sich zu nutzen", dann erweckt er den völlig falschen Eindruck, diese Länder wären primär für diese Überschüsse verantwortlich. Nach wie vor sind Deutschlands Nachbarn die wichtigsten Handelspartner, allen voran Frankreich. 


Japan sitzt in der wirtschaftlichen Falle 
(diepresse.com) Seit zwei Jahrzehnten wächst Japans Wirtschaft kaum noch. Im Wahlkampf klammern sich Politiker an die Zentralbank, obwohl langfristig höhere Steuern wichtiger sein könnten. Aber diese lassen sich kaum durchsetzen. Mehr...

Kommentar: Japan halftert ab. Da kommen keine Impulse mehr. Die Japaner sind nicht erst seit der Katastrophe in Fukushima viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Viele namhafte Konzerne geraten in ernste Schwierigkeiten, oder machen zum ersten Mal in ihrer Geschichte erhebliche Verluste. Die Autoindustrie kämpft ständig mit erheblichen Qualitätsproblemen, die Rückrufaktionen häufen sich. Toyota, über viele Jahre hinweg leuchtendes Vorbild für den Westen, bekommt seine Probleme nicht in den Griff. Der Beitrag zeigt jedenfalls: Als Vorbild für Europa ist Japan nicht unbedingt geeignet. 





Bankenkrise: Siechtum mit System 
(faz.net)  Die Finanzwirtschaft ist dabei, sich umzubringen. An die Bankvertreter richtet sich die Frage: Wollen sie weiterhin Sterbehilfe leisten? Was zu tun ist. Ein Essay. Mehr... 

Kommentar: Wir reiben uns immer noch die Augen - der F.A.Z. ist ein unerwartet fundierter Beitrag gelungen. Da werden Aussagen getroffen, die sonst dem Wirtschaftsteil der Zeitung eigentlich fremd sind. Da ist von "Sprengsätzen" die Rede, die immer noch "zum strategischen Arsenal der Geldhäuser zählen", oder es werden "undurchsichtige Transaktionen, wenig transparente Angebote, nebulöse Methoden, mitunter begleitet von Betrug und Korruption" angeprangert. Die Verfasser, profunde Kenner des Systems, konstatieren,  "man zieht es vor, auf trügerischer Basis weiterzumachen, statt das, was auf der Hand liegt, aber mehr als unangenehm ist, zur Kenntnis zu nehmen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen." Bemerkenswert auch ihre Vorschläge zur Lösung der Bankenkrise: "Remedur der Bankenorganisation, Rating betriebsnah und ideologiefrei, Rechnungswesen mit Transparenz und Redefinition des Geschäftsverständnisses." Unterbleibt diese Lösung, dann erwarten die Verfasser Schlimmes: " Dann wird die Zeit nach der Megakrise zu einer Zeit vor der Hyperkrise. Dann folgt der Staatsschuldenkrise und der Kreditkrise eine generelle Vertrauenskrise und ihr wiederum eine Systemkrise, die aber, anders als seinerzeit bei der Auflösung der Blöcke, keine Hoffnungsalternative mehr bietet und deshalb in einer kollektiven Demoralisierung enden muss." Einiges ist diskussionswürdig, insgesamt aber ein wirklich lesenswerter Artikel. 


Italien: Krise wird zum Spaltpilz – Vermögen schrumpfen rapide 
(format.at) Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Italien immer weiter auseinander. Während sich die Zahl der Familien mit einem Vermögen von mehr als einer halben Million verdoppelte, sinkt der Anteil der Mittelschicht am Gesamtvermögen. Italiens jahrelange Wirtschaftsmisere hat einer Studie zufolge zu einem massiven Wohlstandsverlust in der Gesellschaft geführt. Das durchschnittliche Haushaltsvermögen sank in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 40 Prozent, wie am Freitag aus einer Untersuchung des Forschungsinstituts Censis hervorging. Mehr...

Kommentar: Die Umverteilung in Europa macht Fortschritte. Insofern steckt hinter der Austeritätspolitik System. In Italien könnte diese Entwicklung Berlusconi noch ein letztes Mal zurück an die Macht bringen.  


Mario Monti kündigt Rücktritt an 
(sueddeutsche.de) Italiens Ministerpräsident Mario Monti will nicht mehr. In Rom kündigte er seinen Rücktritt an, sobald die neuen Haushaltsgesetze verabschiedet sind. Zuvor hatte ihm die rechtspopulistische Partei von Ex-Premier Berlusconi das Vertrauen versagt. Der will ihn nun beerben. Mehr... 

Kommentar: Wirklich keine abgekartete Sache? Tatsächlich der vor wenigen Tagen verlorenen Vertrauensabstimmung geschuldet. Kaum zu glauben. Goldman gibt nicht einfach so eine exponierte Stellung auf. Oder sollte Monti Italien zu klein geworden sein? Wir bleiben gespannt. 


Die Sache mit den Schulden 
(handelsblatt.com) Manche sagen: Deutschland kann sich die Rettung anderer Länder gar nicht leisten. Das stimmt so nicht ganz. Denn die entscheidende Frage dabei ist: Wie lange schwelt die Krise noch weiter? Mehr... 

Kommentar: Der Autor rechnet nach und versucht sich außerdem mit Prophezeiungen. Solche Beiträge sind rar und verdienen unsere Aufmerksamkeit. 


Irischer Notenbankchef hofft auf Aufschub 
(handelsblatt.com) Altlasten machen es Irland immer noch schwer, das Vertrauen der Märkte zurück zu bekommen. Der irische Notenbankchef hofft daher, dass die EZB die Rückzahlungsfrist über mehrere Milliarden Euro aufschiebt. Mehr... 

Kommentar: Offensichtlich ist es doch noch nicht so weit her, mit der irischen Erholung, vom Spiegel vor wenigen Tagen schon zum "Mustertiger" erklärt (hier). Tatsächlich geht Irland nach wie vor auf dem Zahnfleisch und hat erst wieder ein neues Sparprogramm verabschiedet (hier). Da bleibt wenig Luft, um pünktlich seinen Verpflichtungen nachzukommen. Sparen alleine nutzt wenig, es müssen auch Einnahmen her. 


Weidmann sieht keine Immobilienblase 
(handelsblatt.com) Steigende Preise ja, Anzeichen für eine Blase nein. So sieht Bundesbank-Chef Jens Weidmann die Lage am deutschen Immobilienmarkt. Er tritt damit Kritikern entgegen, die der Bundesbank Panikmache vorwerfen. Mehr... 

Kommentar: rzlich warnte die Bundesbank vor einer Immobilienblase in Deutschland (hier). Das ist wohl bei den Beteiligten nicht besonders gut angekommen und deshalb nimmt Weidmann dieser Aussage ein bisschen die Schärfe.


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Besser kann man nicht beschreiben, was wir bei unseren Beratungen immer und immer wieder erleben. Es ist offensichtlich brutal schwer, sich von den liebgewonnenen, teilweise sogar ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, sich und seine Ersparnisse auf das Unabwendbare vorzubereiten. 

Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Regierungen schauen diesem Treiben vollkommen hilflos zu. Schlimmer: Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Dieser Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.    

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff so weit wie möglich in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen dabei helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.