Samstag, 15. Dezember 2012

Standpunkt 483 - Nachrichten-Ticker, 14.12.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell über das Wichtigste informieren wollen. Keinesfalls geht es darum, nur das zu veröffentlichen, was uns in den Kram passt. Gegensätzliche Meinungen bekommen ihre Chance ... 


Tagesthemen: Immobilienblase in Deutschland – KapitalverkehrskontrollenGoldman Sachs in Europa – Cantillion-Effekt – Banken unkontrolliert – Finanzzentrum London – Europa – EU-Gipfel – EU-Bankenaufsicht  


"Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Seit einigen Wochen steht ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik immer dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Außerdem möchten wir uns auf diesem Weg für das riesige Interesse an diesem Beitrag bedanken. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher. 


Jetzt muss die Luft raus 
(sueddeutsche.de)  Erlebt nun auch Deutschland eine Immobilienblase? Die Preise in den Ballungszentren hierzulande sind im vergangenen Jahr so stark gestiegen wie noch nie. Die Situation ist noch nicht so dramatisch wie sie es in Spanien oder den USA war. Dennoch gilt: Eine Blase offenbart sich erst, wenn sie platzt. Mehr... 

Kommentar: Der Artikel macht den Versuch, die Zeichen für eine Immobilienblase wegzuschreiben. Leider läßt sich die Wirklichkeit davon nicht beeindrucken. Gut zu beobachten in der unmittelbaren Nachbarschaft Österreich, Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. Die angestellten Vergleiche mit den USA und Spanien verbieten sich natürlich, weil hierzulande grundsätzlich keine Hypothekendarlehen vergeben werden, die den Wert des Objektes übersteigen. Das Problem: Die nachfragebedingte Preisexplosion verfälscht den substanziellen Wert der Immobilien. Dazu kommt die absehbare Gefahr, die von einer nachlassenden Wirtschaftsleistung ausgeht, aus der dann sogar eine Rezession werden kann. Selbst in Deutschland. 


Globale Kapitalregeln 
(project-syndicate.org) Es ist offiziell. Der Internationale Währungsfonds hat Kapitalkontrollen sein Plazet gegeben und damit den Einsatz von Steuern und sonstigen Beschränkungen in Bezug auf grenzüberschreitende Finanzströme legitimiert. Es ist noch nicht lange her, dass der IWF hart darauf drängte, dass sich alle Länder – reiche wie arme – für ausländische Finanzmittel öffnen sollten. Jetzt hat er die Realität anerkannt, dass die Finanzglobalisierung ein Störfaktor sein kann, der Finanzkrisen und wirtschaftlich nachteilige Währungsbewegungen hervorruft. Die unendliche Geschichte unserer Hassliebe zu Kapitalkontrollen ist damit um eine weitere unerwartete Wendung reicher. Von Dani Rodrik. Mehr... 

Kommentar: Kapitalverkehrskontrolle wird wieder salonfähig. Nicht nur in den Schwellenländern. Der unbeschränkten Mobilität des Kapitals soll bei Bedarf Einhalt geboten werden können. Ein Ziel, das besonders im Hinblick auf Financial Repression und die Enteignung der Bürger durch den Staat ein dringend notwendiges Handwerkszeug darstellt. Schlagartig wächst die Gefahr, daß Europa zum Gefängnis für Erspartes und Vermögen wird. Außerdem bestens geeignet, um den Kapitalabfluß aus den Krisenstaaten zu stoppen. Der Ökonom Dani Rodrik geht in seinem Beitrag darauf nicht ein, sieht aber die jüngste Meinungsänderung des IWF eindeutig im Zusammenhang mit der seit 2008 andauernden Finanzkrise und ihrer Folgen. Hier gibt es das Statement des IWF. 


