Montag, 31. Dezember 2012

Standpunkt 499 - Nachrichten-Ticker, 30.12.


Täglich stellen wir für unsere LeserInnen aktuelle und interessante Beiträge aus dem Internet zusammen, die wir mehr oder weniger kommentieren und ergänzen. Ideal für alle, die sich schnell informieren wollen. Wir versuchen, ausgewogen zu sein. Gegensätzliche Meinungen bekommen bei uns eine Chance... 


Tagesthemen: US-Fiskalklippe – Rezession 2013EU-Banken mit Liquiditätsproblemen – Jens Weidmann – Sahra Wagenknecht – Bundesschatzbriefe am Ende - Derivate - Ministeriums-Leiharbeiter  


Top-Thema: "Die staatlichen Werkzeuge der Enteignung - eine Übersicht" 
Es ist schon einige Wochen her, daß wir ein neues Update zum Thema hier für unsere LeserInnen zur Verfügung gestellt haben. Für „Offliner“ gibt es den Beitrag dort auch als pdf-Datei. Wir haben diesen Beitrag wie immer sorgfältig recherchiert und allgemeinverständlich formuliert. Unabhängig davon sind wir für Anregungen und Ergänzungen oder auch Kritik offen und dankbar. Besonders gut hat uns die folgende „Kritik“ gefallen: „Unbedingt lesenswert; ein ganzes Füllhorn von Fakten und Daten, akribisch aufbereitet. Hier wird genau beschrieben, wie der Diebstahl der Staatskrake vonstatten gehen wird und wie er propagandistisch begleitet werden wird“ (hier). Nach wie vor besteht großes Interesse an diesem Thema. Wir nehmen es als Bestätigung unserer Arbeit und als Ansporn, weiter zu machen wie bisher


Sollen wir über die Klippe springen? Na, gut!
(handelsblatt.com) Die Fiskalklippe wird überall als Vorbote zur Hölle dargestellt. Nichts Schlimmeres könnte passieren. Ist das so? Es klingt pervers, aber: Sowohl Demokraten als auch Republikaner wären mit einem Absturz gut bedient. Mehr... 

Kommentar: Seit 24 Stunden beherrschen die Verhandlungen in Washington hierzulande die Nachrichten, mit weiter steigender Tendenz. Alles andere tritt in den Hintergrund. Einig sind sich scheinbar alle darin, daß die USA, Europa und die Schwellenländer in eine Rezession rutschen, wenn sich die Streithähne nicht einigen können. Wir glauben nicht so recht an diese Entwicklung, zumal die Wirtschaft vieler Länder längst in einer Rezession steckt, unabhängig von den Verhandlungen in den USA. Der Autor dieses Beitrages läßt sich durch die Aussicht auf die Fiskalklippe nicht entmutigen und beschreibt den Nutzen für die beiden politischen Lager. Bedauerlich nur, daß er mit dem Nutzen für Amerika nicht umbedingt etwas zu tun hat. Einfach mal lesen. 


Amerika vor der Klippe
(faz.net)  In wenigen Stunden entscheidet sich, ob Amerika von der fiskalischen Klippe stürzt. Was bedeutet das? Und was wären die Folgen für unseren Wohlstand? Mehr... 

Kommentar: Dieser Artikel beantwortet wichtige Fragen rund um dieses Thema, dem gerade so viel Bedeutung beigemessen wird. Sachlich und ohne Pathos. Es wird klar: Die Welt geht nicht unter und das Leben weiter. Nur der US-Präsident bleibt beschädigt zurück und bestätigt ein weiteres Mal seinen Ruf als Schwächling. 