EU braucht Goldman: Merkel drängt Monti zur Kandidatur 
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Zusammen mit Berlusconi und Angela Merkel besuchte Mario Monti am Donnerstag überraschend die European People's Party in Brüssel. Dort soll Merkel Monti aufgefordert haben, für die vorgezogenen Neuwahlen zu kandidieren. Der Goldman-Technokrat wird noch immer geschätzt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Die Nachricht zeigt: Der Einfluß von Goldman Sachs in Europa ist gewollt. Weit offen steht die Tür für alle, die im Auftrag dieser Strippenzieher ihr Unwesen in der europäischen Krise treiben. Natürlich ausschließlich im eigenen Interesse, nie und nimmer zu Gunsten Europas. Bemerkenswert: Merkels wichtigster Berater ist der Deutschland-Chef von Goldman Sachs, der gelernte Arzt und angelernte Finanzmanager Alexander Dibelius. Gleichzeitig gerät Italien in den Focus der Ratingagenturen: "Fitch zu Italien: Wahlen gefährden Kreditwürdigkeit" meldet aktuell Österreichs Format und faßt zusammen: Angesichts von Reformfortschritten hat die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit von Italien bestätigt. Die Bonität des Eurolandes werde weiter mit der Note "A-" bewertet, teilte Fitch am Freitag in London mit. Fitch bewertet damit Italien besser als die übrigen Euro-Krisenländer. Die Note "A-" liegt vier Stufen über dem sogenannten Ramschnivau, das spekulative Anlagen beschreibt. Der Ausblick für das Rating bleibt "negativ". Ein Gefahr für die Kreditwürdigkeit, stellen laut Fitch, die anstehenden Wahlen dar. Mehr hier. So einfach wird ein demokratisches Grundrecht diskreditiert. Gehört das vielleicht zu Merkels "marktkonformer Demokratie", die auch in Europa Verbreitung finden soll? 


Der Cantillon-Effekt: Das Ponzi-Schema der Notenbanken
(heise/telepolis.de) Geld ist, was wir für die Dinge, die wir wollen, bezahlen müssen. Mit Geld können wir angeblich messen, was wir "wert" sind. Wenn zu viel Geld gedruckt wird, ist die wichtigste Frage, wo der Geldfluss hingeht. Fließt das Geld nicht in Innovationen, sondern in Rettungspakete für die Banken, ist es für alle Zeiten für die Gesellschaft verloren, weil der einzige Zweck, den es hierbei erfüllt, der ist, die Reichen noch reicher zu machen. Dieser sogenannte "Cantillon-Effekt", der beschreibt, was geschieht, wenn neues Geld politisch begünstigten Gruppen zugeschanzt wird, ist interessant. Mehr... 

Kommentar: Aufmerksam lesen lohnt sich. Die Unabhängigkeit der Notenbanken, wie er im Zusammenhang mit der Bundesbank so gerne von den Deutschen geglaubt wird, ist ein Mythos, mehr nicht. Die Bundesbank tut alles dafür, diesen öffentlichen Glauben am Leben zu halten. Die Wirklichkeit ist anders. Der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister hat diesen Irrglauben bereits Mitte der 1990er Jahren untersucht: "Die Bundesbank: Hüter der Stabilität oder des Finanzkapitals?". Das Ergebnis ist äußerst aufschlußreich und entzaubert den Mythos. Wir haben uns bereits im Januar in einem eigenen Beitrag damit ausführlich beschäftigt (hier).  
Der Cantillon-Effekt bezeichnet in der Ökonomie den Effekt, dass sich eine Erhöhung der Geldmenge nicht automatisch gleichmäßig auf alle Bereiche einer Volkswirtschaft verteilt, sondern in Stufen, wobei manche Bereiche (insbesondere der Banksektor und andere staatsnahe Firmen) zuerst profitieren, während der Rest der Volkswirtschaft später folgt. Benannt wurde der Effekt nach Richard Cantillon (Quelle: Wikipedia, 14.11.2012).


Britischer Aufseher: Banken sind zu wichtig, um kontrolliert zu werden 
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Im Zuge des Libor-Skandals sind etliche Großbanken ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Doch zu harte Strafen dürften den Banken nicht aufgebürdet werden, warnt ein britischer Bankenaufseher. Das würde die Banken unnötig destabilisieren. Mehr... 