Quelle: allvoices.com

Investor Grundlach: 2013 beginnt eine weltweite Rezession
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de)  Der Investor Jeff Grundlach erwartet für 2013 den Beginn einer weltweiten Rezession, die bisher lediglich durch die massiven Eingriffe der Zentralbanken verschleiert worden ist. Eine Inflation werde es erst später geben - dann jedoch zwangsläufig und weltweit. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Bemerkenswert: Grundlach trifft diese Aussage unabhängig von dem Ausgang der Verhandlungen um den US-Haushalt. Die hält er übrigens für einen "großen Zirkus", bei dem es lediglich um kleinere Milliardenbeträge gehe, während das jährliche Defizit der USA 1,3 Billionen betrage. Das Land sei seit einigen Jahren in einer „fiskalischen Krise“. Entgegen landläufigen Meinungen sieht Grundlach 2012 noch keine Inflationsgefahr. Die Welt sieht das anders: "EZB-Geldschwemme schürt Inflationsängste" (hier).


Europäische Banken haben erhebliche Liquiditätsprobleme
(deutsche-wirtschafts-nachrichten.de) Am Freitag ist bei der EZB die Versteigerung von Termineinlagen misslungen, da sich nicht ausreichend Interessenten fanden. Grund für das fehlende Interesse sind offenkundig gravierende Liquiditätsprobleme auf Seiten der Banken. Mehr... 

Kommentar: Fast 1 Billion Euro Liquidität hat die EZB in zwei Tranchen den Banken zur Verfügung gestellt. Zuletzt im Frühjahr. Viele haben sich bedient (hier). Offensichtlich steckt diese Liquidität in lukrativen Spekulationen fest oder wurde schon wieder verzockt.   

 
 "Das ist ein Riesenpfusch"
(fuw.ch) Zahlreiche Kleinanleger haben im Börsengang der spanischen Fusionsbank Bankia ihr Geld verloren. Mehr... 

Kommentar: Es ist sicherlich nur eine Notiz am Rande der spanischen Bankenkrise. Aber sie wirft ein grelles Licht auf die kriminellen Methoden der Banken. Das wird nie aufhören. Zwanghaft greifen die Institute bei jeder Gelegenheit zu allen verfügbaren Mitteln, um maximale Gewinne zu erzielen und, noch wichtiger, von der eigenen bedrohlichen Situation abzulenken. Bankia bleibt in Spanien kein Einzelfall. 


"Die Ursachen der Krise sind noch lange nicht beseitigt" 
(faz.net) In Deutschland breite sich allenthalben Krisenmüdigkeit aus, stellt Bundesbankpräsident Weidmann im Interview fest. Die Politik dürfe nicht erwarten, dass die Notenbank "die Kastanien aus dem Feuer holt". Mehr... 

Kommentar: Recht hat er, der Herr Weidmann. Nur adressiert er die Ursachen falsch und läßt der Kritik keine Lösungsvorschläge folgen. Inakzeptabel. Sahra Wagenknecht hat es kürzlich so beschrieben: 


"Weidmanns Wahrheit greift zu kurz"
(handelsblatt.com) Bundesbankpräsident Jens Weidmann beklagt die Kreditvergabe an Krisenstaaten. Dabei müsste er dubiose Finanzderivate, virtuose Bilanzkosmetik und eine viel zu lasche Bankenregulierung kritisieren, sagt Sahra Wagenknecht. Mehr... 

Kommentar: Die linke Frontfrau bringt es auf den Punkt. Sehr zum Leidwesen der meisten Kommentatoren des Beitrages. Die Zentralbanken sehen sich nun einmal als Sachwalter der Interessen der Finanzindustrie, schon seit Jahrzehnten. Dazu gehört es eben nicht, deren Geschäfte zu kritisieren. Wer diese Tatsache für wenig glaubwürdig hält, der sollte sich dringend mit einer Untersuchung des österreichischen Ökonomen Stephan Schulmeister beschäftigen, der wir einen eigenen Beitrag gewidmet haben: "Die Bundesbank: Hüter der Stabilität oder des Finanzkapitals?" (hier). Die angesprochenen Finanzderivate sind Massenvernichtungswaffen (O-Ton Warren Buffett), die irgendwann ihr zerstörerisches Werk verrichten und reihenweise die Banken weiltweit in die Pleite treiben. Dann stehen sie da, die Zentralbanker, in kurzem Hemd und ohne Hose.


Ende einer Ära: Deutschland beerdigt Bundesschatzbriefe
(format.at) Nach mehr als vier Jahrzehnten verkauft Deutschland von 2013 an keine Bundesschatzbriefe mehr. Für Generationen von Sparern endet damit eine fast emotionale Beziehung zu den "Schätzchen" genannten Papieren. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Ein weiterer Beweis dafür, daß die Bundesbank hauptsächlich die Interessen der Banken, kaum die der Menschen in Deutschland im Auge hat. Hans-Ulrich Jörges hat recht, wenn er im stern diese Praxis moniert: "Deutschland (...) macht sich vollständig von den Kapitalmärkten abhängig. (...) In den 90er Jahren hatten auf diese Weise Kleinsparer bis zu 40% der Schuldenfinanzierung des Bundes getragen, mit bombensicheren und dennoch zinsstarken Papieren. Nun aber legt Finanzminister Wolfgang Schäuble keinen Wert mehr darauf, kann er doch Schuldtitel problemlos selbst mit Null-%-Coupon an Banken und Fonds losschlagen. Politisch indes ist die Einstellung der Bürgerschätze von herausragender Kurzsichtigkeit." Soweit Jörges (Quelle: stern, 52/2012, Seite 66, "Das Volk gegen die Banken"). Sehr aufschlußreich auch, wer sich jahrelang um die Abschaffung dieser Volksanlage verdient gemacht hat: Die Banken-Lobby, angeführt von den Sparkassen. Die Zeit berichtete darüber bereits im Sommer unter der Überschrift "Das Ende der Bundesschätzchen": Weiter heißt es dort: "Die Bankenlobby hat gewonnen, vermutlich wird der Bund sein Geschäft mit Privatkunden einstellen. Dann gibt es keine Bundesschatzbriefe mehr. Schlecht für die Anleger." Die Verbände der Banken und Sparkassen liefen Sturm gegen die Privatanleger-Pläne. 2008 wetterte ausgerechnet der damalige Bankenpräsident Klaus Peter Müller, dessen Commerzbank wenig später vom Staat gerettet werden musste, allen Ernstes gegen "beachtliches Fehlverhalten und einen Verstoß gegen die soziale Marktwirtschaft". Während zeitgleich die Finanzagentur  mit der behäbigen Schildkröte Günther Schild für die "entspannendste Geldanlage Deutschlands" warb. Mehr hier. Übrigens, nur um es zu erwähnen: Kein Sterbenswörtchen kam aus der Bundesbank zu dieser willfährigen Entscheidung der Politik. 

 
"Wie vor der Finanzkrise"
(spiegel.de) Die Massenvernichtungswaffen der Finanzindustrie werden wieder scharf gestellt. Mehrere große Banken planen Geschäfte, mit denen die neuen europäischen Regeln für Derivate umgangen werden können. Experten sehen die nächste Krise heraufziehen. Mehr... 

Kommentar/Ergänzung: Die Gefährlichkeit der Derivate (Erklärungen hier) hat zu keiner Zeit seit der Finanzkrise nachgelassen. Wer das behauptet, der ignoriert die Wirklichkeit. Deshalb klappt es auch mit dem Fazit dieses Artikels nicht: "Als letzte Rettung bliebe nur noch die Zentralbank, die bei den üblichen Leihgeschäften mit Geschäftsbanken ihre Anforderungen an Sicherheiten herunterschrauben und unter Zeitdruck womöglich zweifelhafte Kredite in ihre Bücher nehmen müsste. Oder der Staat: Wieder müssten die systemrelevanten Großbanken mit Steuergeld gerettet werden." Pech nur, daß es dieses Mal nicht funktionieren wird. US-Analysten, z. B. Global Research, schätzen das Volumen des Derivatehandels auf mindestens 1.200 Billionen US-Dollar. Was von der BIZ erfaßt wird, immerhin knapp 700 Billionen US-Dollar, bildet nicht die Wirklichkeit ab. Die Weltjahreswirtschaftsleistung beträgt dagegen läppische 70 Billionen US-Dollar. Wer kann da ernsthaft glauben, Zentralbanken oder Steuerzahler können irgendetwas retten? Nur Ahnungslose. Oder Ignoranten. Selbst die OECD forderte 2011 wegen der Risiken des Derivatehandels "die Zerschlagung der Großbanken" (hier). Außerdem lesenswert: "A Cartel of Big Banks Is Hurting the World Economy By Manipulating Derivatives" (hier). Der Beitrag hat eine hohen Informationsgehalt. Leider aber nur in Englisch verfügbar.