Kommentar: Diese Nachricht muß man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Es könnte die Erklärung dafür sein, daß in Europa die Bankenaufseher immer noch wegsehen, statt zu kontrollieren und die Strafverfolgung gegenüber der Finanzindustrie weiter äußerst mangelhaft ist. Eine Schande. 


London Falling 
(manager-magazin.de) Das Finanzzentrum London kämpft um seine Vormachtstellung - nicht immer auf die feine englische Art. Politiker und Aufseher geben dem Druck der Lobby nach und weichen die Regulierung auf. So verteidigt die City ihren Status als Oase für Finanzakrobaten. Mehr... 

Kommentar: Der größte Teil des britischen BIP stammt aus der Londoner City. Die gilt es zu verteidigen - hauptsächlich durch Wegsehen. Der Beitrag macht klar, warum Großbritannien sich jeder Regulierung der Finanzindustrie, der EU-Bankenunion oder einer schärferen Strafverfolgung der Verantwortlichen, widersetzen wird. Die jüngsten Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal sind bloße Bauernopfer. 


Bundesstaat Europa kommt nicht über den Winter 
(presseurop.eu) Es ist der letzte EU-Gipfel eines langen Jahres aber er wird nicht den erhofften Startschuss für eine engere Wirtschafts- und Währungsunion bringen. Deutschland und Frankreich bremsen die Gemeinschaft erneut aus und vertagen die Debatte auf 2014. François Hollande und Angela Merkel haben der Europäischen Union einen denkbar schlechten Dienst erwiesen. Frankreich und Deutschland sind sich ausnahmsweise einig und haben kurzerhand die Strategie-Debatte über die Zukunft Europas begraben. Die Debatte ist aufgeschoben, oder besser gesagt beschlagnahmt, verboten.  Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Sie ist es, Angie I., Kaiserin von Europa (hier). Europas Interessen werden einfach ihren persönlichen Machtansprüchen untergeordnet. Deutschland wählt im September 2013, so lange ruht die europäische Krise, soweit es nach dem Willen von Angela Merkel geht. Die meisten europäischen Politiker scheinen ihr Spiel mitzumachen, die Spekulanten sicherlich nicht. D. h., dieser politische Stillstand, die Handlungsunfähigkeit der Regierungen (hier), wird die Krise nur noch weiter verschärfen und ihre Kosten in die Höhe treiben. Viele Deutsche werden diese Taktik gutheißen. Es sind die Leute, die regelmäßig für beste Umfrageergebnis der Kanzlerin sorgen (hier). Sie begreifen nicht, daß sie demnächst die Leidtragenden dieser Politik sein werden. Schuldenknechtschaft bleibt kein südeuropäisches Problem. Der Spiegel, längst nur noch ein Abbild einstiger journalistischer Wertarbeit, feiert "Die Europameisterin" Angela Merkel: In der Euro-Krise tanzt alles nach ihrer Pfeife: Auf dem letzten EU-Gipfel dieses Jahres setzte Angela Merkel ihren Zeitplan durch, der Reformplan für ein neues Europa wurde auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben. Störfeuer droht der Kanzlerin höchstens aus Frankreich. Mehr hier. Was in diesem Beitrag steht hat überwiegend nur BILD-Niveau. Die Welt sieht es etwas kritischer und titelt: "Europas Winterschlaf bis zum nächsten Absturz" und schreibt: Der letzte EU-Gipfel im Krisenjahr sollte die EU-Länder enger zusammenrücken. Es bleibt jedoch die ernüchternde Feststellung: Die Rede vom gemeinsamen Willen zu "mehr Europa" ist eine glatte Lüge. Mehr hier. Ähnlich die Frankfurter Rundschau. Die beschreibt es als "Europas Winter- und Sommerfahrplan" und moniert den Gipfel: Die Euro-Krise ruht und das bremst den Reformdruck in der Europäischen Union. Ursprünglich wollte Merkel Tacheles reden und mutige Schritte machen, doch davon ist nicht mehr viel zu sehen. Die EU verschiebt nötige Neuerungen auf die Zeit nach der Europawahl. Mehr hier. Die Zeit findet: "Den EU-Chefs geht die Puste aus" und analysiert: Schicke Zeitpläne, wenig Konkretes: Die Staats- und Regierungschefs verschieben die ehrgeizigen Pläne zur EU-Reform auf den nächsten Sommer. Mehr hier. Anders die SZ. Dort heißt es zuversichtlich: "Europa erkennt den Weg aus der Krise". Sie schreibt: Die Krise zwingt die EU zu Beschlüssen, die sie niemals getroffen hätte, ginge es nicht ums nackte Überleben. Nun sind wieder ein paar Lichter an in Europa. Einige leuchten sogar so hell, dass sie den Weg aus der Krise weisen. Entwarnung wäre aber unangebracht. Mehr hier. Alle Beiträge zeigen eigentlich nur eines: Wieder ein Gipfel ohne nennenswerte Ergebnisse. 