Bundesfinanzministerium zahlte Anwaltskanzlei 1,8 Millionen
(spiegel.de) Das Finanzministerium hat laut "Bild"-Zeitung zwischen 2005 und 2009 mehr als 1,8 Millionen Euro Beraterhonorar an die Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer gezahlt. Unter dem damaligen Finanzminister Steinbrück hatte die Wirtschaftskanzlei an Gesetzen zur Bankenrettung mitgewirkt. Mehr...

Kommentar/Ergänzung: Überraschend ist höchstens die Summe, kaum die Tatsache, daß Gesetzestexte von Anwaltskanzleien geschrieben wurden. Schon 2008 gab es beispielsweise Berichte über eine "Leihbeamten-Affäre": "Und keiner nennt es Korruption - Das große Schweigen um die "Leihbeamten"-Affäre". Seit zwei Jahren ist bekannt, dass in deutschen Bundesministerien sogenannte "externe Mitarbeiter" oder auch "Leihbeamte" (hier) tätig sind. Finanziert werden sie meist von großen Konzernen, und sie üben brisante Tätigkeiten aus, sind beteiligt an der öffentlichen Auftragsvergabe und am Entwerfen von Gesetzesvorlagen. Das Politmagazin Monitor berichtete vor kurzem, aber die Bundesregierung wies tags darauf die Kritik zurück: Man brauche die externe Kompetenz, da die Regierungsbehörden selber nicht darüber verfügen. Ende der Debatte. Mehr hier.


"Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen." 
(Karl Farkas, österreichischer Kabarettist) Stimmt. Es kostet sehr viel Überwindung, sich von den eingefahrenen, ererbten Anlagegewohnheiten zu trennen. Aber nur so geht es. Nur so ist es möglich, Ersparnisse und Vermögen vor den Folgen der weltweit schwelenden Krisen abzusichern.

Die in den ersten Monaten nach ihrer Entstehung noch beherrschbare Finanzkrise entwickelt sich unerbittlich zu einem Finanzkollaps. Die Regierungen, ausnahmslos mitverantwortlich für diese Entwicklung, unternehmen nichts, um dieses schamlose Treiben zu beenden. Im Gegenteil: Die Politiker entpuppen sich als willfährige Helfer der höchst kriminellen Finanzindustrie (hier).  

Deutschland ist oberflächlich betrachtet bisher gut weggekommen. Eine Insel der Seligen – und Scheinheiligen (hier). Dieser Traum geht gerade zu Ende! Die Bundesregierung ist darauf vorbereitet. Längst plant sie heimlich, still und leise, die Enteignung ihrer Bürger (noch einmal hier, inkl. pdf-Datei für das eigene Archiv). Die Diskussion um eine Reichensteuer war garantiert erst der Anfang. 

Es wird Zeit, Ersparnisse bzw. Vermögen vor diesem staatlichen Zugriff in Sicherheit zu bringen. Wir wissen wie es geht und können Ihnen mit Tips und Tricks dabei helfen. Diese Beratung kostet lediglich eine angemessene, einmalige Aufwandsentschädigung. Für die Kontaktaufnahme genügt eine E-Mail an der-oekonomiker@email.de. 

"Neuankömmlinge" und "Auffrischer" können sich hier und hier in unsere wichtigsten Blog-Beiträge einlesen. Die bisherigen „Gastbeiträge“ gibt es hier.