Quelle: telegraph.co.uk

Europas Gräben in ständiger Bewegung 
(wirtschaftsblatt.at)  Von der Montan- über die Banken- hin zu einer echten Union. Mehr... 

Kommentar: Eine mutige Sicht auf die aktuelle Entscheidung für eine EU-Bankenaufsicht. Stellenweise nicht stichhaltig, aber immerhin kritisch. Was nicht funktioniert: Die Bankenunion soll die politische Union fördern. Das Gegenteil ist der Fall. Eine Bankenunion ohne vorherige Neuordnung der Finanzindustrie führt nicht zum gewünschten Erfolg, sondern finalisiert lediglich die in Südeuropa schon begonnene Entwicklung zu einer Schuldenknechtschaft für ganz Europa. 


EU-Gipfel: Halbe Billion für kaputte Banken nötig 
(diepresse.com) Woher das öffentliche Geld für die Abwicklung insolventer Kreditinstitute kommen soll, bleibt mit Rücksicht auf die deutschen Wahlen im Herbst 2013 vorerst offen. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Es ist immer wieder erstaunlich, was Europas Krisenpolitiker der Öffentlichkeit vorrechnen. Es paßt hinten und vorne nicht. Wie weit können 0,5 Billionen Euro reichen, wenn alleine der Müll in den Bilanzen europäischer Banken 18,2 Billionen Euro beträgt (hier)?  Die amerikanische „Federal Deposit Insurance Corporation“ (FDIC) als Vorbild? Der US-Einlagensicherungsfonds gilt hinter vorgehaltener Hand schon seit einiger Zeit als pleite. Wie die Abwicklung "todgeweihter Banken" funktioniert, zeigt ein Blick in die "Todesliste" der FDIC, hier. Die Vermögenswerte werden auf eine andere Bank übetragen, alles andere fällt unter den Tisch. 


Quelle: diepresse.com

"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Besser kann man nicht beschreiben, was wir bei unseren Beratungen immer und immer wieder erleben. Es ist offensichtlich brutal schwer, sich von den liebgewonnenen, teilweise sogar ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, sich und seine Ersparnisse auf das Unabwendbare vorzubereiten. 

Aus der ursprünglich beherrschbaren Finanz-/Euro-/Banken-Krise entwickelt sich unerbittlich ein Finanzkollaps. Die Regierungen schauen diesem Treiben vollkommen hilflos zu. Schlimmer: Die Banken betrügen hemmungslos weiter und die Politiker helfen ihnen dabei tatkräftig (hier).  

Deutschland ist bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Das bleibt nicht so. Dieser Traum geht zu Ende! Längst bereitet die Bundesregierung heimlich, still und leise die Enteignung ihrer Bürger vor (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang.  Außerdem haben wir hier und hier unsere wichtigsten Blog-Beiträge zusammengestellt. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.    

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff so weit wie möglich in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen dabei helfen. Für unsere Beratung berechnen wir lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de.